Testbericht Hilleberg Nammatj 2

Die Suche nach dem perfekten Zelt gestaltet sich für jeden Menschen sehr individuell. Nachdem ich nun seit etwa 4 Jahren das Hilleberg  Nammatj 2 intensiv nutze und das Zelt auch bei widrigsten Bedingungen eingesetzt habe, kann ich nach diesem Langzeittest von meinen Erfahrungen und den grundlegenden Überlegungen zur Wahl dieses Hilleberg-Modells berichten. Da es kein Zelt gibt, das allen Ansprüchen gleichermaßen genügt, war eine Abwägung der Kompromisse bei den Gewichts-, Komfort- und Nutzungsansprüchen zwingend notwendig. Nach eingehender Marktübersicht war klar: Da es in puncto Qualität, Langlebigkeit und absolut durchdachter Detaillösungen kaum Alternativen gibt, wird es wohl ein Hilleberg Zelt werden. Haupteinsatzgebiet für mich sind Paddeltouren, oftmals solo, nur gelegentlich zu zweit und Ausflüge zur Vogelbeobachtung und Tierfotografie bei fast allen Bedingungen in Mittel- und Nordeuropa. Der Einsatz im Schnee ist eher eine Nebenerscheinung, wenn das Wetter einmal unverhofft verrückt  spielt .

Aufgrund des deutlich schnelleren Auf- und Abbaus war die Entscheidung für ein Tunnelzelt schnell getroffen. Da es auf dem Boot und bei den Fototouren, bei denen das Zelt nur kurze Strecken getragen werden muss, nicht auf absolutes Leichtgewicht ankommt, konnte ich bei der Wahl die Ansprüche Komfort, Belüftung und Robustheit in den Vordergrund stellen. So fielen die spartanischsten Modelle wie Nallo und Akto schnell wegen der schlechteren Belüftung aus und das Nammatj 2 rückte in den Fokus.

Mit einem Gewicht von 2,9kg gehört das Hilleberg Nammatj 2 noch immer zu den sehr leichten Zelten auf dem Markt, ist dabei aus dem robusten Kerlon 1800 gefertigt und mit einem extrem strapazierfähigen Boden und robusten, grobzahnigen Reißverschlüssen ausgestattet. Die Hillebergmodelle Kaitum und Keron sind für den Solo-Einsatz völlig überdimensioniert, so viel Raum und 2 Eingänge sind einfach überflüssig und bei Kälte ist der kleinere Innenraum des Nammatj 2 deutlich zweckmäßiger.

Das Nammatj 2 bietet mit seinem 1,30m breiten und 2,20m langen Innenzelt einen luxuriösen Schlaf- und Wohnraum für 1 Person und auch 2 Personen finden für gelegentliche Touren genug Platz. Da ich meist allein in dem Zelt unterwegs bin, kann ein Großteil des Gepäcks mit in das Innenzelt und ich benötige die Apsis als Stauraum fast gar nicht. Ist man zu zweit unterwegs, sieht das natürlich anders aus, aber das Gepäck von 2 Personen findet in der Apsis des Nammatj 2 problemlos Platz. Ein weiterer Grund, der mich für die Entscheidung zum Nammatj bewog, war die hervorragende Belüftung des Zeltes, die komplett von innen heraus zu bedienen ist. Die großen Lüfterhutzen sind wahlweise komplett zu öffnen, mit einem Moskitonetz zu hinterlegen oder bei ganz extremen Bedingungen komplett  verschließbar. Diese Variabilität des Belüftungssystems bieten nur die Hilleberg-Zelte aus dem robusteren Kerlon 1800. Der Eingangsbereich des Innenzeltes kann ebenfalls wahlweise komplett mit der Nylontür oder nur mit dem Moskitonetz verschlossen werden. Die Luftzirkulation ist auch hier fantastisch dosierbar, denn ich kann zum Beispiel auch nur den oberen Bereich der Tür mit Moskitonetz hinterlegen und lasse den unteren Bereich mit Nylon verschlossen, sodass es am Kopf weniger zieht. Der robuste Boden würde vermutlich eine Zeltunterlage überflüssig machen, zumal ich auf Paddeltouren meist auf weichem Boden stehe, allerdings habe ich mich trotzdem für das passende Footprint entschieden. Dieses deckt die komplette Apsis mit ab und reduziert so die vom Boden aufsteigende Kondensfeuchtigkeit – ein ganz wichtiger Aspekt auf feuchten Wiesen in Fluss- und Seenähe. Dazu ist es einfach komfortabler, einen sauberen Vorraum für die Schuhe zu haben. Perfekt gelöst ist die permanente Aufhängung des Footprints: Es wird mit Knebelknöpfen einfach an den 8 Eckpunkten eingehängt und braucht so nicht ständig aufs Neue justiert werden, sondern wird fester Bestandteil des Zeltes. Der seitliche Eingang mit breiter Reißverschlussabdeckung sorgt für schnellen Zugang zum Zelt, ohne dass der Regen das Innenzelt zu stark trifft.


Wie eingangs schon erwähnt, war der problemlose Auf- und Abbau bei jedem Wetter eines der wichtigsten Kriterien, die meine Entscheidung zugunsten eines Tunnelzeltes ausfallen ließ. Hier hat Hilleberg mit den perfekten Details einfach ganze Arbeit geleistet. Das Zelt steht wirklich in 2-3 Minuten, wenn es drauf ankommt. Ausbreiten, bei Wind mit 1-2 Heringen fixieren und einfach die beiden gleich langen Gestängebögen einschieben und nachspannen, das Zelt der Länge nach straffen und die restlichen Heringe  setzen – schon steht die sturm- und wetterfeste Behausung. Dann kann das Gepäck verstaut werden und man kann in Ruhe das Feintuning der Abspannleinen und Abspanner vornehmen.

Da Innenzelt und Footprint permanent eingehängt bleiben (bei Bedarf lässt sich beides natürlich jederzeit mit wenigen Handgriffen aushängen), gilt dieses schnelle Aufbauprozedere bei jedem Wetter und das Innenzelt wird nie nass.

Absolut hilfreich beim Aufbau und ein Garant für die Langlebigkeit dieses Hilleberg Zeltes sind die vielen kleinen, unübertroffenen Detaillösungen. Die Gestängekanäle sind extrem robust und an einem Ende mit einem geschlossenen Ende versehen, in welches das Gestänge einfach einfährt. Fixiert wird es dann in einem soliden Kunststofffuß, der mit einem Metallspanner nachjustiert wird. Man kann beim Nammatj 2, wie bei allen Hilleberg-Zelten, ein zweites Gestänge parallel einfädeln. Das ist allerdings für den normal-exzessiven Gebrauch nicht nötig. Geht es nach Grönland, in die Arktis o.ä., dann kann dies sinnvoll sein, um die Sturm- und Schneestabilität zu erhöhen. Alle Abspannpunkte, auf denen die tragende Spannung lastet, sind mit Metallösen ausgestattet, sodass man selbst bei scharfkantigen Heringen nicht fürchten muss, dass ein Gurtband unter Last durchscheuert. Die vier Eckpunkte sind zudem mit soliden Spannern ausgestattet, um das Zelt nachzuspannen. Das ist besonders bei Feuchtigkeit wichtig, denn das Material dehnt sich dann schon um einige Zentimeter aus. Um dann unnötiges Flattern zu vermeiden, gibt es die erwähnten Möglichkeiten zum Nachspannen.  Die reflektierenden 3mm-Zeltleinen, auf die man bei Sturm auf keinen Fall verzichten sollte, scheinen fast unzerstörbar, und die Leinenspanner, die ebenfalls kinderleicht bedienbar sind, halten auch bei starkem Wind absolut sicher.


Wenn es überhaupt einen kleinen Kritikpunkt an meinem Hilleberg-Zelt gibt, dann ist es die Trockenzeit. Es dauert schon etwas länger  als bei einem Polyesterzelt, bis das silikonbeschichtete Nylon getrocknet ist, besonders innen, aber das ist der Nachteil dieser Gewebe, mit dem auch ein Hilleberg-Zelt leben muss. Vor allem, da das Außenzelt mit dem Boden abschließt und weniger Luft zirkuliert.  Ich habe das Problem mit einem kleinen, leichten Reisehandtuch gelöst, mit dem das Zelt vor dem Abbau schnell ab- und ausgewischt wird. Diese kleine Einschränkung wird für mich aber durch den Komfort, die Robustheit, das perfekte Verhältnis von Gewicht, Raum und Stabilität und den schnellen Auf- und Abbau mehr als wettgemacht. Alles in allem hat sich auch nach 4 Jahren bisher auf jeder Tour die Investition in das Nammatj 2 als goldrichtig erwiesen.

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