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Teaserbild: Testbericht: Nigor Wicki Up 4

Testbericht: Nigor Wicki Up 4

Auf unserer letzten Testtour im Karwendel hatte ich das Vergnügen, in einem unserer Indianer-Zelte zu schlafen, dem 3-Seasons Wicki Up 4 von Nigor. Es war nicht meine erste Nacht in einem Tipi und ich war sehr gespannt darauf, wie sich das Wicki Up gegenüber seinen (Zelt-)Nachbarn schlagen würde.

TESTBEDINGUNGEN im Karwendel-Gebirge
Das Wicki Up 4 wurde auf einem mittelmäßig steinigen Boden getestet; weniger massiver Fels wie weiter oben im Gebirge als viele kleine Kiesel, die sich größtenteils unter der Bodenoberfläche verbargen. Dauerregen gab es während der Testtour in einer der insgesamt vier Nächte. Die UV-Strahlung im Gebirge war sicher höher als im Tal, allerdings hatten wir durch die nahe Kiefer einen schönen, schattigen Standplatz, sodass das Wicki Up nicht allzu viel Strahlung ausgesetzt war. Der Wind hielt sich stark in Grenzen, das Tipi konnte daher nicht in starken Windbedingungen getestet werden. Getestet wurde das 4-Personen-Zelt in einer Nacht mit 3 tapiren, zwei Mal Modell „groß und kräftig“ und einmal „klein und geschmeidig“. Nach der ersten Nacht wurde die Zeltbesatzung auf jeweils einmal groß und klein reduziert, warum genau, dazu kommen wir später.

 

PACKMAß und GEWICHT
Noch vor dem Aufbau sticht das angenehm kleine Packmaß und verhältnismäßig geringe Gewicht positiv ins Auge und kann erste Pluspunkte sammeln. Mit 14 x 49 cm lässt sich das Wicki Up problemlos in einem Tourenrucksack verstauen, Gestänge und Zeltwände sind in einem Sack zusammengefasst. Der Packsack passt wunderbar, es gibt keinerlei Schwierigkeiten, das Wicki Up auch dann hineinzubekommen, wenn es noch nicht komplett getrocknet ist (was auf einigen Touren dem Normalzustand entsprechen dürfte). Insgesamt bringt das Wicki Up 4 mit Footprint 2503 Gramm auf die Waage (1928 Gramm ohne Footprint) und ist somit schön leicht, insbesondere, da hier bis zu vier Personen Zuflucht finden können.

 

AUFBAU
Die Tipi-Konstruktion hat auf Anhieb einen großen Vorteil, der mir persönlich sehr sympathisch ist: Es gibt genau eine Zeltstange, hier vom Plural Zeltgestänge zu reden wäre also gänzlich fehl am Platz. Die Stange ist aus DAC-Aluminium gefertigt und längenverstellbar, um das Zelt richtig spannen zu können (max. Stangensegmentlänge: 45 cm).

Der Aufbau selbst ging schnell und unkompliziert vonstatten: Außen- und Innenzelt sind miteinander verbunden, ein separates Aufrichten ist also nicht nötig. Dann noch schnell die Zeltenden fixiert und die Aluminiumstange als tragendes Element eingefügt und fertig ist das Wicki Up. Hierbei empfand ich das Finden der richtigen Einsatzstelle für die Aluminiumstange als einfach, da diese sich direkt im Zentrum des Zeltes befindet.


Nachbesserungsbedarf gibt es allerdings bei den Heringen. Auch wenn diese – wie das ganze Zelt – schön leicht und durch ihre rote Farbe gut wiederauffindbar sind, so ist die Heringsnase doch deutlich zu klein geraten. Daher kann es vorkommen, dass die Zeltschlaufen von dem Hering rutschen. Dies kann zwar durch einen gewissenhaften Aufbau verhindert werden, macht aber ein schnelles Befestigen „mal eben so“ nicht möglich. Hier hätte ich mir eine größere Karabiner…, ähm: Heringsnase gewünscht (warum ich seit unserer Testtour stets die Worte Heringe und Karabiner miteinander vertausche, wird wohl ewig ein Geheimnis der Synapsenverbindungen meines Gehirns bleiben…).

Insgesamt ein einfacher Aufbau, der etwa 15 Minuten dauert. Es gibt außerdem genügend Fixpunkte um das Wicki Up bei starkem Wind abzusichern.

 

RAUMAUFTEILUNG und FORMFAKTOR
Ich muss gestehen: Als Tipi hat das Wicki Up bei mir einen kleinen Startvorteil, da ich ein großer Freund von urtümlichen Behausungen (Tipis, Jurten, moosbedeckten Lichtungen etc.) bin. Abgesehen von der Tipiform hat das Wicki Up 4 natürlich wenig gemein mit seinen Vorfahren. Es ist konzipiert für 4 Personen wobei es schon bei drei Schläfern recht kuschelig wurde! Vier Personen sind definitiv möglich, doch wird man sich den Raum gut einteilen müssen, wenn man noch vier Tourenrucksäcke dabei hat. Der Raum ist mit 2,90 m x 2,90 m also eher knapp bemessen, vor allem deswegen, weil durch die flach abfallenden Zeltwände auch nicht der gesamte Raum effektiv nutzbar ist. Die Zelthöhe von 1,74 m kann vor allem für große Menschen ein kleines Problem darstellen, auch wenn ich mit 1,85 m gut zurechtgekommen bin. Unsere späteren Nächte mit 2 Personen waren natürlich überaus luxuriös und mit viel Platz verbunden, aber auch nicht wirklich repräsentativ für ein 4-Personen-Zelt. Das Wicki Up 4 ist in der Tat ein Vier-Personen-Zelt, doch ich würde diese Angabe, wie gesagt, mit Vorsicht genießen.

Erwähnenswert ist auch nochmals die alles tragende DAC-Aufstellstange, die das unumstößlich Zentrum des Wicki-Up bildet. Hier muss man etwas achtgeben, sie nicht umzustoßen; doch wohlgemerkt nur etwas, da die Stange an sich sehr fest sitzt und man schon richtig dagegen stoßen müsste, um die Stabilität des Wicki Up zu gefährden.

Überzeugt hat mich das kleine Vestibül am Fronteingang des Zeltes – immer sehr praktisch zum Abstellen dreckiger Wanderstiefel oder zum Kochen. Hier finden auch vier Paar Stiefel Platz.

MATERIALIEN und WASSSERDICHTIGKEIT
Ah, die wichtigste aller Fragen: War das Wicki Up 4 dicht? Und wie schaut es mit der Kondensfeuchte aus?

Das Außenzelt des Tipi besteht aus GorLyn 20, Ultra Lite 20D, einem beidseitig silikonisierten 6.6 Ripstop Nylongewebe mit mindestens 3000 mm Wassersäule. Das silikonisierte Außenzelt bietet hierbei einen großen Vorteil gegenüber PU-beschichteten Zeltwänden: Die Silikonisierung hält das Material geschmeidig und dichtet es zugleich zuverlässig ab – auch, wenn der angegebene Wassersäulenwert mitunter niedriger ist als bei einem vergleichbaren PU-beschichteten Material. Die Wassersäule ist somit nicht das einzige Kriterium, um die Zeltdichtigkeit anzugeben – die Silikonisierung bietet hier erhebliche Vorteile.

Das Innenzelt ist aus einem atmungsaktiven 15D Ripstop-Nylon und einem 10D Micromesh gearbeitet. Auch bei viel Regen kam nichts durch. Was allerdings auffiel, war, dass Innen-und Außenzelt mehrmals aneinanderklebten und ein Nachspannen nötig wurde, um die beiden wieder voneinander zu trennen. Außen- und Innenmaterial machten beide einen leichten und zugleich robusten Eindruck. Selbiges gilt auch für den Boden aus 40D Ripstop-Nylon mit mindestens 10.000 mm Wassersäule und TPU-Laminierung. Kurzum: Das Wicki Up 4 war im Test absolut dicht und es gab nur sehr wenig Kondensfeuchte.


AUSSTATTUNG
Die Ausstattung ist eher spartanisch gehalten, was wohl auch dem Gewicht zugute kommt. Wichtig sind die zwei Ventilationsöffnungen an der Zeltspitze, die maßgeblich mitverantwortlich für das gute Raumklima sind, das ich als durchweg sehr angenehm empfand. Ein separat vom Eingang verschließbares Moskitonetz sperrt kleine Insekten aus; das Netz umfasst hierbei auch den höher gelegenen, von außen nicht sichtbaren Teil des Innenzeltes, was das Raumklima nochmals verbessert und die Insekten weiterhin draußen lässt.

Hervorzuheben ist auch die Farbwahl, die Nigor getroffen hat: Das grüne Außenzelt zieht Insekten nicht so sehr an wie ein gelber Außenstoff. Es eignet sich hervorragend für’s Wildzelten, da das dezente Grün im Wald nur schwer auszumachen sein wird. Selbige dezente Farbe ist wiederum weniger vorteilhaft für alpine Touren, wo auffällige Kolorierungen (rot oder gelb) von Vorteil sind, um im Notfall entdeckt zu werden. Doch das Wicki Up ist ohnehin nicht für den alpinen Gebrauch gedacht, daher begrüße ich die grüne Farbe.

Ein nettes Detail sind die vielen Reflektoren, die verhindern, dass jemand aus Versehen seinen Van im Wicki Up parkt oder es mit einem Traktor umfährt. Sie ermöglichen auch ein leichtes Finden des Zeltes, wenn man es im Wald aufstellte und nun mit der Stirnlampe auf der Suche ist.

Praktisch sind auch die drei kleinen Schlaufen im Innenzelt, an denen man beispielsweise eine Stirnlampe oder die Kleidung zum Trocknen aufhängen kann.

 

ABBAU
Heringe raus, DAC-Stange zusammengefaltet, geschüttelt und eingerollt. Einfach und superschnell!

 

FAZIT
Mit dem Wicki Up 4 hat Nigor ein wirklich schönes Leichtgewichtstipi auf den Markt gebracht, das mich in vier Tagen Testtour stark überzeugt hat. Insbesondere das kleine Packmaß und das erfreulich geringe Gewicht machen es zum idealen Begleiter für eine kleine Familie oder eine Gruppe bester Freunde, die gemeinsam im Herbst Skandinavien erkunden und sich nachts noch eine Geschichte vorlesen möchte. Kleine Mankos waren das nötige Nachspannen, ebenso die zu klein geratenen Heringe. Wenn es mein Zelt wäre, würde ich mir hier selbst ein alternatives Set zulegen. Doch diese kleinen Kritikpunkte sind lediglich Tropfen auf den heißen Stein: Das Wicki Up 4 ist ein gelungenes Zelt mit angenehmen Tipi-Flair, eine runde Sache. Gefällt mir.

 

AUF EINEN BLICK
+ Tipi-Flair (oh ja!)
+ kleines Packmaß
+ geringes Gewicht
+ einfacher, schneller Aufbau (ca. 15 Minuten)
+ Vestibül für Abstellen von Schuhen, Kocher etc.
+ viele Fixpunkte
+ zahlreiche Reflektoren

+/- Grünes Außenzelt (gut für Wildcamper, weniger ideal für alpine Touren)
+/- bei 4 Leuten kuschlig (kann auch ein Plus sein… )

– Heringe mit zu kleinen Nasen
– für große Personen eventuell etwas zu klein
– Nachspannen bei Regen war nötig

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