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Teaserbild: Bouldern im schwedischen Naturpark Kjugekull

Bouldern im schwedischen Naturpark Kjugekull

Schweden gilt als Outdoorparadies. Aber auch für Boulderer? Na, aber sicher! 20 Autominuten entfernt von Kristianstad liegt der Naturpark Kjugekull. Über Eintausend Boulderprobleme an hunderten Felsen mitten in einem wunderschönen Wald: Was will man da noch mehr, wenn sogar das Wetter Mitte Oktober noch mitspielt?

Schweden bietet viele Vorteile: Sei es das Jedermannsrecht, welches einem erlaubt, in der Natur zu zelten, so lange man sich nicht in Naturschutzgebieten oder in der Nähe privater Grundstücke befindet, oder die beeindruckende Anreise über die Öresundbrücke oder mit der Fähre. Doch für uns war es ganz einfach die nächste Möglichkeit, um im Oktober noch am Fels Bouldern zu gehen. Kjugekull in Südschweden war schlichtweg näher als die Sächsische Schweiz oder das Frankenjura. Außerdem findet man Boulderprobleme in sämtlichen Schwierigkeitsstufen, sodass sowohl Einsteiger als auch echte Könner auf ihre Kosten kommen.

Von einem Parkplatz am Westrand des Waldes erreichen wir alle Felsen im gesamten Gebiet problemlos zu Fuß. Mit den großen Crashpads auf den Rücken ist so mancher Gang durch die dichten Sträucher etwas umständlich, doch die schmalen Pfade durch den Wald leiten uns meist auf lichten Wegen durch das Geäst. Nach einer kurzen Nacht und einer langen und umständlichen Anreise lassen wir es am ersten Tag ruhig angehen. Mit einigen Routen mit Schwierigkeitsgrad 4+ bis 5 machen wir uns warm und genießen das überraschend sonnige Wetter im Oktober, mit dem wir während der Planungen längst nicht mehr gerechnet hatten.

Kjugekull ist in Planquadrate aufgeteilt, was das Auffinden der einzelnen Felsen und Routen enorm erleichtert. Mithilfe eines schwedischen Kletterführers in Buchform, der App 27Crags und der GPS-Ortung haben wir schnell das Wunschziel erreicht. Am ersten Tag befinden wir uns in C2, ein Gebiet mit dem Namen Ängsareten. Es ist eine mit Gras bewachsene Lichtung umgeben von acht Boulderfelsen mit Routen der Schwierigkeiten 3+ bis 7a. Es ist also für alle etwas dabei. Sowohl der gedruckte Kletterguide als auch die App liefern Fotos der Felsen mit den eingezeichneten Routen – sogenannte Topos.

Endlich am Fels

Nach einem entspannten Nachmittag, an dem einige der Gruppe zum allerersten Mal am Felsen gebouldert haben, suchen wir uns für den nächsten Tag eine größere Herausforderung. Unsere Wahl fällt auf H8 – Matador. 66 Routen an 20 Felsen werden hier angezeigt, da wird sich doch etwas passendes finden lassen! Und tatsächlich. Nach einiger Suche hat es uns schließlich eine Felswand mit Routen bis 6b+ angetan. Nach dem Aufwärmen und einem großen Schluck Kaffee machen wir uns an die Boulderprobleme. Nach und nach erklimmen wir die Probleme mit Namen Vristen, Liktornen und Nageln.

Für viele in der Gruppe ist es zunächst ungewohnt, am blanken Fels zu klettern. Keine dicken Matratzen bedecken den Boden, sondern lediglich zwei tragbare, kleine Crashpads schützen vor Stürzen. Schürfwunden und offene Finger sind vor allem bei Einsteigern nichts ungewöhnliches. Tipp: Tape einpacken! Doch die Motivation und das Durchhaltevermögen beim Bouldern ist am Fels deutlich höher als in der Halle. Noch genauer analysieren wir die Routen, bevor wir zum ersten mal hineingehen. Noch wichtiger ist ein guter Halt für den Fuß und noch kleiner sind die Griffe, an denen man sich hinaufarbeitet.

Bouldern statt Mittagessen

Mit jeder gekletterten Route wächst der Ansporn für größere Herausforderungen. So vergessen wir doch tatsächlich die Zeit, das mitgebrachte Mittagspicknick fällt aus und der Kaffee ist längst kalt geworden. Doch dafür ist die Euphorie auf dem Höhepunkt, denn fast alle ausprobierten Boulder-Probleme können gelöst werden. Auch Müdigkeit ist kaum ein Thema: Am Fels klettert man meistens nicht so viele Routen wie in der Halle, da man stets eine Spotterin oder einen Spotter unter sich wissen sollte und auch das Verschieben der Crashpads bei mehreren Boulderern recht mühsam ist. Und so sind die Pausen zwischen den Routen meist lang, bei denen man jedoch gebannt auf seine Boulder-Kollegen achtet, um aus deren Fehlern und Errungenschaften zu lernen.

Der dritte Tag ist gleichzeitig auch unser Abreisetag. Da wir die Fähre am Abend erreichen müssen, suchen wir uns ein Gebiet nahe des Parkplatzes. B1 – Imperator soll es sein. An einem leichten Hang mitten im Wald finden wir aufregende Boulderprobleme vor, die weniger kraftaufwändig sind, aber dafür vor allem Balance und Mut verlangen. Eine Route mit dem Namen High Step gibt uns zunächst große Probleme auf, da man – wie der Name bereits vermuten lässt – mit einem extrem hohen Tritt beginnt. Doch kaum hat der erste Boulderer der Gruppe die Route erfolgreich durchstiegen, folgen auch die anderen. Auch das ist das besondere am Felsbouldern: Man löst die Probleme gemeinsam und verhilft sich gegenseitig zum Erfolg.

Die Routen werden nicht gewartet, sondern sind ganz der Natur überlassen. So kann es passieren, dass Änderungen – zum Beispiel durch abgebrochene Felsteile – passieren und die Bewertung des Schwierigkeitsgrads nicht mehr aktuell ist. Um den Boulderspaß für alle zu garantieren, sollte man keinen Müll im Kjugekull Naturpark zurücklassen. Chalk ist für Boulderer und Kletterer fast unentbehrlich, jedoch gilt es auch hier, sparsam damit umzugehen, denn das Magnesium kann den Fels angreifen und schnellere Verwitterung herbeiführen.

Beste Reisezeit

Im Sommer ist es am Fels sicherlich am angenehmsten. Da es in Schweden nur selten überaus heiß wird, kann man wahrscheinlich von Mai bis September „durchbouldern“. Wir hatten Glück und haben das letzte Sommerwochenende des Jahres Mitte Oktober 2018 für unseren Trip nach Kjugekull erwischt.

Anreise

Mit dem Auto führen zwei Wege von Deutschland aus nach Südschweden: der eine durch den südlichen Teil Dänemarks hindurch, vorbei an Kopenhagen und über die Öresundbrücke nach Malmö. Die wahrscheinlich schönere Alternative ist die Fähre: Von Rostock, Sassnitz oder Travemünde legen Fähren Auto-Richtung Malmö oder Trelleborg ab. Die Anreise mit dem Auto ist beinahe obligatorisch, wenn man in Kjugekull bouldern möchte, denn öffentlicher Nahverkehr ist auf dem Land in Schweden kaum der Rede wert.

Für die Anreise mit der Fähre sollte man mindestens 50 Euro für die Überfahrt einplanen. Und dieser Preis gilt auch nur, wenn man frühzeitig bucht. Die Überfahrt über die Öresundbrücke kostet 47 Euro, wenn man vorab online bucht, und 52 Euro, wenn man am Schalter an der Brücke bezahlt.

Sprache

Schwedisch ist für Deutschsprachige eine vergleichsweise leicht zu verstehende Sprache. Straßenschilder, Informationstafeln und Zeitungen sind zu großen Teilen gut bis sehr gut lesbar. Das gesprochene Schwedisch jedoch gibt mir zumindest bisweilen Rätsel auf. Ein paar Brocken schaden sicherlich nie, aber so gut wie jede*r – vor allem die jungen Leute – spricht nahezu perfektes Englisch.

Geld

Die Schweden haben, wie beinahe überall in Skandinavien üblich, Kronen. Ein Euro sind etwa 10,25 schwedische Kronen (Stand: Dezember 2018). Man kann beinahe überall mit Kreditkarte bezahlen, Geldautomaten stehen aber auch in jedem mittelgroßen Ort. In Kristianstad gibt es viele in der ganzen Stadt verteilt.

Verpflegung

Verpflegung in Schweden ist im Vergleich zu Deutschland deutlich teurer, weshalb wir viele Lebensmittel von Zuhause mitgebracht haben und somit nur noch das Nötigste vor Ort kaufen mussten. Außerhalb essen zu gehen ist annähernd doppelt so teuer wie in Deutschland, weshalb das für uns von vorne herein nicht infrage kam.

Übernachtungen in Südschweden

Im Sommer, wenn die Nächte warm und gemütlich sind, kann man dank des Jedermannsrechts in Schweden in der freien Natur zelten. Allerdings ist Camping direkt im Naturpark Kjugekull verboten, da es eine Art Naturschutzgebiet ist. In unmittelbarer Nähe befinden sich jedoch auch mehrere Campingplätze, falls man auf die Grundhygiene nicht verzichten möchte. Als wir im Oktober nach Kjugekull aufbrachen, waren die Nächte schon ganz schön kalt. Deshalb mieteten wir uns über Airbnb ein wirklich sehr günstiges Häuschen etwa 20 Minuten von den Boulderfelsen im Kjugekull Naturpark entfernt.

  • https://27crags.com/crags/kjugekull: Wer häufiger am Fels klettert, benutzt 27crags oder deren App wahrscheinlich häufiger. Routen sind auf einer Geländekarte samt Schwierigkeitsgrad, Fotos, Start-Boulder und Top-Boulder markiert. So kann man den geeigneten Felsen für das eigene Level problemlos und schnell recherchieren.
  • https://www.oresundsbron.com/de/ und https://www.stenaline.de/skandinavien: Es lohnt sich, die Anreise frühzeitig zu planen, da sowohl Fähren als auch die Fahrt über die Öresundbrücke günstiger sind, wenn man sie vorab bucht.
  • Wer lieber einen gedruckten Kletterführer aus Papier dabei hat, statt sich auf die Website oder die App von 27Crags zu verlassen, macht mit „Kjugekull Med Mera“ von Harald Bohlin sicherlich nichts falsch.

Bouldern könnte so schön sein, da man ja eigentlich nichts anderes als die eigenen Kletterschuhe braucht … wären da nicht die unhandlichen und teuren Crashpads, die beim Bouldern am Fels im Falle eines Sturzes schlichtweg unabdinglich sind. Falls man sich keine eigenen zulegen möchte, kann man zum Beispiel in Kristianstadt gebrauchte Crashpads ausleihen.

Natürlich gehören auch Kletterhose, Chalkbags inklusive Chalk und eine Boulderbürste zur Ausstattung, jedoch ist die Materialschlacht beim Bouldern im Vergleich zu anderen Outdoor-Sportarten gering.

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