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Teaserbild: Mit dem Fahrrad entlang des chilenischen Seengebiets und der Carretera Austral

Mit dem Fahrrad entlang des chilenischen Seengebiets und der Carretera Austral

„Carretera Austral“. Allein diese beiden Worte lassen die Ohren eines jeden Reiseradlers klingeln, so sagenumwoben ist die Strecke, untrennbar verknüpft mit Mythen, Wildnis und Abenteuern. Dabei war es ausgerechnet Diktator Augusto Pinochet, der 1976 ihren Bau befahl –  um in den  Grenzstreitigkeiten mit Argentinien Präsenz zu zeigen. 10.000 Soldaten trieben die 1.200 Kilometer lange Schotterpiste in Patagonien unablässig voran, die bis heute nicht fertiggestellt ist. Es gibt Pläne, die Fernstraße bis nach Puerto Natales ganz im Süden des Landes fortzuführen, um Tourismus in die Region zu bringen und ihre Ressourcen besser nutzen zu können. Ein Milliardenprojekt, dessen Verwirklichung in den Sternen steht.

Wir beginnen unsere Route durch den nördlichen Teil Patagoniens in Los Angeles, ein Bus brachte uns von Santiago hierhin. Gleich zu Beginn wagen wir uns an den Monkey Puzzle Tree Trail: ein immer enger werdender Pfad, der für ein Stück von zehn Kilometern (bis 30 % Steigung) nur noch schiebend zu bewältigen und für Radler mit schwerem Gepäck nicht zu empfehlen ist. Doch die Abgeschiedenheit hat auch ihr Gutes: kaum ein Mensch weit und breit, kein Verkehr, nur Weideland, Wildnis und rauchende Vulkane. Nach einigen Tagen erreichen wir die Araukarienwälder rund um Lonquimay. Die öligen Kerne der seltsamen Bäume sicherten den Ureinwohnern in der nicht enden wollenden Winterzeit das Überleben, heute sind sie selbst vom Aussterben bedroht. Sehr empfehlenswert ist ein Abstecher in das Reserva Nacional China Muerta und den Parque Nacional Conguillío mit dem majestätischen Vulkan Llaima. Vom Parque Nacional Huerquehue bietet sich während einer Tageswanderung ein unbeschreiblicher Blick auf die umliegenden Vulkanriesen. Die Grenze Richtung Argentinien passieren wir direkt am Fuße des Vulkans Lanín und folgen der hübschen Ruta de Los Siete Lagos bis kurz vor Villa La Angostura, wo wir wieder chilenisches Gebiet beradeln. Als wir nicht mehr wissen, wo uns vor lauter Natureindrücken der Kopf steht, wartet als sprichwörtlich krönender Abschluss der schneebedeckte Osorno in perfekter Symmetrie.

Eine Fähre bringt uns nach Caleta Gonzalo, unserem Startpunkt der Carretera Austral im privaten Parque Nacional Pumalin. Jedes Fahrzeug muss ebenjenes Fährschiff nehmen, das Verkehrsaufkommen fällt daher abrupt. Die Schotterstraße windet sich fortan durch dampfende Urwälder, vorbei an Sümpfen und Beständen des regenschirmgroßen Riesenrhabarbers. Nach einigen Tagen passieren wir die – in einer lohnenswerten Tageswanderung erreichbare – Laguna Cerro Castillo und den außerirdisch blauen Lago General Carrera. Dahinter erstreckt sich westlich bereits das Nördliche Patagonische Eisfeld mit seinen zahlreichen Gletschern.

Etwa sechs Wochen nach Abfahrt in Los Angeles erreichen wir pünktlich am Heilig Abend Villa O’Higgins. Die 2.300 Kilometer ließen sich auch etwas schneller zurücklegen, allerdings sollte man ausreichend Puffertage für Schlechtwetterperioden, Krankheit, Wanderungen oder Badenachmittage einplanen – der Reiz der Carretera liegt am Wegesrand.

Im nördlichen Teil der Route (Seengebiet) herrschen noch im Frühsommer Nachtfröste, im südlichen fällt selbst im Hochsommer manchmal Schneeregen. Dem harschen Klima entsprechend ist sowohl sommerlich-luftige als auch warme, wind- und vor allem regendichte Kleidung ein Muss. Ideal ist eine Garnitur langer, wollener Unterwäsche für kaltes Wetter und schnell trocknende Oberkleidung für heiße Sommertage, dazu eine Lage Hardshells. Ebenso empfehlenswert sind durchschnittlich warme Schlafsäcke und Isomatten, die den tiefsten zu erwartenden Nachttemperaturen angemessen sind (inkl. Flickzeug für eine eventuell perforierte Isomatte!). Obligatorisch ist auch ein halbwegs windfestes, vor allem aber regensicheres Drei-Jahreszeiten-Zelt.

Ausnahmsweise empfehlen wir an dieser Stelle keine Wassersäcke, denn Wasser gibt es entlang der Route praktisch überall. Vorsicht jedoch auf der argentinischen, trockenen Andenseite sowie rund um den Lago General Carrera, der ein unerwartet arides Mikroklima aufweist. Da der Süden Chiles sehr landwirtschaftlich geprägt ist, sind viele Gewässer durch das allgegenwärtige Weidevieh kontaminiert. Wer nicht sicher sein kann, aus einem jungfräulichen Bach zu trinken, ist mit einem kleinen Filter gut bedient (Sawyer Mini). Wer es trotzdem wagt, sollte das Antibiotikum Metronidazol für den Fall einer Giardien-Infektion mitführen. Neben gutem Sonnenschutz an Mückenspray denken – Moskitos fühlen sich in den sumpfigen Wäldern mehr als wohl. Eine größere Plage sind jedoch die vielen Pferdebremsen, die uns die steilen, schweißtreibenden Anstiege zusätzlich „versüßen“.

Etwa 60 Prozent der Carretera sind mittlerweile asphaltiert und viele brutale Anstiege entschärft, die verbleibenden geschotterten Abschnitte haben es jedoch oft in sich: extreme Steigungen, ständiges auf und ab, eine zu den Seiten hin abfallende Fahrbahn und faustgroße Kiesel. Während die asphaltierten Abschnitte gut mit einem leichten Rad (z. B. Randonneur) zu befahren sind, sollte es für die geschotterten Teilstücke durchaus robuster sein. Wir treffen einige Radler, die auf dem lockeren Schotter stürzen und sich verletzen. Unsere Fahrräder (Patria, Modell Terra mit gemufftem Stahlrahmen und Gepäckträgern aus Stahl, dicken Felgen und verstärkten Speichen, Rohloff-Schaltung, Scheibenbremsen) können ihre Stärken dann ausspielen. Generell empfehlenswert sind gut profilierte, neue Reifen (Schwalbe Marathon Mondial). Obwohl sich die Straße kaum nennenswert über das Meeresniveau erhebt, addieren sich durch die hügelige Streckenführung letztlich viele Höhenmeter: etwa 14.000 pro 1.000 Kilometer. Das klingt nach nicht viel, ist aber deutlich mehr, als etwa die Lagunenroute oder der Karakorum-Highway mit sich bringen – die Carretera Austral war der bergigste Abschnitt, den wir je gefahren sind. Wichtig ist daher eine kleine Untersetzung der Schaltung mit vielen Gängen.

Umfangreiche Ersatzteile gibt es in Santiago de Chile, eine erweiterte Grundausstattung nur in Punta Arenas und den größeren Städten des Seengebiets. Einige Städtchen entlang der Carretera bieten das Nötigste, in Villa O’Higgins gibt es aktuell nur Ersatzreifen (2019). Wir begegnen einigen Radreisenden, die gebrauchte „Baumarktfahrräder“ in Puerto Montt bzw. Punta Arenas kauften und damit die Carretera radeln. Das mag meistens gut gehen, aber nicht wenige kämpften beständig mit geplatzten Reifen, gebrochenen Gepäckträgern oder Speichen. Besser alle wichtigen Ersatzteile mitführen, ein gerissener Schalt- bzw. Bremszug kann das Aus bedeuten.

Bis etwa Puerto Montt ist die Versorgungslage ausgezeichnet, in den größeren Städten gibt es alles, was das Herz begehrt: Supermärkte, Geldautomaten, Wifi, Hotels. Die Gegend um den Osorno bzw. Villarica ist voll von touristischen Angeboten und Unterkünften, die jedoch recht teuer sind (ab 50 Euro pro Nacht im Doppelzimmer) und während der Hauptsaison ausgebucht sein können. Außerhalb der Hauptsaison und in touristisch weniger frequentierten Gebieten findet man mit etwas Glück preiswerte Cabañas mit Küche und Ofen – besonders an Regentagen ein Luxus. Weiter Richtung Süden wird die Infrastruktur immer spärlicher, meist passieren wir jedoch mindestens einen Gemischtwarenladen am Tag, der alle nötigen Lebensmittel vorrätig hat. Auf den letzten 500 Kilometern vor Villa O’Higgins wird es dann jedoch eng, manchmal findet sich nur an jedem zweiten Tag eine Einkaufsmöglichkeit. Immer wieder ist zu lesen, dass das Nahrungsmittelangebot hier extrem spärlich sei, was wir jedoch nicht bestätigen können. Selbst Frischwaren wie Käse, Äpfel und Tomaten gibt es überall. Wer mit wenig zufrieden sein kann, wird nichts vermissen.

Eine entsprechende Campingausrüstung ist – nicht zuletzt aufgrund der dünnen Unterkunftsdichte im Süden – Pflicht. Bis Puerto Montt jedoch kann es schwierig werden, einen geeigneten Zeltplatz zu finden, da praktisch jeder Privatbesitz (und ganz Südchile scheint in privater Hand) eingezäunt ist: Wiesen, Weiden, Getreidefelder, sogar Eukalyptusplantagen. Mitunter bleibt nichts anderes übrig, als Bauern um ein Stückchen Wiese zu bitten, was jedoch stets problemlos möglich ist und oft zu Einladungen zum Abendbrot oder einer Dusche führt. Manchmal fragen wir ganz gezielt nach Logenplätzen für unsere Nylonburg und werden belohnt mit perfekten Aussichten auf die Vulkane, wie man sie von keinem Campingplatz besser genießen könnte. Ganz im Süden der Carretera  nimmt die Bevölkerungsdichte so weit ab und ist die Straße so wenig befahren, dass man praktisch direkt an ihrem Rand zelten könnte, die Auswahlmöglichkeiten geeigneter Plätze ist unendlich.

Auch die vielen Nationalparks bieten häufig Übernachtungs- und Campingmöglichkeiten, in Anbetracht der manchmal unterirdischen Infrastruktur jedoch zu überteuerten Mondpreisen. Ausländische Besucher müssen zudem meist die doppelte Eintrittsgebühr entrichten wie Einheimische (dies gilt auch für Bolivianer, Argentinier, etc.). Rühmliche Ausnahme sind die privaten Nationalparks der Tompkins Conservation, die nicht nur preiswert oder gar kostenfrei sind, sondern auch mit hervorragender Infrastruktur aufwarten. Der Gründer Douglas Tompkins, Ex-Besitzer von The North Face und Esprit, starb 2015 während einer Kayaktour auf dem Lago General Carrera.

Von Dänemark bis in die Sahara, so weit ist es von der Atacama ganz im Norden Chiles bis zu seinem südlichen Ende: Feuerland. Schlappe 4.200 Kilometer liegen dazwischen. Chile ist zwar lang, aber dünn wie ein Strich und daher gerade einmal doppelt so groß wie Deutschland. Nur 18 Millionen Einwohner zählt das Land. Zwei Drittel der Fläche bestehen aus unbewohnbaren Wüsten im Norden, zerklüfteten Gebirgen, Fjorden und ewigem Eis im Süden. Nur ein kleiner Teil ist landwirtschaftlich überhaupt nutzbar. Die Anden bilden dabei das Rückgrat des Landes und sind gespickt von unzähligen Vulkanen. Über 2.000 sollen es allein in Chile sein, je nach Zählweise, davon sind 80 noch heute aktiv – mehr Vulkanismus gibt es nur in Indonesien. Viele Feuerspucker im Seengebiet zählen zu den besonders anmutigen Stratovulkanen, die wie schneebedeckte Wächter ihre Umgebung überragen. Besonders zähflüssige Lava türmt sich im Laufe unzähliger Eruptionen zu einem spitzen, perfekten Kegel, oft von einer vergletscherten Spitze gekrönt. Immer wieder erschüttern spektakuläre Ausbrüche das Land, verschütten Dörfer und Städte, formen schwerste Erdbeben ganze Landschaften neu. Im Krater des Villarica brodelt seit zwanzig Jahren ein daueraktiver Lavasee. Angst vor der nächsten Verwüstung aber hat niemand, im Gegenteil. Während wir mit mulmigem Gefühl am Fuße der Feuerberge zelten, radeln, wandern, wundern wir uns, weshalb mehr und mehr Häuser gebaut werden und Hotels entstehen. Viele antworten: „Ich bin halt damit aufgewachsen.“

Doch nicht nur die Vulkane lassen unsere Herzen flattern. Dutzende Bäckereien werben mit „Kuchen“, Brauereien mit „Kunstmann Bier“. Deutsche Auswanderer wurden Mitte des 19. Jahrhunderts angeworben, sie hatten Geld, Know-how und machten die Gegend überhaupt erst urbar. Gut so – wir schlemmen uns durch Rhabarberkuchen mit Pudding und echte deutsche Bäckerbrötchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen auch einige Nazis nach Chile. Vor uns sprechen die Einheimischen jedoch weiterhin gut von den „Alemanes“ und verharmlosen allzu oft ihre Verbrechen. Antijüdische Verschwörungstheorien hören wir immer wieder. Einmal mehr müssen ausgerechnet wir die Schandtaten der Deutschen erklären.

Immer dünner wird die Besiedlung im südlichen Teil der Carretera. In der Region Aysén lebt nur ein Einwohner pro Quadratkilometer, das ist noch weniger als in Sibirien. Nur ab und zu passieren wir kleine Ortschaften mit gut sortierten Tante-Emma-Läden. Die Verkäuferin hüpft aus dem Wohnzimmer ins Geschäft und zurück in die Küche, um uns die Schätze im Ofen zu zeigen: warme, selbstgemachte Brötchen. Dazu Butter, aufgeschnittene Tomaten, keine große Auswahl und doch alles da. Nirgendwo fliegt Müll herum, vielmals wird auf Plastiktüten verzichtet, ein Staudamm am wasserreichstem Fluss Chiles, dem Rio Baker, durch zivilen Protest verhindert. Umweltschutz wird (mittlerweile) groß geschrieben in Patagonien, bringt der naturnahe Tourismus doch berufliche Perspektiven und damit die junge Generation wieder zurück in die Region. Wir übernachten im Garten von Polizist Jorge. „Hast du überhaupt irgendetwas zu tun hier?“, lachen wir. „Un pocito. Hauptsächlich Viehdiebstahl. Meist flüchten die Gauner über die grüne Grenze nach Argentinien, dann müssen wir mit den Pferden auf Suche gehen.“ Das Leben hier sei entspannter als im dichter besiedelten Norden, nur im Winter verdrückt er sich, „dann frieren die Wasserleitungen zu.“

Allein die majestätischen Vulkane des chilenischen Seengebiets, die urigen Araukarienwälder und einsame Pampa auf argentinischer Seite hämmern derart viel Spektakel in unsere Köpfe, dass wir unsere Eindrücke kaum sortieren können. Tatsächlich aber setzt die Carretera Austral allen landschaftlichen Kuchenstückchen, die Chiles ohnehin üppiger Basar zu bieten hat, noch ein Sahnehäubchen auf. Die Straße windet sich durch immergrünen Regenwald und offene Steppen, folgt Fjorden und Flüssen, passiert Vulkane und Gletscher, findet ihren Weg durch scheinbar unpassierbares Terrain. Im Frühsommer schmeckt die Luft nach Ginster, scheint die Welt parfümiert von blühenden Lupinen. Jeder Kilometer im Rausch –alle Frischverliebten wissen, wie wir uns fühlen. Kein Superlativ wartet am Wegesrand, kein Achttausender, nichts, was es anderswo nicht auch gibt –es ist die Fülle und Vielfalt und Unberührtheit, die die Carretera so einzigartig macht.

 

Reisezeit und Klima
Das chilenische Seengebiet liegt in der Región del Biobio, weiter südlich schließt sich die Regiòn de la Araucanía mit ihren Vulkanen und Aurakanienwäldern an, gefolgt von den Regiónes de Los Rios, Los Lagos und Aysén, durch die die Carretera Austral verläuft. Alle diese Regiónes (chilenische „Bundesländer“) liegen im nördlichen Teil Patagoniens, das sich vom Fluss Bio Bio bis nach Feuerland erstreckt.

Aufgrund der großen Nord-Süd-Ausdehnung und der abwechslungsreichen Geografie ist auch das Klima sehr vielfältig. In ganz Patagonien herrscht kühl-gemäßigtes Klima, das Richtung Süden immer kälter und niederschlagsreicher wird und das Fenster der optimalen Reisezeit immer enger fasst. Generell herrschen günstige Bedingungen zwischen Oktober (Frühjahr) bis April (Herbst), Hauptreisezeit ist jeweils von Ende Dezember bis Anfang März. Im Norden wird es ab November häufig schon sommerlich warm, Badewetter ist ab Januar. Nach Weihnachten bis Mitte Februar herrscht dann in der Seenregion Hochbetrieb, die Straßen sind mitunter verstopft und touristische Sehenswürdigkeiten überlaufen – Ferienzeit in Chile. Ganz im Süden und in höheren Lagen hingegen muss rund um das Jahr mit Schneeregen und Frost gerechnet werden. Hinzu kommt ein erhebliches Niederschlagsgefälle Richtung Osten, da sich die feuchtigkeitsbeladenen Winde westlich der Anden stauen und dort abregnen. Besonders regenreich sind zum Beispiel der Pumalin-Nationalpark oder die Regenwälder rund um Villa O’Higgins. Auf manchen Pässen fallen über 5.000 mm Niederschlag pro Jahr, das ist zehn mal mehr als in Leipzig. Östlich der Anden und rund um den Lago General Carrera hingegen ist das Klima sehr trocken und die Vegetation halbwüstenartig.

Der Wind weht meist aus Westen, hat also keinen nennenswerten Einfluss auf die Routenwahl. Wer jedoch weiter Richtung Feuerland will, ist gut beraten im Norden zu starten! Weiter landeinwärts drehen die Winde meist Richtung Nordwest und beschleunigen in der offenen Pampa auf Orkanstärke. Überhaupt sind östlich der Anden starke Föhne (Fallwinde) an der Tagesordnung.

Anreise
Die nächsten internationalen Flughäfen sind weit weg: Buenos Aires oder Santiago de Chile. Eine gängige Variante sieht den Weiterflug nach Puerto Montt (nördlicher Startpunkt) vor, alternativ lässt sich die Strecke im Bus zurücklegen – oder natürlich auf dem Fahrrad.

Schwieriger als die An- gestaltet sich die Abreise, denn wer am Ende der Carretera im Dörfchen Villa O’Higgins angekommen ist, steckt in Chiles südlichster Sackgasse fest. Eine Variante für den Rückweg sieht den Bus nach Puerto Chacabuco vor, von dort ließe sich eine Fähre (22 h) nach Puerto Montt besteigen. Innerhalb weniger Tage lässt sich allerdings auch das argentinische Städtchen El Chaltén erreichen, von dort fahren Busse in argentinische Großstädte. Ein paar hundert Kilometer weiter südlich liegt El Calafate und damit der nächste größere Flughafen mit Verbindungen nach Santiago oder Buenos Aires. Der Reiz dieser zwei Varianten: unterwegs passiert man die spektakuläre Bergwelt des Parque Nacional de Los Glaciares bzw. den Perio-Moreno-Gletscher bei El Calafate.

Die Route lässt sich natürlich auch in entgegengesetzter Richtung, also von Süden her in Angriff nehmen. Wer jedoch in Punta Arenas oder El Calafate startet, muss mit furiosen Gegenwinden in der Pampa rechnen – besser ist es, den Bus nach El Chaltén zu nehmen.

Einreise
Als deutscher Staatsbürger erhält man problemlos Visa on Arrival für Chile und Argentinien kostenfrei für 90 Tage sowohl am Flughafen als auch an den lokalen Grenzübertritten. Vorsicht: aus umwelthygienischen Gründen ist es streng verboten, frische Lebensmittel, getrocknete Wurstwaren oder Früchte, Käse u.a.m. nach Chile einzuführen. Wir reisten insgesamt dreimal über die chilenische Grenze, das Gepäck wurde stets mehr oder weniger ausführlich kontrolliert. Es drohen empfindliche Strafen.

Geld
Ein Euro entspricht derzeit etwa 800 Chilenischen Peso (die Währung ist stabil) bzw. 65 Argentinischen Peso (instabile Währung mit starker Inflation). Geld lässt sich in den größeren Städten der Seenregion problemlos mit Visa-Karte abheben, EC wird seltener akzeptiert. Weiter südlich wird die Besiedlung dünner und die Infrastruktur mangelhafter. Geldautomaten finden sich zum Beispiel in Coyhaique, Puerto Rio Tranquilo und Cochrane, nicht jedoch in Villa O’Higgins. Aufgrund der fortschreitenden Entwicklung dieser Region wird sich die Situation sicherlich stetig ändern. Vorsicht bei Abstechern nach Argentinien: die Wirtschaft steckt in einer Dauerkrise, Geldautomaten liegen unvermittelt „trocken“ oder werden gesperrt und die Versorgung mit frischen Noten ist keineswegs sicher. Am besten, ausreichend Bargeld mitführen! Um hohe Abhebegebühren zu umgehen, nutzen wir Western Union in Argentinien.

Die Lebenshaltungskosten in Chile sind recht hoch, besonders die Hauptstadt Santiago ist so teuer wie eine deutsche Großstadt. Da wir meist zelten und uns selbst verpflegen, kommen wir mit insgesamt 20 Euro (für uns beide zusammen) gut aus.

Sprache
Landessprache ist Spanisch. Einige im Tourismus Beschäftigte können auch (etwas) Englisch, darauf verlassen sollte man sich jedoch nicht. Und: Wer Spanisch spricht, erhält leichter Informationen über aktuelle Strecken- und Wetterbedingungen sowie deutlich mehr Einblicke in den Lebensalltag der Einheimischen.

  • Osmand+: kostenpflichtige Navigations-App mit detaillierten Karten und Höhenprofilen weltweit
  • https://www.deutschlandfunk.de/wahlen-in-argentinien-das-phaenomen-peronismus.799.de.html?dram:article_id=461900: für ein tieferes Verständnis über den argentinischen Peronismus
  • https://ww3.museodelamemoria.cl/: Das Museum in Santiago de Chile informiert über die Pinochet-Diktatur, die ähnlich wie die DDR Anfang der 90er endete. Mit Audioguide in Englisch und Deutsch
  • Landkarte der Carretera Austral, 1:400.000, COMPASS Chile 2012.
  • Chile-Übersichtskarte, 1:1.600.000, Reise Know-how Verlag 2018. Karte aus reiß- und wasserfestem Material, das unzählige Male geknickt werden kann – empfehlenswert.
  • Radwanderführer: Carretera Austral: Die Traumstraße im Süden Chiles, Dirk Heckmann, Conrad Stein Verlag 2009. Sehr empfehlenswertes Büchlein mit allgemeinen Informationen über Land und Leute, Klima, Flora und Fauna, etc. sowie lokalen Versorgungsmöglichkeiten, Wegabschnitten, Tipps und Tricks.

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