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Teaserbild: Kunstfaserschlafsäcke

Kunstfaserschlafsäcke

Es ist noch nicht lange her, da haben wir hier auf dem tapir Blog einen Bericht zu unserer neusten Schlafsack-Errungenschaft veröffentlicht: Der Lamina 20 von Mountain Hardwear hat sich im nass-kalten Schottland großartig geschlagen und das ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass er mit künstlichen Fasern gefüllt ist. Doch was genau ist Kunstfaser eigentlich und worin liegen die Vor- und Nachteile gegenüber den direkten Kontrahenten, den Schlafsäcken mit Daunenfüllung?

WAS IST KUNSTFASER?

Die in der Regel aus Polyester oder Polyolefin gefertigten Kunstfasern wurden mit dem Ziel konstruiert, natürliche Fasergebilde wie beispielsweise Daune, nachzubilden. Hierbei gibt es verschiedene Ansätze und eine Vielzahl unterschiedlicher Faser-Konstruktionen, wobei sich viele Hersteller darüber ausschweigen, womit genau die Schlafsäcke gefüllt sind. Wo bei Daune die Bauschkraft (fillpower, die Maßeinheit hierfür ist cubic inch, kurz cuin) angegeben wird und sich anhand dieser und dem Verhältnis zwischen Daune und Federkielen die Qualität eines Schlafsacks gut einschätzen lässt, fehlen bei Kunstfaser solche Orientierungswerte. Stattdessen sind die Form der einzelnen Faserteilchen und eine eventuelle Silikonisierung von entscheidender Bedeutung.

Kunstfaser unterscheidet sich sehr stark von natürlicher Daune. Bisher ist es jedoch noch niemandem gelungen, eine Faser zu kreieren, die eine Naturfaser in Gänze kopiert – das muss jedoch nichts Schlechtes sein, denn beide haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

KONSTRUKTION

Bei einem Kunstfaserschlafsack werden die einzelnen Synthetikfasern zu einem Vlies verarbeitet. Hierbei werden bei hochwertigen Modellen die Fasern silikonisiert, damit sie sich gut komprimieren lassen und nicht verhaken. Ein Verhaken der Fasern würde einen geringeren Luftzwischenraum und somit eine verringerte Isolation zur Folge haben. Die Silikonschicht ist daher sehr wichtig und auf sie wird in hochwertigen Kunstfaserschlafsäcken großen Wert gelegt.

Je nach Wärmegrad werden die Schlafsäcke mit mehreren Lagen der Kunstfaservließe gefüllt. Sommerschlafsäcke bestehen meistens aus einer einzelnen Lage, da mehr nicht benötigt wird, um die entsprechende Wärmeleistung zu gewährleisten. Durch die durchgesteppten Nähte können Kältebrücken entstehen, weshalb diese Art der Konstruktion Sommer- und Hüttenschlafsäcken vorbehalten bleibt.

Bei 3-Jahreszeiten-Schlafsäcken sollen Kältebrücken vermieden werden, was durch versetzte Nähte sowie zwei Lagen Vlies realisiert wird. Hierdurch dringt weniger Kälte durch den Schlafsack ein und die zusätzliche Schicht wärmt mehr.

Um sämtliche Kältebrücken zu vermeiden, wird bei einigen Schlafsäcken die Schindeltechnik angewandt, d.h. es werden bis zu drei Schichten Kunstfaser in schindelförmiger Anordnung vernäht. Bei dieser Konstruktionsart, wie sie etwa bei den Exosphere Modellen von Deuter verwendet wird, ist das Loft angenehmer als bei vergleichbaren Schlafsäcken.

FASERFÜLLUNGEN UND STRUKTUREN

Auf dem Markt gibt es verschiedene Kunstfasern, die sich durch ihre Form und ihr Loft unterscheiden. Hier eine Auswahl:

Microfaser: Ähnelt vom Aufbau her herkömmlicher Daune am stärksten. Durch die fasrige Struktur ist sie klein komprimierbar, zerfällt aber auch schneller.

Hohlfaser: Eine Kunstfaser ist leichter, wenn sie von innen ausgehöhlt ist. Hochwertige Kunstfaserschlafsäcke sind daher mit Holfasern gefüllt. Die 4-Loch-Faser von Ajungilak ist zudem nochmals robuster und langlebiger. Die 7-Loch-Faser toppt sogar die 4-Loch-Faser, klar.

Spiralhohlfaser: Dient dazu, die Bauschkraft des Schlafsacks zu erhöhen, indem sie andere Fasertypen miteinander verbindet.

Ajungilak

Ajungilak verwendet für seine Schlafsäcke zwei unterschiedliche Füllungsarten: MTI (Multi Thermal Insulation) sowie OTI (Optimized Thermal Insulation). Die MTI-Füllung besteht aus verschiedenen Fasern, die je nach Anforderungsbereich des Schlafsacks miteinander gemischt werden. So steht bei der Komfort-Reihe etwa ein möglichst kleines Packmaß kombiniert mit einer angenehmen Bauschkraft im Vordergrund. In der verwendeten MTI-Pro-Füllung werden daher 4-Loch-Hohlfasern, Microfasern und Spiralhohlfasern verwendet. In seiner Expeditions-Serie hingegen setzt Ajunglak im Vergleich dazu auf die MTI-Endurance-Füllung, die aus 4-Loch- und 7-Loch-Hohlfasern sowie einigen Spiralhohlfasern besteht. Hier stehen Robustheit und Wärmeleistung im Vordergrund.

Die OTI-Füllungen sind etwas weniger aufwändig und bestehen mit Ausnahme der OTI-Climate-Füllung (Sprialhohlfaser & 7-Loch-Hohlfaser) aus lediglich einer Synthetikfasern-Art.

Deuter

Deuter verwendet für seine Schlafsäcke zwei unterschiedliche Füllungen: Die High-Loft-Hohlfaser ist silikonisiert und wird im Dreamlite und Space I eingesetzt, also bei einfachen Schlafsäcke für Übernachtungen bei Bekannten oder für kleinere Hüttentouren. Richtig spannend wird es bei den Exosphere-Modellen, die mit Deuters Thermo Proloft gefüllt sind. Hier werden Hohlfasern mit Vollfasern kombiniert, um einen warmen und zugleich komfortablen Schlafsack zu schaffen.

Mountain Hardwear

Bei seiner Lamina Serie setzt Mountain Hardwear auf seine Thermal-Q-Füllung, die sich sehr gut komprimieren lässt. Durchgesteppte Nähte und somit Kältebrücken werden vermieden. Stattdessen ist die Kunstfaser fest mit der Innen- und Außenwand des Schlafsacks laminiert, weshalb ein Durchsteppen der Nähte entfallen kann.

EINSATZBEREICH

Kunstfaserschlafsäcke eignen sich insbesondere für jene Orte, an denen eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit vorhanden ist, da sie nässeunempfindlicher als Daunenschlafsäcke sind. Sie sind außerdem von der Struktur her weniger empfindlich als Daune und eignen sich daher auch für solche Unternehmungen, auf denen vielleicht nicht ganz so sehr auf den Schlafsack geachtet wird – etwa bei Festivals oder dergleichen. Auch bei Kinderschlafsäcken findet Kunstfaser Verwendung, da die künstlichen Fasern ein öfteres Waschen ermöglichen.

Oft wird davon ausgegangen, dass nur Daunenschlafsäcke für einen tiefen Temperaturbereich geeignet sind. In der Tat gibt es aber auch einige wenige Modelle für den Expeditionsbereich wie etwa den Denali EXP 5-Season-Schlafsack von Ajungilak, der bis zu -32 °C warm hält (aber auch ein dementsprechendes Packmaß hat!).

EIGENSCHAFTEN

Der entscheidende Vorteil der Kunstfaser gegenüber Daune ist, dass Synthetikfasern weniger Feuchtigkeit aufnehmen und auch dann weiterhin gut isolieren, wenn der Schlafsack feucht geworden ist. Die Faser bleibt weiterhin stabil, anders als Daune, die bei Nässe verklumpt, ihre Oberfläche verringert und somit weniger Wärme spendet.

Ein Kunstfaserschlafsack trocknet in der Theorie auch schneller als ein Daunenschlafsack, praktisch hängt dies jedoch sehr stark von den einzelnen Modellen ab. Ein vollkommen durchnässter Schlafsack wird immer seine Zeit zum Trocknen brauchen, unabhängig davon, womit er gefüllt ist.

Zusammegefasst: Synthetikschlafsäcke haben den großen Vorteil, dass sie Feuchtigkeit eher unwillig aufnehmen. Sollte der Schlafsack dann doch einmal zu nass werden, speichert die Kunstfaser auch weiterhin die Körperwärme, während die Daune ihre Isolationswirkung verliert. Diese beiden Aspekte machen den Synthetikschlafsack zum geeigneten Gefährten für nassfeuchte Gebiete.
Es ist außerdem erwähnenswert, dass viele Nutzer das Klima in Kunstfaserschlafsäcken als nicht so angenehm wie bei ihren Kollegen aus Daune empfinden. Das ist aber letztlich Ermessenssache und jeder sollte für sich selbst probieren, was ihm mehr liegt.

SCHLAFSACKDETAILS

Wie bei Daunenschlafsäcken ist ein Wärmekragen überaus praktisch, um einen unfreiwilligen Verlust der erzeugten Körperwärme zu verhindern. Da viele Synthetikschlafsäcke eher für den „Consumer“- und weniger für den Expeditionsbereich konstruiert sind, finden sich hier und da auch kleine Taschen, in denen Handy, Schlüssel oder Frühstücksriegel verstaut werden können. Sehr praktisch sind außerdem Kompressionsriemen, die bei manchen Modellen an den Packsäcken angebracht sind, um das Packmaß des Schlafsacks etwas zu verringern, da dieses natürlicherweise größer ausfällt als bei Daunenschlafsäcken.

Um Kältebrücken zu verhindern verwendet Ajungilak bei seinen Modellen ein nahtfreies Außenmaterial – ein nettes Detail.

WEITERE FAKTOREN

Beim Schlafsackkauf spielt nicht nur die Qualität des jeweiligen Modells, sondern auch die Physis des jeweiligen Käufers eine entscheidende Rolle. Friert man tendenziell eher schnell oder wenig schnell? Eine guter Flüssigkeitshaushalt trägt zu einem wohltuenden Schlaf bei. Hat man zu wenig gegessen oder getrunken, hilft auch der beste Schlafsack wenig. Vor dem Schlafsackkauf lohnt es sich daher sehr, sich über sein eigenes Wärmeverhalten und die Anforderungen der Tour Gedanken zu machen.

PFLEGE

Kunstfaserschlafsäcke sind wesentlich leichter zu pflegen als ihre Kollegen aus Daune. Einen Daunenschlafsack richtig und gut zu waschen, ist eine aufwendige Angelegenheit, die neben dem richtigen Waschmittel auch einer Menge Zeit bedarf. Oftmals lohnt es sich bei Daune daher eher, den Schlafsack zu einem Spezialisten wie etwa dem Outdoor Service Team in Berlin zu bringen, wo wir unsere Schlafsäcke zum Waschen ebenfalls hinschicken. Kunstfaser lässt sich im Vergleich leichter reinigen und ein Einschicken ist nicht nötig. Der Kunstfaserschlafsack kann entsprechend der Pflegeanleitung bei 30 °C oder 40 °C mit einem Feinwaschmittel gewaschen und muss dann lediglich zum Trocknen aufgehängt werden. Die hochwertigen MTI-Füllung von Ajungilak sind sogar bis zu 60 °C waschbar, wodurch der Schlafsack zuverlässig von Viren und Bakterien gereinigt wird.

Auch wenn es bei Kunstfaserschlafsäcken nur selten zur Sprache kommt, so empfiehlt sich auch hier eine Aufbewahrung in unkomprimierten Zustand, etwa in dem (hin und wieder mitgelieferten) Aufbewahrungssack. Alternativ kann der Schlafsack auch aufgehängt werden, z.B. hinter einem Schrank, sollte dann nach dem Abnehmen aber noch einmal kurz durchgeschüttelt werden, damit sich die Kunstfaser in den Kammern wieder entsprechend verteilt. Entscheidend ist bei jeder Art der Aufbewahrung, dass der Schlafsack an einem trockenen Ort lagert.

 

LEBENSDAUER

Auch wenn ein Synthetikschlafsack deutlich pflegeleichter als ein Daunenschlafsack ist, so lohnt es sich dennoch auch auf die Kunstfasermodelle Acht zu geben – denn dann behalten auch sie für einige Jahre ihr Loft und ihre Wärmeleistung.

FAZIT

Die oftmals erste Frage bei einem Schlafsackkauf ist, was wohl besser sei: Daune oder Kunstfaser? Wie so oft gibt es darauf keine eindeutige Antwort, sondern sie hängt vom geplanten Einsatzbereich ab. Kunstfaserschlafsäcke sind eine Alternative zu Daune, insbesondere dann, wenn die Tour viel Nässeeinwirkung erwarten lässt. Allerdings muss auch klar gesagt werden, dass Synthetikfasern nicht an das kleine Packmaß und Gewicht von Daune herankommen – was auf einer längeren Tour wiederum sehr entscheidend sein kann. Auch das Schlafklima ist bei beiden verschieden oder wird vielfach unterschiedlich empfunden. Letztlich lohnt es sich, beim Schlafsackkauf beide Varianten selbst auszuprobieren.

Vorteile von Kunstfaserschlafsäcken

+ nehmen nicht so schnell Feuchtigkeit auf

+ halten auch bei Nässe warm

+ pflegeleicht

+ wesentlich günstiger als Daune

Nachteile von Kunstfaserschlafsäcken

– nicht so klein komprimierbar im Vergleich zur Daune

– schwerer als Daune

– kürzere Lebenszeit

– Schlafsackklima (subjektiv)

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