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Testbericht: Der Wunderheiler für‘s Reisefieber – BACHs Dr. Duffel im Praxistest

Testbericht: Der Wunderheiler für‘s Reisefieber – BACHs Dr. Duffel im Praxistest

Du schläfst nicht so gut? Dein Essen kommt dir langweilig vor? Deine Füße kribbeln vom ganzen Sitzen? Du stehst scheinbar grundlos lange und sehnsüchtig vor dem Schrank mit der Reiseausrüstung? Du hast Schwierigkeiten, dich zu konzentrieren, weil in deinem Browser mehr als 100 Tabs mit Bahnverbindungen, Flügen, Bootsverleihen, Zeltplätzen, Strandbars, Bergroutenbeschreibungen und der tapir-Website offen sind? Die Diagnose bei diesem Symptombild ist relativ eindeutig: Du leidest an Reisefieber, einer akuten Unterform des Fernwehs (lat. Desiderium Longiquus). Die gute Nachricht ist, dass aus dem Hause BACH bereits Hilfe unterwegs ist. Mit der Reisetasche Dr. Duffel im Gepäck ist eine Heilung nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich.

Der Reisetasche/Rucksack-Hybrid ist interessant für alle, die Reisen lieben, sich nicht auf das Minimalste beschränken müssen/wollen und dabei keine langen Fußwege planen. Es ist die perfekte Tasche für Reisen mit Bahn, Bus, Auto und Flugzeug.

Für mich ist ein Duffel Neuland. Bis vor kurzem bin ich alles, was ich auf Reisen laufen konnte, gelaufen. Meinem Kontostand zuliebe habe ich so gut wie nie ein Taxi von innen gesehen. Selbstverständlich ist dabei ein Rucksack mit gutem Rückensupport eine absolute Notwendigkeit. Dann kam eine Knieverletzung und ich war gezwungen, meinen Reisestil komplett zu überdenken. Der perfekte Moment, um mich auch beim Thema Taschen und Sortierung in unbekannte Gewässer zu wagen. Also habe ich den letzten Monat an der mexikanischen Karibikküste verbracht und dabei den Dr. Duffel (in der 40-Liter-Variante) von Bach getestet. Warum gerade den? Let’s see …

Der Dr. Duffel kann sehr viel. Nicht alles, aber sehr viel!

Bach ist natürlich nicht der einzige Hersteller, der tolle Duffels anbietet. Die Wahl zwischen Ortlieb, Patagonia, Bach, Osprey und Eagle Creek fällt nicht leicht. Aber wie wir es von Bach gewohnt sind, ist das Design von vorn bis hinten durchdacht und ausgelegt für lange Nutzung.

Der grundsätzliche Aufbau der Reisetasche ist stark orientiert an den großen Ledertaschen, mit denen reisende Ärzte früher ihre Gerätschaften durch die Landschaft bewegten.

Das will heißen: Es gibt ein großes Fach mit einem Reißverschluss in der Mitte der Längsseite. Dabei ist der Reißverschluss länger als die Länge der Tasche und durch das verkürzte Material um den Reißverschluss herum schmiegt sich der Zipper an die Quaderform der Tasche an und schließt diese perfekt ab. Das bedeutet: Im offenen Zustand ist die Tasche weit offen – also super leicht zu packen – und im geschlossenen Zustand zwingt der Reißverschluss die Tasche, ihre Form zu behalten und nirgendwo hässlich bulkig überzustehen. Ein absoluter Gewinn für Praktikabilität und Style gleichermaßen. Der Reißverschluss ist richtig stabil und man kann den großen Innenraum wirklich ausreizen, ohne sich beim Schließen der Tasche zu sorgen, dass gleich ein billiger Zipper mit Schallgeschwindigkeit durch die Gegend fliegt. Wenn man den Dufflel wirklich an seine Grenzen bringen will, kann man die kleinen Schlaufen an den Enden des Reißverschlusses nutzen, um Gegendruck aufzubauen und alles läuft wie geschmiert. Wie gutes medizinisches Fachpersonal es sollte, urteilt auch der Dr. Duffel nicht – auch nicht, wenn man mal wieder mehr eingepackt hat, als man braucht …

Ganz am Ende der Hauptöffnung findet sich ein praktisches und stabiles Metallstück, das man mit einem Rucksackschloss easy mit dem Zipper verbinden kann.

Zwei weitere Reißverschlüsse hat Bach angebracht, um uns das Leben leicht zu machen. Es gibt einen langen, der entlang der gesamten Seite einen schmalen Zugang zu den Innereien der Reisetasche bietet. Da die Tasche durch den gefalteten Gesamtaufbau unter Druck steht, kann man hier aber nur Kleinigkeiten durch den Spalt hervorzaubern. Sehr gut, wenn man in unaufmerksamen Momenten keinen ungehinderten und unbemerkten Zugang gewähren möchte.

Und dann gibt es noch einen kleinen Reißverschluss an der kurzen Seite des Dr. Duffel, hinter dem sich eine Seitentasche für Kleinigkeiten wie Powerbank, Augenmaske, Reisepass etc. verbirgt. Im Innenraum der Reisetasche hat Bach einige praktische, stabile Netztaschen angebracht, damit man Skalpell und Kompressionsbinden – äh… ich meinte: Ladekabel und Zahnbürste nicht versehentlich vermischt. Die Compartments sind auch mit Reißverschlüssen versehen. Schon wieder Reißverschlüsse? Klar. Sie sind sehr praktisch und irgendwo muss das Gewicht des Duffles ja herkommen.

Während ich mich in den Details verliere, höre ich euch in meinem Hinterkopf bereits ungeduldig „Tragesystem“ rufen. Denn am Ende sollen ja Habseligkeiten transportiert werden. Sonst wäre es schließlich ein Medizinschrank und keine Arzttasche.

Hier arbeitet Bach mit einem Hybridsystem. Wie man es beim Aufbau der Tasche erwarten würde, gibt es zwei Handgriffe. Diese lassen sich mit Velcro zu einem zentrierten Griff verbinden, an dem sich die Tasche gut halten lässt.

Nimmt man sie wieder auseinander, hat man die zweite Option vor sich: bequeme, breite Straps, die sich angenehm auf die Schulter schwingen lassen. Und schon ist der Duffel zum Rucksack geworden. Braucht man die Schultergurte nicht, lassen sie sich in zwei Handgriffen abnehmen und in eigens dafür vorgesehenen Taschen verstauen.

Bei dieser Hybridform kommen wir leider auch zu einem klaren Minuspunkt des Dr. Duffel: Wer ihn tatsächlich als Rucksack tragen möchte, braucht einen guten Rücken und ein wenig Schmerztoleranz. Im unteren Rückenbereich beult sich der Reißverschluss etwas aus und drückt auf die Wirbelsäule. Das dort ein Kontaktpunkt liegt, ist natürlich unvermeidbar, so lange wir an die Gesetze der Physik gebunden sind, aber bei einem Rucksack, der in erster Linie als Rucksack gedacht ist, wird der punktuelle Druck entweder durch ein Steißpolster oder einen Hüftgurt entlastet. Das kann der Dr. Duffel in seiner Konstruktion nicht bieten und dementsprechend drückt der ausgeprägte Reißverschluss im bepackten Zustand stark in den Rücken. Das stört tatsächlich so sehr, dass ich im ausgedehnten Flughafen von Madrid die Tasche mit den Händen vom Rücken weghalten musste, um mir keine blauen Flecken zuzuziehen. Autsch …

Das hemmt zwar meine Begeisterung ein wenig, aber seien wir ehrlich: Der Dr. Duffel ist keine Tasche, die zum Laufen gemacht ist. Die kurzen Strecken zwischen verschiedenen Transportmitteln waren durchaus machbar und die Praktikabilität des Duffels in anderen Punkten ist exzellent. An jeder Seite gibt es bequeme und stabile Griffe. Die Tasche lässt sich in jeder Position und aus jedem Winkel gut greifen – egal, wie sehr der mexikanische Busfahrer sie eingeklemmt hat.

First of all: Der Dr. Duffel ist pflegeleicht. Warum? – Die Außenseite der Tasche ist aus einem gekräuselten 1000er-Cordura gefertigt. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass der Dr. Duffel sehr widerstandsfähig, also reißfest und abriebfest, ist. Weiterhin bedeutet es auch, dass sich die Oberfläche angenehm anfühlt und einen stylisch-matten Ton hat. Zusammen mit der großartigen Verarbeitung ist das Design des Duffels so elegant, dass mir in Mexiko gesagt wurde, ich sehe aus, als würde ich Drogen nach Europa schmuggeln … Ob das ein Kompliment ist, weiß ich nicht, aber die Tasche sieht ziemlich gut aus und passt sowohl in den Van für einen Roadtrip als auch in ein Upscale Hotel in London für eine Geschäftsreise.

Natürlich kann ein versatiler, widerstandsfähiger und schicker Duffel nicht ganz ohne Haken sein: Das feste und leicht gekräuselte Material ist eine Herausforderung für sanftere Textilien. Wer den Dr. Duffel also als Rucksack tragen möchte, sollte vielleicht nicht gerade ein Wollshirt tragen, um Abrieb am Shirt zu vermeiden.

Auf die Tasche muss man nicht allzuviel Rücksicht nehmen. Sie bleibt natürlich nicht medizinisch steril, aber bis auf ein bisschen Staub weist die Außenseite auch nach einem Monat Reisezeit keine Mängel oder Verschmutzungen auf. Wer seine Ausrüstung lange nutzen will, pflegt sie natürlich trotzdem, weshalb sich die glatte Innenseite der Tasche super auswischen lassen lässt. Danke, Bach!

Fassen wir also zusammen: Der Dr. Duffel von Bach ist eine einzigartige Tasche. Sie ist super robust, bis ins letzte Detail durchdacht, lässt sich wunderbar bepacken, sieht wirklich gut aus, ist als Rucksack nutzbar und hat die perfekte Größe, um die Handgepäcksmaße im Flugzeug bis zum letzten Kubikzentimeter auszunutzen. Wenn man etwas bemängeln möchte, dann sind es der drückende Reißverschluss, der im Rucksackmodus die Wirbelsäule malträtiert, und das Gewicht, da die Tasche mehr auf Robustheit und Packkomfort ausgelegt ist als auf eine sportliche Tour. Aber das ist ja auch eigentlich klar. Schließlich beschwert sich auch niemand bei einem Jetski, dass er schwerer ist als ein Kayak. Verschiedene Produkte für verschiedene Zwecke.

Ich freue mich auf jeden Fall, den Dr. Duffel jetzt als Begleiter zu haben und nicht weiter meine Wanderrucksäcke auf Zug- und Autoreisen zu missbrauchen. Meinem Reisefieber verspricht das gute Linderung. So, jetzt aber genug gelesen! Impfausweis, Masken, Mosquitospray, Desinfektionsmittel, Schmerzmittel, Wasserfilter und Blasenpflaster in den Duffel werfen, Reißverschluss zuziehen und: „Vamos, amigos!“

+ steht stabil beim Packen, schließt und komprimiert jedoch selbst bei Überbeladung problemlos
+ mit klassischem TSA-Schloss verschließbar
+ fairer Preis für eine hochwertige und versatile Tasche (150 €)
+ elegantes Hybridsystem von Duffel und Rucksack
+ sehr bequem zu hantieren: Schlaufen und Taschen ermöglichen eine simple und präzise Handhabung in Bus, Bahn, Flugzeug und Auto
+ robustes und leicht zu reinigendes Außenmaterial, angenehme Haptik
+ schnittiges Design, das sich sowohl urban als auch in der Natur wohlfühlt
+ reizt die Handgepäcksmaße der meisten Fluglinien ziemlich exakt aus (in der 40-Liter-Variante!)
+ praktische Compartments für Reisemedizin, Packungsbeilagen und anderen Kleinkram
– kann (selbstverständlich) bei Fußwegen keinen Rucksack ersetzen
– relativ hohes Eigengewicht (1340 g in der 40-Liter-Variante)
– nicht sehr bequem auf dem Rücken
– kann andere Textilien aufrauhen
– kein echter, approbierter Doktor 🙁

Dr. Duffel 40

Dr. Duffel 40

149.95€

Dr. Duffel 70

Dr. Duffel 70

179.95€

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