Trekkingstöcke Black Diamond Distance FL – Test unter härtesten Bedingungen

 

Während einer zweiwöchigen Trekkingtour im schwedischen Lappland Anfang bis Mitte Juni 2012 konnte Tanja die Black Diamond Distance FL Trekkingstöcke unter unterschiedlichsten Bedingungen testen. Zwischen Abisko und Nikkaluokta erwarteten sie neben seltenen Pfaden mit sandigem Untergrund auch ausgespülte steinige Abschnitte, Holzstege, Brücken, Bachdurchquerungen, einige Schneefelder, steilere An- und Abstiege sowie felsiger, eisiger und sumpfiger Untergrund. Die Teststrecke betrug etwa 150km incl. Tagesausflüge.

Man sollte sich nicht vom ersten Eindruck der Trekkingstöcke täuschen lassen! Die aus Aluminium bestehenden Stöcke werden mit aufgeschraubten Gummisspitzen ausgeliefert. Zum Zubehör gehören ein Satz Carbitspitzen und ein Aufbewahrungsack. Alles zusammen wiegt 464g. Auf Tour kann man gut auf den Aufbewahrungssack verzichten, deswegen kann man von einem Gewicht von 450g incl. Wechselspitzen sprechen.

Die Stöcke sind deutlich robuster und stabiler, als man zunächst vermutet. Ein Rohrdurchmesser von knapp 10mm und einer Wandstärke im Kupplungsbereich des Z-Pole von nicht ganz 1 mm ließen mich vor Reiseantritt bereits Überlegungen anstellen, ob ein Bruch wohl mit der Reparaturhülse des Zeltgestänges zu reparieren sei. Während der Tour verkanteten sich die Stöcke zwischen Felsbrocken und Wurzeln bei weiterem Zug am Griff, mussten das volle Körpergewicht beim Abfangen einen Sturzes aushalten oder dienten als Stütze beim Hochdrücken aus teilweise über knietiefem Schnee und auch beim Waten durch stark strömende Bäche. Einmal trat ich sogar versehentlich auf einen liegenden Stock. Sie krümmten sich lediglich etwas und kehrten danach gleich wieder in den ursprünglichen, geraden Zustand zurück. Keine Risse, keine verbogenen Segmente, keine Knicke, keine anderen Beschädigungen mit Ausnahme von oberflächlichen Kratzern, wie sie nun einmal bei der Anwendung im Gelände entstehen.

Ich schaffte es, die Stöcke auf ein kleinstmögliches Packmaß von 7,5cm x 4,5cm x 37,5cm z bringen – allerdings ohne Aufbewahrungsack. Die Packmaßlänge bei Trekkingtouren war bisher eher nachrangig, da man am oder im Rucksack problemlos Stöcke mit einer zusammengeschobenen Länge von 50 bis 70 cm transportieren kann. Der Vorteil des kürzeren Packmaßes gegenüber Teleskopstöcken offenbarte sich erst während einer Tagestour, denn sie passten genau in das Deckelfachs meines Trekkingrucksacks (Deuter AC Pro 70 + 15 Liter), der als Tagesrucksack umfunktioniert werden kann.

Im Aufbewahrungsack vergrößert sich das Packmaß auf etwa 10cm x 4,5cm x 39cm. Also ideal für zu Hause, denn im Aufbewahrungssack kann man die Wechselspitzen in einem kleinen Extrafach aufbewahren, damit sie nicht verloren gehen.

Den Black Diamond Distance FL gibt es in zwei verschiedenen Längen. Die hier angegebenen Gewichte und Packmaße beziehen sich auf die kleinere der beiden Größen – die nachgemessen in der Länge von 105cm bis 124cm verstellbar ist. Die für mich optimale Längeneinstellung beträgt 110cm. Auf Tour stieß ich zu keiner Zeit an die Grenze der Längeneinstellmöglichkeit.

Die Einstellung der Länge wird mit einem Flick-Lock-Verschluss fixiert, der auch unter sehr hoher Gewichtsbelastung nicht nachgegeben hat.  Also keine unkontrollierten und in der jeweiligen Situation vollkommen ungewollten und manchmal auch gefährlichen Verkürzungen der Trekkingstöcke. Auch unterschiedliche Stockhöhen im Laufe der Wanderzeit gehören der Vergangenheit an. Die unteren Segmente werden durch Kabelspannung und einem Einrastmechanismus fixiert. Das Kabel selbst befindet sich geschützt in einer Kunststoffummantelung, sodass es auch im zusammengefalteten Zustand nicht beschädigt werden kann. Die Kabelspannung selbst kann bei Bedarf über ein Einstellrad einfach und schnell nachreguliert werden. Probleme oder Nachstellbedarf gab es weder mit dem Flick-Lock-Verschluss, noch mit der Kabelspannung des Z-Pole. Im Gegenteil: Das gesamte Verschlusssystem fasziniert und überzeugt in der Praxis vor allem durch das mit wenigen Handgriffen schnelle und einfache „einsatzbereit Machen”: Länge einstellen und mit dem Flick-Lock-Verschluss arretieren. Die unteren Segmente fügen sich durch den Zugmechanismus ineinander und werden durch automatisches Einrasten fixiert. Auch das Zusammenfalten ist schnell und einfach erledigt.

Die geraden sowie schmalen Griffe bestehen aus Schaumstoff und sind nach unten verlängert. Der Halt ist sehr gut, man rutscht nicht – auch nicht bei Nässe. Eine Geruchsentwicklung habe ich nicht feststellen können, allerdings muss ich zugeben, dass es auf Tour für häufig schweißige Hände eindeutig zu kalt war.

Die Handschlaufen sind rechts-links-spezifisch, was auch durch ein „L“ und „R“ am Ende der Klettbänder zum Einstellen der Weite gekennzeichnet ist. Auch wenn der Unterschied nur minimal ist, man bemerkt sofort, wenn man den falschen Stock in der Hand hält. Die Passform der gepolsterten Handschlaufen ist überaus angenehm. Sie scheuern nirgends und verursachen auch keine Druckstellen. Außerdem wurde im Bereich des Handrückens, wo die Schlaufen permanent aufliegen, ein luftdurchlässiges Material eingearbeitet, was den Tragekomfort zusätzlich erhöht. Die Handschlaufen selbst sind über eine Kordel an den Griffen befestigt. Die Vermutung lag nah, dass die Kordel durch Reibung schnell verschlissen ist und reißt. Aber nichts dergleichen ist passiert. Bei Bedarf können sie dennoch getauscht werden.

Die Griffe und auch die Handschlaufen nehmen Feuchtigkeit auf. Was beim Schwitzen von Vorteil ist, macht sich bei Regen oder anderer Nässe (z. B. beim Umfallen ins Wasser) negativ bemerkbar. Ohne Handschuhe fühlt sich das Material dann nass-kalt und unangenehm an.

Die Black Diamond Distance FL Trekkingstöcke besitzen kein Dämpfungssystem. Vor- und Nachteile muss jeder für sich abwägen, vermisst habe ich es nur auf einer kurzen Passage auf geteertem Untergrund, mangels Möglichkeit die Gummispitzen aufschrauben zu können. Abhilfe schaffte die Möglichkeit, auch neben der Fahrbahn laufen zu können. Vibrationen, die beim Aufsetzen der Stöcke entstehen, waren nicht spürbar. Die Intensität würde ich als normal einstufen, also weder übermäßig stark noch besonders gering. Die weichen Schaumstoffgriffe absorbieren anscheinend ausreichend Energie, sodass ich auch nach über 20km langen Etappen keine Schmerzen in Händen, Armen oder Schultern verspürt habe.

Auch nach über 150km (incl. Tagestouren) sehen die Carbitspitzen aus wie neu. Es sind nur Gebrauchsspuren in Form von Kratzern an ihren Fassungen zu sehen. Nasser Fels und Eis waren für die Spitzen kein Problem, sie rutschten nicht weg. Den Verschleiß der Gummispitzen kann ich nicht beurteilen und sie sind vom Test ausgenommen, da sich die Carbitspitzen ohne Zange nicht lösen ließen, um einen Tausch vorzunehmen. Im Vorfeld hatte ich die Gummispitzen im neuen Zustand der Stöcke ohne Werkzeug nur mit sehr hohem Kraftaufwand abdrehen können. Das Anbringen der Carbitspitzen erfolgte bereits mit Zange. Möchte man also unterwegs die Spitzen tauschen, ist die Mitnahme von Werkzeug unerlässlich! Die Anwendung von Gummikappen, die man einfach über die Carbitspitzen stülpt, empfinde ich als deutlich praxistauglicher.

Fazit: Die Trekkingstöcke sind zwar im oberen Preissegment angesiedelt, dafür erhält man aber einen sehr leichten, gut verarbeiteten, klein verpackbaren, robusten und auch stabilen Trekkingstock mit einem überaus angenehmen Tragegefühl, der all meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat und die beim ersten Eindruck entstandenen Vorurteile restlos beseitigt hat. Die einfache Montage und Demontage, die z. T. sogar mehrfach täglich ausgeführt wurde, ist immer noch so leichtgängig wie am ersten Tag. Das zuverlässige Verschlusssystem gibt dem Anwender sicheren Halt und Trittsicherheit beim Balancieren von Stein zu Stein, auf dem Land und zu Wasser. Ausnahme bildet einzig die Überquerung von Schneefeldern, da die Stöcke wegen fehlender Möglichkeit, Schneeteller anzubringen, bei Belastung immer bis zum einem festen Untergrund (Eis, Steine oder Erdboden) durchsackten. Auf der anderen Seite ermöglichte diese Eigenschaft mit den Stöcken den Untergrund zu „ertasten“, um Bohlenstege zu finden oder Spalten zwischen Felsbrocken ausfindig zu machen. Die verlängerten Griffe ermöglichen ein Umgreifen bei kurzen und steilen Anstiegen, ohne die Stocklänge verstellen zu müssen, sowie Traversieren am Hang.

Die Black Diamond Distance FL Trekkingstöcke haben mich überzeugt und gehören nach dieser verhältnismäßig kurzen Zeit bereits zu meinen liebsten Ausrüstungsgegenständen.

Weiterschmökern:


Kommentar-Feed Kommentar schreiben oder Trackback einrichten

Vorheriger Eintrag
Nächster Eintrag


4 Kommentare

  1. avatar
    1
    Björn | 26. Januar 2013, 20:34

    Ich bin seit einiger Zeit auf der Suche nach neuen Stöcken und stoße immer wieder auf die BD Distance FL. Insgesamt finde ich den Stock schon ziemlich überzeugend. Trotzdem denke ich, dass er nicht für Hoch- und Wintertouren geeignet ist. Soweit ich es gelesen habe und beurteilen kann, lassen sich keine Schneeteller anbringen. Oder gibt es da mittlerweile eine Lösung. Habt ihr auch Erfahrung in der Bedienung der Teile mit dicken Handschuhen?

    Grüße, Björn

  2. avatar
    2
    Moritz | 28. Januar 2013, 11:12

    Hallo Björn, Black Diamond weißt den Distance FL als einen 3-Seasons Pole aus und deshalb kann man ihn leider nicht mit Schneetellern ausstatten. Der BD-Kollege am Telefon wies mich aber auf ein neues Modell hin, welches dieses Jahr kommen soll. Es trägt den Namen 4-Seasons Mountain Series Z-Pole und kommt mit 485g. Er ist dann nicht nur wintertauglich, sondern auch für längere Zeit auf größeres Gewicht und noch mehr Stabilität ausgelegt.

    Die Bedienbarkeit beim jetztigen Distance FL finde ich mit Handschuhen absolut akzeptabel. Die einzelnen Module lassen sich problemlos Einklicken und der FlickLock Verschluss sich, meiner Meinung nach, deutlich besser als ein Drehverschluss fixieren!

    Falls Du noch weitere Fragen hast, immer raus damit. Ich hoffe ich konnte Dir ein paar Antworten geben!

    Beste Grüße
    Moritz

  3. avatar
    3
    Frank Wiegand | 3. August 2016, 13:34

    Hallo, ich habe diese Alustöcke schon seit 3 Jahren und bisher nie Probleme gehabt, bis Sonntag. Auf einem Downhill mit Steigepassage bin ich bei aufgesetztem Sock setlich etwas weggerutscht und auf halber höhe gegen den Stock gekommen der ist unvermittelt an der obersten der 3. Schnittstellen auseinandergebrochen. Der Metallverschlussknopf der an den feinen Draht befestigt ist, ist nach innen gerutscht. Der Stock liess sich zwar wieder zusammenstecken, fährt aber in seine niedrigste Position zusammen und lässt sich nicht mehr arretieren. Wie kann man den Stock auseinandernehmen und reparieren? Gibt es den Verschluss oben auch als Ersatzteil, falls beschädigt? Einschicken oder selbst reparieren? Brauche ihn spätestens wieder für den Transalpina am 4.9.16.

  4. avatar
    4
    simone | 3. August 2016, 15:14

    Hallo Frank,
    wir versuchen uns zu kümmern, den Fall hatten wir so noch nicht. Habe ich Dich richtig verstanden?- der Flick Lock Verschluss funktioniert noch, aber die Hülse, die auf dem 7. Bild im Bericht zu sehen ist, ist bei Dir weggebrochen oder reingerutscht?
    viele Grüße aus dem tapir
    simone

Kommentar schreiben