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Teaserbild: Echsen mit x im tapir gesichtet

Echsen mit x im tapir gesichtet

Neulich war ich mal wieder im Gondwanaland und schaute nicht nur bei unserem kleinen Patenkind vorbei. Meine Augen begaben sich auch auf die Suche nach den kleinen Echsen, die den Leipziger Urwald bewohnen. Gesucht und gefunden. Doch nicht nur im Gondwanaland treffen Tapir und Echsen aufeinander, auch bei uns am Georgiring kann man tapire treffen, die viel über die „Exen“ an unserer Karabinerwand berichten können. Und da gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit oft nach einem Express-Set gefragt wird, wollen Kletternewbies von uns wissen, worin sich denn die Sets mit den beiden Karabinern und der Schlinge dazwischen so unterscheiden.

Jeder, der mit Seil unterwegs ist, braucht am Fels oder in der Halle mobile Zwischensicherungen, die im Fall der Fälle vor schweren Verletzungen schützen können – sachgerechte Nutzung vorausgesetzt! Expresssets sind im Vorstieg für viele damit zu einem unverzichtbaren Sicherungsmittel geworden, dessen Hauptaufgabe im Aufnehmen der Sturzenergie besteht. Exen gehören zu den Teilen in der Sicherungskette, über die man sich in der Regel keine großen Gedanken mehr macht. Wir gehen davon aus, dass sie einfach funktionieren, auch wenn immer mal wieder auch von einem Unfall die Rede ist, bei dem die Ursache im Verschleiß des Schlingenmaterials oder in unsachgemäßer Handhabung zu suchen ist. In den Kletterhallen, aber auch in einigen ausgewählten, sehr stark überhängenden Sportkletterrouten in Klettergärten sind die Expresssets (Fixexen) fest eingehängt und verschraubt. An allen anderen Wänden hängt der Vorsteiger die Exen zunächst in Ringe, Ösen, Haken oder Klemmkeile und Friends ein, bevor das Seil dann in den freien Karabiner geklinkt wird.


Karabiner

Im Sturzfall wird ein Großteil der Energie durch die Karabiner aufgenommen, damit ist die Bruchlast der Karabiner ein wesentliches Auswahlkriterium. Drei Werte werden dazu auf den Karabinern angegeben: Längs-, Quer- und „Schnapper offen“-Belastung.

Geschlossen sollte der Karabiner in Längsrichtung eine Bruchlast von mindestens 20 kN aushalten, mit offenem Schnapper oder in Querrichtung muss er mindestens eine Sturzbelastung von 7 kN abfangen können. Optimalerweise sollte eine Querbelastung genauso wie eine kurzzeitige Schnapperöffnung vermieden werden, wobei Letzteres zumindest auf einer Seite vermieden werden kann, indem der seilseitige Karabiner in der Schlinge fixiert wird. Dafür gibt es, wie im Bild zu sehen, verschiedene Varianten. Der seilfreie Karabiner sollte keine fixierte Schlinge haben, damit sich beim Weiterklettern eher die Schlinge im Set mitbewegt, als sich der Karabiner im Haken im Ring verkantet.


Wenn man nicht gerade mit einem Twin Gate Karabiner von Grivel unterwegs ist, dann kann eine kurzzeitige Schnapperöffnung (Schnapper-offen-Belastung) durch einen schwungvollen Aufprall des Karabiners gegen eine Felswand bei einem Sturz entstehen. Dieses Phänomen wird auch als Wip-Lash-Effekt bezeichnet: Der Karabinerrücken schlägt gegen die Wand, wo er sofort abstoppt und sich nicht weiterbewegt, während der Schnapper sich aufgrund der eigenen Massenträgheit sich kurzzeitig weiterbewegt und sich dadurch öffnet. In dem Fall wird die Sturzenergie nur noch vom Karabinerrücken aufgenommen, was bei entsprechender Sturzhöhe zu einer Verformung bis hin zum Bruch des Karabiners führen kann. Dem Effekt kann entgegengewirkt werden, indem der Kletterer auf Expresssets mit Karabiner mit Drahtschnapper zurückgreift. So wie beim Hoodwire Express-Set von Black Diamond, der auf beiden Seiten mit diesem Karabiner ausgestattet wurde. Die Eigenmasse dieser Schnapper ist deutlich geringer, sodass sich dieser im Fall eines Sturzes nicht so weit bewegt, die ungewollte Öffnung des Karabiners dadurch deutlich geringer und vor allem kürzer ausfällt. Somit haben diese Expresssets eine höhere Sicherheitsreserve. Und natürlich sind diese Exen auch insgesamt leichter vom Gewicht.

Die Karabiner in einer Exe kann es sowohl mit einem gebogenen oder auch mit einem geraden Schnapper geben. Im Klettern wird dann von bent oder straight gesprochen. Viele bevorzugen im Vorstieg einen gebogenen Schnapper, denn in diese Karabiner lässt sich das Seil gut einklippen, mit einer Hand, versteht sich. Deshalb wird die bent-Variante seilseitig verwendet. Der gerade Schnapper ist dann der wandseitige Karabiner. Es gibt auch noch Expresssets, die auf beiden Seiten einen straight-Karabiner haben, dann entscheidet in der Regel die Karabinerfixierung, welcher der beiden Karabiner seilseitig verwendet wird. Die Firmen haben sich dabei etwas gedacht: Unterschiedliche Schnapperfarben erleichtern die Orientierung am Klettergurt, vor allem dann, wenn es einmal schnell gehen muss!

Schlingen

Auch bei der Zwischenschlinge, die beide Karabiner im Set miteinander verbindet, hat man die Qual der Wahl. Entweder bestehen sie aus Polyamid oder Polyethylen. Die beiden Materialien kann man optisch gut voneinander unterscheiden, da die Polyamid-Schlingen zumeist etwas breiter sind (11 bis 16 mm) als die Dyneema-Varianten (unter dem Namen ist das Material im Klettersport bekannt), die zwischen 8 und 11 mm breit sind. Belastungsmäßig unterscheiden sich beide nicht voneinander – die Schlingen haben eine Bruchlastnorm von 22 kN. Die Polyethylen-Schlingen sind aufgrund der geringeren Breite leicher, wie man gut am Ange Finesse Express-Set von Petzl sehen kann. Dennoch halten sich die breiteren, schweren Exenvarianten mit der Polyamid-Schlinge, wie das Spirit Express Set von Petzl. Vielleicht, weil sie im Panikfall „einfacher“ zu greifen sind, als die dünnere Dyneema-Ausführung.

(Wobei,… schon während ich das schreibe, habe ich Bilder vor Augen, wo beim unkontrollierten Sturz der Vorsteiger in die Exe gegriffen, den Karabiner im Haken verdreht und dabei ausgeklippt hat, weil er abgerutscht war und eben nicht die Schlinge beim Reingreifen erwischte…!)


Die Schlingen gibt es, bereits im Set zusammengestellt oder einzeln zu kaufen, in unterschiedlichen Längen. Längere Exen kommen dann zum Einsatz, wenn das Set Gefahr läuft, eingehängt an der Wand auf einer Felskante aufzuliegen (Bruchgefahr). Durch die längere Zwischenschlinge hängt der untere Karabiner frei oder kann sich, ohne auf einer Kante aufzuliegen, frei bewegen an der Wand, wenn man weiterklettert. Darüber hinaus werden die längeren Expresssets auch dann eingehängt, wenn der Routenverlauf begradigt werden soll, um Seilzug zu minimieren. Daher kommen die längeren Sets vor allem in Mehrseillängentouren und alpinen Routen zum Einsatz, aber auch in der Sächsischen Schweiz, wo die Wegführung auch gern mal nicht ganz geradlinig verlaufenden Rissen folgt.

Was gilt es sonst noch zu beachten?

– Je nach Gebiet reichen zwischen 8 und 12 Exen für’s Klettervergnügen. Ein oder zwei längere sollten mit am Gurt hängen, wenn man den Routenverlauf nicht kennt.
– In Alpinrouten beziehungsweise beim Klettern mit Doppelseil haben sich die Karabiner mit etwas größerer Schnapperöffnung bewährt.
– Fixexen in frei zugänglichen Klettergärten und Sportkletterrouten sollte man sich immer etwas genauer ansehen, vor allem auf Verschleißerscheinungen achten.
– Beim Eisklettern haben sich die Expressets mit Karabinern mit Drahtschnapperöffnung bewährt: Bei ihnen ist die Vereisungsgefahr geringer.
– Karabiner mit einer höheren Bruchlast haben eine höhere Sicherheitsreserve. (Das ist auch gut für den Kopf beim Klettern …).
– Baut man sich ein Expressset selbst zusammen, dann sollten beide Karabineröffnungen symmetrisch angeordnet sein. Wenn die Karabiner gegenläufig eingehängt werden, dann ist es zunächst so, dass der Seil-Karabiner entgegengesetzt zur Kletterrichtung zeigt. Wenn der Vorsteiger nun weiterklettert, steht er unter Umständen versetzt über seiner letzten Sicherung (Haken oder Ring). Zieht er nun das Seil nach, dann kann es, wenn es richtig blöd läuft, passieren, dass der seilfreie Karabiner sich verdreht und der Schnapper gegen den Haken drückt. Ungünstig! Klinkt man das Expressset andersrum ein, kann es im Fall eines Sturzes passieren, dass sich das Seil ungewollt aushängt. Deshalb sollten beiden Karabiner symmetrisch eingehängt werden.
– Das Schlingenmaterial sollte spätestens nach 10 Jahren ausgetauscht werden (- wenn eine optische Kontrolle nicht vorher schon dazu führt, nach Ersatz zu suchen).
– Sollte am Karabiner durch die Seilabnutzung ein Grat ertastbar sein, sollte spätestens dann auch der Karabiner ausgetauscht werden.


– Mehr Informationen zum Schwerpunkt Fixexen hat der DAV im Panorama-Heft zusammengetragen. Natürlich könnt ihr auch uns an der tapir-Exenwand fragen!

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