Im Wintertest: Der Hilleberg-Klassiker Staika

Nachdem ich schon zwei Nächte auf unserer tapir-Testtour im Staika schlafen durfte, fragte ich bei Hilleberg nach, ob es möglich sei, das Zelt auf unserer Baikalüberquerung im Februar weiter auf Herz und Nieren zu prüfen. So wurde das Staika im Gepäck verstaut und trat die Reise in den fernen Osten mit uns an. Beide Touren waren für mich eine gute Möglichkeit, nachzuvollziehen, was sich im Laufe der Jahre beim Staika verändert hat. Denn: Wir hatten uns vor 17 Jahren schon einmal für das freistehende Zelt mit Außengestänge als mobile Unterkunft für lange Trekking- und Bergtouren entschieden. Das alte Staika gibt es noch immer, wenn es auch mittlerweile in den USA zu Hause und eher dort auf Touren unterwegs ist.

Auf den Wintertouren 2013 in Thüringen und Sibirien herrschten, wie bestellt, ideale Wetterbedingungen für einen Zelttest für ein Modell aus der Black Label Reihe von Hilleberg. Feuchter bzw. sehr trockener Schnee von unten, Schnee von oben und viel Wind, der über den See im fernen Sibirien fegte.


Aufbau

Mit 3.800 g ist das Staika definitiv kein Leichtgewicht unter den 2-Personen-Zelten. Auch wenn man berücksichtigt, dass es auch für Wintertouren konzipiert worden ist.

Was für den Hillberg-Klassiker spricht, ist der einfache und unkomplizierte Aufbau in der aktuellen Variante. Unser altes Staika (Jahrgang 1996) hat noch durchgehende Gestängekanäle, während seit ein paar Jahren das Gestänge sowohl durch einen außen liegenden Kanal als auch mit Hilfe von Clips befestigt wird. Und so gehts’:

Stange in einen kurzen Stang­enkanal und das andere Stangenende in den gegenüberlieg­enden, dazugehörigen kurzen Stangenkanal (farblich gekennzeichnet) einführen, Außenzelt einclippen, und bei Bedarf den Regenflap (Lüftungshaube) befestigen.  Natürlich, das ist bei einem Hillberg auch keine Frage, kann auch ein zweites Gestänge eingeschoben werden, wenn  man aus seinem Zelt eine Wind-Festung machen muss und möchte. Dazu werden die Clips wechselseitig verwendet. Auch die kurzen Kanäle für die Gestängeenden sind groß genug, um zwei 10mm Gestängebögen aufzunehmen.

Das Innenzelt bleibt bei mir auf Tour immer eingehängt und somit kann auch bei viel Feuchtigkeit von oben das Zelt so aufgebaut werden, dass das Innenzelt trocken bleibt. Die Kuppelkonstruktion des Staikas ist freistehend und man muss nur die Ecken sowie das Außenzelt abspannen, wenn die äußeren Bedingungen es erforderlich machen.

Durch seine 3-Bogen-Konstruktion ist das Staika ein echtes, freistehendes Zelt, bei dem sogar die Apsiden abgespannt sind. Ist nicht mit Wind zu rechnen, würde man keinen einzigen Hering benötigen.

Schneeheringe sind nicht mit im Lieferumfang enthalten, lassen sich aber nachrüsten. Für die Eisnächte auf dem See kamen die extra dafür mitgenommenen Eisschrauben zum Einsatz. Allerdings sollte man auf Wintertouren auch normale Heringe nicht zu Hause lassen. Manchmal erfordert es die Situation, dass man sein Zelt bei starkem Wind auch auf Plätzen mit dünner Schneedecke oder auf gefrorenem Boden aufstellen will.


Praxistest mit Handschuhen
Auch mit dicken Fausthandschuhen lässt sich das Staika problemlos aufbauen. Die Stangenlänge der drei Bögen ist einheitlich. D.h., dass man auch bei schlechten Sichtverhältnissen und unter Zeitstress keine Orientierungsprobleme hat beim Einführen der einzelnen Gestängebögen. Mit dickeren Handschuhen dauert es unter Umständen etwas länger, v.a., wenn das Zelt nass eingepackt worden ist und man es nicht ganz so schnell aus dem Packsack herausbekommt. Einziges, klitzekleines Manko: Die Lüftungshaube wird mit Kunststoffösen und Kunststoffkarabinern befestigt. Diese kleinen Teile sollten gerade für den Wintereinsatz mit Handschuhen etwas größer dimensioniert sein. Dann könnte man die Knebel und Karabiner auch mit dickeren Handschuhen bedienen und es ist einfacher zu arbeiten, v.a. bei stärkerem Wind, wenn es schnell gehen muss und soll. So kamen in der einen, etwas stürmischeren Situation Powerstretch-Handschuhe zum Einsatz, die einen besseren Grip haben und mit denen es sich feinmotorisch dann doch besser hantieren lässt.

Fazit

Das Staika ist der Klassiker, das Urgestein unter den Hillebergzelten. Es gibt für Wintertouren mit Schneeböden sicherlich Tunnelzelte, die konstruktionsbedingt ein besseres Raum-Gewichts-Verhältniss haben. Doch mit Blick auf einen Ganzjahreseinsatz, wo das Zelt in wärmeren Jahreszeiten auch auf Zeltplätze mit extrem steinigem Untergrund aufgeschlagen wird, dann spielt das Staika für mich seine absoluten Stärken aus.

+ Schneller, unkoplizierter Aufbau, auch bei echtem Schietwetter und alleine. Und dank der Weiterentwicklung gibt es heute kein lästiges Einschieben von nassem 10mm-Gestänge in die entsprechenden Kanäle mehr, wie es noch vor 10 Jahren beim Staika notwendig war. Der Partner oder die Partnerin kann sich in der Zwischenzeit schon um die Kochvorbereitungen kümmern, da es nur einer Person bedarf, das Hilleberg-Zelt aufzubauen.

+ Immer wieder überzeugen mich die beiden Apsiden, die groß genug sind, um auch Wintertrekkingutensilien bequem aufnehmen zu können. Ist echtes Schietwetter draußen, dann kann jeder auf seiner Seite den Rucksack in aller Ruhe packen, bevor das Zelt verlassen wird.

+ Innenzeltgröße: Das Innenzelt ist immer noch breit genug, dass wir auch mit unseren dicken Daunen-Wintersäcken gut nebeneinander schlafen können und uns dabei bei Bedarf auch noch drehen konnten, ohne dass der Zweite sich mitdrehen musste. Damit unterscheidet es sich, abgesehen vom Außenmaterial und dem Gestängedurchmesser, auch sehr von seinem kleinen Bruder, dem Allak, in dem es im Winter schon etwas enger werden kann.

+/- Die Belüftung ist für ein Kuppelzeit sehr gut gelöst. Alle Belüftungsmöglichkeiten lassen sich problemlos von innen bedienen. Es hat unter den verschiedenen Schneebedingungen den einen oder anderen Kondensalarm gegeben, wobei unter den gegebenen Umständen auf den Touren dass auch in einem Tunnelzelt passiert wäre.

+/- Man muss sich bei Regen etwas kleiner machen und versuchen, den Zelteingang nicht komplett zu öffnen – dann kommt man auch trockenen Fußes gut ins Zeltinnere. Alles eine Frage der Übung :) Es ist halt ein Kuppel- und kein Tunnelzelt.

+ / – Ewiger Diskussionspunkt: Das Gewicht. Ja, es gibt Zelte, die leichter gebaut sind, dabei weniger Detaillösungen aufweisen. Aber, zu wissen, dass Zelt (Isomatte und Schlafsack) funktionieren, man sich auch unter extremeren Bedingungen auf diese Ausrüstung  verlassen kann, ohne sich Sorgen zu machen, motiviert mich auf Tour auch unter besch…. Bedingungen. Es ist gut für den Kopf zu wissen: Egal, wie der Tag war, am Abend, liegend im Zelt, ist alles wieder gut. :)

In einem Testbericht im Kanumagazin fand sich Folgendes als Zusammenfassung: „Das Staika ist wie eine Weisheitszahn-OP. Es tut beim Kauf einmal weh – und danach hat man nie mehr Ärger.” Dem ist auch aus meiner Sicht derzeit nichts mehr hinzufügen. Wer auf Tour bereit ist, sich mit dem mehr an Gewicht  etwas zu quälen, wohl wissend, dass die eigene mobile Unterkunft keine Notlösung oder gar nur eine Schönwetter-Variante ist, sondern eine absolut stabile Behausung darstellt, der kann wie wir über viele Jahre hinweg Spaß mit dem Staika haben. Egal, welche äußeren Bedingungen einen unterwegs erwarten, wie es die Wintertouren gezeigt haben und ich es aus vielen Kletter- und Bergtouren kenne.

Weiterschmökern:


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