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Teaserbild: Soweto – der erste Eindruck

Soweto - der erste Eindruck

Soweto - der erste Eindruck

Am 19.September 2014 war es dann endlich so weit. Ich machte mich mit Hilfe des „weltwärts“-Programms auf nach Südafrika. Das „weltwärts“-Programm, welches vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt wird, soll jungen Menschen die Möglichkeit bieten, in einer von OECD als Entwicklungsland eingestufte Nation einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Innerhalb dieses einen Jahres möchte ich nicht nur mein Englisch verbessern, einen kleinen Beitrag zur Entwicklungshilfe leisten und mir überlegen, was ich aus meinem weiteren Leben mache. Ich möchte viel mehr eine neue Kultur kennen lernen, raus aus den deutschen Denkmustern kommen und einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt erhaschen.
Wie kann man das aber nur am besten erreichen? Klar, durchs Reisen! Darum werde ich euch in den nächsten Monaten berichten, wo ich mich innerhalb dieses Jahres herumtreibe, bevor es für mich am 26. August 2015 wieder zurück nach Deutschland geht.

Warum Südafrika – Soweto

Warum ich mich schließlich für Südafrika entschieden habe, kann ich nicht mehr ganz genau sagen. Wahrscheinlich, weil es sich von den meisten Afrikanischen Ländern durch seine Regenbogenkultur, der etwas außergewöhnliche Geschichte hervorhebt und weil es eines der wirtschaftlich stärksten Länder des Kontinentes ist. Vielleicht wollte ich auch nur die weiteste Entfernung innerhalb der gleichen Zeitzone zurücklegen.

Orlando TowersKoppies mit Blick auf MelvilleMelville

Was Sie schon immer über SOWETO wissen wollten…

Meine Pläne und die kommenden Aufgaben:
Was soll man nur machen, wenn man nach so lang ersehnter Zeit die Schule mit dem Abitur in den Taschen endlich verlassen kann? Es gibt viele Möglichkeiten, eine habe ich jedoch sofort ausgeschlossen, mit dem Studium anzufangen. Nach langem Hin und Her habe ich mich dafür entschieden einen Freiwilligendienst im Ausland zu absolvieren.
Meinen Freiwilligendienst absolviere ich in Soweto bei einer NGO namens COPESSA. COPESSA hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern eine sichere Umgeben zu schaffen, in der sie aufwachsen. Meine Aufgaben innerhalb der kommenden Monate sind die Mitarbeit in den beiden Gemeinschaftsgärten und die Gestaltung vom Nachmittagsprogramm für die Kinder, der hier gelegenen Primary School.

Erster kurzer Überblick über Soweto:
Im letzten Monat habe ich zunächst das riesige Soweto und das nicht sehr weit entfernte Joburg (Johannesburg) erkundet. SoWeTo, steht für South Western Territory, es ist innerhalb des Apartheid Regimes als Township geschaffen worden, eine Heimat nur für die Schwarzen, Inder und Coulered-People oder anders ausgedrückt alle nicht Weißen. Möglichst nah an Johannesburg, wo sie arbeiten mussten, aber trotzdem weit weg genug von den „Arbeitgebern“.
Wenn du dich gerade auf eine Reise durch Südafrika vorbereitest und bereits durch den Reiseführer durchgeblättert hast, dann wirst du scheinbar einen ganz anderen Eindruck bekommen haben, als ich hier vor Ort. In den meisten Reiseführern ist Soweto als Ausflugstipp in Joburg verzeichnet, du wirst aber auch lesen, dass immer ausdrücklich gewarnt wird sich niemals auf eigenen Faust dort zu bewegen – Lieber soll man sich den Gruppenführungen anschließen. Diese Hinweise sind sicherlich nicht schlecht, wenn man allerdings das wahre Soweto miterleben möchte, reicht es, wenn man kurz abkommt vom normalen Touri- Weg. Sobald man nur ein paar Minuten gelaufen ist, wird man von dem Ersten begrüßt und erhält damit die beste Möglichkeit, den Alltag und das Leben im „Township“ kennen zu lernen. Ich laufe hier jeden Tag zu Fuß zur Arbeit, zu Freunden oder zum Supermarkt. Gefährlich wird es dann nur, wenn man hofft, dass eines der Minibustaxis vor dir ausweicht. Diese bleiben hier im Vergleich zu den deutschen Autofahrern eher stur. Als Weißer fällt man hier so oder so auf, warum sich dann noch mehr Weißen anschließen?
„How are you?“ ist hier aber die Standardfrage und gehört mit zum guten Ton. Englisch kann der größte Teil der Bevölkerung, es ist allerdings nur eine der elf Amtssprachen. Das Afrikaans, dass unserem Deutsch sehr ähnlich ist, kann jedoch vor allem nur der weiße Teil der Bevölkerung. Allerdings lernen es einige Kinder bereits in der Schule, die allgemeine Unterrichtssprache ist dagegen Englisch. Der schwarze Teil der Bevölkerung sowie alle andern Randgruppen sprechen dann Sprachen wie Xhosa, Zulu, Sotho oder auch Venda. Dabei gibt es von all diesen Sprachen noch regionale Abwandlungen.

Meine erste Tour:
Mein erster Trip führte mich nach Orlando West. Dort befinden sich einige touristische Ausflugsziele, die man auch ohne Probleme auf eigene Faust erkunden kann. Die ehemalige Heimatadresse zweier Friedensnobelpreisträger, Mandela und Tutu und das Hector Peterson Museum. Soweto gilt als eines der größten Townships in Südafrika, deshalb mussten wir auch eine etwas größere Strecke von unserem Haus in Protea Glen, Ext. 11 bis nach Orlando West zurücklegen. Das geht am einfachsten mit einem Minibustaxi. Das sind ganz einfach Minibusse, die als Sammeltaxis umfunktioniert wurden. Diese fahren in der gesamten Stadt herum, wenn man sie nicht vorbei brausen sieht, hört man sie in der Erwartung auf neue Kunde hupen. Wir mussten als erstes zu einer Minibus Zentrale, namens Bara, und dann weiter nach Orlando West. So führte uns ein Passagier vom ersten Taxi zum nächsten, welches uns zu unserem Ziel brachte. Nach circa einer Stunde Fahrt durch Soweto waren wir dann auch da und nach langer Zeit war man mal nicht mehr der einzige Weiße im ganzen Umkreis.
Die potenzielle Einnahmequelle des Tourismus wurde natürlich ausgenutzt. Es reihte sich ein Verkaufsstand mit Souvenirs an den anderen, ähnliches konnte man bei den Gaststätten feststellen und auch der ein oder andere Straßenkünstler begegnete uns. Unsere erste Station war dann das Nelson Mandela Haus, in dem der spätere Friedensnobelpreisträger insgesamt 15 Jahre gewohnt und gelebt hat. Im Vergleich dazu hat er allerdings mehr Zeit in Gefangenschaft gelebt, diese Zeit nahm nämlich 27 Jahre ein. Wir wurden hier von einer Freiwilligen herumgeführt, die uns so schnell wie möglich alle wichtigen Fakten zu Nelson Mandela herunterrattern konnte. Wie alle typischen Township-Häuser hat diese auch nur eine begrenzte Fläche und diese wurde mit möglichst vielen Ausstellungstücken bestückt. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir für den Eintrittspreis von R60 mehr erhofft. Wenn man sich bereits im Vorfeld mit Nelson Mandela beschäftigt hat, erhielt man nur wenige neue Informationen.
Weiter ging es dann zum Hector Peterson Museum. Am 16. Juni 1976 fand in Soweto, Orlando West ein Schüleraufstand gegen das damalige Bantu Bildungssystem, vor allem gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache anstelle des normalen Englisch. Dem Aufstand, der zunächst friedlich begann, begegnete die Polizei mit Gewalt – hunderte Tote und viele Verletzte waren die Folge. Dabei muss man immer im Hinterkopf behalten, dass es sich dabei um Schüler, ja ganz normale Kinder, handelte. Das Foto des toten 13-jährigen Jungens Hector Peterson ging um die Welt und sorgte, neben dem Massaker von Sharpeville 1962, dass das Regime des damaligen Südafrikas erneut weltweit kritisiert wurde.
Die in der Straße verteilten Infotafeln bereiteten einen schon ein bisschen darauf vor, was einem in dem Museum erwartet. Das Museum ist wahnsinnig gut aufbereitet und gibt die damalige Situation der Schüler sehr gut wieder, das Mandela Haus konnte da nicht mithalten!
Danach ging es schon so langsam zurück. Auf einem ausgeschilderten Aussichtpunkt in Orlando West haben wir uns nochmal klar machen können, wie riesig der Township ist und konnten nur ansatzweise erahnen, wie viele Menschen hier leben müssen. Der Rückweg ging dann etwas schneller. Der rappelvolle Minibus nahm von Bara aus den schnelleren Weg zurück über den Highway, so dass wir dann bald wieder vertrauten Boden betreten konnten. Die gesamte Fahrt hat uns allerdings nur ca. 30 Rand gekostet, umgerechnet sind das 2 Euro und damit unschlagbar günstig.
Es lohnt sich daher auf alle Fälle bestimmte Strecken mit dem Minibustaxi zurückzulegen, bei größeren Strecken von Stadt zu Stadt sollte man dagegen eher auf die sicheren Verkehrsmittel zurückgreifen.

Wie kann Soweto noch erkundet werden?
Wer Soweto nicht unbedingt alleine erkunden möchte, aber trotzdem mal etwas anderes machen möchte, dem kann ich die geführten Fahrradtouren empfehlen, die euch ebenfalls zu diesen Punkten sowie einigen weiteren interessanten Punkten führen. Angeboten werden sie von dem ersten Backpacker in Soweto „Lebo´s Soweto Backpacker“ in Orlando West, natürlich kann man dort auch einige Nächte verbringen.
Wer vor hat, länger in Soweto zu bleiben, sollte sich genauestens überlegen, welche Schuhe er einpackt bzw. welche er hier anzieht. Das gleiche gilt übrigens auch für Socken. In der Stadt ist der größte Teil geteert, in Soweto dominiert dagegen der rote Staub. Meine schwarzen Wanderschuhe, die mir auch als Arbeitsschuhe für den Garten dienen, waren nach nur einer Woche mit einem roten Staubfilm versehen. Doch auch für Adrenalin- Junkis oder solche die es noch werden wollen, hat Orlando etwas zu bieten. Die Orlando Tower, zwei ehemalige Kühltürme, die nun mit farbenfrohen Graffitis verziert sind, laden zu Bungeejumpings von einem der Türme oder in einen der Türme ein, aber auch einfach nur hin und her schaukeln zwischen den Türmen ist möglich.

Hipsterviertel JoburgPanorama Orlando WestLichtermeer in Soweto

Meine zweite Tour:
An unserem nächsten Wochenende ging es mehr in die Stadt – nach Joburg. Man könnte auch sagen, es ging mal unter Weiße. Gemeinsam mit meinem Mitfreiwilligen habe ich die Chance genutzt, weitere Freiwillige unserer Entsendeorganisation SAGE Net zu besuchen. Die Strecke zu ihnen wurde natürlich wieder mit dem Minibustaxi, für unglaublich günstige 14 Rand (ca. 1 €) zurückgelegt. Dabei war mir mein Wanderrucksack von alpine lowe ein guter Begleiter, da das Minibustaxi dann doch nur begrenzt Platz für einen Passagier hat. Allerdings gelangten wir mit dem ersten Taxi nur bis zum Taxi Rank an der Bree Street, die Minibuszentrale Joburgs. Von hier aus fahren die Minibusse in alle Richtungen los.
Joburg ist riesig und dementsprechend viele Minibusse benötigt es, das gesamt Gebiet zu bedienen, aus diesem Grund erschreckte sich der Taxi Rank über drei Etagen. Bei diesem Taxi Rank handelt es sich um den größten Taxi Rank in ganz Südafrika. Als Nichteinheimischer erscheint es einem ziemlich schwierig und sehr unübersichtlich, den Minibus zu finden, der einem zum gewünschten Ziel bringt.
Ein weiteres Mal wurden wir hier von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Südafrikaner überzeugt, nach kurzem Rumfragen wurden wir zu unserem gewünschten Minibustaxi geführt. Mit dem ging es dann ab nach Melville, zu der Unterkunft unserer beiden Mitfreiwilligen. Melville ist das Studenten- und Ausgehviertel, so dass das Abendprogramm für uns gesichert war. Gleich in der Nähe der Unterkunft der beiden liegt auch der „Melville International Backpackers“ in der First Avenue, der sehr einladend aussah. Die Bewertung im „Coast to Coast- The Backpacker´s Guide for Southern Africa“ war dabei mehr als positiv. Herausgegeben wird dieser Reiseführer von www.coastingafrica.com, den findet man hier in fast jedem Backpackers und kann ihn kostenlos mitnehmen. In unserem Haus stapeln sich jedenfalls die älteren Ausgaben von unseren Vorgängern. Unsere beiden Mitfreiwilligen aus Melville konnten damit bereits gute Erfahrungen sammeln.

Der dritte Trip:
Den Samstag ließen wir dann entspannt angehen und so ging es zum Mittagessen auf den Neighbourgoodsmarket. Ihn findest du in der Juta St 73. Der Neighbourgoodsmarket findet jeden Samstag statt, hier findet man viele Stände, an denen man Essen kaufen kann und eine Band/ Musiker sorgt für die richtige Stimmung. An einem der Stände konnten wir sogar ein kleines Stück Heimat entdecken, dort gab es nämlich Vanille Kipferl zu kaufen. Scheinbar wurde keinem dort mitgeteilt, dass es sich eigentlich um ein Weihnachtsgepäck handelt. Wer es Samstag in Joburg nicht auf den Neighboorgoodsmarket schafft oder eher auf Kunst steht, für den gibt es jeden Sonntag „Arts on Main“ in der Fox St 268. Ich habe bereits beide Märkte besucht, allerdings hat mich der „Arts on Main“ auf Grund seiner Vielfältigkeit mehr überzeugt. Es war auch etwas anderes, nicht mehr der einzige Weiße zu sein. Das ließ sich jedoch schnell ändern, denn nach dem Essen sind wir einmal durch die Stadt gelaufen, um zum „Top of Africa“ zu gelangen.
Wie der Name bereits verrät, handelt es sich hierbei um das größte Gebäude Afrikas und befindet sich in der Commissioner St 150. Auf dem Weg dorthin wurden einem, eine komplett andere Seite von Joburg gezeigt. Noch vor Kurzem war man beim Neigbourgoods Market, der einem das Gefühl von New York oder Berlin mit seinen alternativen Szenen vermittelt, und im nächsten Moment geht man durch Straßen an denen sich Obst und Gemüse-Stände und Billig-Klamotten-Läden aneinanderreihen und zwischendrin wird einem angeboten, seine Haare auf die unterschiedlichsten Weisen flechten zu lassen. Von außen wirkt der „Top of Africa“ nicht gerade aufregend. In der 50. Etage angekommen, sieht der Blick dagegen anders aus. Der Eingang liegt dabei in dem neben dem Wolkenkratzer gelegenen Shopping Center. Der Eintritt ist mit 15 Rand (ca.1 Euro) sehr vertretbar. Neben dem guten Ausblick fanden wir auch noch einige Infotafeln zur Stadtentstehung. Wobei ich jedoch wehmütig auf die schöne Architektur der ersten Häuser geblickt habe, die nun bereits durch gesichtslose Hochhäuser ersetzt worden sind.
Bevor wir am Sonntag wieder zurück nach Soweto fuhren, besuchten wir den Melville Koppies Nature Reserve und liefen durch Meville. Die Straßen erinnerten eher an Amerikanische Suburbs und waren damit der totale Gegensatz zu den Straßen, die wir in Soweto gewohnt sind. Aber auch hier fand man vorwiegend einstöckige Gebäude. Die Koppies sind landschaftlich wunderschön und ebenso der Blick den man von hier auf Joburg hat. Es ist unglaublich, wie groß diese durch den Goldabbau gewachsene Stadt ist. Wenn man diese Aussicht genießt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass Südafrika nur 50 Mio. Einwohner und damit weniger Einwohner als unser kleines Deutschland hat.
Für die Wanderer und Naturliebhaber unter euch ist dieses Stück Natur in der Stadt sehr zu empfehlen, leider konnte ich nicht das komplette Reservat abwandern, da wir mit dem Hund von der Vermieterin mit nicht ausreichender Kondition unterwegs waren. Die Hunde werden hier in Melville eher als Wachhunde gehalten und erhalten nicht so oft Auslauf wie es eigentlich angebracht wäre.

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