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Teaserbild: Wintertour von Marseille nach Nizza

Wintertour von Marseille nach Nizza

Unsere Tour startete in Marseille und verlief durch den Parc National des Calanques, über Toulon und Mougins nach Nizza. Wir sind dabei größtenteils dem GR 51 gefolgt, der auch Balcons de la Méditerranée genannt wird und diesen Namen definitiv verdient hat. Zwischen Valbonne (bei Mougins) und Nizza sind wir dann aber auf den GR 653 A umgestiegen, da der GR 51 in diesem Part durch die Prealpes d’Azur geführt hätte und dort zu viel Schnee lag. Es waren durchweg einfache Wege, die man gut mit einem großem Rucksack bewältigen konnte.

Uns war es im Januar einfach zu kalt in Deutschland und wir hatten die günstige Zugverbindung nach Südfrankreich entdeckt. Die Idee, von Marseille nach Nizza zu wandern, entstand erst in Marseille selber, weil uns von vielen die schönen Nationalparks auf dem Weg ans Herz gelegt worden sind. Unterwegs waren wir zwölf Tage, davon waren wir drei Tage in Marseille und zwei in Nizza. Die restlichen sieben Tage waren wir zwischen den beiden Städten unterwegs und haben eine Gesamtstrecke von geschätzt 260 km zurückgelegt. Davon sind wir rund 100 km gewandert, 25 km getrampt, haben 120 km mittels blablacar zurückgelegt und sind 15 km mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren.

Gestartet sind wir in Marseille, einer wunderschönen und dynamischen Stadt, für die man sich auf jeden Fall ein paar Tage Zeit nehmen sollte. Vor allem der Orientalische Markt und das alternative Viertel Cours Julien haben uns in ihren Bann gezogen. Vom Stadtzentrum aus sind wir mit dem Bus bis nach Le Castellane rausgefahren, wo wir unsere Wanderung durch die Calanques begonnen haben. Einen festen Weg gab es noch nicht, wir haben uns einfach mit den runtergeladenen Karten der OsmAnd-App nach Cassis durchgeschlagen, was auch aufgrund guter Wegbezeichnung ziemlich einfach war. Dort haben wir dann gezeltet. Von Cassis aus sind wir dann dem gut ausgeschilderten GR 51 gefolgt. Allerdings lohnt es sich auf jeden Fall, davor noch mal bei der kleinen Bäckerei im Dorfinneren von Cassis vorbeizuschauen: Die Leute da und die Kekse waren einmalig! Zwischen Cassis und La Cadière-d’Azur gibt es mehrere Schutzhütten mit Kamin und Kohle darin. Da wir wussten, dass in der Nacht starker Regen aufkommen würde, haben wir dort übernachtet. Die Hütte war ca. 3 x 3 Meter groß und für uns ein ziemlicher Zufallsfund.

Der nächste Tag war voll von Regen, den man absolut nicht unterschätzen sollte. Deshalb haben wir komplett durchnässt entschieden, von Bandol nach Toulon mit dem Zug zu fahren. Man muss aber einberechnen, dass das öffentliche Verkehrsnetz dort sehr zu wünschen übrig lässt: Aus vielen kleinen Dörfern in der Umgebung gibt es meist nicht mal einen Bus in die nächstgrößere Stadt und man ist auf’s Trampen angewiesen, wie wir auf dem Weg von La Cadière-d’Azur nach Bandol erleben durften. Da der Regen auch am nächsten Tag nicht aufgehört hatte und wir zunehmend unter Zeitdruck standen, sind wir mit Hilfe von blablacar von Toulon nach Mougins gefahren und haben von dort unsere Wanderung fortgesetzt. Das letzte Stück von Mougins nach Nizza auf dem GR 653 A ist wunderschön und ab da hatten wir auch wieder richtig Glück mit dem Wetter. Gewandert sind wir durch zahlreiche kleine, touristische Dörfer, die langsam für den Tourist*innenansturm im Sommer vorbereitet wurden. Viele Läden waren aufgrund der Jahreszeit geschlossen und es war sogar schwieriger als gedacht, ein Eis zu kaufen. Dennoch denke ich, dass es die perfekte Zeit war, um sich die Dörfer in Ruhe anzusehen. Angekommen in Nizza haben wir schnell gemerkt, dass die Stadt nichts für uns ist. Sie ist sehr hektisch und wir kamen uns, gerade aus dem Wald gekommen, sehr fehl am Platz vor. Wir sind dann in das in der Nähe gelegene Dorf Villefranche-sur-Mer weiter und haben dort die letzten zwei Tage verbracht. Man kann von dort wunderbar kleinere Touren in die Umgebung unternehmen. Auch Klettertouren wären dort ohne Probleme möglich. Was ich unbedingt noch positiv hervorheben muss, ist die unheimliche Hilfsbereitschaft der Leute, die wir unterwegs in den Dörfern getroffen haben. Ich vermute, ohne diese wäre unsere Tour schon in den ersten Tagen gescheitert … Es fing schon bei der Planung der Reise an: Wir waren in einem kleinen Outdoorladen in Marseille und die Leute, die dort arbeiten, haben uns geholfen, eine Route und die passende Karte dazu zu finden und uns auch sehr darin bestärkt, dass es möglich ist, diese Tour im Winter durchzuziehen. Dann ging es bei der Wegfindung und Orientierung weiter: Immer, wenn wir das Gefühl hatten, ein bisschen verloren zu sein, haben wir nette Leute getroffen, die uns den Weg gezeigt oder uns gefahren haben. Die Schwachstellen des Weges, wie zum Beispiel der hohe Asphaltanteil oder die ab und an verwirrenden Wegzeichen wurden so auf jeden Fall durch die Hilfsbereitschaft der Menschen ausgeglichen!

Allen, die im Januar Sehnsucht nach den Bergen, Wandern und warmen Wetter haben, aber nicht so weit fahren möchten, lege ich diese Tour ans Herz. Sie hat vor allem in der unüblichen Jahreszeit etwas Besonderes und zeigt die Städte und die Mentalität so, wie sie wirklich sind und nicht so, wie sie für das Urlaubsgeschäft vorbereitet werden. Allerdings steckte die Vegetation noch ziemlich im Winterschlaf, viel Grün haben wir leider nicht gesehen und neuerwachende Blumen und Knospen schon gar nicht. Und man sollte sich vorher unbedingt über die Regentage informieren!

Beste Reisezeit

Wir waren uns zuerst unsicher, ob das Wandern in Januar in Südfrankreich temperaturmäßig wirklich für uns machbar ist, aber wir wurden positiv überrascht. In Marseille und Umgebung waren tagsüber angenehm milde Temperaturen, perfekt zum Wandern. Schwierig war es nur mit dem Wind, der unheimlich stark und kalt war. In der Nacht ging es aber dennoch manchmal unter den Nullpunkt, weswegen wir froh waren, doch die wärmeren Schlafsäcke eingepackt zu haben. Je näher wir Richtung Nizza kamen, desto wärmer wurde es tagsüber – am Ende war das Rumlaufen im T-Shirt kein Problem mehr. Die meiste Zeit hatten wir komplett sonnige Tage, an drei Tagen allerdings sind wir in den nicht zu unterschätzenden Starkregen geraten, der das Wandern und Zelten unheimlich erschwert hat.

Anreise

Nach Marseille sind wir mit dem Zug gekommen, es gab ein Sparangebot der Deutschen Bahn für 40 Euro pro Nase. Es ging von Dresden nach Frankfurt am Main und von da aus dann im TGV direkt nach Marseille. Das Ganze hat 12 Stunden gedauert, war aber ziemlich entspannt. Die Anreise ist auch mit dem Bus möglich, dauert dann aber um die 24 Stunden.

Einreise

Die Einreise ist unproblematisch, an der Grenze mussten wir nicht mal unseren Personalausweis vorzeigen.

Sprache

Amtssprache ist Französisch, aber viele Leute, die wir getroffen haben, haben auch ein bisschen Englisch gesprochen.

Geld

Es gibt in Frankreich auch den Euro und man kann fast überall Geld abheben. Dafür muss man aber meistens eine kleine Gebühr einberechnen. Die Airbnbs konnten wir über die Website bezahlen und die Einkäufe haben wir immer bar bezahlt. Deswegen kann ich nichts wirklich zur Kartenzahlung sagen, aber ich wurde vermuten, dass es kein Problem ist, vor allem nicht bei den größeren Supermärkten wie Casino, die man eigentlich überall findet.

Übernachtung

Die meiste Zeit haben wir in Airbnbs übernachtet oder bei Hosts, die wir über Couchsurfing gefunden haben. Da es schon eine eher touristische Gegend ist, ist es überhaupt kein Problem, auch in kleineren Dörfern eine günstige bzw. kostenlose Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Ansonsten haben wir zwei mal wild gecampt. Da sowieso alle Campingplätze geschlossen waren, hat es auch niemanden gestört. Wildcampen schien an sich schon sehr akzeptiert zu sein; alle Einheimischen, mit denen wir darüber geredet haben, waren absolut nicht verwundert und haben auch keinerlei Bedenken geäußert. Die Schutzhüttenübernachtung war eher zufällig. Wir hatten vorher nirgendwo eine Info gefunden, dass die Hütten existieren und haben sie auch nur auf der Strecke von Cassis nach La Cadière-d’Azur entdeckt. Die Hütten schienen offen für alle – einfach reingehen, Feuer anmachen und eine kurze Weile oder eben eine Nacht verweilen.

Wegbeschaffenheit und Schuhwerk

Die Wege waren sehr sicher zu gehen, auch mit großem Rucksack. Meistens waren es breite Wanderwege. Das „schwierigste Stück“ war ein ca. 1 Meter breiter, steiniger Weg bergauf. Allerdings gibt es einige asphaltierte Straßen; ich würde schätzten, es waren ca. 15 % des Weges. Das nervigste Stück war dabei zwischen Cassis und La Cadiere-d’Azur, wo es ca. 5 Kilometer an einer Straße entlang bergauf ging. Aber dieser Abschnitt lässt sich einfach mit Trampen überwinden.
Wir sind die ganze Tour ohne Probleme in Turnschuhen gelaufen, empfehlenswert wären aber aufgrund der Länge der Strecke ganz normale Wanderschuhe.

Mit Essen für eine 2-Tages-Tour hatten wir beide geschätzt je ca. 15 Kilo auf den Rücken. Da war dann aber alles dabei: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher + Geschirr, … Was wir definitiv zu Hause hätten lassen können, waren die Hängematten. Durch den Wind und die Kälte in der Nacht haben wir sie nicht als Schlafmöglichkeit im Freien genutzt und sie waren eigentlich nur im Rucksack. Sonst haben wir aber alles benötigt, von der gefütterten Regenjacke und dicken Socken bis hin zur Sonnenbrille. Wir hatten uns auch für die wärmeren Schlafsäcke mit einer Komforttemperatur bis -2 Grad entschieden, und haben diese Entscheidung garantiert nicht bereut. Von einen Schlafsack, der für höhere Temperaturen ausgelegt ist, würde ich definitiv abraten, da die Nächte noch sehr kalt sind.

Ausrüstungs-Highlights:

  • MSR-Zelt Freelite 2: konnte man super einfach auf gut Glück mitnehmen und hat dem Regen richtig gut standgehalten
  • MSR-Kocher Pocket Rocket 2: hat uns den Kaffeegenuss am Morgen gesichert 😉

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