Dein Abenteuer beginnt hier!

Teaserbild: Trampen und Wandern auf dem Balkan

Trampen und Wandern auf dem Balkan

Wie der Titel schon verspricht, lockt hier auf dem Balkan das Abenteuer Europa; oft beschrieben als letzte natürliche Wildnis auf diesem Kontinent und definitiv mehr als einen Besuch wert. Kenner der MDR-Sendung „Biwak“ haben sich gerade über eine herrliche Serie auf dem Balkan freuen können. Ich war nicht minder erstaunt beim Schauen, denn das Team um Torsten Kutschke hatte sich die gleichen Ziele gesteckt, die wir auch erkundet haben. Die gleichen Orte, die man eben erst in natura gesehen hat, nun aus Vogelperspektive aufgenommen mit einer Drohne, ungleich schöne Aufnahmen und doch gleichzeitig sehr anders.

Ich fange mal bei Null an. Das heißt: im Mai 2018, als wir in Großfamilie zu einem der vielen Geburtstagsfeste im Dorf zusammenkamen. Jeder redete ein wenig über seine Pläne, mein Stiefbruder erzählte von Albanien, verlassenen Stränden und herrlichem Flair. Eine meiner Schwestern hakte sofort ein: „Ja, da gibt es jetzt ’nen Wandertrail über drei Länder hinweg, ‚Peaks of the Balkans‘ oder so soll der wohl heißen. Soll durch Albanien, Montengro und den Kosovo als Rundwanderweg führen, irgendwas um die 200 km oder so…“ Na also, wenn jetzt nicht mein Interesse geweckt war, dann weiß ich auch nicht! Linda empfand ähnlich, kriegte jedoch in den kommenden Wochen bei Recherchen, Dokus, Nachlesen, Blogberichte Studieren immer mehr Muffensausen, wenn es an die Berge ging. Hoch, runter, hoch, runter – das muss man wollen! Wir wollten daher die Kombination aus Alpincharakter und mediterranem Flair an der Adria und dem Ionischen Meer genießen.

Packen. Jeder kennt das. Man packt den Rucksack, es ist zu viel. Man packt die Hälfte aus, es ist noch immer zu viel. Man reduziert noch mehr und denkt, das reicht, und unterwegs bemerkt man dann doch: Es ist zu viel. In Albanien nach Ende des Treks brachte mein Exemplar noch immer stolze 26 kg auf die Waage, was mich persönlich weder gestört noch beeinträchtigt hat. Lindas Rucksack war da bei 14-16 kg. Dazu sollte ich noch bemerken, dass unterwegs ein großer Teil ihres Gepäcks auf ominöse Art und Weise in meinen Rucksack gewandert war …

Nun sollte es also losgehen. Am Samstag, den 28.7. standen wir am Fernbus-Terminal nach Prag, machten dort in unserer Lieblingskneipe, gleich gegenüber vom Busbahnhof Florence, eine geplante Mittagspause (Kronen von anderen Reisen rauskloppen) und fuhren anschließend bei sirrender Hitze nach Budapest. Dort kamen wir abends gegen halb 11 an und waren uns schnell einig, dass es schwer würde, von hier noch weiterzutrampen. Also fragten wir einen Busfahrer im Fernbus nach Belgrad (Serbien), ob denn noch 2 Plätze frei seien. Nachdem alle eingestiegen waren, gab es tatsächlich noch 2 freie Plätze, die wir uns ergattern konnten. Also stiegen wir schon am Sonntagmorgen in Belgrad aus und machten uns auf die Reise. Hier begann einer der schönsten Reiseabschnitte. Mit diversen Stationen und herzlichen Begegnungen, Einladungen, unter anderem von einem serbischen Ministerpräsidenten, der uns quasi nicht mehr hergeben wollte, gelangten wir an diesem Tag bis an die Grenze zum Kosovo. Ausführliches dazu kann ich auf Nachfrage gerne erzählen, das würde jedoch den Rahmen hier sprengen. In jedem Fall eine schöne Erfahrung; den Kontakt, wie auch andere, pflegen wir weiter. Am Montag, den 30.8. schafften wir es, mit Ivica und Igor, zwei serbischen Schränken, die ich mich niiiiieeemals getraut hätte anzuquatschen (Linda ist da irgendwie weniger gehemmt), nach Montenegro in die Nähe der albanischen Grenze zu fahren. Falls euer googlemaps in dieser Gegend mal sagt, es dauert 2 Stunden: Rechnet 3 drauf – Serpentinen …!

Auf dem Balkan zu trampen, ist, zumindest als Pärchen, sehr entspannt. Im Schnitt haben wir wohl 20 Minuten mit Warten verbracht. Wir machten die Erfahrung, dass die Fahrer nicht unbedingt anhalten; wenn man jedoch direkt die Menschen anspricht, wird man nicht abgewiesen. In Albanien ist es noch mal ein wenig anders: Dort ist die Infrastruktur so gestaltet, dass es keine Haltestellen bei Überlandfahrten gibt, sondern der Bus anhält, wenn man dem Fahrer ein Signal gibt. Das kann zu Unstimmigkeiten führen, falls man nicht gewillt ist, zu zahlen. Die Preise sind allerdings mehr als akzeptabel. Uns begegneten auf jeder einzelnen Fahrt Freundlichkeit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Wir waren fast schon erschrocken, als wir wieder in Deutschland ankamen, wie verbissen und kühl die Menschen sind. Wir haben hier eine stabil ausgebaute Infrastruktur, finanziell ist Deutschland um einiges besser aufgestellt als Albanien, jedoch scheint es, als würde dies in der Mentalität verankert sein. Auf dem gesamten Balkan, auch in Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik wurden wir freundlich empfangen und an- bzw. aufgenommen.

Mit einer letzten Station gelangten wir am Montagabend in Shkodra an, einer Stadt im Norden Albaniens, die uns trotz des Mülls und der irren Lautstärke sofort faszinierte. Hier hatten wir noch einen Abend Ruhe und fuhren am nächsten Tag mit einem Offroad-Jeep, den wir über ein lokales Touristenbüro für 8 Euro pro Nase charterten, hoch in die Berge. Die Tour war jeden Cent wert, auch wenn der Fahrer, kein Wort Deutsch-Englisch oder irgendwas sprechend, unsere Nerven strapazierte, indem er alle 5 Meter anhielt, um seine Monatseinkäufe zu machen. Spätestens auf den letzten 15 Kilometern, die nur noch offroad in steilen Serpentinen und zunehmender Dunkelheit verliefen, machten sich die Routine und das Können des Fahrers bemerkbar. Wir waren nun also am Mittwochmorgen, dem 1.8., drei Tage vor dem „Reiseplan“, so weit, den ‚Peaks of the Balkans‘ zu starten. Ab hier wird es jetzt eigentlich erst richtig interessant. Alpin wandern – darunter kann man sich schon was vorstellen. Man hat einen bissigen Anstieg und läuft dann irgendwann oben auf dem Berggrat tagelang entlang. Auf dem Balkan ist das ein wenig anders. Man läuft am Morgen den Berg hoch, mit Höhenunterschieden bis zu 1.500 m und das läuft man dann am Nachmittag auf der Rückseite wieder runter. Ziemlich schlauchend und anstrengend. Nach dem ersten Anstieg wurde ich schon verflucht. Linda hatte wohl innerlich so halb beschlossen, einfach wieder runterzulaufen und direkt ans Meer zu fahren …

Das Meer war ebenfalls sehr eindrücklich, leider nicht immer positiv (Müll, Lautstärke, …)

Verlassene, einsame Strände fanden wir eher nicht, selbst die Geheimtipps der Locals entpuppten sich als Massen- und Partytourismus. Mit sehr viel Pech entwickelt sich das dort zu einem zweiten Ballermann. Trotzdem: Wir hatten eine schöne Wanderung durch einen Canyon. Dort hat eine DAV-Sektion Routen eingebohrt. Ich habe mich ganz schön geärgert, dass das Kletterzeug in good old Germany lagerte. In unmittelbarer Nähe zum Meer klettern, das wäre schon nicht schlecht gewesen. Trotz unserer eigentlichen Meereslust hielten wir uns dort nicht so lange auf. Ob man will oder nicht: Es ist so konträr zu den Bergen. Als Deutscher wird man sofort als Einheitstourist wahrgenommen. Ein bisschen Individualismus und vor allem die Ruhe und Freundlichkeit der Berge fehlten uns. Wir trampten anschließend nach Tirana.

Tirana, die Hauptstadt Albaniens, ist einen Ausflug wert. Einheimische rieten uns mehrfach davon ab, in der Hauptstadt irgendwo, sei es noch so abgelegen, zu zelten, so dass wir in den Genuss eines Hostels und einer kühlen Dusche kamen. Auch nicht so verkehrt! Über’s Städtereisen will ich hier allerdings nicht so ausschweifend berichten.

Wir freuten uns irgendwann auf den Rückweg, das Trampen, die Kultur, die Leute. Auf dem Rückweg lernten wir noch Schweizer kennen, die ihre montenegrinische Verwandtschaft auf einer Hochzeit besuchten. Irgendwie ist es passiert, dass wir in Wander- und Strandklamotten auf einer 600-Mann-Hochzeit landeten und das Großfamilienflair (tatsächlich waren über die Hälfte der anwesenden Gäste Verwandte!) mal ganz anders kennenzulernen.

Aus den Bergen, die wir dann abgekürzt haben, will ich noch zwei Geschichten erzählen. Die eine ereignete sich auf montenegrinischer Seite. Wir hatten nach einigen Wandertagen beschlossen, in der schönen Stadt Plav, im Tal gelegen und mit einem wundervoll kalten Bergsee, einen Tag Pause zu machen, um Energieressourcen wieder aufzupäppeln. Wir saßen also morgens bei einem dieser herrlich starken Café Turka mit Panoramablick am Tisch, als am Nachbartisch ein humpelnder Mann ein Gespräch anfing. Wir erkannten ihn als Niederländer und mein krankenschwesterliches Interesse war geweckt:

Vermutet hätte ich einen Bänderriss. Der gute Mann jedoch hatte (seit 2 Monaten auf der Via Dinarica alleine unterwegs) Bekanntschaft mit einem Berggewitter gemacht. Es begann in Strömen zu regnen, also wollte er den Abstieg schneller gestalten, indem er von Stein zu Stein sprang. Ein loses Holzbrett entpuppte sich als nicht ganz so vertrauensvoll: Es ragten zwei rostige Nägel daraus hervor. Diese machten aufgrund gravitativer Massenbewegung nähere Bekanntschaft mit seiner Sohle und infolge der Wucht der Landung durchbohrten sie gleich noch den Fuß mit. Er schleppte sich irgendwie in einen Unterstand, machte am nächsten Tag irgendwie den Abstieg und ließ sich in ein Krankenhaus fahren. Leider scheint es tatsächlich so zu sein, dass medizinische Behandlung erfolgt, wenn ein, zwei Scheine rüberwachsen. Er hat immerhin eine Tetanusimpfung und ein Breitbandantibiotikum verabreicht bekommen. Aber Kühlung, Desinfektion, Hochlagern, stationär Einlagern, … irgendwas in der Richtung fand nicht statt. So trafen wir ihn zwei Tage nach seinem Unfall. Ich fragte nach, ob ich irgendwie helfen könnte und schnell wurde klar, dass der Fuß nicht gut aussah. Ein Landsmann von Nick (der „einsame Wanderer“) besorgte aus einer Klinik ein Skalpell, das diese Bezeichnung eigentlich nicht verdiente und wir machten uns daran, Nick zu versorgen. Dafür trugen wir ihn in sein Bett und ich bereitete, so steril wie möglich, eine Wundversorgung vor. Ein Beißkeil zwischen die Zähne, Michel (Statur wie ein Wrestler) kniete mit seinem gesamten Kampfgewicht auf ihm und ich desinfizierte und schnitt. Da kam schon ziemlich viel raus, es war tatsächlich ganz schön ordentlich entzündet. In Kombination mit Kühlung, starken Schmerzmitteln und mehreren Verbandswechseln und nochmaligem Schneiden sah der Fuß am nächsten Morgen schon deutlich besser aus. Leider haben wir keinen Kontakt zu ihm, er hat nur unsere Kontaktdaten. Ich gehe jedoch davon aus, dass er sich nicht meldet, er war eher so ein Outlaw-Survival-Typ.

Warum ich diese Geschichte überhaupt erzähle? Um deutlich zu machen, wie viel ein ordentliches Erste-Hilfe-Set wert sein kann und wie wichtig es ist, sich auch mal mit den unangenehmen Seiten auseinanderzusetzen, auch wenn man natürlich hofft, dass solche Situationen nicht eintreten. Linda hat mich bis zu diesem Zeitpunkt ein bisschen ausgelacht wegen meines übertrieben großen First-Aid-Päckchens. Ich weiß schon, weshalb ich es seit Jahren hüte, auffülle, inspiziere und immer mitschleppe!

Eine andere Situation, die uns beide das Gruseln lehrte, ereignete sich 2 Tage bzw. Nächte später.

Wir lagerten in einem Talkessel, umgeben von Zweitausendern, bei zwei Schäfern. Der riesige Hütehund flößte uns schon im Tageslicht gewaltigen Respekt ein. Er mopste uns auch noch einen unglaublich leckeren Hirtenkäse – dieser sollte jedoch im Nachhinein sein Lohn sein. Nach einem anstrengenden Wandertag, dem üblichen Café Turka und Raki, legten wir uns ins Zelt zum Schlafen nieder. Nicht lange danach begann der Hund ein Mordsgezeter, das die ganze Nacht anhielt. Uns war ganz schön unwohl zumute, als wir auf einmal hörten, dass er direkt neben unserem Zelt stand und bösartig angreifend knurrte. Solange der Hund bellt, passt das ja, aber wenn er umschlägt, wird’s einem anders. Die Nacht war entsprechend kurz und am Morgen fragte uns der Schäfer, wie denn die Nacht so war. Wir meinten, nicht so sehr gut. Daraufhin umlief er unser Zelt und zeigte auf das Firmenlogo von Nordisk, einen Bären. Dieser hat die Nacht mehrfach unser Zelt in unmittelbarer Nähe umschlichen und ein Schaf gerissen! Das erklärte die in unseren Augen wahnsinnigen Hunde! Den gesamten Tag über beschäftigte uns diese Situation und wir waren dankbar, dass der Bär uns verschont hatte.

Ja, soviel zu den Bergen.

Reisezeit

Beste Reisezeit, nach einhelliger Meinung, ist August. Wir hatten ganz schön Glück: Bis eine Woche vor unserer Ankunft muss es wohl 2-3 Monate geregnet haben. Das erklärte auf jeden Fall schon mal, weshalb alle Wiesen grün waren.

Anreise

Wir wollten den Urlaub in seiner Gesamtheit genießen, einen schnellen Draht zu Land und Leuten knüpfen und ergo trampenderweise reisen. Viele rieten uns davon ab, Familie, Freunde etc., vor allem, da kurz vorher das schreckliche Unglück der Leipzigerin – hier mein ehrliches und aufrichtiges Beileid! – sehr präsent war. Doch wir wollten das trotzdem. Wir schafften uns noch zwei Fixdaten, einen Flixbus Leipzig-Budapest und einen zurück, da wir hofften, so ein wenig Zeit zu sparen.

Permits

Zum Überqueren der grünen Grenzen benötigt man Permits, diese sind vorher zu besorgen. Wir haben darauf verzichtet und uns auf unseren deutschen Pass verlassen. Das soll jedoch nicht zum Nachahmen animieren -wenn man erwischt wird, wird’s verdammt teuer!

Geld

Da es sich bei Albanien um eins der ärmsten Länder Europas handelt, bekommt man hier für wenig Geld sehr viel. Aktuell liegt der Umrechnungskurs bei 1 € = 126 Lek. Für ungefähr 25 Lek bekommt man ein Brot. Wir rechneten für einen knappen Monat.

Unterkunft

Falls ihr keine Hüttentour plant, sondern wie wir im Zelt nächtigt, kommt ihr deutlich billiger weg (Übernachtung in der Hütte im Schnitt wenigstens 30 € pro Nacht), dafür schleppt ihr deutlich mehr.

  • Erste-Hilfe-Set (!)
  • Die Tour ist sehr anstrengend und die Etappen teils sehr ausdauernd und lang. Bisher hab ich nix von Wanderstöcken gehalten, aber die Dinger waren Gold wert!
  • Uns hat abends oft ein Hörbuch begleitet, die Augen waren zu müde …
  • Nehmt wenig Essen mit, Trinkwasser lieber im Supermarkt besorgen!

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