Apache Light von Andrea Boldrini im Test

Andrea Boldrini ist eine französische Kletterschuhfirma, welche wir erst seit vergleichsweise kurzen zwei Jahren im Sortiment haben, mir aber im Kletteralltag immer häufiger begegnet. Die Schuhe von Boldrini haben sowohl in der Kletterhalle als auch in unseren lokalen Gebieten einen festen Fankreis und spornen immer mehr, vor allem ambitionierte Kletterer zu neuen Bestleistungen an. Es ist also an der Zeit, sich die Kletterschuhe von Boldrini genauer anzuschauen und das Modell Apache Light einem intensiven Test zu unterziehen.

Die Fakten

Der Apache Light bestehtzu großen Teilen aus synthetischen Materialen, was ihn im Gegensatz zu seinen reinen Lederfreunden sehr formstabil macht. Die Passform wird ebenfalls dadurch verbessert, dass der komplette vordere Fußbereich bis hoch auf den Spann eingummiert ist. Dadurch ist der Schuh extrem anschmiegsam und geht trotzdem nicht aus der Form. Er muss also auch nicht allzu eng gekauft werden und ich konnte mich für eine bequeme 38,5 bei einer Straßenschuhgröße von 41 entschieden. Der Schuh wird mit einem breiten, sehr soliden Klettband verschlossen, welches absolut vertrauenerweckend wirkt. Das Sohlengummi wurde eigens von Boldrini entwickelt und trägt den Namen Formula Rubber. Dieses sorgt für ein gutes Gefühl beim Antreten und muss sich mit seiner ziemlich überzeugenden Reibung keinesfalls hinter Vibram und Co. verstecken.

Der Schuh im Einsatz

Zunächst musste ich der Passform des Schuhs etwas auf die Sprünge helfen. Die Zunge war im Schuh an einer Stelle so dick eingenäht, dass diese mir eine unangenehme Druckstelle verschaffte. Ein Opinel konnte helfen, die Naht, welche absolut entbehrlich ist, zu entfernen und siehe da: Der Schuh trägt sich auf einmal ganz anders! Er sitzt gleichmäßig kompakt und umschließt den Fuß angenehm, ohne ihm durch Druckpunkte zuzusetzen. Obwohl die Zehen sehr weit in eine aufgestellte Position geschoben sind, tut der Schuh nicht weh. Allein der sehr gute Sitz, der einen super Kompromiss zwischen Passform/Komfort und Performance liefert, ist für mich schon eine Empfehlung wert – eine Wohltat für gequälte Kletterfüße ohne Abfall der Kletterleistung. Der leicht asymmetrische Schnitt und ein leichter Downturm sorgen für sehr gute Kraftübertragung vom Fuß an die Wand.

Meine anfängliche Befürchtung, der Schuh könne eventuell zu hart sein, um präzise mit ihm zu arbeiten, erwies sich als unbegründet, denn nach einem kurzen Einklettern tritt sich der Schuh sehr gefühlvoll und man kann mit dem kompletten Einfühlungsvermögen des vorderen Fußbereichs arbeiten. Der gummierte Spann sorgt für gut sitzende Toehooks und vermittelt in harten Bouldern und sonstigen unvorstellbaren Positionen ein sicheres und präzises Gefühl. Das Formula Rubber des Schuhs steht in unseren lokalen Porphyrgebieten sehr gut am Felsen und lässt auch in der Halle nicht zu wünschen übrig. Der Apache Light vermittelt eine gelungene Balance zwischen Stabilität und Gefühl, mit welchem man selbst durch sensible Passage problemlos manövrieren kann.

Ein kleiner persönlicher Wermutstropfen ist die Fersengeometrie, welche aufgrund meiner schmalen Ferse einfach nicht sitzen will, was aber den Eindruck von diesem gelungen Schuh nicht wirklich trüben kann.

Fazit

Besonders für ausgedehnte Kletter- und Bouldereinheiten, bei denen vor allem intensiv und lange gearbeitet wird, ist der Apache Light zu empfehlen. Mit seiner angenehmen Passform, die sowohl für Performance als auch für Komfort sorgt, empfiehlt sich der Schuh und ist eine durchaus positive Überraschung, die für neuen Wind in der Kletterschuhecke sorgt.

+ Unglaubliche Ausgewogenheit von Passform und Performance

+ Exakte Toehooks

+ Formula Rubber mit sehr guten Reibungswerten

- Ferse hat an meinem Fuß etwas Luft

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2 Kommentare

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    Jammerrusse | 9. Januar 2013, 10:55

    Die vordere Hälfte des Schuhs ist perfekt. Man kann sowohl in Fontainebleau auf Nichts stehen, als auch im Porphyr auf kleinsten Leisten. Für den nordrussischen Granit war die Sohle ein wenig zu weich. So gut wie die Spitze ist, umso bescheidener ist die Ferse. Schon nach einer Woche hatte ich ca. 1 cm Luft hinten.Vernunftige Heelhooks sind mit dem Schuh nicht möglich.

  2. avatar
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    Moritz | 9. Januar 2013, 15:14

    Hey Leo, 1000 Dank für dein Feedback, welches auch meine Einschätzung der zu großen Ferse teilt. Dies ist als Passformproblem natürlich ziemlich subjektiv. Mir schmeicheln die Fersen von La Sportiva oder dem Ozone von Rock Pillars auch mehr, ebenfalls habe ich auch gute Erfahrungen diesbezüglich mit der 3d Ferse von MadRock (damals noch beim New Muggen, welchen es leider nicht mehr gibt) gemacht. All diese scheinen meinem, eher schmalen, Fersenbau entgegen zu kommen. Ich habe gerade den 5.10 Anasazi und den Boreal Lynx probiert und finde sie in der Ferse mit Boldrini vergleichbar – also auch eher zu weit. Vielleicht haben wir einfach sehr zarte Füße? :) LG Moritz

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