Westaustralien

Westaustralien

Unsere Route verläuft in den kommenden vier Wochen von Perth zunächst in den Südwesten nach Esperance, über Margaret River nach Coral Bay bis nach Exmouth. Hier verlassen wir die Küstenregion ins Landesinnere Richtung Tom Price. Nach der Erkundung des Karijini Nationalparks geht es dann erneut einige hundert Kilometer zurück nach Perth. insgesamt legen wir etwa 7000 Kilometer zurück.

Warum Australien

Wir wollten Abenteuer – doch bitte nicht schon am Mietwagenschalter… 

So schön war geplant, von West nach Südost zu tuckern, von Perth nach Melbourne. Doch leider haben wir nach einigen Monaten in Asien lesen verlernt und stellen am Flughafen von Perth fest: 3000 Dollar „Einweg-Gebühr“ für den Rücktransport des Wagens sind zu entrichten. Um diese zu umgehen, müssen wir das Auto wieder hier in Perth abliefern. Und somit anstelle von Süd- und Südostaustralien den Westen des Kontinents bereisen – jetzt in der Nebensaison nur selten besucht; auch der Loose hält sich in Sachen Westaustralien eher bedeckt, obwohl Western Australia der größte Staat des Landes ist. Wir tragen's mit Fassung und fahren im Linksverkehr das erste Mal in unserem Leben durch den australischen Busch.

Die Pinnacles beim Sonnenaufgang.  Noch immer ist ihre Entstehung unklar.<br />
Daniel MathiasKängurus am Hellfire Beach bei Esperance. Ab und an gönnen sie sich eine Abkühlung im Meer.<br />
Daniel MathiasSchnorcheln am Nigaloo Reef – Mördermuscheln, Rochen und eine schier endlose farbenprächtige Korallenlandschaft.<br />
Daniel Mathias

Was Sie schon immer über WESTAUSTRALIEN wissen wollten…

Kaninchenfriedhof und schwimmende Kängurus
Das „Outback“ ist gleich um die Ecke; es bedarf nicht mehr als 70, 80 Kilometer ins einsame, trockenheiße Hinterland. Wir bremsen oft abrupt angesichts bunter Kakadus, zutraulicher Kängurus, meterlanger Warane und blauzungiger Riesenechsen. Ein Kaninchenfriedhof (mit Grabsteinen) und verbrannte Autowracks sind bizarre Hinweise auf menschliche Zivilisation. Wir merken schnell: auf australischen Highways fährt man ziemlich einsam.

Die untergehende Sonne taucht die Prärie mit ihren knorrigen Bäumen und brach liegenden Weizenfeldern in ein erdiges Rot. Ich erinnere mich an die Abenteuer von Malcolm Douglas. Als Kind hätte ich allerdings nicht gedacht, einmal selbst diesen Kontinent zu erfahren. Nun stellen wir nahe des Waverocks erstmals unser Zelt unter dem australischen Sternenhimmel auf und lauschen dem Klagelied der Raben (das an eine rollige Katze erinnert). Ich denke weder zurück noch nach vorne; weder an zu Hause noch an mich selbst. Die Weite des Outbacks nimmt mich vollkommen ein.

Die Stadt der Hoffnung, Esperance, ist Ausgangspunkt des Cape le Grand-Nationalparks an der Südwestküste Australiens. Zwischen wuchtigen Klippen und hügeligem Hinterland erstrecken sich weite Sandstrände, so gleißend weiß und schön, dass uns die Augen schmerzen. Dagegen kontrastiert der tintenblaue Indische Ozean, der in den flachen Buchten hellblau und schließlich türkis schimmert. Und als wäre ein Klischee nicht genug, balgen sich einige Kängurus am Strand. Wir staunen mit offenem Mund und sind uns sicher, eine solch beeindruckende Natur seit langem nicht mehr gesehen zu haben.

Tierische Zeltgäste
„Ich bin doch kein Misthaufen!“, jammert Daniel und fuchtelt vergebens, um die unzähligen Fliegen aus dem Gesicht zu vertreiben. Die Erkundung des Kalbarri-Nationalparks mit seinen rostroten Felsschluchten und Steilklippen macht uns nicht nur aufgrund der Gluthitze schwer zu schaffen. Tagsüber kleben ganze Fliegenschwärme auf der Suche nach Wasser an uns und kriechen in Augen, Nasen- und Ohrlöcher. Daniel verschluckt gar zwei. Ich helfe mir mit Ohrenstöpseln aus, letztlich wird eine Mütze mit angenähtem Fliegennetz zum treuen Begleiter. Das Outback erweist sich als ziemlich lebens- bzw. Wildcamper-feindlich. Einmal schlängelt ein riesiger Hundertfüßer flink auf mich zu, ein anderes Mal übergroße Kakerlaken (ich dachte, die gibt's nur in asiatischen Hotelzimmern…). Weiterhin entdecke ich nach dem „Duschen“ mit Wasserflaschen fette Zecken an meinem Bein, die eigentlich nur im Sand gelauert haben können. Eine schwarze, haarige Tarantel beendet das romantische Sternschnuppenzählen. Einen noch größeren Schreck jagt uns der handtellergroße Skorpion ein, der sich beim Abendbrot dazu gesellt. Später entdeckt Daniel sieben weitere, ein Skorpion krabbelt nachts hörbar die Zeltwand entlang.

Die Pinnacles beim Sonnenaufgang.  Noch immer ist ihre Entstehung unklar.<br />
Daniel MathiasKängurus am Hellfire Beach bei Esperance. Ab und an gönnen sie sich eine Abkühlung im Meer.<br />
Daniel MathiasUnser „Spielzeugauto“ versus Road Train.<br />
Daniel MathiasFelsenküste im Kalbarri-Nationalpark<br />
Daniel MathiasKoalas im Yanchep-Nationalpark nahe Perth.<br />
Daniel MathiasNature Window bei Nacht.<br />
Daniel MathiasNature Window beim Sonnenuntergang. Bekannteste Felsformation im Kalbarri-Nationalpark.<br />
Daniel MathiasNeben Taranteln und dicken Wüstenzecken besuchen uns auch einige Gelbe Wüstenskorpione am Zelt.<br />
Daniel MathiasNature Window beim Sonnenuntergang. Bekannteste Felsformation im Kalbarri-Nationalpark.<br />
Daniel Mathias

Vegetarisch Angeln
Mit auf der Sightseeing-Liste: ein australisches Krankenhaus. Daniel hatte sich bereits in Laos den Fuß verstaucht, ein Band knartze – glücklicherweise jedoch ohne zu reißen. Er erhält einen Stützstrumpf und kann sich um ein paar harte Bushwalks drücken. Beim Schnorcheln am Weltnaturerbe des Nigaloo-Reefs werfen wir allerdings jegliche Schonungsmaßnahmen über Bord. Stundenlang schwimmen wir mit Stachelrochen, Schildkröten und Delfinen, beobachten die ungezählten bunten Fische des Korallenriffs, ärgern Mördermuscheln und Seegurken. Bei einem Angelausflug mit einem netten Frührentnerpärchen fange ausgerechnet ich Vegetarierin einen Red Snapper, während ich nur kurz auf Daniels Angel aufpasse…

Crash mit einem Känguru
Exmouth markiert den nördlichsten Punkt unserer Route, wir zweigen ab gen Osten. Die Temperaturen erreichen hier zur Mittagszeit 42°C im Schatten und die aufkommenden Winde sind heiß wie ein Fön. Wir folgen der Hamersley Range in die hügelige, ausgedehnte Landschaft der Pilbara, die im Licht der Dämmerung in allen erdenklichen Pastellfarben leuchtet. Das Gestein ist so alt wie die Erde selbst, der hohe Eisengehalt verleiht dem Boden eine glutrote Farbe. Das Wasser der seltenen Regenfälle schliff tiefe Schluchten in die harten Felsen, kühle Pools entstanden. In diesen Billabongs ahlen wir unsere hitzegeschwächten Körper. Die schönsten Canyons wurden im Karijini-Nationalpark unter Schutz gestellt. Hier, weiter im Landesinneren, wurden ganze Städte in der Nähe riesiger Tagebauten aus dem Boden gestampft, Oasen des Wohlstands in der öden Steppenlandschaft. Ein einfacher Minenarbeiter verdient hier um die 250.000 Dollar. Dazu sind Sprit und Lebensmittel subventioniert, ganze Häuser gestellt. Ein 2 km langer Zug bringt jährlich einige Millionen Tonnen des roten Goldes an die 600 km entfernte Küste; Australien ist der größte Eisenerzexporteur der Welt. Zudem flößen uns die „Road Trains“ genannten Sattelschlepper gehörigen Respekt ein: mit bis zu vier Anhängern und 100 Rädern, 50 m lang und 150 Tonnen schwer. Diesen Monstertrucks möchte man nicht in die Quere kommen, vor allem Kängurus werden oft brutal aus dem Weg geräumt. Doch plötzlich knallt es auch an meiner Fahrertür, es scheppert und splittert. Ein großes, suizidales Känguru ist uns in die Seite gerannt! Der Spiegel abgerissen, die gesamte rechte Flanke demoliert, die Tür verkeilt, das Tier tot. Als wir uns dem polizeilichen und versicherungstechnischen Prozedere stellen, sitzt der Schreck noch in den Knochen. Erst beim Bushwalk durch die Pinnacles einige Tage später können wir uns endlich vom Geschehen erholen – und staunen über tausende von Kalksteinsäulen, die sich in den stahlblauen Himmel recken. Niemand weiß genau, wie die Pinnacles tatsächlich entstanden sind – wahrscheinlich handelt es sich um vom Sand verschüttete und versteinerte Baumstämme.

Zurück in Perth
Zurück in Perth habe ich das nagende Gefühl, nur einen Bruchteil Australiens kennengelernt zu haben. Erzählungen steigern meine Neugier: von zehrenden Outback-Durchquerungen und dem Norden des Landes mit seinen Krokodilen und Regenwäldern. Western Australia beeindruckt allerdings mit wunderschönen Nationalparks und seiner unendlichen Weite.

Weiterschmökern:


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Kommentare

  1. avatar
    1
    Rabanus | 1. September 2015, 11:12

    Wow, Claudia, die Bilder sind ja der absolute Hammer! :D

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Short Cuts Australien

Beste Reisezeit:
Den milderen, feuchteren Südwesten Western Australias bereist man am besten zwischen August und März. Dagegen sollte im tropischen Norden die Trockenzeit von Mai bis Oktober genutzt werden.

Anreise:
Circa 20 Stunden dauert der Flug von Deutschland nach Perth mit Zwischenstopp in Asien oder dem Mittleren Osten. Die Anreise aus anderen Städten Australiens bereitet keine großen Schwierigkeiten – Zeitumstellung beachten (2 Stunden Melbourne – Perth)!

Visum:
90 Tage als Tourist. Oder das bekannte „Working Holiday“-Visum für alle, die bis zu einem Jahr jobben und reisen wollen.

Sprache:
Englisch – oder so ähnlich. Der „Strine“-Slang erschwert selbst AmerikanerInnen und BritInnen das Verständnis. Aus „Good day“ wird „G'dai“, aus „how“ wird „ow“., aus „my“ wird „me“. Ebenso sind die „Aussies“ Experten in niedlichen Abkürzen: Barbie = Barbecue, exy = expensive, mozzy = mosquito.

Geld:
Australische Dollar, wobei 1 AD derzeit 0,70 € entspricht.

wwwo beginnen

parks.dpaw
Informationen zu allen Nationalparks in Western Australia, Campingmöglichkeiten sowie über die diversen Eintrittskarten. Der Holiday Pass deckt beispielsweise alle Parks für einen Monat ab.

australien-panorama.gefahr
Ob Redback Spider oder Brown Snake: unbedingt vorher über gefährliche oder schützenswerte Arten, Aussehen und Schutzmaßnahmen informieren. Öffentliche Toiletten, Sitzgelegenheiten und die eigenen Schuhe vorm Anziehen checken. Achtung beim Zeltauf- und abbau!

australian-slang
Das Online-Wörterbuch zum australischen Slang.

Australien

Nicht vergessen

  • Absolut notwendig sind Nobite gegen Moskitos, Sonnencreme, Fliegenhut.
     
  • Ein Jeep mit Allradantrieb ist ebenso empfehlenswert, da einige Ecken der wunderschönen Nationalparks im „normalen“ PKW nicht erreichbar sind.
     
  • Skills zum Räderwechseln oder wie man vorgeht, nachdem man sich im Sand festgefahren hat, vorausgesetzt.
     
  • Dazu genügend Sprit, Wasser und Proviant!

Literatur

Melville, Corinna und Anne Dehne (2013), Australien, Stefan Loose, 10. Auflage.
Sehr übersichtlich, allerdings fehlten uns in diesem allgemeinen Reiseführer detailliertere Infos über den weniger besuchten West-Teil Australiens.

Pavel, Veronika (2014), Australien - Westen und Zentrum, Reise-Know-How Verlag.
Neuester deutschsprachiger Reiseführer.

Marsh, Bill (2013), The Complete Book of Australian Flying Doctor Stories, ABC Books Verlag.
Die Flying Doctors retten in den unendlichen Weiten des Outbacks Leben. Flying Doc Bill Marsh berichtet im Aussie-Slang über seine bizarrsten Einsätze. Sehr lustig!