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Australien – Im Campervan entlang der Ostküste und ins Zentrum

95 Tage lang sind wir mit unserem eigenen Campervan durch Australien gereist. Zunächst fuhren wir von Sydney immer gen Norden, die Ostküste entlang über Brisbane nach Cairns, anschließend ins heiße Herz Australiens, nach Alice Springs und zum Uluru und dann in die nördlichste Großstadt des Landes, nach Darwin.

Auf unserer Reise haben wir einsame Strände, brennende Wälder, leuchtende Höhlen und verborgende Wasserfälle entdeckt, und das alles, ohne auf dem Weg jemals einen Fuß in ein Hotel zu setzen. Wir haben gelernt, auf 2qm Wohnfläche miteinander auszukommen, auf dem Gaskocher einen Festschmaus zu kochen und fließendes Wasser mehr als jemals zuvor zu schätzen.

Wir wollten möglichst weit weg von Deutschland, so frei und unabhängig wie möglich sein und dabei so wenig Geld wie möglich ausgeben – daher fiel die Wahl sehr schnell auf „Down Under“ und das Zuhause auf 4 Rädern

Wie kamen wir zu unserem Auto?

Wir landeten in Sydney ohne genauen Plan und mit ein wenig angespartem Geld. Zunächst haben wir uns für 2 Wochen ein Hostel gebucht, mit dem Plan den Jetlag erst einmal auszuschlafen und dann ein Auto zu finden. Beides stellte sich als schwerer heraus, als wir dachten…

Neben den schwarzen Brettern in Hostellobbies, auf denen andere Backpacker ihre Autos anbieten, wurde Gumtree, das „Ebay Kleinanzeigen“ von Australien, zur Kontaktbörse Nr 1. Wir schrieben mindestens 50 Leute an, die ihr Auto anboten, von denen circa 20 bei uns vorbeikamen um sie uns zu zeigen.

An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass wir das riesengroße Glück hatten, in unserem Hostel auf den Automechaniker Trevor zu treffen, der uns half, Schrottlauben von guten Gefährten zu unterscheiden. Wir selbst hatten anfangs wirklich keine Ahnung und hätten das erstbeste Auto genommen, was uns wohl nicht mehr weiter als 100km gefahren hätte.

Da es in Australien zwar viele nette Menschen gibt, aber ihr höchstwahrscheinlich keinen Trevor treffen werdet, der seine gesamte Freizeit für euch aufopfert, möchten wir Euch im Folgenden ein paar wichtige Hinweise geben, worauf ihr bei der Autobesichtigung achten müsst. Das wohl Offensichtlichste ist – lasst Euch nicht vom schönen Schein blenden! Manche Backpacker dekorieren ihr Auto hübscher als im Wohnkatalog, doch darauf kommt es nicht an, wenn man am Ende des Tages mit Motorschaden auf dem Seitenstreifen steht.

Schaut euch außerdem an, ob das Auto strukturellen Rost aufweist, der das Gehäuse „frisst“. Schaut euch an, ob unter der Motorhaube alle wichtigen Teile vorhanden sind. (Kein Scherz, nichts ist unmöglich!) Schaut euch an, ob in der Kühlflüssigkeit Blasen entstehen, wenn ihr den Motor anschaltet. Das kann auf eine kaputte Kopfdichtung hinweisen und euch tausende Dollar kosten. Dreht mit dem Auto selbst ein paar Runden um den Block; testet ob

Hupe/Blinker/Bremsen/Lenkung/Schaltung/Radio und die Sicherheitsgurte funktionieren. Und zum Schluss: nehmt die Verkäufer und das Auto mit zu einem Mechaniker und lasst es professionell durchchecken, bevor ihr das Auto wirklich kauft!

Außerdem verzichtet nach Möglichkeit auf Autos mit Dieselmotor, mit automatischem Getriebe und von Mercedes. Nach unseren Recherchen sind für diese die Ersatzteile nicht nur teuer, sondern auch in den Werkstätten in den entlegeneren Regionen eher schwer zu bekommen.

Kann man dann einfach losdüsen, wenn man ein Auto gefunden hat?

Ganz einfach, nein.

Vorweg: wir haben unser Auto in Sydney, New South Wales gekauft, daher beziehen sich unsere Infos nur auf dieses Territorium. Es ist überall in Australien etwas unterschiedlich. In NSW sind die Gesetze dazu definitiv am schärfsten und damit auch am teuersten, doch die anderen Territorien sollen in der nächsten Zeit wohl langsam nachziehen, aus Sicherheitsgründen.

Nachdem das passende Auto also endlich gefunden war (Besichtigungsobjekt Nummer 22, am letzten Tag unseres Hostelaufenthalts, ein Mitsubishi Express Window Van namens „Chubby“, Baujahr 2008, für 3100 Dollar) brauchte es zunächst einen „blue slip“ – eine Art Tüv, der von einem Mechaniker ausgestellt wird. Für Autos, die vorher in einem anderen Territorium als NSW registriert wurden, kostet dieser 100 Dollar, dauert circa eine Stunde und das Auto wird dabei auf seine Fahrtauglichkeit geprüft. Wir empfehlen wie gesagt, dies vor dem offiziellen Kauf und mit den alten Besitzern auf der Rückbank zu machen, falls sich doch noch irreparable Schäden auftun.

Mit dem „blue slip“ in der Tasche, konnten wir online den „green slip“ bestellen – die Versicherung für durch das Fahrzeug verursachte Schäden an Dritten. Ohne diesen ist eine Registrierung unmöglich. Für ein Jahr kostete uns diese Versicherung weitere 1200 Dollar. Falls man das Auto nach weniger als einem Jahr wieder verkaufen will, lohnt es sich, die Versicherung monatlich zu zahlen, statt auf einmal. Denn sie gilt für das Auto und nicht für die Fahrer – einmal bezahlt, sieht man das Geld nie wieder, auch wenn man nur 3 Monate fährt.

Nach circa 2 weiteren Stunden hatte die Versicherung den „green slip“ an die Registrierungsstelle weiter gegeben. Es ist auch hier sehr ratsam, die Verkäufer noch mit dabei zu haben. Hier, auf diesem Amt, erfährt man, ob auf das Auto noch unbezahlte Strafen für rote Ampeln/ zu schnelles Fahren etc. ausgesetzt sind. Im Falle eines Kaufes, kauft man diese Strafen mit! Also unterschreibt den Kaufvertrag erst, nachdem ihr euch vergewissert habt, dass das Auto wirklich vollkommen okay ist. Mit dem unterschriebenen Kaufvertrag konnten wir dann für weitere 430 Dollar das Auto auf uns ummelden und bekamen ein neues Nummernschild.

Auf geht’s! Aber was muss mit?

Unser Campervan war mit einem Bett in der Mitte und einer kleinen Küche hinten vorausgestattet. Unbedingt einpacken sollte man eine warme Bettdecke, denn sobald man ins Gebirge oder in die Wüste fährt, können die Temperaturen nachts schnell gegen 0 Grad tendieren.

Zur Küchenausstattung gehören zwingend ein funktionierender Gaskocher, sowie ein Esky. Ein Esky ist eine große Kühlbox, Eis dafür gibt es an fast jeder Tankstelle zu kaufen.

Für den Trip ins Outback und auch generell ist es sehr empfehlenswert, sich mit mehreren 10l Wasserkanistern von Coles einzudecken, sie haben einen praktischen Wasserhahn und man kann sie an vielen öffentlichen Wasserstellen auffüllen, denn in Australien ist Leitungswasser gleich Trinkwasser. (Bis auf ein paar wenige Ausnahmen im Outback).

Ein voller Benzinkanister, das richtige (!) Motoröl, ein Ersatzrad und Werkzeug dazu sowie Kabelbinder, Gaffatape und eine Wäscheleine dürfen auch nicht fehlen.

Speziell für das Outback, in Planung lange keinen Strom zu haben, haben wir zum einen eine zweite Autobatterie eingebaut, die beim Fahren von der Ersten geladen wurde. Dadurch konnten wir abends problemlos das Licht im Van anschalten, ohne morgens nicht mehr vom Fleck zu kommen. Zum anderen haben wir noch einen Yeti 150 gekauft, das ist quasi eine größere Akkubox, die ebenfalls beim Fahren aufgeladen wurde und mit der wir unser Macbook aufgeladen haben. Zusätzlich hatten wir noch das Solarpanel Nomad 30 dabei, um an sonnigen Tagen mit Fahrpause draußen die Handys auch noch mal so aufzuladen.

Apropos Handy: Wir haben uns vor Ort ganz am Anfang Simkarten von Telstra gekauft. Mit diesen hatten wir sogar in weiten Teilen des Outbacks noch Empfang.

Fahrspaß auf der anderen Seite!

Beim Fahren sollte man schnell merken, dass in Australien Linksverkehr herrscht… Überraschenderweise war das das kleinste Problem, denn gerade auf vielbefahrenen Straßen kommt man gar nicht auf die dumme Idee, doch rechts zu fahren, man fährt einfach mit der Masse. Lediglich das rückwärts Einparken mit dem Sitz auf der falschen Seite und das Schalten mit dem „schwachen“ linken Arm waren anfangs eigenartig. Der wichtigste Tipp zum Fahren (neben: halte dich an die Schilder!) ist wohl, bei Einbruch der Dämmerung langsam die Rast anzutreten, denn dann kommen die Kängurus todesmütig auf die Straßen gehüpft. Sie lassen sich auch nicht durch Hupen vertreiben, wie man es von deutschen Rehen gewohnt ist – im Gegenteil, die Hupe lockt gerade kleinere neugierige Kängurus noch extra an.

Problematischer als das Fahren war tatsächlich das Halten, denn das ist gerade über Nacht vielerorts in Australien nicht erlaubt, anders als in Deutschland oder Schweden. Zum Finden eines geeigneten Platzes zum Übernachten haben wir die App „Wikicamps“ benutzt. Sie ist wirklich perfekt, man kann die Plätze nach seinen Vorstellungen filtern und so fanden wir für jede Nacht in den 3 Monaten  einen kostenlosen Campingspot, was uns enorme Hotel-oder Campingplatzkosten erspart hat.

Vorteilhaft war, dass wir uns tatsächlich einen Campervan mit Bett und keinen 4WD mit Zelt oder Dachzelt gekauft hatten, denn das Schlafen im Campervan ist wesentlich öfter gratis möglich als das Schlafen im Zelt. Wirklich gebraucht hätten wir den Allradantrieb nur einmal in den Blue Mountains und 2 Mal im Outback, wobei wir es auch da immer weiter geschafft haben, wenn auch langsamer.

Ganz einfach, ja!

Ein eigenes Auto ist eine großartige Möglichkeit, um mit wenig Geld genau das von einem Land zu entdecken, was man möchte. Wir haben das Auto am Ende für den gleichen Preis wiederverkauft und mussten damit am Ende nur die Versicherung und den Sprit zahlen. Ab einer Fahrzeit von 2 Monaten lohnt es sich wirklich, den Mehraufwand auf sich zu nehmen und ein Auto zu kaufen, statt zu mieten. Unser Chubby hat uns unglaublich spannende 95 Tage beschert und wir sind sehr dankbar, dass sich die viele Mühe bei der Autoauswahl gelohnt hat und wir keine einzige Panne mit ihm hatten.

Reisezeit

Man muss sich klar machen, dass in Australien alles „auf dem Kopf steht“ – wenn bei uns Winter ist, ist dort Sommer. Weiterhin ist der tropische Norden im Sommer schwer erträglich, und der Süden Australiens ist im Winter echt kalt. Daher bietet es sich an, in den Wintermonaten Juni bis Oktober den Norden des Kontinents zu bereisen und in den Sommermonaten November bis Mai dann den Süden zu erkunden, wenn man sich durchgehend warmes Wetter wünscht.

Anreise

Angereist sind wir mit den Etihad-Airlines von Frankfurt nach Sydney, mit einem 3-tägigen Zwischenstopp in Abu Dhabi. Nach dem ersten 6-stündigen Flug kam die Pause vor den nächsten 10 Stunden im Flugzeug sehr gelegen.

Einreise

Wir sind mit dem Working Holiday Visum eingereist, welches einen einjährigen Aufenthalt und das Arbeiten in Australien erlaubt. Dieses muss vorher online auf der Seite der Regierung beantragt und bezahlt werden, was sehr unkompliziert abläuft. Mitbringen muss man dann nur seinen Reisepass – das Visum wird darauf gespeichert, sowie einen beglaubigten Kontoauszug auf Englisch, der einem ein Vermögen von mindestens 3000€ nachweist. Nach letzterem wurden wir jedoch nicht gefragt. Achtung: Vor der Einreise unbedingt Schuhe putzen (Matschreste!) und mitgebrachtes Essen spätestens im Flugzeug aufessen –die australischen Behörden verstehen keinen Spaß wenn es um eingeschlepptes organisches Material aus dem Ausland geht.

Geld

Wir sind mit Visakarten der DKB gereist und konnten überall problemlos Geld abheben. Um den Shuttle vom Flughafen zur Innenstadt zu bezahlen, ist es ratsam, schon ein paar australische Dollar in der Tasche zu haben, damit man nicht am Flughafen das Geld abheben muss. Ein Euro entspricht circa 1,5 australischen Dollar. Die Preise in Australien sind etwas höher als in Deutschland, vor allem für Miete und (gesunde) Lebensmittel.

Sprache

Die Australier haben einen sehr starken Akzent, aber nach ein paar Tagen hat man sich auch daran gewöhnt und fängt teilweise selbst an, so zu sprechen. Insgesamt sind alle sehr hilfsbereit und bemühen sich, deutlicher zu sprechen, wenn sie merken, dass sie nicht verstanden werden. Englisch an sich sollte man aber definitiv schon gut sprechen, bevor man ankommt, denn niemand spricht Deutsch. Gerade wenn man einen längeren Aufenthalt plant, mit vielen Behördengängen am Anfang (Autoversicherung z.B.), ist fließendes Englisch zwingend nötig.

Web-Links von vor der Reise

http://www.hm-touristik.de/ Bei HM-Touristik haben wir unsere Flugtickets gekauft, da dieses Reiseunternehmen auch flexible Rückflugtickets anbietet. Auf Rückfragen wurde die ganze Zeit kompetent, freundlich und schnell eingegangen, auch dann vom Ausland aus.

http://www.reisebine.de/Reisebine ist eine sehr informative Website rund um die Reise nach Australien  und man findet dort auf (fast) alle Fragen, die sich vorab auftun, eine Antwort.

https://www.gumtree.com.au/ Das „Ebay-Kleinanzeigen“ von Australien. Sowohl während der Reise sehr nützlich, als auch schon vorab, wenn man auf der Suche nach Jobs, einem Auto oder anderen Dingen ist.

Reiseführer/Karten

Wikicamps. Unsere Planungsgrundlage und der Lebensretter für jeden, der mit dem Campervan reist. Wikicamps ist eine App, die alle möglichen Campgrounds/ Parkmöglichkeiten/ öffentlichen Duschen und Sehenswürdigkeiten anzeigt, sie ist sehr gut zu bedienen und nicht wegzudenken.

Lonely Planet: Australia. Wir hatten Ihn dabei und haben stellenweise sehr interessante Infos drin gefunden, aufgrund seiner Größe und Schwere für Backpacker aber eher als PDF zu empfehlen.

Marco Polo: Australien. Eine Analog-Karte ist nie verkehrt, falls für Google Maps einmal der Strom oder Empfang fehlt. Außerdem kann man da schön von Hand eintragen, wo man schon war.

  • Absolut notwendig sind Nobite gegen Moskitos, Sonnencreme (LSF 30-50), Moskitohut und Sonnenhut
  • Ersatzteile fürs Auto inklusive skills, wenn man sich im Sand festgefahren hat
  • große Wassertanks, genügend Sprit und Proviant
  • Schlafsack oder eine warme Decke, im Outback können die Nächte gen 0°C tendieren

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