Outdoor abseits der ausgetretenen Pfade: Härtetest für die Ausrüstung beim 3D-Bogenschießen

Viele von uns suchen immer wieder nach Nischen im Bereich “Outdoor”. Inzwischen gibt es zahlreiche (noch) relativ unbekannte Aktivitäten, denen immer mehr Naturliebhaber frönen. Eine davon ist das sogenannte 3D-Bogenschießen, das in Deutschland immer mehr Zuspruch findet. Auch mich hat das Fieber gepackt!

Wochenende für Wochenende stromern kleine und große Bogensportlergruppen durch Wald und Flur und suchen ihre Ziele – natürlich keine echten Tiere! Die Athleten bewegen sich auch nicht irgendwo, sondern auf eigens eingerichteten und entsprechend ausgewiesenen 3D-Parcours. Ein solcher besteht aus rund 30 in einem Waldstück verteilten, aus Kunststoff gefertigten, meist in Lebensgröße dargestellten Tieren, die es nach bestimmten Regeln zu treffen gilt. Hierbei gelten natürlich strenge Sicherheitsvorschriften. Das Ablaufen des Parcours dauert in der Regel zwischen 3 und 7 Stunden, je nach Länge und Schwierigkeitsgrad. Man läuft immer in Gruppen von bis zu vier Leuten, kommt so immer mit anderen Menschen in Kontakt, kann sich austauschen und einen wunderbaren Tag zusammen verbringen. Turnier und gutes Ergebnis hin oder her: Beim 3D-Schießen steht für mich – wie für hunderte andere auch – die Freude am Sport an der frischen Luft im Vordergrund.


Es ist immer wieder spannend zu sehen, mit welchem Equipment die Sportler (neben der persönlichen Bogenausrüstung) unterwegs sind. Besonders bei großen Turnieren mit teilweise über 500 Teilnehmern erfreut sich mein Outdoor-Herz an den großen und kleinen Erfindungen, die den Marsch durch den Wald erleichtern. Vernünftige Schuhe sind natürlich das A und O. Da die Parcours zum Schutz der Umwelt immer wieder (und zu großen Turnieren sowieso) neu gesteckt werden, gibt es kaum ausgetretene Wege und wenn es dann bei Starkregen mal 30 Meter bergab durch den Schlamm geht, ist ein guter Schuh absolut gefragt. Jedes Mal freue ich mich, wenn ich mit meinem Tatra Lady von Hanwag durch das Gelände hopsen kann. Da es oft durch das Unterholz geht, ist eine robuste Outdoorhose von Vorteil. Beim letzten Turnier habe ich irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Fjällräven-Klassiker mir begegnet sind. Als Oberbekleidung ist in der Regel ein Vereinstrikot gefordert, was bei entsprechender Wetterlage jedoch nicht so streng genommen wird. Mit einem dünnen Merino-Langarmshirt unter dem Trikot und meiner dünnen Bergans-Softshelljacke für den kalten Morgen bin ich in den letzten Jahren immer sehr gut gefahren. Sie passt sogar in meine Gürteltasche, die ich anstelle eines Rucksacks immer dabei habe. Viele Sportler sind mit einem zum Stuhl ausklappbaren Rucksack unterwegs, der zwar praktisch ist, jedoch auch eine Menge Gewicht mit sich bringt. Ich bevorzuge einen freien Rücken und transportiere z.B. meine Flasche mit einem Karabiner am Gürtel. Ein weiteres Muss ist ein Messer: Oft passiert es, dass ein nicht getroffener Pfeil beispielsweise in einem umgefallenen Baum landet und “herausoperiert” werden muss. Ich habe immer nur mein kleines Opinel dabei; für größere Manöver kann ich meist auf meine Teamkollegen zählen, die oft ein großes Messer mit feststehender Klinge mit sich führen. Ein letzter essentieller Ausrüstungsgegenstand ist ein Fernglas, das für verschiedene Lichtverhältnisse ausgelegt ist, denn wir schießen im Wald, auf dem Feld, vom Hellen in den Wald oder vom Wald auf die Lichtung. Ich bin hier mit einem alten, hervorragenden DDR-Zeiss-Glas (Monokular 7×50) ausgestattet, irgendwie ja auch passend, wenn der Verein Carl Zeiss Jena heißt! ;)

Mein absolutes Highlight, das ich am letzten Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft 3D des Deutschen Bogensport-Verbandes in Hohegeiß zu sehen bekam: ein Regenschirm-Wanderstock-Sitz. Der Schirm ist als Wanderstock verwendbar, hat unten sogar einen bei Bedarf ausklappbaren Teller dran, damit er sich nicht zu tief in die Erde bohrt. Der Griff des Schirmes ist nicht klassisch wie man ihn kennt, sondern ausklappbar mit Leder bespannt, sodass man den Wanderstock in die Erde stecken und den Griff ausklappen kann und somit eine Art Stehhocker hat, um Beine und Rücken zwischendurch zu entlasten. Grandios!

Noch einmal zum 3D-Bogensport an sich
Wir jagen keine echten Tiere, das geht völlig gegen den Ethos dieses Sports. Wir bewegen uns nur auf ausgewiesenen Parcours in Geländen, für die eine Genehmigung vorliegt. Wer Interesse für diesen Sport hat, sollte sich unbedingt an einen Verein wenden, um das Bogenschießen erst einmal zu erlernen, da man sich nur mit einer gewissen Erfahrung oder unter Anleitung in einen 3D-Parcours begeben sollte. Ich bitte alle im Sinne dieser wunderschönen Sportart, diese Grundsätze zu respektieren!

 

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Kommentare

  1. avatar
    1
    Rabanus | 6. September 2014, 21:25

    Hey Andrea!

    Ein sehr schöner spannender Eintrag über eine Sportart von der ich bisher noch nie gehört habe (ich kannte bisland nur “das Bogenschießen”). Klingt in der Tat nach einer Menge Spaß, da habe ich gleich Lsut meinen alten Kompositbogen rauszuhohlen! :D

    Und cooles Photo von dir im Wald. :)

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