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Trekking im Aït-Bougoumez-Tal in Marokko

Wenn im Herbst in Deutschland die Temperaturen deutlich sinken und der Schirm zum unentbehrlichen Utensil avanciert, wird es Zeit, sich sonnige und warme Wandergebiete zu suchen. Ein solches, scheinbar vom Tourismus vergessenes Tal ist das Aït-Bougoumez-Tal im Hohen Atlas von Marokko. Es wird auch „Tal der glücklichen Menschen“ genannt, das ausschließlich von Berbern, den Ureinwohnern Marokkos, bewohnt wird und man spricht dort demzufolge Tamazight.

Marokko bietet vielfältige Landschaftsformen, die teilweise sehr unberührt wirken, dazu gehören die Täler des Hohen Atlas. Die Gastfreundschaft ist groß in Marokko, die Sicherheitslage für Europäer und alleinreisende Frauen sehr gut, das orientalische Flair der Soukhs entspricht genau dem europäischen „Orientbild“. Das Essen in Marokko ist weitgehend noch aus biologischer Landwirtschaft und die Zubereitungen sind gesund und abwechslungsreich. Mit Französisch bzw. in Großstädten mit Englisch wird die Kommunikation außerdem erleichtert.

Meine Tour startete im Oktober von Marrakesch aus. Unterstützt durch eine marokkanische Agentur mit einem jungen, englischsprachigen Bergführer als Guide, chauffierte uns ein Fahrer in das auf ca. 1800 m gelegene Bergdorf Agouti. Unsere Minigruppe bestand unter anderem aus zwei unternehmungslustigen, marokkoerfahrenen Frauen, was diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis machte. Nach einer Übernachtung in einer Wanderherberge startete morgens das Trekking. Mit im Team waren ein Koch, zwei Maultiertreiber, die als junge Studenten aus Marokko in den Semesterferien ihr Gehalt aufbesserten, und drei sanfte Maultiere, die sowohl die Lasten als auch meine Freundin trugen. Das Procedere des Packens und des Lastenverteilens wiederholte sich ab jetzt regelmäßig während des viertägigen Trekkings. Stets wurde um 8:00 Uhr ein leckeres, frisches, nordafrikanisches Frühstück serviert, welches aus Kaffee, Minztee, Fladenbrot, Baguette, Marmelade und Streichkäse bestand.

Das Trekkingpensum selbst steigerte sich von Tag zu Tag. So begann die Tourwoche mit 4 – 5 Stunden und erreichte mit 6 – 7 Stunden und einer Höhendifferenz von 600 m am letzten Tag ihren Höhepunkt an einem abgelegenen Bergsee Izourar, wo nur noch einsame Hirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden in archaischen, improvisierten Steinhäusern den Sommer auf den Weiden verbringen. Der Weg hierauf ist steinig und man benötigt unbedingt Trittsicherheit und Kondition. Vor allem beim Abstieg ist die Gefahr nicht zu unterschätzen und ein Bergführer nötig. Dafür wird der Wanderer mit spektakulären Aussichten über ein scheinbar menschenloses Gebiet mit farbigen Berghängen belohnt. Die Gipfel des Jbel M’Goun (4068 m) schimmern schneebedeckt in greifbarer Ferne und der Duft von Artemisiakraut und Wacholderbäumen aromatisiert die Luft. Ist man erfolgreich im Gästehaus des Dorfes angekommen, welches von Berberfamilien gewartet und saubergehalten wird, wartet ein berbertypisches Menü auf die ermüdeten Wanderer.

Die Verpflegung während der Tour war exzellent, Trinkwasser wurde bereitgestellt. Mittags gab es verschieden Salate, Suppe und ein warmes Gericht, abends oft eine typische Tajine, ein im Tontopf zubereitetes Essen mit einem Hauch von Orient, denn die Kombination der Zutaten ist mit Fleisch, Zucchini, Quitten und Zitronen doch eher untypisch für Europäer. Das Wasser aus den Wasserhähnen war unbedenklich zum Zähneputzen und Duschen geeignet.

Mit unserem Team unterhielten wir uns auf Französisch, teilweise auf Arabisch oder Tamazight, welches Tamaschek, der Touaregsprache, ähnelt und auf Englisch, denn die Generation der 90er wählt auch in marokkanischen Schulen zunehmend Englisch.

Die Herbergen selbst waren einfach gehaltene, sehr saubere Mehrbettzimmer mit Matratzen und warmen Decken, Gemeinschaftsduschen und Toiletten. Um so mehr genossen wir nach Trekkingende die märchenhaften Riads (Stadtpaläste) in Marrakesch.

Die Begegnung mit Einheimischen beschränkte sich auf kurze Momente während des Trekkings: Im Oktober ist Erntezeit, denn das Aït-Bougoumez-Tal ist Hauptlieferant für Äpfel und Walnüsse sowie Quitten. Jeder Einwohner des Tals ist täglich in die Ernte eingespannt. Große LKW transportieren mit abenteuerlicher Ladung die Fracht in die Großstädte.

Die Dörfer sehen aus der Ferne fast unsichtbar aus, weil die traditionelle Lehmbauweise zu genialer Anpassung an Klima und Landschaft führt. Lediglich die Strommasten und Satellitenschüsseln zeigen, dass auch hier die Moderne angekommen ist. Die Kinder jeden Dorfes sind aufgeweckt und besuchen die Dorfschulen, welche weithin mit leuchtenden Farben ihre Standorte verraten.

Die Stille, der regelmäßige ruhige Tagesablauf, die sportliche Betätigung und der Umgang mit den Tieren machen diese Tour zu einem Gesundheitstrip, wenn man aus einem berufstätigen Deutschland kommt.

Tourabschluss ist wieder in Marrakesch. Eine Verlängerung um eine Nacht empfiehlt sich, weil man sonst nur einen Abend vor dem Abflug hat. Marrakesch ist ein spannender Kontrast zu der erlebten Naturlandschaft, laut, ungeordnet und von stinkenden Mopeds in den Soukhs bevölkert. Andererseits bietet es die Gelegenheit, Gewürze, Souvenirs und geniales Kunsthandwerk zu erwerben. In eine Wollfärberei in Marrakesch kam ich durch puren Zufall, die Färbereien sind kleine Hinterhöfe. An der Gasse davor wird man schon von „Wollschleppern“ angesprochen, steht anschließend in Touristengruppen mit Stadtführern und fragt höflich, ob man den Färber fotografieren darf und wenn man 10 Dirham zahlen möchte, gibt es die Fotomöglichkeit. Das war mir, ehrlich gesagt, schon ein bisschen zu sehr Zoo, aber so funktioniert Tourismus und der arme Färber freut sich hoffentlich, falls er es nicht irgendjemanden abgeben muss, über das bisschen Kleingeld. Das Foto von dem Mann in der  Wäscherei entstand ganz privat und nett.

Reisezeit

Die besten Reisezeiten sind das Frühjahr und der Herbst, weil im Hohen Atlas im Winter  aufgrund der Schneelage und der Temperaturen kein Trekking durchgeführt werden kann. In Marrakesch sind auch im Winter die Temperaturen mild und dort ist natürlich auch Saison. Andersherum meidet man im Sommer (Juni bis September) Marrakesch wegen der Hitze und geht zum Sommertrekking und Bergsteigen in die Berge.

Anreise

Flüge bis Marrakesch kann man selber bei Lufthansa, Ryanair u. a. buchen oder nennt der Agentur seine Flugwünsche und bekommt ein Reisepaket (Flug Lufthansa ab Berlin hin und zurück : 490,- €)

Einreise

Man benötigt einen gültigen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Teilweise schon im Flugzeug (bei Lufthansa und Royal Air Maroc) erhält man in Papierform ein Einreiseformular (A6), wo man seine persönlichen Daten und die Adresse in Marokko einträgt, um dann den Einreisestempel zu bekommen, der zu einem Aufenthalt von max. 3 Monaten berechtigt. Bei der Ausreise füllt man genau so ein Formular aus (am Flughafen oder guten Riads liegen diese Papiere bereit) und fliegt heim.

Sprache

Sprachen: Französisch, Arabisch, teilweise Englisch

Geld

Geld kann man am Flughafen wechseln, in Marrakesch selbst werden gern Euro genommen. Der Wechselkurs steht aktuell bei 1€ = 10 MAD (marokkanische Dirham), das erleichtert grundsätzlich das Umrechnen beim Einkaufen. Geldautomaten stehen in Städten häufig zur Verfügung und sind meist problemlos zu bedienen. Kartenzahlungen sind in guten Geschäften in den Städten überhaupt kein Problem, auf dem Basar und in den Bergdörfern muss man Dirham bereithalten. Die Kosten für Essen sind deutlich unter den deutschen Preisen, wobei es natürlich Unterschiede zwischen Städten wie Marrakesch (teurer) und Essaouira gibt und man in guten Restaurants ebenso mehr Geld einplanen sollte. In Restaurants gibt man ebenso wie hier ca.10 % Trinkgeld. Für Wanderführer und Begleitteam sowie Kofferträger in Marrakesch Trinkgeld einplanen!

Trinkgeld

Das Thema „Trinkgeld für Trekkingtouren“ ist stets heikel. Die Agentur gab pro Gruppe (max. 12 Personen) pro Tag für einen deutschsprachigen Begleiter 150 MAD als Empfehlung an – nur waren wir zu zweit und ab da wird es schwierig. Ich hielt mich an Empfehlung vorheriger Reisen ( mit Diamir in Namibia, Indien, Nepal usw.) und rechnete pro Tag 3 € pro Person, zumal unser Begleiter entgegen der Ausschreibung englischsprachig war.

  • Astrid Därr: „City Trip Marrakesch“, 7. Auflage, Verlag Reise Know-how. Gute Informationen und Stadtplan inklusive!
  • „Exit Marrakesch“: Film von Caroline Link mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle (2013)

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