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Teaserbild: Wintertrekking in Norwegen

Wintertrekking in Norwegen

Wintertrekking in Norwegen

Still, erhaben und abgelegen ist die subpolare Hardangervidda. Kaum eine andere europäische Landschaft ist bis heute derart unberührt. Nicht umsonst hat auf der größten Hochebene Europas manch Polarexpedition trainiert. An acht Tagen mit Zelt, Pulka und Ski haben meine Frau und ich sowohl die schönsten, als auch die schlechtesten Seiten dieser Wildnis erlebt.

Warum die Hardangervidda

Obwohl das vielleicht nahe liegen würde, ging es uns bei dieser Tour nicht um einen Beweis von Heroismus an uns selbst oder andere. Wir wollten einfach unsere Ruhe vor der Zivilisation haben, das Handy auslassen, in die Wildnis eintauchen und den Arbeits-/ Unistress für ein paar Tage vergessen. Richtig, manche Gebiete der Alpen wären dafür auch geeignet, allerdings fehlt uns die Erfahrung im Umgang mit Lawinen. Eines der menschenverlassensten, am wenigsten von Schneebrettern bedrohte Gebiet in Autoentfernung zu Mitteldeutschland ist also die Vidda.

Nach der Nacht ist die Hose durchgefroren.Nach viel Arbeit nimmt unser erstes Iglu Gestalt an.Weite weiße Traumlandschaft

Was Sie schon immer über die HARDANGERVIDDA wissen wollten…

Das Wetter und die Anreise zu unserer Pulkatour
Unsere Miniexpedition fand im März statt. Zu dieser Zeit ist auf der Hardangervidda noch tiefster Winter, aber die Tage werden bereits länger. Dennoch stehen die Chancen für Nordlichter bei klarem Nachthimmel gut. Angereist sind wir mit dem eigenen Auto, in dem wir auf der Fahrt auch geschlafen haben. Mit rund 80 € für beide Strecken sind die Fährpreise (Stena Line, Fjord Line) nach Skandinavien und zurück in den Wintermonaten nahezu ein Schnäppchen. Ihr solltet dennoch rechtzeitig buchen, um die billigen Preise abzufassen. Die zeitaufwendige Fahrt über die dänischen Ostseebrücken ist somit nicht nötig.
Eine übliche Temperatur zu dieser Jahreszeit ist -10°C. Dennoch sind auf der Vidda bis -30°C möglich. Als Dieselfahrer sollte man also bei Ankunft in Norwegen als erstes tanken, da der dortige Winterdiesel auf höhere Minusgrade ausgelegt ist als bei uns. Mit dem Urvertrauen, dass es schon gut gehen wird, machen wir das natürlich nicht und legen uns schlafen.

Es geht los – nicht ganz einfach
Obwohl von den Rastplätzen der Straße Rv. 7 über die Hochebene nicht mehr als weiße Flächen zu sehen sind, werden sie vom Räumdienst befahrbar gehalten. Auf einem solchen am gefrorenen Ufer des See Ørteren werden wir die Nacht verbringen und am folgenden Tag starten. Trotz eines heftigen Sturmes schnallen wir uns am Folgetag die Bretter unter die Füße. Was soll ich sagen. Lernt bitte aus unserer Erfahrung und wartet das Sturmende ab oder benutzt gleich ein GPS. Im Whiteout kann der entfernteste Punkt, der noch zu sehen ist, die eigene Skispitze sein. Der Rest wird dann zu konturlosem Weiß im ohrenbetäubenden Lärm des Sturmes. Nachdem wir irgendwann nicht mehr im Kreis laufen, mühen wir uns für wenige Kilometer stundenlang ab. Es fühlt sich an wie in einem Wüstensturm aus Schnee. Handschuhe ausziehen ist unmöglich und jede geöffnete Tasche füllt sich augenblicklich mit weißem Puder. Auf der windzugewandten Seite bilden sich an den kleinsten Bommeln, Fäden und Stricken stetig wachsende Eisklumpen.

Richtfest zum SonnenuntergangEin neuer Tag beginnt mit Kaiserwetter.Im Vergleich zu Außenwelt ist's hier mollig warm.EisregenAuch der letzte Tag wird frostig.Zum Tourende ist der treue Bulli fix wieder ausgegraben.

Maulwurfsqualitäten
Bevor es dunkel wird, sind Maulwurfsqualitäten gefragt. Damit das Zelt im Wind überhaupt aufzubauen geht, muss es tiefergelegt und mit einer Schneemauer umgeben werden. So eine Mauer würde ich übrigens auch bei freundlichem Wetter empfehlen. Im nächtlichen Sturm lässt sich ihr Bau nur schwer nachholen.
Als wir tags darauf aufwachen sind wir sprachlos. Der Himmel ist azurblau, in allen Himmelsrichtungen befindet sich weiße weite Landschaft und es ist still wie in einem Sarg. Allein für diesen schönen Moment hat sich die Reise gelohnt. Vor Freude bleiben wir hier gleich noch einen Tag und bauen ein Iglu. Zudem ist das zum Trocknen der Kleidung sehr nötig. Meine von gestern verschwitzte Hose ist hart gefroren wie ein Eiszapfen.

Reicht die Sonnencreme?
In den folgenden Tagen fahren die nordischen Wettergötter einen phänomenalen Kuschelkurs. Fast kommen mir Zweifel, ob die Sonnencreme reichen wird. Trotz Minusgraden öffnen sich unter meinem dünnen Fleecepulli alle Schweißporen beim Pulkaziehen. So lässt es sich auch mit einer dem Sturm geschuldeten Erkältung aushalten. In solch schönen Stunden ist die Zeit zu schade, um als Lasttier vor einen Schlitten gespannt zu sein.
Deswegen werden wir nach zwei Tagen des Umherziehens wieder vorübergehend sesshaft. Das Zelt dient als Basislager während Susi und ich die Umgebung erkunden. Neben einigen kleinen jungfräulichen Hängen, kreuzen auch Hunderte von Tierspuren unseren Weg. Unverkennbar sind die Abdrücke einer großen Rentierherde. Spannender finde ich jedoch die wüst verstreuten Spuren einer Jagd zwischen Luchs und Lemming. Die Akteure haben die Bühne zwar schon vor unserem Erscheinen verlassen, aber dennoch zeigen die frischen Pfotenabdrücke, dass eine Sichtung des scheuen Pinselohres möglich ist.

Zum Schluss gibt es Nordlichter
Zum Tourabschluss macht sich die Sonne wieder rar. Ein Unwetter wie am ersten Tag bricht zwar nicht wieder über die Landschaft herein, aber Eisregen, wenige hundert Meter Sicht und stetig starker Wind verhindern, dass uns der Abschied vom schönen Hochland schwer fällt. Dafür zeigt der Himmel in der vorletzten Nacht wunderbare, feurig rote Nordlichter in den Wolkenlücken. Am Startpunkt der Skitour angekommen, erhalten wir mit ein klein wenig Buddeln unser Auto zurück. Das springt bei moderaten 0°C auch prompt an.
Obwohl der eigentliche Teil der Tour vorbei ist, freuen wir uns nun auf einen angenehmen Ausklang in Oslo. Wie immer nach einem unserer Outdoortripps sind es ganz besonders die warme Dusche, normales Essen und eine richtige Toilette, die am Urlaubsende zu den ersehnten Highlights werden.
Das obligatorische Sightseeing in Norwegens Hauptstadt steht daher erst an vierter Stelle. Trotz oder gerade wegen der verschiedenen Unwägbarkeiten der Reise, fühlen wir uns geerdet und psychisch wieder fit für den Alltag in Deutschland. Schade, dass derart wilde Landschaften in Europa eine Seltenheit sind.

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