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Teaserbild: Das Hilleberg Niak im Test – Kuppelzelt für 2 Puristen und ein Palast von Solozelt

Das Hilleberg Niak im Test – Kuppelzelt für 2 Puristen und ein Palast von Solozelt

Auf unserer Ostsee-Trekking-Tour im Herbst 2015 hatte ich das Vergnügen, bereits vor dem Erscheinen des Serienmodells das neue 1-2-Personen-Kuppelzelt  Hilleberg Niak zu testen. Auf ein neues Modell von den Zeltprofis aus Schweden bin ich natürlich immer neugierig. Ich selbst habe ein Hilleberg Akto und ein Kaitum 2, war allerdings auch schon mit Nallo 2, Nammatj 2 und Rogen unterwegs, so dass es reichlich Erfahrungen zum Vergleich gibt. Für die  Anforderungen unserer Tour war das Niak perfekt: eine Tour im Spätherbst mit Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts; leicht und geräumig musste es sein und stabil genug, um im Zweifel auch einem Herbststurm an der Ostseeküste zu trotzen.

Das Niak ist ein leichtes Kuppelzelt für 1 bis 2 Personen und erscheint 2016 in der Yellow-Label-Serie bei Hilleberg. Damit ist es ein gewichtsoptimiertes Zelt für den 3-Jahreszeiten-Einsatz. Sprich: für alle Bedingungen außer Extrem- und Wintertouren. Die zweite Freude kam gleich beim Aufbau auf. Die erste waren das grandiose Packmaß und das Gewicht von nur 1,7 kg, so dass ich meine komplette Ausrüstung inkl. Zelt problemlos in meinem Thule Versant 50 verstauen konnte.

Herrlich, beim Niak verwendet Hilleberg wieder wie gewohnt Gestängetaschen am Ende des außenliegenden Gestängekanals, so dass ich, wie gewohnt, ganz einfach das Zeltgestänge von einer Seite bis zum Anschlag einschieben kann, es im Gestängefuß fixiere und nachspanne – fertig. Für mich ist dies im Vergleich zu Rogen und Anjan  tatsächlich ein Konstruktionsvorteil: Ich mag nicht auf die andere Zeltseite laufen und Gestängeenden in Ösen bugsieren. Die gute Belüftung der Yellow-Label-Zelte durch einen großen Abstand von Außenzelt zum Boden hat Hilleberg dennoch elegant durch einen Bogenförmigen Anschnitt des Materials aufrechterhalten. Das golden eloxierte 9 mm NSL Aluminiumgestänge mit 370 cm Länge kommt auch beim Niak wieder vom koreanischen Gestängespezialisten DAC und garantiert Stabilität und Qualität bei geringstem Gewicht. Um die Stabilität weiter zu erhöhen, kann auch beim Niak ein zweites Zeltgestänge parallel eingeschoben bzw. das 9-mm- durch ein 10-mm-Gestänge ersetzt werden. Bei dem Anwendungsprofil eines 3-Jahreszeiten-Zeltes wird dies jedoch wahrscheinlich eher selten nötig sein. Das Nylon-Innenzelt lässt sich bei Bedarf mit wenigen Handgriffen herausknöpfen, um trocken verpackt zu werden. Das ist von Vorteil, wenn die Tour weitergeht, das Außenzelt allerdings klatschnass ist oder es in Strömen regnet. Abends wird dann das trockene Innenzelt in das Außenzelt eingehängt

Konzipiert hat Hilleberg das Niak für 1 bis 2 Personen, meiner Meinung nach eine realistische Größenordnung. Im 1,20 m breiten und 2,20 m langen Innenzelt finden problemlos 2 Isomatten Platz und man kann zu zweit recht bequem darin schlafen. Das Niak hat aus Gründen der Gewichtsersparnis allerdings nur einen Eingang und eine Apsis für Gepäck. So ist es für eine Person eine absolute Luxusbehausung, perfekt geeignet auch für lange Touren. Für 2 Personen sehe ich den Einsatz auf kurzen, schnellen Leichtgewichtstouren mit wenig Gepäck oder für einen Erwachsenen mit Kind oder Hund. Gefühlt bieten diese 1,7 Kilo Zelt erstaunlich viel Platz. In der Apsis finden Schuhe und Rucksack problemlos Platz, mit etwas Vorsicht könnte man hier auch kochen. Ähnlich wie beim Rogen ist die Apsis des Niak recht lang und flach auslaufend, so dass man sich ein wenig strecken muss, um sie zu öffnen. Anders als beim Rogen wurde dem Niak eine Reißverschlussabdeckung an der Apsis verpasst, so dass das Gepäck hier auch unter dem Reißverschluss gut geschützt ist. Genau wie beim Rogen lässt sich an der Apsis die Richtung der Eingangsöffnung mit einem Handgriff verändern, je nachdem aus welcher Richtung das Wetter gerade kommt. Der Hering der Apsis bleibt wo er ist, man muss nur den Knebelknopf der Apsisabspannung auf der anderen Seite einhängen und kann so blitzschnell den Eingang von rechts nach links umbauen – eine geniale Lösung mit minimalem Aufwand. Bei schönem Wetter lässt sich die Apsis auch komplett beiseite rollen und bietet dem/den Bewohner/n dann einen schönen Ausblick.

 

Das Innenzelt ist beim Niak komplett aus Nylon (20D mit 30 g/m²) und in freundlichem gelb gehalten, damit die Stimmung auch bei schlechtem Wetter nicht einbricht. Der Eingang des Innenzeltes ist aus einem neuartigen Mesh-Material, das leicht, robust und luftdurchlässig ist. Im Dach des Innenzeltes ist eine Wäscheleine befestigt, an der sich die Stirnlampe aufhängen lässt oder die Socken getrocknet werden können. Die Innenzelthöhe von 1 m lässt auch größeren Menschen genug Raum zum bequemen Aufenthalt im Niak. Zwei Taschen im Innenzelt bieten Platz für Kleinigkeiten, die nicht verloren gehen sollen. Die Liegelänge von 2,20 m ist für Personen bis 1,90 m Körpergröße in Ordnung – größere Menschen werden dann wohl an Kopf oder Fußende Innenzeltkontakt haben, was jedoch nicht gleichbedeutend mit Kontakt mit Kondensfeuchtigkeit ist, denn der Abstand zwischen Innen- und Außenzelt ist Hilleberg-typisch großzügig bemessen.

Die Belüftung wird beim Niak durch den großzügigen Abstand des Außenzeltes zum Boden gewährleistet; zusätzliche Lüfter würden nur das Gewicht erhöhen. Und keine Angst – die Bodenwanne des Innenzeltes ist so hoch gezogen, das das Innenzelt auch bei Regen gut geschützt bleibt. Die Belüftung ist damit deutlich besser als bei den 4-Jahreszeiten-Modellen der Black-Label- und Red-Label-Serie, die wiederum bei extremen Wetterlagen und im Winter ihre Stärken ausspielen. Auf unserer Tour hatten wir leider nicht die erhofften Testbedingungen. Ich hatte mich auf heftigen Wind am Salzhaff gefreut, damit wir die Stabilität der Zelte im Wind testen können. Stattdessen hatten wir absolute Windstille und Nebel, also eine Luftfeuchte von über 80 %. Da kann die Belüftung noch so optimal durchdacht sein: Auch mein Niak war, genau wie alle anderen Zelte auch, morgens einfach nur nass. Im Innern des Innenzeltes war es zwar nahezu trocken, allerdings war die Innenseite des Außenzeltes genauso nass wie die Außenseite – ein Klassiker, egal mit welchem Zelt unter diesen Bedingungen. Da hilft nur Auswischen mit dem eigens dafür eingepackten Synthetik-Lappen. Der Einstieg ins Niak ist durch den variablen und sehr hoch geschnittenen Eingang ziemlich komfortabel. Allerdings muss man beachten, dass bei Nässe und ganz geöffnetem Eingang durchaus Wasser vom Außenzelt ins Zeltinnere tropfen kann, da aus Gewichtsgründen auf die Firststange im Dach verzichtet wurde und damit Außenzelt- und Innenzelteingang recht nah beieinander liegen. Das ist eigentlich die einzige kleine Schwäche, die mir aufgefallen ist.

Zum Gestänge und Innenzelt des Niak habe ich mich schon geäußert. Vielleicht interessiert es den einen oder anderen noch, dass die 9-mm-Gestängebögen die gleiche Länge haben wie die des Allak. Wer das 9-mm-Gestänge durch ein 10-mm-Gestänge ersetzen möchte, hat dann pro Bogen ein um 60 g höheres Gewicht.

Beim Außenmaterial verwendet Hilleberg das bewährte Kerlon 1000 wie es im Anjan und Rogen verbaut wird. Kerlon 1000 ist mit 40 g/m2 ein leichtes und dennoch sehr reißfestes Nylon (20D mit mindestens 8 kg Weiterreißfestigkeit), das beidseitig silikonbeschichtet ist. Ursprünglich war das etwas leichtere Kerlon 600 geplant – allerdings ließ das neue für 2016 geplante Kerlon 600 nicht mehr ein Nähen auf dem gewohnten Qualitätsstandard von Hilleberg zu (auch das Enan gibt es ab 2016 nur noch in Kerlon 1000 Ausführung). Mein Testmodell des Niak war aus Kerlon 600, das bei mir in punkto Stabilität keine Zweifel aufkommen ließ. Es war damit auch 100 Gramm leichter als das Serienmodell. Allerdings finde ich die Entscheidung konsequent, denn nichts geht über die Stabilität der Kappnähte von Hilleberg – dafür nehme ich gern 100 Gramm mehr Gewicht in Kauf! Die Nähte halten selbst jahrelanger Belastung mühelos stand. Mein Kaitum aus dem Jahr 2007 ist zuverlässig wie eh und je, nur etwas blasser. Auch beim Zeltboden macht Hilleberg keine Kompromisse. Dieser ist beim Niak mit 50 g/m2 etwas leichter und dünner als bei den anderen Zeltserien, bietet allerdings von Gefühl und Praxis zuverlässigen Schutz gegen Nässe und Beschädigungen von unten. Der Zeltboden ist zweifach mit Polyurethan beschichtet und weist, wie bei den Red-Label-Zelten auch, eine Wassersäule von 5.000 mm auf. Ich habe als zusätzlichen Schutz die passende Zeltunterlage, das Hilleberg Footprint, mitgehabt, damit mein Testmodell nicht unnötig leiden musste. Das Footprint deckt beim Niak die Innenzeltfläche ohne Vorraum ab und lässt sich wie gewohnt mit Knebelknöpfen am Außenzelt einhängen, so dass es permanent am Zelt bleiben kann. Die Aussparung des Apsisbereichs ist sinnvoll – hier würde sich bei Starkregen nur Spritzwasser sammeln. Will man leichter unterwegs sein und hat keine scharfkantigen Untergründe zu erwarten, kann man die Zeltunterlage auch getrost zuhause lassen: Das Material des Bodens hält normalen Belastungen mit Sicherheit stand.

An allen vier Ecken des Niak finden sich vormontierte Abspannleinen mit 2 Ansatzpunkten, welche die Kuppelkonstruktion entlasten. Wie bei Hilleberg gewohnt sind es reflektierende 3-mm-Leinen mit den entsprechend leicht zu bedienenden Leinenspannern. Eine weitere Abspannung befindet sich auf der Längsseite vom Zelt gegenüber dem Eingang. Hier wird die längste Zeltseite durch eine bodennahe Abspannung entlastet und gleichzeitig eine große Öffnung zur Ventilation geschaffen. Abgespannt wird das Zelt mit insgesamt 10 Heringen. Beim Testmodell waren es noch Tri-Pegs, in Serie kommt das Niak dann mit 10 V-förmigen V-Peg-Heringen, die in weicheren Untergründen etwas mehr Halt bieten.

Das Hilleberg Niak ist ein leichtes Kuppelzelt für schnelle, leichte Unternehmungen in den wärmeren Jahreszeiten. Der Auf- und Abbau ist absolut unkompliziert und für ein Komplettgewicht von nur 1,7 kg bekommt man ein sehr geräumiges und stabiles Zelt, das auf kurzen Touren mit wenig Gepäck gern 2 Personen Platz bietet oder ideal für einen Erwachsenen mit Kind oder verwöhntem Innenschläfer-Hund geeignet ist. Für eine Person ist das Niak ein absoluter Palast, in dem man es auch auf langen Touren und bei schlechtem Wetter gut aushält. Platz für Gepäck ist in der Apsis vorhanden, der Einstieg und die Innenzelthöhe sind sehr komfortabel. Bei schlechtem Wetter sollte man den Eingang allerdings nicht ganz öffnen oder schnell sein. Materialien, Verarbeitung und Ausstattung des Niak liegen auf höchstem Niveau, der Preis allerdings auch. Jedoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Ein Zelt von Hilleberg aus Schweden ist tatsächlich sein Geld wert. Die High-End-Materialien und die sorgfältige Verarbeitung in der Manufaktur in Estland machen Hilleberg-Zelte tatsächlich mit zu den besten der Welt.

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