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Leipziger 7-Seen-Wanderung: Laufen bis die Sohlen qualmen

Leipziger 7-Seen-Wanderung: Laufen bis die Sohlen qualmen

Ich wurde 2005 durch eine Freundin auf die Leipziger 7-Seen-Wanderung aufmerksam und regelrecht dazu überredet, mitzuwandern. Wir starteten damals mit 35 km. Trotz jeglicher Strapazen war ich vom Wandervirus infiziert und lernte dabei, dass Langstreckenwanderungen, abgesehen von einer guten körperlichen Grundkondition, hauptsächlich mental trainiert werden sollten, um zum Schluss mit einem zufriedenstellendem Ergebnis und breitem Lächeln im Ziel zu landen. Nach wie vor ist es für mich unvorstellbar, 100 km an einem Stück zu wandern. In den ersten drei Jahren meiner Wandererfahrungen wurden die 35-km-Strecken jedoch immer sicherer und ich erweiterte meinen Wanderhorizont für mehr Herausforderung auf 60 km.

Jedes Mal, wenn sich die Gelegenheit bietet, egal ob Wanderungen über kurze oder längere Distanzen, genieße ich die Schönheit der Natur. Gerade im Mai wird man nachts klar und in  allen Facetten ihres Könnens vom Gesang der Nachtigallen begleitet, die Rapsfelder leuchten im Dunkeln und die Nachtluft ist erfüllt vom Frühlingserwachen. Bei der organisierten 7-Seen-Wanderung werden aller fünf bis zehn Kilometer Versorgungspunkte zum kurzen Verschnaufen oder zum längeren Krafttanken mit verschiedenen Getränken oder energiespendende Leckereien angeboten. An dieser Stelle nutze ich die Gelegenheit für ein Dankeschön an die vielen fleißigen Helfer, ohne die die 7-Seen-Wanderung in Aufwand und organisatorischem Veranstaltungsrahmen so nicht realisierbar wäre.

Bekanntlich ist der Wonnemonat Mai übervoll mit interessanten Veranstaltungen und gerade am ersten Maiwochenende überschneiden sich einige Events, so dass ich als Teil der Leipziger tapir-Herde seit 2009 eine dauerhafte Entscheidung pro tapir Flohmarkt und kontra 7-Seen-Wanderung treffen musste.

In diesem Jahr kam alles anders. 14 Tage vor der Veranstaltung bekam ich Bescheid, zum Flohmarkt abkömmlich sein und stattdessen mal wieder mitwandern zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt saßen mir die Nachwirkungen eines  hartnäckigen Infekts in den Knochen und  Langstrecken zu wandern, war auch schon eine Weile nicht realisierbar. Trotz aller Zweifel ertappte ich mich wenige Stunden später recherchierend im Internet, welche Wanderrouten noch zur Verfügung standen und tatsächlich gab es noch freie Plätze bei der 60-km-Sonnenaufgangstour.

Knapp zwei Wochen später fuhren mein Wanderpartner und ich 4:00 Uhr morgens im Shuttlebus vom Markkleeberger Rathaus zum Stadion Espenhain, um pünktlich 4:45 Uhr nach Erhalt der Stempelkarte und eines kleinen Versorgungspakets loszuwandern.

Gleich zu Beginn der Tour freute ich mich auf mein persönliches Highlight, die Hochhalde Trages. Freunde, wissen, dass ich  süchtig nach diesem Naturschauspiel bin, bei Morgendämmerung, begleitet von unzähligen Vogelstimmen, dem Tag entgegenzuwandern. Für einen optimalen Genuss auf der Hochhalde hätten wir allerdings noch eher starten müssen. Die herrliche Morgenstimmung ging rasend in den Tag über und nach 10 km und 2 Stunden später kamen wir am ersten Zwischenstopp Sportplatz Thierbach an.

Bei vergangenen 7-Seen-Wanderungen war ich hauptsächlich auf Nachtrouten unterwegs, bei denen Thierbach  das Endziel war. Im Vorfeld habe ich mich jedes Mal auf die traditionelle Puddingsuppe gefreut, um dann letztendlich doch dem dringenden Bedürfnis nachzugeben, nach 60 km Wanderung nur noch zu Hause anzukommen und ins Bett zu fallen. Aber bei dieser Wanderung, mit der Station Thierbach zu Beginn der Route, konnte ich diese Tradition ausgiebig genießen und letztendlich fiel es uns schwer, die gemütliche Runde am Lagerfeuer hinter uns zu lassen und weiterzuwandern, aber schließlich hatten wir noch 50 km vor uns.

Die  nächsten 12,4 km bis Bockwindmühle Schönau waren wider Erwarten sehr zäh. Besonders die letzten Kilometer entlang der Kreisstraße zogen sich in die Länge und wir nutzen diese intensiv für ablenkende Gespräche und weniger für meditatives Wandern. An der Mühle angekommen, gestaltete sich der eigentlich kurz geplante Zwischenstopp durch die vielen Menschen vor Ort zwangsläufig länger als geplant. Im Anschluss ging es die nächsten 7,5 km ohne Zwischenstopp vorbei an der Waldsiedlung bei Beucha. Die Zeit begann zu rasen, wir dagegen wurden deutlich langsamer und konnten den geplanten Schnitt von 5 km/h zu diesem Zeitpunkt nicht mehr einhalten.

Ein Wandersprichwort sagt: Nicht die Strecke schafft, vielmehr das Tempo. Die bisherige Wegstrecke von 30 km machte sich körperlich zunehmend bemerkbar und beeinflusste auch unsere allgemeine Stimmung. Also versuchten wir uns weiterhin im Gespräch abzulenken und  aufkeimend demotivierende Gedanken weitestgehend zu verbannen. Nach weiteren 4 Kilometern erreichten wir Schloss Steinbach und freuten uns auf das wohlverdiente  Radler und eine warme  Kartoffelsuppe. Aus meinen bisherigen Wandererfahrungen weiß ich, dass ab einer zurückgelegten Strecke von ungefähr 35 Kilometern Pausen möglichst kurz zu halten sind. Es fällt zunehmend schwerer, wieder in Tritt zu kommen, der  Oberschenkelbereich und die Gelenke beginnen zu schmerzen und quälende Gedanken im Kopf blähen sich stärker auf. Trotz dieser Erfahrung hatten wir uns auf eine ausgiebige Pause von 25 Minuten geeinigt und danach  ging es die nächsten 9,4 km bis zur Orangerie Mölbis weiter. Die Stimmung lockerte wieder auf und unser Wandertempo ließ sich wieder auf angenehme 5 km/h beschleunigen. In Mölbis angekommen vermied ich es, mich hinzusetzen. Die Beinmuskulatur verkrampfte sich immer stärker und ich nutzte die Zeit für Dehnübungen im Stehen. Nach 10 Minuten ging es die nächsten 3,6 km weiter bis zum Rittergut in Dreiskau-Muckern. Auf dem Weg dahin wurden die Symptome der Belastung in der Waden- und Oberschenkelmuskulatur immer ausgeprägter und meine Gedanken kreisten nicht das das erste Mal darum, ob es unter diesen Bedingungen Sinn macht, weiterzulaufen. Die Strecke wurde gefühlt doppelt so lang und das Tempo auffallend langsam. In Dreiskau-Muckern erwarteten uns freundliche Helfer, ausreichend Nudeln mit Tomatensoße und kühle Getränke.

Ich versorgte mich ausreichend mit Flüssigkeit, bekam aber keinen Bissen Essen hinunter. Zusätzlich spielte mein Kreislauf verrückt, mein Magen zog sich immer stärker zusammen und ich legte mich für ein paar Minuten ausgestreckt auf den Boden. Während ich in die Baumwipfel über mir blickte, stellte ich mir ernsthaft die Frage, ob es sinnvoller wäre abzubrechen. Sollte es das nach 46 Kilometern wirklich schon gewesen sein? Ich erinnerte mich an Traubenzucker im Rucksack und hoffte dadurch auf Besserung des Gesamtzustandes. Sehr unrunden Schrittes raffte ich mich auf, um im Zeitlupentempo die nächsten 5,4 km bis Störmthal weiterzuwandern. Ablenkung war nicht mehr möglich, meine Gedanken kreisten abwechseln um den ärgerlichen Gesamtzustand, die Verkrampfungen meiner Beinmuskulatur und die Frage, welcher Weg schnellstmöglich nach Hause führt. Entspanntes Wandern stelle ich mir anders vor und kurz nach Störmthal habe ich zähneknirschend aufgegeben.

Auch wenn das nichts an Tatsachen ändert, bin ich nicht der Mensch, der getroffene Entscheidung schnell abhakt und demzufolge ärgerte ich mich noch Tage später darüber, die Wanderung abgebrochen zu haben. Mein Kollege Matthi riet mir im Gespräch ein paar Tage später, dem Verkrampfen der Muskulatur mit salziger Apfelsaftschorle vorzubeugen bzw. Abhilfe zu schaffen. Diesen Tip habe ich für nächste Wanderungen gut abgespeichert. Resümierend stelle ich fest: Sobald alle Schmerzen verflogen sind und der Ärger über die nicht geschaffte Strecke verblasst, verstärkt sich die Vorfreude auf das nächste Wanderabenteuer! Also: Hoffentlich sehen wir uns zur 7-Seen-Wanderung 2024 wieder!

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