Das Jämtlandsfjällen

Das Jämtlandsfjällen

Das Jämtlandsfjällen ist ein wunderschönes Wandergebiet im nördlichen Schweden. Hier verbrachten wir 9 traumhafte Tage Ende August/Anfang September 2014 auf einer Rundtour von Hütte zu Hütte. Bekannt ist das Gebiet durch eine Tour zwischen 3 sehr gut ausgestatteten Hütten (Jämtlandstriangeln), die gerne als verlängertes Wochenende von Schweden unternommen wird. Wir hatten auf unserer Tour meist sehr schönes Wetter, es war recht kalt, aber zum Wandern perfekt. Die Blätter der Birken und Blaubeeren fingen an sich zu färben und überall sprossen Pilze nur so aus dem Boden. Wir sind ca. 13-26 km am Tage gelaufen und haben dabei nicht mehr als 500 Höhenmeter überwunden. Ein Höhepunkt war die Besteigung des Syltoppen, einem der höchsten Berge in dieser Region.

Warum Schweden und warum das Jämtlandsfjäll?

Schweden eignet sich sehr gut zum Wandern, wenn man die Natur und Ruhe genießen will. Dabei ist Schweden auch sehr gut mit dem Zug erreichbar; ein Kriterium für uns, da wir die Nutzung von Flugzeugen vermeiden wollen (der Umwelt zuliebe). Die Gebirge in Schweden eignen sich auch hervorragend für Mehrtagestouren mit schwerem Gepäck, da nicht sehr viele Höhenmeter überwunden werden müssen. Die Hütten sind sehr gut ausgestattet mit der Möglichkeit, sowohl Essen zu kaufen als auch eine Sauna mit tollem Ausblick zu nutzen. Gerade das Jämtlandsfäll bietet die Möglichkeit, unterschiedlichste Rundtouren durchzuführen. So kann man je nach Wetter und Zeit die Tour verlängern oder verkürzen. Gefällt es einem an einem bestimmten Rastplatz oder regnet es aus Strömen, so kann man an einer Hütte länger bleiben, die Sauna genießen und die Tour einfach anders laufen. Auch wenn man mit dem Auto anreist, ist es von Vorteil, nicht aufwändig mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder zurück zum Auto zu fahren, sondern dort zu starten, wo die Tour wieder endet.

Wintermarkierung im Birkenwäldchen zwischen Stensdalen und GåsenEinstieg in den Badesee nach der Sauna an den LunndörrenstugornaFreiluftdusche mit sehr kaltem Bachwasser an den Gåsenhütten, aber mit tollem Blick auf das Helagsmassiv (hier nicht sichtbar).

Was Sie schon immer über SCHWEDEN und das JÄMTLANDSFJÄLL wissen wollten…

Gestartet sind wir in Vålådalen. Wir haben einen Abstecher über den Nulltjärn (schöner See mit Sandstrand) gemacht und sind dann dem alten Wanderweg nach Stensdalen gefolgt. Der Weg war auch ganz gut ausgetreten, aber teilweise sehr matschig und feucht. Man erzählte uns aber, dass der aktuelle Weg auch sehr feucht gewesen sei. In Stensdalen steht eine neue Hütte (dieses Jahr erst wieder eröffnet, da die alte abgebrannt ist), die sogar elektrisches Licht besitzt und eine schöne offene große Küche hat. Die Sauna ist auch zu empfehlen!!!
Am nächsten Tag ging es ganz schön hoch (500 m) zur wunderschönen Gåsenstuga. Diese besitzt sogar eine Außendusche (aber nur empfehlenswert bei schönem Wetter) mit Sicht auf das Sylarna- und Helagsmassiv, eine kleine Rebhuhnfamilie, aber keine Sauna. Wir waren leider nicht auf dem Gåsen drauf, er soll aber sehr einfach und schnell zu besteigen sein und eine wunderschöne Aussicht bieten.
Weiter ging es nach Sylarna. Auf dem Weg gibt es flache Passagen, man kreuzt einen Canyon und läuft an aneinandergereihten Seen vorbei. Das letzte Stück zur Hütte hat es dann nochmal in sich, denn es geht fortwährend leicht bergauf. Die Hütte ist eine der größeren mit viel Platz zum Sitzen, Strom, W-Lan, elektrischer Sauna, Tourenangeboten, Shop mit großer Essensauswahl und Kleidung, Mikrowellen zur Zubereitung von tiefgefrorenem Essen (das man im Shop kaufen kann), Frühstücksbuffet und und und.
Am nächsten Tag sollte es mal ohne viel Gepäck auf den Syltoppen gehen. Der Weg ist zunächst ganz gut ausgeschildert, verliert sich dann aber irgendwann in den Steinen. Da heißt es, alleine den Weg suchen – am besten jedoch sollte man sich im Vorfeld den Weg beschreiben lassen. Es sind ein paar kleinere „Kletterpassagen“ dabei, aber alles ohne Seil etc. Einfach auf allen Vieren krabbeln. Es ist auch ganz schön luftig und man sollte seine Höhenangst an einigen Stellen im Griff haben. Wenn man den Weg, der von der norwegischen Seite heraufführt, erreicht hat, ist es nicht mehr weit und auch wieder mit roten Punkten gut ausgeschildert. Die Aussicht lohnt sich!!!

Abendstimmung an den Helagshütten. Im Hintergrund ist das Sylmassiv zu sehen.Auf dem Weg zum Syltoppen. Im Hintergrund ist der Gletscher und der Gipfel zu sehen. Typische Flussüberquerung auf einer Hängebrücke zwischen den Vålåstugorna und Lunndörrenstugorna. Schwindelfreiheit ist erforderlich.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Helags. Wieder ein traumhafter Weg durch hügeliges Gelände. Die Helagshütten sind wiederum etwas größer. Hier gibt es ein ähnliches Angebot wie in Sylarna, zusätzlich aber auch ein kleines Restaurant (aber Achtung, dort sollte man vorbuchen).
Den Helags wollten wir am nächsten Tag eigentlich auch besteigen, die Wolken hingen aber so fest am Gipfel, dass wir uns entschieden, weiter zu marschieren. Auf dem Weg zur Vålåstugorna änderten wir unseren Plan, da wir ja nun diesen zusätzlichen Tag gewonnen hatten und es so schön an der Gåsenstuga war, und bogen an der Schutzhütte links auf einen alten Weg (ist in der Karte verzeichnet, aber nicht ausgeschildert, ist aber gut ausgetreten und wird wahrscheinlich von den Samen genutzt) Richtung Gåsen ab. Am Ende sollten es 26 km sein, aber der Weg war leicht zu gehen und wieder wunderschön.
Von Gåsen, wo endlich dank angenehmer Temperaturen die Dusche ausprobiert werden konnte, ging es dann aber am nächsten Tag endlich zur Vålåstugorna. Diese Hütte besitzt wieder keine Sauna, aber eine alte Küche und eine Art natürliches Schwimmbecken, das Sturebadet. Über die Lunndörrenhütte ging es dann weiter nach Vålådalen zum Endpunkt unserer Reise.
Lunndörren besitzt eine der schönsten Saunen. Man kann hier sofort in den kalten See springen. Auf dem Weg von Lunndörren nach Vålådalen lohnt sich der Umweg über die „Pyramiderna“. Diese sind in der Eiszeit entstanden und sehen wirklich aus wie Pyramiden. Hier haben wir auch im Wald unsere ersten wilden Elche gesehen. Rentiere hatten wir ja sowieso zu Hauf auf der ganzen Tour beobachten können.

Fazit:
Das Jämtlandfjällen ist das ideale Wandergebiet sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Man kann einsame Wege gehen, aber auch die sehr gut ausgestatteten Hütten anlaufen. Spontan kann man seine Tour den Ansprüchen und dem Wetter anpassen. Der Einstieg ist gut mit dem Auto, aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

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Kommentare

  1. avatar
    1
    Waack, Gundula | 3. Februar 2015, 14:19

    Die Tour ist sehr schön beschrieben. Da bekommt man gleich Lust, die Wanderung selber zu machen.

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Short Cuts Schweden und warum das Jämtlandsfjäll?

Reisezeit:
25.08.-06.09.2014 (Spätsommer, Herbstanfang) Die Hütten sind generell in der Sommersaison von Mitte Juni bis Ende September geöffnet. Und das nicht ohne Grund, denn im Frühjahr kann noch Schnee liegen und das Wasser der Flüsse steigt. Im Herbst ist es wieder sehr kalt und stürmisch. Ende September erhöht sich die Chance, die Laubfärbung in voller Pracht zu erleben, jedoch kann es auch sehr kalt werden (teilweise sogar Schneefall). Im Hochsommer wird es sehr warm – es wurde uns erzählt, dass es diesen Sommer so warm war, dass die Seen mehr als 20°C Wassertemperatur zeigten. Aber die Anzahl der Mücken erhöht sich natürlich auch dementsprechend stark (Ausnahme ist das Hochfjäll, nicht umsonst rennen die Rentiere im Sommer immer weiter rauf).

An- und Abreise:
mit Zug ab Hamburg über Kopenhagen nach Göteborg, Von Göteborg mit dem Nachtzug (Tåg 92) nach Undersåker. Von Undersåker mit dem Bus nach Vålådalen. Zurück genauso. Man kann auch über Stockholm statt Göteborg reisen, jedoch ist es sehr angenehm, schon gegen halb 7 in Göteborg in den Nachtzug steigen zu können.

Einreise:
Als EU-Bürger freie Einreise.

Sprache:
Schwedisch (geschrieben versteht man schon sehr viel), fast alle Schweden sprechen sehr gut Englisch, einige sogar Deutsch

Geld:
Schwedische Kronen (auf fast allen Hütten mit Visakarte zahlbar)

Mücken:
Überhaupt kein Problem. Wir mussten uns nicht einmal einsprühen. Vereinzelt sah man einige, aber im Hochfjäll trifft man keine Mücken mehr zu dieser Jahreszeit an.

wwwo beginnen

svenskaturistforeningen
Viele Informationen zur Region, zu den Hütten, zur Anreise etc.. Gibt es auf Deutsch, Englisch und Schwedisch. Die schwedische Seite enthält die meisten Informationen, es lohnt sich, auch da mal zu schauen. Vor allem die Übersichtskarte ist sehr gut zum Planen der Tour.

sj

Auf der schwedischen Bahnseite lassen sich alle Zugverbindungen einfach buchen. Nachtzüge müssen im Voraus gebucht werden und wenn man noch einen Liegeplatz erhalten will, sollte man sich frühzeitig drum kümmern.

bahn

Auf der deutschen Bahnseite können teilweise (bei früher Buchung) billige Angebote genutzt werden (Europa-Spezial für 39 € von jeder Stadt in Deutschland nach Stockholm z.B.).

Schweden

Nicht vergessen

  • Kleine Tasse am Rucksack: So kann man sich jederzeit bücken und das Wasser direkt aus dem Fluss genießen. Wasser mitzuschleppen ist unnötig.
     
  • Zelt + Zubehör: Man kann zwar sehr gut in den Hütten nächtigen, aber wenn man spontan sein will und Ruhe haben möchte ist die Mitnahme eines Zeltes empfehlenswert.
     
  • Wanderstöcke: Entlasten die Beine und der ganze Körper wird bewegt. Auch zum Balancehalten beim Weg über rutschige Planken sehr empfehlenswert!

Literatur

Fjällvandra i Jämtland och Härjedalen (Calazo Förlag AB 2012): Leider auf Schwedisch, aber es gibt kein deutsches Buch über diese Region. Sehr hilfreiche Tipps auch zu Tagestouren von den Hütten aus und mit Kilometerangaben sowie Höhenprofil.

Jämtlandsserien F100 (Uemedia i Linköping AB 2009): Wanderkarte über die Region. Sehr teuer. Karten können auch vor Ort gekauft werden für weniger Geld.