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Teaserbild: Trekkingtour zu den landschaftlichen Perlen von Schottland

Trekkingtour zu den landschaftlichen Perlen von Schottland

Schon oft war ich in Schottland, doch 2 Ziele hatte ich noch auf meiner Wunschliste. Der westliche Teil des Fisherfield Forests (der größten Wildnis von Großbritannien) und die Gegend um den Berg Beinn Eighe in den Torridons. Die Schönheit der Landschaft und die Ruhe dort ist in Schottland kaum zu überbieten. Nach längerer Planung entschied ich mich, beide Ziele in einem Urlaub zu besuchen. Da der öffentliche Verkehr in dieser relativ verlassenen Gegend nicht gerade gut ausgebaut ist, wollte ich beide Ziele mit einer langen Wanderung verbinden.

Schottland ist im Gegensatz zu skandinavischen Ländern vergleichsweise günstig (auch dank des guten Wechselkurses wegen dem Brexit), per Flugzeug schnell zu erreichen, auch Sprachprobleme entfallen bei Englischkenntnissen. Wildcampen ist erlaubt und das Wetter im Mai meist stabil und Mücken (Midges) machen noch keinen Ärger.

Der Startpunkt meiner Tour Anfang Mai ist Poolewe im Nordwesten Schottlands. Angereist war ich vom Flughafen Edinburgh übers Stadtzentrum per Fernbus für ca. 10 € nach Inverness, dort eine Nacht im Bed and Breakfast (Preis-Leistung dort wesentlich besser als in Edinburgh) von dort Umstieg und ein paar Stunden Aufenthalt in Ullapool.

Nachmittags verlasse ich den Minibus der mich in einer guten Stunde von Ullapool nach Poolewe gebracht hat. Ich bin froh den Bus verlassen zu haben aber auch genauso froh, überhaupt noch reingepasst zu haben. Es war nur Platz für 9 Passagiere, ich hatte den letzten Platz erwischt, meinen Rucksack umarmt und den Altersdurchschnitt nicht unter 70 Jahre senken können:-).

Ich habe noch eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor mir zu meinem ersten Ziel, dem Causeway (einem künstlich angelegten Steg) zwischen den Seen Fionn Loch und Dubh Loch. Nicht ganz einfach für den ersten Tag bei über 25 kg im Rucksack. Aber der Weg hat nicht sehr viele Höhenmeter und ist noch recht gut ausgebaut, sodass ich das Ufer noch im Hellen erreiche und noch ganz entspannt mein Zelt aufbauen, kochen und eine kleine Fototour machen kann.

Nach einer kurzen, windigen Nacht in der ich nicht viel Schlaf abbekommen habe, entschließe ich mich die Sachen zusammenzupacken und in der knapp 2 km entfernten Carnmore Bothy auf der anderen Seite der Seen zu frühstücken. Die Hütte ist mit der Ausrüstung von Kletterern belagert die in dem Berg hinter der Hütte in der Wand hängen und allgemein in einem sehr schlechten Zustand und es gibt sehr viele Mäuse hier. Ich bin froh, dass ich hier nicht geschlafen habe.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich auf dem Weg zu meinem ersten und einzigen richtigen Berggipfel auf der Tour, dem A Mhaighdean, einem 967 hohen Munro (Berg über 3000 Fuß). Von der Carnmore Bothy führt ein erstaunlich guter Weg bis kurz unter den Gipfel, den Rest geht es über steile Grasmatten weglos zur Spitze. 3-4 Stunden sind seit dem Frühstück vergangen bis ich den Gipfel erreiche. Von dort oben kann ich fast die komplette Strecke der letzten 1,5 Tage überblicken. Der Auftstieg war nicht sonderlich schwierig, lediglich der starke Wind hat die Wanderung etwas unbequem gemacht.
Der Abstieg wird dagegen schwieriger. Ab jetzt geht es weglos weiter in Richtung Nordwestufer des Lochan Fada, wo ich diese Nacht mein Zelt aufstellen möchte. Die Flanke am Nordufer des Sees ist sehr steil und ich hatte bei der Planung vorab so meine Zweifel, ob man dort sicher hinabsteigen kann. Es war zwar nicht einfach, war aber ohne Gefahr machbar und ich bin froh, dass ich das Ufer des Sees erreiche und endlich mein Zelt aufstelle.

Am nächsten Morgen hängen die Wolken tief über dem See und ich packe meine Sachen und mache mich auf die nächste Etappe. Tagesziel für heute Abend: Das Ostufer des Loch Maree bei Kinlochewe. Dazu gehe ich wieder Richtung Norden das Tal hoch. Am Ende treffe ich fast wieder auf den Weg vom ersten Tag, biege jedoch vorher nach links ab und gehe über ein Bergplateau in Richtung der Ortschaft Letterewe (eigentlich sind es nur 2-3 kleine Höfe) am Nordufer vom Loch Maree. Am Ufer des Sees laufen mehrere Pferde herum, die wohl zu einer der Farmen gehören, sich aber frei bewegen können. Ich genieße die Anwesenheit der Tiere die sich durch mich und das Klicken meines Fotoapparats nicht aus der Ruhe bringen lassen und koche ein Süppchen.
Von dort aus geht es noch für 10 km Richtung Osten immer oberhalb des Sees entlang bis zu meinem heutigem Ziel. Leider regnet es die letzten Kilometer und der Weg zieht sich.

 

Dafür entschädigt am nächsten Vormittag der Aufenthalt in Kinlochewe mit Einkaufsmöglichkeiten im Shop an der Tankstelle und im Cafe direkt nebenan. Dort gibt es freies WLAN und ein großes Frühstück. Bevor ich ins Dorf gekommen bin, hatte ich übrigens 2 Tage keinen Menschen mehr gesehen.
Weiter geht es auf einem Waldweg parallel zur Hauptstraße, dem ich allerdings nur kurz folge und dann nach Westen bergauf in Richtung Beinn Eighe Bergmassiv abbiege.
Der bis dahin gute Weg endet etwa kurz vor dem höchsten Punkt des Tales. Danach folgt der mit Abstand schwierigste (weil weglos und felsig) Teil der ganzen Tour. Für 2-3 Stunden gehe ich auf der linken Seite des Tal auf halber Höhe am Berg entlang über große Felsbrocken bis ich endlich den Bergsee Loch Coire Mhic Fhearchair mit der dahinter liegenden markanten Bergformation Triple Buttress erreiche. Der Ausblick, der See, der Wasserfall, die Berge, alles hier oben (das Plateau liegt auf ca. 600 Metern) ist wunderschön, aber genießen kann ich das im Moment nicht. Die letzten Kilometer haben mir den letzten Nerv und auch Kraft geraubt. Lag wahrscheinlich auch daran, dass diese nicht mehr auf meiner Karte waren und ich irgendwie dachte, ich wäre schon sehr viel früher hier angekommen :-).
Es ist sehr windig hier und zum Glück steht schon ein Steinkreis in den ich mein Zelt etwas geschützt stellen kann. Nach einem kurzen Sprung in den eiskalten See und dem Abendessen verziehe ich mich ins Zelt. Draußen ist es viel zu kalt bei dem Wind.
Der Wind hört die ganze Nacht nicht auf und am nächsten Tag ist es noch kälter. Eigentlich wollte ich mein Zelt stehen lassen und einen Gipfel in Angriff nehmen oder die Reste von dem Flugzeugwrack, das hier vor Jahrzenten abgestürzt ist, besuchen. Aber mir ist zu kalt und ich fühle mich irgendwie schwach.
Daher packe ich zusammen und ziehe weiter in südlicher Richtung. Ein gut ausgebauter Weg führt mich in ca. 1,5 Stunden an die Straße die zur Ortschaft Torridon führt. Nach ihr wurde die ganze Bergregion benannt. Es regnet etwas und ich gehe einen Umweg zur Bothy am Lochan an Lasgair etwa 500 Meter entfernt von der Straße. Den Weg hätte ich mir sparen können, denn diese ist nur für Mitgleider des schottischen Bergvereins und man benötigt einen Schlüssel. Schade!
Weiter also im Regen auf der Straße Richtung Osten. Nach ein paar Kilometern biege ich am Loch Clair nach rechts ab, passiere einen weiteren See und eine Farm und schlage ein paar Kilometer dahinter in der Nähe eines Bachs mein Lager auf. Die Nacht, die dann folgt, wird die mit Abstand schlimmste von allem was ich in vielen Jahren in Schottland erleben musste. Massive Magen/Darmprobleme machen mir das Leben zur Hölle. Hätte ich Handyempfang gehabt, hätte ich wahrscheinlich Hilfe gerufen, aber das ging leider nicht. Mitten in der Nacht zur Farm und den Bauern um Hilfe zu bitten wäre auch nicht gut angekommen. Kraft dafür hätte ich ohnehin nicht gehabt. Zum Glück habe ich noch einen Reservetag für genau solche Fälle übrig, sodass mir noch knapp 1,5 Tage Zeit bleiben, um den Bahnhof von Achnashellach (ca. 8 km entfernt über einen Pass) zu erreichen. Ich gehe trotzdem schon am nächsten Vormittag los. Vor Schmerzen kann ich nicht richtig gehen und ich habe überhaupt keine Kraft (gefrühstückt und getrunken habe ich auch noch nichts wegen der Magenschmerzen). Auf dem Coulin Pass fängt es dann auch noch an zu hageln und der Gegenwind schlägt mir ins Gesicht. Ich könnte eigentlich heulen, muss aber auch fast schon lachen, weil meine Lage so mies ist, dass es kaum schlimmer kommen könnte. Irgendwann schlagen meine Gefühle in Aggression um, was mir dann letztlich wohl die Kraft gegeben hat, in Achnashellach anzukommen. Dort gibt es natürlich außer dem Bahnsteig und ein paar Häusern genau nichts was mir in meiner Lage helfen könnte. Da mein Zug erst am nächsten Tag kommt, zelte ich in einem Wäldchen ein paar hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Gegessen habe ich in dieser Zeit nichts, getrunken auch fast nichts. Mein Vertrauen in die Wasserqualität der Bergbäche hat verständlicherweise stark gelitten. Einen Wasserfilter habe ich nicht dabei und hatte die letzten Jahre auch nie einen gebraucht.

Am nächsten Tag im Zug nach Inverness bestelle ich mir einen Tee, davon geht es mir aber leider auch nicht besser. Von Inverness aus fahre ich noch 4 Stunden mit dem Bus nach Edinburgh, dort bleibe ich noch eine Nacht im Hostel mit unglaublichen Magenschmerzen, weil ich den Fehler gemacht hatte, etwas zu Abend zu Essen. Am nächsten Mittag überstehe ich den Flug auch noch irgendwie und bin erst nach etwa 1 Woche wieder komplett fit.
Der Verdacht liegt nahe, dass es am ungefilterten Wasser lag, vielleicht war es aber auch eine Lebensmittelvergiftung. So oder so, meine nächste Investition wird definitiv ein Wasserfilter sein!

Fazit der Tour: Landschaftlich geht es nicht viel schöner, viel abgelegener und ruhiger auch nicht. Die Tagesetappen hatten für meinen Geschmack die perfekte Länge und einen gewissen Anspruch. Hätte ich mich, insbesondere am Ende der Tour, fitter gefühlt, wäre noch mindestens eine Gipfeltour mehr drin gewesen. Für komplette Trekkingneulinge ist die Tour aufgrund der Abgelegenheit eventuell noch nicht zu empfehlen.

Anreise:
Vom Flughafen Edinburgh ins Stadtzentrum zum Busbahnhof, von dort mit dem Bus nach Inverness, von Inverness aus am nächsten Tag mit dem Bus nach Ullapool, dort etwa 3 Stunden Aufenthalt und weiter mit dem Bus nach Poolewe.

Rückweg:
Vom Bahnhof in Achnashellach mit dem Zug nach Inverness, von dort mit dem Bus nach Edinburgh.

Einreise:
Die Einreise ist als EU-Bürger kein Problem, der Personalausweis genügt.

Beste Reisezeit:
Beste Reisezeit ist definitiv der Mai. Dann gibt es den wenigstens Niederschlag und generell das schönste Wetter, der Schnee ist größtenteils geschmolzen und am allerwichtigsten: Es gibt noch keine (oder kaum) Stechmücken.

Sprache:
Die Verständigung ist mit ausreichenden Englischkenntnissen kein Problem.

Geld:
Bezahlt wird in britischen Pfund. Ich habe direkt am Flughafen mit der Kreditkarte Geld abgehoben, das war am unkompliziertesten und günstigsten.

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Wanderrouten und Karten

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Busse

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Züge

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Fernbusse

  • natürlich ein Zelt, denn es gibt nur eine öffentliche Schutzhütte auf dieser Tour!
  • unbedingt ein Wasserfilter, aus gegebenem Anlass. Sicher ist sicher!
  • Wenn man später als Mai anreist, ist ein Mückenhut Pflicht.

Zur allgemeinen Informationen: Google Earth.

Unbedingt empfehlenswert: walkhighlands dort gibt es auch Online-Karten, Wegbeschreibungen etc.
Buch (englisch): The Cape Wrath Trail von Iain Harper (der Cape Wrath Trail führt ebenfalls durch das Gebiet).

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