Eine Backcountry Skitour

Eine Backcountry Skitour

Auf einer einwöchigen Backcountry Skitour erkundigte ich Ende März zusammen mit Freunden die schöne Winterlandschaft des norwegischen Nationalparks Setesdal Vesthei – Ryfylkeheiane. In Kristiansand mit der Fähre angekommen, war es lediglich noch eine dreistündige Busfahrt nach Adneram, unserem Einstiegspunkt. Von dort aus gingen wir täglich zwischen 10 und 25km mit unseren Skiern, sodass wir am siebten Tag nach vielen Höhenmetern unser Ziel Valle erreichten, wo wir nach einer Woche endlich wieder duschen konnten – warm!

Warum Norwegen

Man hört immer so viel von der bezaubernden Landschaft Norwegens, in die man sich so schnell verlieben würde. Ich selbst bin vorher aber noch nicht dort gewesen und wollte wissen, was dran ist an den Gerüchten. Außerdem waren wir für unsere Backcountry Skitour auf der Suche nach einem Ort, der auch zum Frühlingsbeginn noch schneesicher ist und ein tolles Panorama bietet. Auf einer Höhe von etwa 1000m über dem Meeresspiegel und keinen zu steilen Hängen (Lawinengefahr), dafür aber vielen gefrorenen Seen, war der Nationalpark Ryfylkeheiane das perfekte Ziel.

Wenn wir flott unterwegs waren konnten wir mittags auch mal bis 60 Minuten Pause machen und die Sonne in vollen Zügen genießen.Auf engstem Raum zwischen Wäsche und Geschirr lässt es sich mit einer Tasse Kaffee ganz gut entspannen.Breit gefächert läuft die Gruppe über einen 25km langen See.

Was Sie schon immer über NORWEGEN wissen wollten…

Wie kommt man am besten hin?
Mit der Fähre der Color Line kann man in nur vier Stunden direkt von der Spitze Dänemarks (Hirtshals) nach Kristiansand in Norwegen fahren. Wer eher Lust auf eine längere Seefahrt mit einer Besichtigung Oslos hat, kann schon ab Kiel mit der Fähre abfahren und gelangt in 20 Stunden nach Oslo. Nimmt man sein Auto mit auf die Fähre, hat man die Möglichkeit im Anschluss ganz einfach die letzten Höhenmeter ins Landesinnere zu fahren und gelangt so zum Einstiegspunkt. Alternativ kommt man aber auch mit dem Bus hin, wodurch man am Ende der Tour nicht wieder zum Startpunkt zurück muss.

Wo kann man übernachten?
Wir hatten zwar Isomatten und Schlafsäcke für Minusgrade dabei, doch waren die eher für das Notbiwakieren gedacht, falls mal etwas nicht nach Plan laufen würde. Der Plan war nämlich, jeden Tag eine neue Hütte des DNT (Den Norske Turistforening) zu erreichen. Das sind meist Hütten für gut 30 Personen, wobei es Zimmer mit Betten und meistens noch ein Matratzenlager gibt. Generell gibt es sogar Decken und Kissen in den Hütten, wodurch ein Hüttenschlafsack voll ausreichen würde – allerdings wäre man nicht für Notfälle ausgerüstet. Die Küchen und Aufenthaltsräume sind so groß, dass man sich auch nicht eingeengt fühlt und eigentlich fast wie zu Hause – allerdings mit Gasherd und keinem fließenden Wasser – kochen kann. Das Wasser bekommt man selbstverständlich aus dem Schnee oder von an der Hütte liegenden Bächen.

Trifft man auch andere Tourengeher?
Während der gesamten Woche sind wir unterwegs nur einer Hand voll Menschen begegnet, wobei wir auf den Hütten vor allem am Wochenende schon etwas mehr Gesellschaft hatten. Das heißt natürlich auch, dass man die Zimmer möglichst füllt, um den anderen Gruppen auch welche zu lassen und ebenso muss man sich absprechen, wer wann kocht und wann die andere Gruppe am nächsten Tag raus möchte. Es war immer sehr nett mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, was sie schon erlebt hatten.

Der Eingang in eine völlig zugeschneite Hütte.Auch für mehrere Personen ist genügend Platz zum Essen in einer Hütte.Der Blick von einer der höchsten Punkte der Tour. Im Tal, welches man sieht war auch unser Ziel der Tour.

Wie sieht es mit der Verpflegung aus?
Für diesen Punkt haben wir uns bereits in Deutschland überlegt, was man kochen könnte und was dafür nötig wäre. Die Produkte haben wir letztlich auch in Deutschland gekauft, weil die Preise hier ein ganzes Stück niedriger sind als in Norwegen, wo man übrigens mit Norwegischen Kronen zahlt. Natürlich haben wir darauf geachtet, nicht zu viel Gewicht mit den Lebensmitteln zu transportieren, weswegen es zum Beispiel Milchpulver, getrocknetes Gemüse, Reis, Nudeln, und Haferflocken gab. Mit den richtigen Gewürzen lassen sich damit wirklich gute Mahlzeiten zubereiten. Diese gab es bei uns immer abends auf der Hütte. Morgens stand täglich Haferbrei in verschiedenen Variationen sowie ganz viel Tee auf dem Speiseplan und sorgten auch jeden Tag aufs Neue für ein sättigendes und schmackhaftes Frühstück.
Wer dagegen nicht noch weitere 5 kg Essen mit sich tragen möchte – Supermärke und auch kleinere Läden gibt es auf der gesamten Tour absolut nicht – kann sich auf den Hütten etwas kaufen. Dort gibt es fast immer eine Speisekammer mit Brot, Reis und vielen Dosengerichten. Allerdings ist es nicht einfach, die Produkte dorthin zu transportieren, weswegen die Preise dafür auch sehr hoch sind (mindestens der doppelte Preis).

Wie findet man sich bei dem vielen Schnee zurecht?
Die Grobplanung der Tour fand noch in der Heimat statt (Karten über die Homepage des DNT). Wir haben also geschaut wie die Wetterverhältnisse zuletzt waren und wo man unter diesen Temperaturen Touren kann. Kurz vor Beginn der Reise schauten wir erneut nach, ob sich vielleicht etwas geändert hatte. Da dies nicht der Fall war, blieben wir also bei unserer Route und ließen uns am geplanten Einstiegspunkt raus. Von da an haben wir mit Karte und Kompass nach den zuvor herausgeschriebenen Marschzahlen gepeilt. Für den Notfall bzw. bei schlechter Sicht hatten wir zwar auch GPS-Geräte dabei und jeden Abend die Wegpunkte der nächsten Tour eingetragen, doch davon mussten wir letztlich kein Gebrauch machen. Wegschilder wie man sie zum Beispiel vom Bergwandern in Österreich kennt, sucht man dort vergeblich. Allerdings gibt es viele Strecken, die bereits gespurt sind. Das heißt entweder war bereits schon die ein oder andere Gruppe vor einem auf der Tour oder aber der DNT hat den Abschnitt gespurt, dann findet man auch einzelne lange Äste, welche die Strecke markieren und einem den sichersten Weg weisen.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Norwegen

Einreise:
Mehr als den Personalausweis braucht man nicht, um ins Land zu kommen. Als Gruppe haben wir lediglich unsere Boardingkarten bekommen und waren auf der Fähre. In Norwegen angekommen gibt es lediglich den Zoll, der vielleicht noch Interesse daran hat, die ein oder andere Person zu durchsuchen.

Geld:
In Norwegen zahlt man mit der Norwegischen Krone. Für einen Euro erhält man zur Zeit etwas mehr als 8 Kronen. Allerdings sind die Preise dort, verglichen mit unseren in Deutschland, ziemlich hoch, sodass ein normales Brötchen im Supermarkt schon einmal 10 Kronen kosten kann (1,50€).

Sprache:
Wenn man etwas Norwegisches liest, meint man manchmal etwas verstehen zu können. Falls man sogar mit einem Norweger kommunizieren möchte, kann man dies für gewöhnlich auf Englisch tun, was so ziemlich alle Norweger sehr gut beherrschen.

Beste Reisezeit:
Einen Zeitraum für das beste Wetter gibt es leider nicht. An sich ist die Zeit von Januar bis April gut für eine Skitour geeignet. Es liegt viel Schnee und die Temperaturen sind gewöhnlich unter dem Gefrierpunkt (teilweise sogar bis zu -20°C). Tagsüber kann es in der prallen Sonne aber auch mal richtig warm werden, wodurch auch Gefahren entstehen können. So haben wir z.B. kleinere Lawinen gesehen und mussten sogar eine unserer vorsorglich geplanten Alternativrouten gehen, weil ein See aufgrund der relativ dünnen Eisdecke nicht sicher genug zum Überqueren war.

wwwo beginnen

yr.no 
Die Seite auf der man sich sehr gut über das Wetter in Norwegen informieren kann. Die Vorhersagen gehen bis zu neun Tage voraus.

ut.no/kart

Hier gibt es die Karte Norwegens. Man kann den gewünschten Ort raussuchen und diverse Funktionen ein- bzw. abstellen wie z.B. Sommerrouten, Winterrouten und Hütten.

turistforeningen 

Die Homepage des norwegischen Wandervereins lässt sich sogar auf Deutsch stellen. Man bekommt Tipps und Ratschläge, Hütten und auch Wanderrouten werden angezeigt.

Norwegen

Nicht vergessen

  • Milchpulver und Co., damit hat man immer Essen dabei und spart eine Menge Gewicht, zudem ist man nicht auf das teure 'Notessen' aus den Hütten angewiesen, denn auf Tour gibt es keinen Supermarkt
     
  • ein Notbiwak ist für den Notfall absolut wichtig, lieber man hat als man hätte...
     
  • mit einem Hüttenschlafsack wird auch die kratzigste Decke richtig gemütlich!
     
  • mit einem GPS-Gerät kann man auch ohne Sicht den Weg nicht verlieren
     
  • mittels Kompass und Karte lässt sich der Weg auch nicht aus den Augen verlieren
     

Literatur

In dem Fall haben wir uns tatsächlich ausschließlich über das Internet alle wichtigen Informationen geholt.