Testbericht: Reinsfjell Superlight 2 von Helsport

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planet tapir Alexander | 24. März 2017

Das Reinsfjell Superlight 2 ist das erste Trekkingzelt von Helsport, in dem ich übernachtet habe. Bisher war ich auf einer Wintertour nur mit einem Svalbard High Camp unterwegs, das doch ein sehr eng begrenztes Einsatzspektrum hat. Anders das Reinsfjell Superlight 2: das Kuppelzelt für 2 Personen zielt mit seiner Ausstattung und seinem Gewicht auf leichtgewichtsorientierte Reisende mit Rucksack, Rad oder beengtem Boot unter einer Vielzahl von Reise- und Witterungsbedingungen. Die norwegischen Zeltspezialisten von Helsport spielen sowohl vom Ruf, als auch vom Preis, in derselben Liga wie ihre schwedischen Nachbarn von Hilleberg, deren Zelte ich bisher gewohnt war. Darum war ich besonders froh, auf der letzten Tour mit dem Reinsfjell Superlight 2 ein Helsport Kuppelzelt für gewichtsoptimierte Touren aus der Nähe kennenlernen zu können.

Beim Aufbau beschlich mich das Gefühl, dieses Zelt irgendwie zu kennen – die Konstruktion erinnerte mich nach kurzem Nachdenken an das altbekannte Exped Orion 2 Extreme – nur dass ich auf meinem Rad auf der Tour mit dem Reinsfjell Superlight 2 ein ganzes Kilo weniger dabei hatte, als beim Orion 2 Extreme. Also, der erste Pluspunkt: ein Tourgewicht von 2100 Gramm und ein sehr entspanntes Packmaß für ein echtes 2-Personenzelt. Denn das ist das Reinsfjell Superlight auf jeden Fall. Die von Helsport angegebenen 1,20m Innenzeltbreite sind leicht flexibel, so dass man mit etwas gutem Willen auch 2 breitere Isomatten darin unterbringen kann. Entspannter ist es allerdings mit 2 Standardmatten, da bleibt ein wenig Luft zwischen den Schläfern. Natürlich ergeben 1,20 m keine Luxusbehausung, das will das Reinsfjell Superlight allerdings auch nicht sein.

Es ist in seinem ganzen Wesen auf gewichtsoptimierte Touren für 2 Personen ausgerichtet und dafür bringt es mit seinen 2100 Gramm doch ganz schön viel Komfort mit.


Konstruktion und Aufbau

Helsport hat mit dem Reinsfjell Superlight 2 ein ultraleichtes Trekkingzelt im Sortiment, dass dank der Konstruktion von 2 parallelen Gestängebögen und einem Längsbogen, der die Apsiden aufspannt, freistehend ist und dennoch in Gewichtssphären angesiedelt ist, die man ultraleicht nennen kann. Diese Hybridkonstruktion aus Tunnelzelt (parallele und damit kürzere Gestängebögen) und Kuppelzelt (lange Firststange, die die anderen Bögen kreuzt und Apsiden aufspannt) sorgt für die freistehende Konstruktion und eine sehr gute Balance von Gewicht und Stabilität. Damit dürfte das Reinsfjell Superlight viele Trekker auf der Suche nach einem leichten Zelt für „ernsthafte“ Touren ansprechen, die Sorge haben, ein Tunnelzelt im Gebirge nicht ordentlich abspannen zu können. Ich denke, dass Helsport damit sehr gut genau diese Nische bedient, die Hilleberg zum Beispiel mit Rogen und Niak bespielen. Pluspunkt vom Reinsfjell ist hier im innerskandinavischen Direktvergleich die freistehende Konstruktion, die Hilleberg erst bei den 4-Season-Zelten wie Allak, Soulo und Staika bietet. Anders als bei vielen Kuppelzelten, ist das Gestänge beim Reinsfjell Superlight 2 auch außenliegend, d.h. mit dem Außenzelt verbunden, so dass ein Auf- und Abbau mit eingehängtem Innenzelt problemlos möglich ist. Das Außenzelt des Reinsfjell Superlight ist rundum bis zum Boden gezogen, so dass es selbst bei stärkstem Unwetter zuverlässigen Schutz bietet und auch bei einem überraschenden Wintereinbruch nicht zu bösen Überraschungen führt. Natürlich lässt sich bei Bedarf das Innenzelt problemlos mit wenigen Handgriffen ausknöpfen, sinnvoll, wenn man z.B im strömenden Regen weiter muss und das Innenzelt trocken einpacken möchte, oder wenn das Außenzelt als Shelter für eine längere Pause dienen soll.


Der Aufbau ist auch ohne vorherige Beschäftigung mit dem Zelt denkbar einfach. Die 3 Gestängebögen sind, genau wie die Eingänge der Stangenkanäle, farblich markiert, Verwechslung also ausgeschlossen. Anders als bei älteren Modellen hat Helsport beim Reinsfjell Superlight die Eingänge der Gestängekanäle auf die Außenseite des Zeltes verlegt, was das Handling und vor allem die Auffindbarkeit im Dunkeln enorm verbessert. Die Gestängekanäle liegen dennoch auf der Innenseite des Außenzeltes und bieten so weniger Angriffsfläche für Wind. Das Einschieben der Gestängebögen geht wahnsinnig leicht von der Hand, das weiche Zeltmaterial besitzt hervorragende Gleiteigenschaften. Das Ende der Gestängekanäle ist mit einer Tasche fest vernäht, wie ich es auch von Hilleberg kenne. So sind die 3 Gestängebögen blitzschnell eingeschoben und aufgerichtet. Sie werden dann in Gestängebechern aus Kunststoff fixiert und können mittels einer Dreistegschnalle auf Spannung gebracht werden. Das funktioniert alles tadellos, ich werde aber immer mal wieder mit den Schweden von Hilleberg vergleichen. Helsport setzt hier auf deutlich kleiner dimensionierte Gestängebecher und Spanner aus Kunststoff um das Gewicht zu minimieren, die Hilleberg’sche Spannerlösung aus Metall erscheint mir da subjektiv solider zu sein, ohne Frage aber ein paar Gramm schwerer. Ungeachtet dieser Anmerkung steht das Reinsfjell Superlight nach wenigen Handgriffen bereit, denn die Apsiden sind durch die komplett durchgehende Firststange ja bereits abgespannt. Bei schlechtem Wetter könnten Gepäck und Reisepartner sich also bereits nach etwa 3-4 Minuten ins Trockene flüchten, während draußen noch Heringe und Abspannleinen gesetzt werden. Soll das Zelt einigermaßen straff gespannt dastehen, werden 6 Heringe für die Gestängeendpunkte benötigt. Die Schlaufen hier erinnern daran, dass man es mit  einem Leichtgewichtszelt zu tun hat. Diese bestehen aus 3-mm-Leine und ohne zusätzliche Spannmöglichkeiten. Das ist ausreichend. Wenn ich mir jedoch einige härter genutzte Heringe mit Scharfkanten anschaue, wird wohl nach einer Weile Ersatz nötig sein (ein Austausch der Schnüre ist völlig problemlos auch auf Tour möglich). Möchte man alle Abspannleinen setzen, so bedarf es 8 weiterer Heringe. Löblich ist, dass alle 8 Abspannleinen 2 Ansatzpunkte am Zelt haben, so dass die Windlast auf 16 Punkte verteilt wird. So wird das Reinsfjell Superlight auch starken Belastungen im Sturm und an exponierten Berglagen trotzen, die ich auf meiner Tour allerdings nicht zu verbuchen hatte. Die Abspannleinen sind gelb und damit auch bei Dämmerung hervorragend sichtbar und reflektieren zudem im Dunkeln. Die Leinenspanner funktionieren nach demselben Klemmprinzip wie die von Hilleberg und sind in der Handhabung meiner Meinung nach die besten Spanner, die es gibt. Eine Besonderheit stellt die Bodenkonstruktion des Reinsfjell Superlight 2 dar. Nach dem Aufbau sah dieser nicht straff gespannt aus und ich dachte schon an einen Produktionsfehler, bis ich nach genauem Hinsehen den Grund dafür fand: Helsport spannt die Bodenwanne nicht genau in der Ecke des Bodens  mit dem Außenzelt ab, sondern am oberen Rand der Bodenwanne, was zu diesem etwas leger aussehenden Boden führt. Der Hintergrund ist, dass ein weniger straff gespannter Boden punktuellen Druck besser kompensieren kann. Beim Reinsfjell Superlight 2 ist Helsport zudem auf Grund des nur 120 cm breiten Innenzeltes in der Lage, komplett auf Nähte am Boden verzichten. Besser kann man die Wasserdichtigkeit eines Zeltbodens nicht sicherstellen!

Wohnraum und Komfort

Wie eingangs schon erwähnt, ergibt 1,20 m Innenzeltbreite keinen Palast, ergibt aber beim Reinsfjell Superlight 2 zumindest mit zwei ordentlichen Vorräumen und so ganz und gar passend zum Konzept ein sehr leichtes Zweipersonenzelt. Der symmetrische Aufbau sorgt für 2 Apsiden und 2 Eingänge, so dass sich jeder Bewohner im eigenen Vorraum ausbreiten kann. Schuhe und Trekkingrucksack oder Radgepäck lassen sich hier problemlos verstauen und bei schlechtem Wetter reicht der Platz auch zum Kochen aus. Die Innenzeltlänge von 2,30 m sorgt für ein gutes Raumgefühl, geschätzt wird es für Menschen, die größer als 1,95 m sind, allerdings auch hier wieder etwas knapp, da die Wände nicht steil sind. Die Innenzelthöhe von 105 cm ist ausreichend, um zumindest mittig bequem sitzen zu können. Sehr schön sind die 12 Taschen im Innenzelt, je 6 an Kopf- und Fußende. So lässt sich auf dem engen Raum dennoch gut Ordnung halten.


Ebenfalls gut durchdacht ist das Belüftungskonzept. Das Zelt soll ein breites Einsatzspektrum haben, also sowohl bei Normalbedingungen als auch unter extrem windigen und kalten Bedingungen funktionieren und dennoch superleicht sein. Mit der Kombination aus dem umlaufend mit dem Boden abschließenden Außenzelt ist hier der erste Schritt in Richtung Beständigkeit gegen extremes Wetter getan. Um die Balance zwischen Gewicht und Vielseitigkeit nicht aus dem Lot geraten zu lassen, ist das Innenzelt aus geschlossenem Nylon, allerdings im oberen Türbereich nur mit Mesh-Einsetzen verschlossen. Für mich schlüssig, denn so ist gute Belüftung garantiert, zwar um den Preis von etwas Wärmeverlust bei extremer Kälte, aber dennoch gutem Seitenschutz vor Wind. Ein ultraleichtes Zelt kann einfach nicht alles perfekt bedienen. Damit das Plus an Schutz vor Witterung (umlaufend mit dem Boden abschließendes Außenzelt) nicht zum Desaster für die Belüftung wird, gibt es eine interessante Kombination aus je 2 Dach- und Bodenlüftern in den Apsiden. Diese sind von Innen bedienbar und durchweg überzeugend designt. Der dreieckige Bodenlüfter wird mit einem Reißverschluss geöffnet und ist mit sehr feinem Mesh hinterlegt, dass auch Wasser einigermaßen fernhält. Der Dachlüfter wird über eine kleine Stange mit Knebelknopf am Ende aufgestellt oder verschlossen. Eine simple wie geniale Idee, die auf Klett verzichtet, wie sie auch bei vielen anderen Herstellern bei dieser Art von Lüftern verbaut ist. Die Knopflösung ist verschleißfrei und garantiert zuverlässiges Öffnen oder Verschließen des Lüfters, anders als bei Klett, der durch Wind losgerissen werden kann oder bei Nässe und Frost an Haltekraft verliert. In den 2 Testnächten konnten diese Lüfter allerdings nicht verhindern, dass das Außenzelt auch von Innen vollkommen nass war – die Bedingungen waren allerdings auch undankbar. Es wehte bei 5-7 °C kein Lüftchen und die Luftfeuchtigkeit war durch Flussnähe und die vorangegangenen Regenfälle so hoch, das bereits am Abend einfach alles, was nicht im Zeltinneren war, komplett nass wurde. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Lüfterkonstruktion unter etwas besseren Bedingungen sehr gut funktioniert.

Materialien und Lieferumfang

Auch bei den Materialien geht Helsport keine Kompromisse ein. Die Gestänge mit 8,5 mm Durchmesser kommen vom koreanischen Marktführer DAC (DAC Featherlight NSL) und haben eine sehr rucksackfreundliche Segmentlänge von 36 cm. Ganz zum Konzept der Gewichtsminimierung passend sind auch die Gestänge etwas dünner dimensioniert, gut abgespannt überzeugt das Zelt dennoch mit einer sehr guten Stabilität und lässt sich auch auf extremeren Touren nutzen. Im Gestängesack mit 2 Seitentaschen befinden sich zusätzlich zwei Ersatzsegmente, eine Reparaturhülse ein Flickset und die Heringe. Davon gibt es 14 Stück. Es sind leichte, 15 cm lange V-Pegs mit einem Gewicht von je 8 Gramm, die sich in den meisten Böden verankern lassen. Schön wäre es, wenn Helsport den Heringen gleich eine Schlaufe zum Herausziehen spendiert hätte – die Bohrung dafür gibt es.


Das Außenmaterial des Reinsfjell Superlight 2 ist ein ultraleichtes Nylongewebe mit 15 Denier Fadenstärke und beidseitiger Silikonbeschichtung. Dieses sehr dünne Helsport Superlight 3000 hat trotz eines Quadratmetergewichts von nur 37 Gramm eine Weiterreißfestigkeit von 10 kg und übertrifft damit viele Materialen anderer Zelthersteller. Es ist sogar etwas leichter als Hillebergs Kerlon 1000 und hat durch die noch engere Micro-Ripstop-Struktur sogar eine etwas höhere Weiterreißfestigkeit von 10 kg gegenüber 8 kg. Die Wassersäule von 2.000 mm bietet in Kombination mit der ausgeklügelten Konstruktion (Gestängekanäle auf der Innenseite des Außenzeltes und Nähte unterhalb der Gestängekanäle) zuverlässigen Wetterschutz. Am Boden setzt Helsport auf ein Nylongewebe mit beidseitiger Silikonbeschichtung sowie absolut nahtloser Verarbeitung. So wird auch hier das Gewicht reduziert und durch die Silikonbeschichtung lang anhaltender Schutz vor Nässe geboten. Das verwendete Bodenmaterial Helsport Superlight 1000 ist mit 40 Denier Fadenstärke etwas stärker und wartet mit einer Wassersäule von 3.000 mm auf. Hier liegt die Weiterreißfestigkeit bei 20 kg und das Quadratmetergewicht bei 60 Gramm. Im Test auf komplett durchnässten Wiesen mit schlammigem Boden gab es auch nach zwei Nächten keinerlei Anzeichen für eindringendes Wasser und der Boden machte trotz des leichten Gewebes einen soliden Eindruck. Das Innenzelt besteht aus leichtem 15 Denier Nylon mit wasserabweisender Imprägnierung, im Türbereich wird im oberen Drittel ein leichtes Nylon-Mesh verwendet.

Fazit

Das Reinsfjell Superlight 2 ist ein sehr leichtes Trekkingzelt, das durch die erlesene Materialwahl und die absolut perfekt abgestimmte Konstruktion für anspruchsvolle Touren unter fast allen Bedingungen taugt.

Selbst einen Wintereinbruch braucht man mit dem Reinsfjell nicht zu fürchten, allerdings ist es für den dauerhaften Wintereinsatz nicht optimal geeignet, was angesichts des Gewichts aber auch auf der Hand liegt. Dieses Kuppelzelt ist mit der kompakten Stellfläche optimal für Berg- und Trekkingtouren in schwierigem Gelände und unter widrigen Witterungsbedingungen geeignet, wird aber auch Radfahrer und Paddler überzeugen, die ein zuverlässiges 2-Personen-Kuppelzelt mit niedrigem Gewicht suchen.

 

 

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Kommentare

  1. avatar
    1
    Mirtel | 10. Mai 2017, 13:27

    Interessant!

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