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Teaserbild: Segeln auf dem Windjammer „Roald Amundsen“

Segeln auf dem Windjammer „Roald Amundsen“

Segeln auf dem Windjammer „Roald Amundsen“

Vom 17. Mai bis 25. Mai segelte ich den „Rolling- Home- Törn“ von Oostende in Belgien nach Hamburg an Bord einer Brigg, der Roald Amundsen“. Das ist ein Rahsegler mit Groß-und Vortop und einem Briggsegel.
Als ausgesprochene Landratte mit Sahara- und Himalajaerfahrung betrat ich seemännisches Neuland. In Oostende am Flotdok (Anlegeplatz der Roald) wurde ich gleich herzlich von der Stammcrew begrüßt, bekam das Schiff gezeigt und meine Kammer, denn „Zimmer“ gibt’s im Hotel nicht auf einem Traditionssegler.

Warum SEGELN AUF DEM WINDJAMMER

Ich habe diesen Törn gewählt, weil sich die An-und Abreisekosten im Rahmen hielten und der Termin dienstlich für mich günstig war. Meine Wahl fiel auf die Roald Amundsen, weil man hier komplett integriert wird, eine echte Ausbildung erhält und man Teil der Crew wird.

GroßmastKojeSegel gesetzt

Was Sie schon immer über DAS SEGELN AUF EINEM WINDJAMMER wissen wollten…

Essen, Essen, Essen…
Um für 45 Besatzungsmitglieder auf See genügend Mahlzeiten vorrätig zu haben, half ich gleich beim Einkaufen mit. Erst der belgische Fleischer, dann der Supermarkt und als Höhepunkt der Obst und Gemüsehändler. Wenn kein Smut (Koch) an Bord ist, übernehmen die Crewmitglieder die Funktion des Proviantmeisters.
Für unseren Törn bunkerten wir allein 700 Eier in der Kühllast. (ein kühlendes Unterdeck) und diverse andere Lebensmittel in der Trockenlast.

Wer ist dabei, was gibt es zu tun?
Nach Eintreffen aller Trainees, das sind zahlende Anfänger, die jedoch komplett in die Mannschaft und den Tagesablauf eingebunden werden, übten wir die Sicherheitsmanöver. Eingebunden werden, das heißt natürlich auch mit der Stammcrew zusammen Wache gehen, in meinem Fall die „Hundewache“: 0:00 Uhr bis 4:00 Uhr, 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr, einmal am Tag Reinschiffstation erledigen (Toiletten, Dusche,Vordeck, Niedergänge putzen) und einmal auf dem Törn Backschaft machen, das ist feinste Küchenarbeit. So bleibt noch ein kleiner Tagesabschnitt für diverse Freizeitbeschäftigungen.
Ich fuhr als Bordmalerin mit und zeichnete und malte das Schiff, Details der Takellage und die Besatzung. Weil auf der Roald alle ein Team sind, ist man sofort beim „Du“, Alter und Beruf sind unwichtig, wichtig dafür ist aber die Befehlskette bei Seemanövern, sonst würden alle unkoordiniert arbeiten.
An-und Ablegemanöver nennt man „all-hands“; und ist das Manöver geglückt, gibt es zur großen Freude der Besatzung das sogenannte Anlegebier. Die Verpflegung kann jedes Kreuzfahrtschiff in den Schatten stellen, täglich wird das Essen frisch zubereitet, die Nachtwache knetet den Brötchen und Brotteig, den Rest erledigt der Smut.
Alle an Bord fahren in ihrer Freizeit, vom Kapitän über Steuermann bis zu den Trainees. Auf der Roald erhält man eine fundierte Ausbildung, die in einem Heft dokumentiert wird und wer möchte, segelt die anschließenden Törns als Stammcrew, was sich im Mitfahrpreis äußert angenehm gestaltet.

Roald AmundsenMesse<br />
Törnbild

Bevor ich dieses Abenteuer antrat, stellten mir viele Freunde immer die gleichen Fragen:
Musst du ins Rigg klettern ? Wird dir nicht schlecht bei Seegang? Glaubst Du die Nordsee ist immer glatt? Ich kletterte unter Anleitung, natürlich mit Klettergurt, freiwillig, denn wenn man sich nicht traut, bleibt man eben an Deck, kein Problem. Nach Ausfahrt auf die Nordsee in Oostende gab es gleich 3-4m hohe Wellen, so dass die Hälfte der gesamten Besatzung für zwei Tage mehr oder weniger nicht wachfähig war. Ich hatte mich mit Tabletten aus der Internetapotheke bevorratet, denn die besten Tabletten, die nicht müde machen, nahm die deutsche Pharma vor einigen Jahren vom Markt, leider!
Für andere medizinische Probleme fährt ein Schiffsarzt mit. Weil der Wind stetig von Norden kam, wir aber Richtung Norden mussten und auf See vorgeschriebene Routen existieren, denn schließlich will ja keiner in einen Offshore Windpark reinsegeln, tuckerte unsere „Emma“,die Maschine.
Lediglich vor Helgoland kreuzten wir mit Segeln. Dass ein Segelmanöver bei finsterer Nacht, man leuchtet nicht mit Taschenlampen, ein Abenteuer der Extraklasse ist, braucht sicher nicht erwähnt zu werden. So muss der fliegende Holländer auch gewirkt haben. Welche Tampen sind die richtigen, wie brasst man nun jetzt die Segel? Hektik! Souveräne Befehle des Toppsgasten und tatsächlich die Roald fährt eine Halse (Wendemanöver), unglaublich!
Solche Aktionen übersteht man nur mit der richtigen mehrschichtigen Kleidung und das bedeutet, du siehst aus wie ein „Michelinmännchen“. Am letzten Abend gibt’s das Kapitänsdinner und dazu, “wie in alten Schulzeiten“ die Ausbildungshefte und Seemeilenbestätigung.
Da ist man schon stolz, dass man das als Flachlandleipziger gemeistert hat. Apropos Leipzig, wir waren sogar zu viert auf der Roald Amundsen! Neben dem weiten Horizont, der Sonne und dem blauen Himmel ist die besondere Atmosphäre auf der Brigg der Grund den nächsten Törn zu buchen. Da können einen auch die 3 Meter hohen Wellen auf der Nordsee, das Rollen und Stampfen der Roald und die Ausfälle durch Seekrankheit nicht wirklich erschrecken.

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