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Paddeln auf der Havel – ein erstes Resümee der tapir-Testtour 2019

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Was passiert dann erst, wenn sich eine ganze tapir-Herde auf den Weg ins Abenteuer begibt? Seit unserer Testtour auf der Havel rauchen knapp 30 Köpfe, gilt es das beim Paddeln Erlebte zu verarbeiten, Testprotokolle auszuwerten und sich im tapir-Team über die ganzen Sachen auch auszutauschen. Das dauert bei der großen Zahl an Mitgereisten etwas länger, doch heute soll es den lang erwarteten ersten Rückblick auf eine geniale Paddel-Testtour geben, auf die wir immerhin 13 Jahre – eine gefühlte Ewigkeit – warten mussten. Damit eure Wartezeit nicht auch so lang ausfällt, geht es dann jetzt auch schon mal los!

Getreu dem Motto gab es wieder eine Reisegruppe, die sich am Samstagmorgen zu früher Stunde auf den Weg in Richtung Havel machte. Frohen Mutes bestiegen die Teilnehmer dieser Gruppe ihre drei Minibusse, die sie – staufrei, aber mit Umwegen auf diversen Landstraßen – gen Norden fuhren. Dort angekommen hieß es, schnell die Boote zu beladen und zu Wasser zu lassen. Ein freundlicher Mitarbeiter vom Familien-Campingplatz Hexenwäldchen hatte ihnen Kanus und Kanadier vorbeigebracht, die mittels einer Lore bis zum eigentlichen Einstieg ins Wasser gezogen werden mussten. Gemütlich paddelten die Frühaufsteher ihrem Tagesziel entgegen. In besagtem Hexenwäldchen schlugen sie am Abend ihre Zelte auf.

Tja und dann gab es noch die Gruppe Langschläfer, die es auf sich genommen hatte, an besagtem Samstag die Türen im tapir offenzuhalten, damit alle, die vor unserer zweitägigen Schließzeit noch einmal schnell ihre Sachen aufrüsten wollten/ mussten, dies in aller Ruhe tun konnten. Pünktlich um 18 Uhr schlossen wir die Tür und machten uns im Kleinbus hurtig auf den Weg hinterher ins Hexenwäldchen. Und wie versprochen hatten die netten frühaufstehenden tapir-Kollegen keine Mühen gescheut, unsere Zelte, in denen wir unsere müden Häupter betten wollten, schon aufzubauen. Wir bezogen schnell unsere Schlafstätten und danach klang der Abend noch relaxt am Lagerfeuer gemeinsam aus.

Nach einem erfrischenden Morgenbad (nein, nicht alle tapire zeigten sich wild entschlossen, bei Temperaturen um die 15 °C ins Wasser zu gehen, sondern zogen unverständlicherweise die heißen Duschen auf dem Zeltplatz vor), leckerem Frühstück und der damit verbundenden Gelegenheit, die ersten Kochutensilien zu testen, hieß es, die Boote zu beladen. Das Orga-Team hatte wohlweislich bedacht, dass es wohl nicht ganz so schnell gehen würde, 29 tapire inklusive Hab und Gut, wasserfest in Booten zu verteilen. Sie hatten für den ersten Morgen mehr Zeit zum Aufbruch eingeplant, die wir auch schön überzogen. …

Nun mag Paddeln auch nicht jedermanns Sache sein: zu wenig Action (erst recht, wenn die tapir-Herde in Sichtweite paddeln sollte), einseitige Belastungen, von der Kentergefahr ganz zu schweigen. Und dann gab es ja auch noch die kleinen Stechbiester, auch Mücken genannt (als wirklich klein konnte man sie nicht bezeichnen) … Doch was ein richtiger tapir ist, der zieht mit durch und lässt sein Boots-Team nicht hängen. Und es wurde richtig schön: Die erste Zeit bewegten wir uns im Nationalpark; ruhige Seen wechselten sich ab mit engen, fast schon verwunschenen Kanälen. Wem es dann bei dem vielen Grün, den Vögeln und der ganzen frischen Luft doch etwas langweilig wurde, für den hatte das tapir-Testtour-Kulturkompetenzteam (TTTKKT) Aufgaben parat, die beim Paddeln gelöst werden mussten. Damit die Kommunikation dabei nicht zu einseitig wurde, mussten andere tapir-Boote angesteuert werden, um die Antworten auf die gestellten Fragen und Probleme zu finden. Dabei kamen auch ziemlich lustige Sachen über einzelne tapire zum Vorschein. Ihr könnt ja mal darüber nachdenken, wer schon mal in seiner Jugend gegen Kretzsche Handball gespielt hat, wer im flatternden Nachthemd auf einer Dorfdisco aufgekreuzt ist oder wer Al Pacino ein Stück Fisch servieren durfte (und das ist nur eine Auswahl der Fragen …).

Beim Umherschauen und dem Erraten der persönlichen Geheimnisse verging die Zeit wie im Flug. Der Campingplatz Havelberg wurde noch zu einer guten Tageszeit erreicht, sodass wir am Sonntagabend im Team nicht nur weiter unsere Sachen testen konnten, sondern auch die Gelegenheit nutzten, uns in Schulungsrunden zu einzelnen Hartware-Bereichen zusammenzusetzen. Der zweite Abend klang im stimmungsvollen Mondschein über dem Woblitzsee ruhig aus, sieht man mal von den fliegenden und blutsaugenden Stechbiestern ab, die auch auf diesem Zeltplatz wieder zahlreich auftraten. Einige von uns hatten keinen ruhigen Schlaf: Die neugierigen Krähen (oder der Waschbär?) hatten in der Nacht unsere Essensvorräte entdeckt und waren auch so clever, einen Packsack aufzureißen und sich die Nuss-Dose zu krallen. Letztere wurde aufgepickt und leergefuttert von seinem Besitzer am nächsten Morgen gefunden.

Wie war das noch einmal? Paddeln und Gewitter überm See? – Keine gute Idee! Doch leider erwiesen sich die Wetterprognosen als ziemlich beständig. Also hieß es am nächsten Morgen, nicht so viel Zeit zu vertrödeln, damit wir noch vor dem heranziehenden Gewitter ein schützendes Plätzchen erreichen konnten. Etwas Unbehagen paddelte sicherlich in einigen Booten mit.

Dabei hielt der zweite Abschnitt der Tour so ziemlich das Beste fürs Paddlerherz parat: Die Schwaanhavel wartete auf uns. Auch wenn wir die Boote ein Stück ziehen mussten, war die Schwaanhavel noch nicht stark verkrautet. Für alle, die es ruhig mögen und unter einem grünen Dach dahingleiten wollen, ist das purer Hochgenuss. Belohnt wurden wir zudem auch mit einem Fischadler auf der Jagd im anschließenden Plätlinsee.

Das TTTKKT verschob an diesem Tag seine Einlagen aufgrund des drohenden Donnerwetters. Durchpaddeln war angesagt. Selbst beim Schleusen wurden wir noch einmal vom Schleusenwärter darauf hingewiesen, dass wir uns spätestens gegen 2 Uhr am Nachmittag ein schützendes Plätzchen suchen sollten. Gesagt, getan! Wir schafften es zwar nicht bis 14 Uhr, doch kurz nach 3 konnten wir noch im Trockenen unsere Zelte auf dem Campingplatz am Gobenowsee aufschlagen, bevor uns Blitz und Donner weitere Aktivitäten unter freiem Himmel vermiesten. Nach einer Stunde ist das (Un-)Wetter dann netterweise weitergezogen und kam auch nicht zurück, sodass wir auch diesen Abend draußen sitzend, teilweise noch in Schulungsrunden verbringen konnten. Getestet wurde dabei natürlich auch weiter.

Das ist manchmal nicht schön, vor allem dann, wenn man trotz Arbeit – ja, eine Testtour ist auch Arbeit! – tiefentspannt nach drei (oder vier) Tagen wieder in der Zivilisation ankommt. Bei uns war das die Fleether Mühle. Dort wartete der Bootswagen vom Hexenwäldchen auf uns, die Boote wurden ausgeladen, geputzt und dann auf den Hänger geladen. Die Fahrer fuhren auch gleich mit und holten die vier tapir-Busse, die noch im Hexenwäldchen auf uns warteten. Natürlich gab es nach einem leckeren Essen auch die traditionelle erste Feedback-Runde, in der jeder mitgereiste tapir ein erstes Statement zur Tour an sich, aber auch zu seinen getesteten Sachen abgegeben konnte. So entstand auch schon eine erste Top- und Flop-Liste, doch darüber wird es in den kommenden Wochen noch mehr hier an dieser Stelle zu lesen geben.

Ach ja, ganz ohne Kentern ging dann auch diese Tour nicht zu Ende. Bereits am Montag, und wir werden jetzt hier an dieser Stelle keine Namen nennen, kippte ein Boot, das sich zwischen anderen Booten verklemmt hatte, am Liegeplatz (Mittagspause) in aller Seelenruhe um. Und ja, es wurde beobachtet (und nicht eingegriffen, sondern wahrscheinlich gibt es Bilder davon). Und ja, zu diesem Zeitpunkt war nicht alles wasserdicht im Boot verpackt … Aber das ist wohl wieder eine Geschichte, die nur an tapir-internen Lagerfeuerabenden weitergegeben wird.

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