Getu Valley – Kletterparadies im Herzen Chinas

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Reiseberichte Asien China Chris | 15. Januar 2014

Getu Valley – Kletterparadies im Herzen Chinas

Ein Loch im Fels am Ende der Welt. Spektakuläre Kletterei an kompakten Kalkstein und Abendessen mit traditionell lebenden Bauern. Urtümlich, archaisch, ausgesetzt, einmalig. Diese Landschaft und Menschen findet man kein zweites Mal.

Warum Getu Valley

Wenn die Sonne morgens im Osten des Nationalparks Getu He erwacht, zeichnet sich eine hell-dunkel Linie auf dem Pfad zum Berg Chuanshang ab. Steigt der Atem der Bambuswälder im anbrechenden Tag dem Himmel empor, gibt er den Blick über das Tal frei. Man erkennt, dass die hell-dunkel Linie auf der Straße sich krümmt und ihre Enden sich zu einem Kreis vereinen. Ein beeindruckender Lichtkegel bildet sich im Tal ab und wandert zunächst die Straße hinunter, um sich kleiner werdend am Fluss zu verlieren. Der Blick zum Berg Chuanshang verrät das Geheimnis… Mitten im Berg, der sich vom Tal bis zur Spitze wohl über 500 m erstreckt, befindet sich ein kreisrundes Loch. 70 m Durchmesser und schnurgerade, wie durch einen Kanonenschuss geschaffen. Die aufgehende Sonne strahlt einen Lichtkegel ins Tal. Am Fluss angekommen reift die Erkenntnis, dass das nicht alles ist. Der Fluss hat sich durch den Berg gefressen und dabei ein 2. Cave mit einer Höhe von 100 m geschaffen… Wir sind im Kletterparadies angekommen. Kompakter Kalkstein in einer der ungewöhnlichsten Landschaften der Welt. Plaisir-Touren mit Anti-sächsischen Sicherungsabständen. Ein Bauerndorf im Tale, die mehr Gastfreunde, als Gastwirte sind… Und hier sieht man nur die Spitze des Eisbergs. Das grüne Paradies erstreckt sich überall um uns herum…

Der Great Arch bei Sonnenaufgang. Um zu den Treppen nach oben zu gelangen, muss man per Fährmann zunächst übergesetzt werden.Anne im Ropeswing bei Sonnenuntergang. Die gut 25 Meter Pendellänge lassen einen dem Himmel nah kommen.Ein bunter Weggefährte auf dem steilen Weg zum Great Arch.

Was Sie schon immer über diese TOUR wissen wollten…

Die Tour im Überblick
Anfang Oktober 2013 finde ich mich mit meiner Freundin und meinen besten Freunden auf einer kleinen Fähre im Herzen Chinas wieder und ein Fährmann, der seine Frühstückszwiebel roh verputzt hat, gondelt uns über den Fluss zum Berg Chuanshang… Aber Stopp. Wie kam er dazu?
2012 sahen wir das Video vom Petzl Roc Trip China. Eine unglaubliche Welt tat sich vor uns auf. Gesehen, Bauchkribbeln bekommen, Flug gebucht. Unser Jahresurlaub sollte zweiteilig werden. 10 Tage Getu He in China und 10 Tage klettern in Tonsai Beach (Thailand). Zu Thailand vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
Nach Flug und Taxifahrt zu Getu Village findet man sich ca. 200 km von der letzten größeren Stadt entfernt. Unterwegs, so wie auch in Getu He wird begonnen zu bauen. Das kleine Bauerndorf wird wohl in einigen Jahren Magnet für den Urlaub der Stadtbevölkerung. Doch noch bestimmen Reisbauern, Ochsen und chiligetränkte Nudeln das Bild im Grünen. Eine Vorbuchung der „Hotels“ ist beinahe unmöglich. Zuweilen, weil die „Hotel“besitzer auch nicht wirklich 3 Monate im Voraus planen.
Aber eine Unterkunft ist schnell gefunden (100€ für 5 Personen und 8 Nächte). Die Bauern (ich meine Hoteliers) versuchen alles, damit es uns gut geht. Die Gastfreundschaft war überwältigend. Hier sind wir nun, angekommen, mit Chilinudeln gestärkt, brennen wir darauf an den Fels zu gehen. Die Kletterei Getu He ist das nördliche Ende einer der längsten bekannten Korallenriffe der Welt. Es erstreckte sich von Thailand im Süden bis nach China. Das Meer, in dem das Riff entstanden war. gibt es schon lange nicht mehr. Umso besser, was dafür geschaffen wurde. Ultrakompakter Kalkstein mit den bizarrsten Felsformation, die man sich vorstellen kann. Höhlen, Überhange, Dächer, Sinter und wie sie alle heißen, sind zu finden. Die Kletterrouten in den Gebieten sind keine 3 Jahre alt und sehr sicher gebohrt. Alle 2-3 Meter kommt ein Haken. Das wünscht man sich auch, wenn das nächste Krankenhaus 200 km entfernt liegt. Das generelle Gefühl der Sicherheit war immer da. Selbst in langen Multipitch-Routen. Die Routensetzer um Dani Andrada haben Getu He in 3 Zonen unterteilt, Zone A, B, C.
Alle Zonen beinhalten Caves, Höhlen oder starke Überhange als zentralen Punkt. Darum ergibt sich auch leichteres Gelände. Aber hier kann man die Muskeln spielen lassen.
In Zone A ist Oliver`s Crag zu nennen, dessen weiche, bauchige Formen mit einer Reihe franz. 7ern locken.
Zone B hat neben dem beeindruckenden Banyang`s Cave, dessen Zustieg durch ein verträumtes Bauerdorf erfolgt, vor allem hohe Multipitch-Routen an senkrechten Wänden oder leichten Überhängen dominieren das Bild. Bis zu 180 m kann man an 6 Pitches emporsteigen.
Zone C ist mit den „Great Arches“ das Herzstück des Getu He kletterns. Nachdem man vom Bootsmann für 10 Eurocent über den Fluss gesetzt wurde, stellen sich einem noch 1384 Stufen in den Weg. Oben angekommen, entlohnt der Blick und das Gestein für die Strapazen und die Energie ist sofort da. Eine schier endlose Routenzahl von franz. 5ern bis hin zu 9a breitet sich vor einem aus.
Aufgrund der schieren Größe des Arches sind die ersten Seillängen noch im senkrechten Gelände. Multipitch-Routen führen Liebhaber des 8ten Schwierigkeitsgrades dann über das Volldach nach draußen.

Unsere Kletterhighlights
Zusammenfassend kann man sagen, dass für die Jungs die 7er Vorstiege und bei den Frauen das Rotpunkten im 6te Schwierigkeitsgrad viel Reiz hatte… In Zone A ist der Onsight der 7a+ „Le Retour de Couscous“ ein absolutes Highlight. Riesige Sinter, die im Volldach zum No-Hand-Rest einladen. Zudem sind die 7er im Oliver`s Crag ein Traum („Shi Yi“ – chinesisch für 11 – rundgelutschtes Gestein mit großen Griffen für actiongeladene Bewegungen.) Neben dem Klettern haben wir einen Ropeswing mit 20 m Pendellänge installiert. Da kann man dem Himmel entgegen schwingen. In Zone B hat die 3er Seilschaft der Männer einen Tag an der „Blue Spirit“ verbracht. Nach abenteuerlichtem Zustieg lagen 6 Pitches zwischen 5a und 6a vor uns. Die Sonne am Tag war erbarmungslos und fraß unsere Wasservorräte (Zum Glück hatten wir überdimensioniert). Am vorletzten Pitch, geschlaucht vom Fels und Sonne, hat ein Seilpartner die Seilschaft moralisch zum Top gezogen und am späten Nachmittag standen wir am Gipfel. Onsight, ohne Sturz. Im Tal, von unseren Frauen erwartet, spendeten Sie uns ihre letzten Wasservorräte und trugen uns zusammen mit der Welle der Glückseligkeit zum Abendessen. Zone C mit den „Great Arches“ ist das Highlight der Tour. 3 mal zog es uns den Berg hinauf. Neben wunderschönen 5ern und 6ern sind vor allem zwei 7b+ Routen im Gedächtnis. An Dani Andradas „La Piscineta Cina“ findet man keinerlei Griff im herkömmlichen Stil. Die Wand besteht aus kompaktem Kalkstein. Als ob Murmeln die Wände durchzogen hätten, findet man deren Negativ-Abdrücke in der Wand. Riesige Halbkreise, die nach unten erodiert, aber nach oben hin noch griffig sind. Nie zuvor habe ich eine Route gesehen, bei der man sich die ganze Zeit im Untergiff nach oben arbeitete.
Als 2. Highlight haben wir am Rande der Höhle des ersten Pitch der „Lost in Translation“ bestiegen. Ein Felswahnsinn an Sintern mit dem besten Ausblick auf den Fluss im Tal, der im Berg verschwindet.
PS: Alles was für Touristen einen Mehraufwand bedeutet, der nicht mit dem Auto zu erfahren ist, das besuchen sie nicht. Daher ist man immer ungestört. Kommt doch ein einzelner, keuchender Chinese am Kletterspot an, fühlt man sich wie ein Star und darf für Bilder und Videos posen.

Der Great Arch bei Sonnenaufgang. Nach 1384 Stufen sieht man die wohl schönsten Wandformationen der Welt.Chris beim Flash der „La Retour de Couscous“ (7a+). Zum Glück gibt`s am Sinter im Volldach einen No-Hand-Rest.Die Lebensmittel werden auf der Straße getrocknet. Die Spezialität der Region, Chili, darf an keinem Essen fehlen.Anne klettert im „Schatten“ der CMDI-Wall und des pittoresken Pussa Yan.Chris klettert im Great Arch an dem kompakten Kalkstein empor. Fabian steckt in Dani Andradas Route „La Piscineta Cina“ (7b+). Die rundgelutschten, in den Fels geformten Sloper suchen ihresgleichen.

Land und Leute
Das Dorf und die Region um den Nationalpark Getu He teilen sich. Es gibt einen kleinen Teil der Gesellschaft, die sich auf die wachsende Anzahl der Touristen einstellt. Unfreundlich und abzockend. Der größte Teil der Menschen sind allerdings Bauern. Auf der Straße wird Reis zum Trockenen ausgelegt, die Hühner rennen über die Straße und Gastfreundlichkeit bedeutet noch etwas. Wir wurden in unserer Herberge sehr gut aufgenommen. Abendliche Geschenke, wie selbst gepflückte Mandarinen oder Naschlinsen durfte man nie ablehnen. Genau wie den im alten Benzinkanister gebrauten Reisschnaps. Das Essen ist typisch für die Region. Morgens Nudeln, aber zum Glück noch ohne Chili. Mittags ein Snack am Fels. Abends wurde groß aufgetischt. Auf einer riesigen drehbaren Platte sind alle möglichen Speisen kredenzt worden. Und fast jede Speise war selbst für europäische Gaumen ein Schmaus.
PS: Bitte nicht auf das Verfallsdatum der Verpackungen schauen. Solange es keine Milchprodukte sind, kann man mal ein Auge zudrücken.

Weiterschmökern:


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4 Kommentare

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    1
    Uwe | 16. Januar 2014, 10:16

    Klettern in China…ne wahnsinns Idee und ein toller Tipp ;) !

    Die Bilder sind der Hammer, vor allem das eine mit dem Lichtstrahl, welches aussieht als ob jemand einen Scheinwerfer aufgestellt hat. Das mit der Raupe, schätz ich mal, auch…sieht wie ein Alien aus ;) !

    Besten Dank für den Tipp und Bericht.

    Greetz,

    Uwe

  2. avatar
    2
    Dominik | 20. Januar 2014, 12:40

    Das Bild mit den Chili-Schoten, Knaller! xD Insbesondere durch den Gockel im Hintergrund :-D

  3. avatar
    3
    Jan | 20. Januar 2014, 12:44

    Die Bilder sind auch der Wahnsinn. Sehr schön die Natur!!!

    Grüße,

    Jan

  4. avatar
    4
    Eugen | 14. April 2014, 16:29

    wirklich fabelhafter Bericht und die Bilder könnten eben so gut von einem voll profi fotographen sein!

    schöne Grüße aus Südtriol,
    Eugen

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Short Cuts Getu Valley

Anreise
Von Frankfurt nach Guiyang geht es mit dem Flugzeug. Danach kann man selbst entscheiden, wie es weiter geht. Wer viel Zeit hat, nimmt die Busse nach Anshun, Ziyun und dann nach Getu He. Der Fahrpreis ist nicht der Rede wert. Komfortabler ist ein Taxi vom Flughafen direkt in das 220 km entfernte Getu He. Für maximal 150€ kann man die Landschaft genießen, den Jet Lag wegschlafen und ist sorgenfrei im Auto. China ist für uns Europäer z.T. chaotisch, hektisch, undurchsichtig und besitzt eine Sprachbarriere. Ich empfehle das Taxi wärmstens. Eine ausgedruckte Landkarte reicht. Zeigt man mit dem Finger auf das Ziel, nicken die Leute, nehmen das Gepäck und auf geht's. PS: an Gurte in den Taxis ist nicht zu denken.

Sprache
Das wohl Größte Hindernis in China. Selbst am International Airport spricht keiner englisch. Zudem ist auch Latein als Schriftsprache unbekannt (kann zu lustigen Situationen bei der Ausreise kommen, wenn keiner den Reisepass lesen kann). Abhilfe schafft eine kurze Vorbereitung. Über Programme wie Google Translate ist es möglich, alles in jede Sprache zu übersetzen (Achtung: Die korrekte Schreibweise des Worts „Getu He“ aus dem Petzl Roc Trip Topo Guide nehmen). Ich hatte einige Landkarten und vorgefertigte Texte mit („Wir brauchen ein Taxi von Guiyang nach Getu He für 5 Personen.“, „Bringen Sie uns zu einem Geldautomaten“,…). Achtung; einige Chinesen haben auch keine Kenntnis der arabischen Zahlen. Zudem haben die Chinesen für ihre Zahlen eine andere Zeichensprache als wir. Die Zahl 8 wird beispielsweise durch Daumen und Zeigefinger ausstrecken markiert… Bei uns wäre es eine 2. Mit kleiner Vorbereitung ist aber alles einfach zu erledigen. Die Leute helfen gern.

Geld
Zu beachten ist der Geldwechsel zur chin. Binnenwährung RMB. Von Deutschland aus ist kein Wechseln möglich. Die Bankautomaten in Guiyang haben im Oktober 2013 keine deutsche Visa-Card akzeptiert. Wir mussten bargeldlos ins Taxi steigen und in einer großen chin. Bank Geld abheben. Achtung; die Menge an Geld, die abgehoben werden kann, ist stark begrenzt. Am besten 2 oder mehr Leute heben ab. Man kann ausschließlich in Guiyang Geld abheben. In Getu He gibt es keinen kompatiblen Automaten im Umkreis! Möglich ist auch sich bei der Zwischenlandung in Peking o.ä. mit Geld zu versorgen.

Tipps
Es ist so viel geschrieben und doch noch so viel zu erzählen. Wenn du/Sie/ihr auf Reise nach Getu He gehen wollt, dann setzt euch doch mit mir in Kontakt und ich erzähle noch einiges Nützliches. Abschließend vielleicht noch eins. China ist im Wandel. Was vor 5 Jahren galt ist längst überholt. In weiteren 5 Jahren gilt das Selbe für diesen Beitrag. Ich kann nur empfehlen, das Klettergebiet bald zu erkunden, solange die Bauern noch traditionell leben und die Straßen mit Reis gesät sind und nicht mit Touristen.

wwwo beginnen

Alle 250 Kletterrouten sind in der Petzl-Topo gratis zum Download verfügbar. Auf der Seite findet man auch das Offizielle Video zum Roctrip (Das Video war der Stein des Anstoßes für unsere Reise).
petzl-roctrip
 

Zudem ist der englischsprachige Blog von rockrun.com eine ausgezeichnete Informationsquelle.
rockrun

Noch mehr Bilder zu diesem und anderen Klettertrips gibt's hier:
OutdoorAdventurerProduction

China

Nicht vergessen

  • natürlich ein Gurt, ohne ihn wäre es doch um Einiges gefährlicher
     
  • ein Seil, um gut gesichert zu sein
     
  • ohne Exen, nützt auch das beste Seil nichts
     
  • ein paar griffige Kletterschuhe

Literatur

Da die Kletterrouten gratis zum download sind, brauchte es keine Papierform. Und all die anderen Informationen haben wir aus dem www gefischt.