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Teaserbild: Testbericht: Komfortabel performen mit dem Mad Rock Drone HV+

Testbericht: Komfortabel performen mit dem Mad Rock Drone HV+

Performance und Komfort sind beim Klettersport zwei Begriffe, die man nicht allzu oft im selben Satz hört. Und wenn doch, dann meist wohl als gegenseitiges Ausschlusskriterium. Will man auch auf den kleinsten Tritten präzise stehen, braucht man einen Schuh, der keine Luft am Fuß lässt. Und das geht meistens mit einer mehr oder weniger schmerzvollen Tortur für die Zehen einher. Mad Rock hat jetzt mit dem Drone einen Schuh auf den Markt gebracht, der genau diese zwei Gegensätze verbinden soll. Die Ansage, dass hohe Performance auch mit Komfort möglich ist, steht im Raum und ich habe mit einem Testpaar versucht herauszufinden, ob der Schuh dieses Versprechen halten kann.

Doch erst einmal ein paar Worte zum groben Aufbau: Der Drone ist ein Single-Velcro Slipper mit einer sehr weichen und anschmiegsamen Zunge. Das soll ihm einen sockenähnlichen und passgenauen Sitz am Fuß verleihen. Die Ferse ist die dieselbe Konstruktion, wie man sie auch vom Mad Rock Shark kennt, der Hersteller selbst nennt sie „3D Molded Heel Cup“, also eine gegossene Fersenkappe mit einer Gummikante, die beim Hooken mehr Halt und Präzision bringen soll. Beim Drone HV ist diese Kappe allerdings nicht komplett geschlossen, sondern hat an der Außenseite eine kleine Spalte, die dafür sorgt, dass genügend Platz zum Expandieren gegeben ist und somit auch dickere Fersen gut umschlossen werden können. Das Material ist komplett synthetisch und als Sohlengummi wird der hauseigene Science-Friction 3.0 verwendet. Außerdem wird eine 1,8 mm starke Mittelsohle verbaut, die sich vom vorderen Schuh bis zur Ferse durchzieht. Das verleiht dem Slipper ein bisschen mehr Steifigkeit und gewährleistet, dass der Schuh seinen aggressiven Downturn auch nach ausgiebiger Nutzung behält. Auffällig ist auch der sehr üppige Toepatch auf der Zehenbox, der sich bis zum Klettverschluss zieht. Wer also nicht nur mit den Zehen hookt, sondern den gesamten Fuß an die Kante bringen will, wird hier ausreichend geschützt.

Die gesamte Form des Schuhs kann man als aggressiv bezeichnen. Der Downturn ist sehr stark ausgeprägt und auch auf die Länge ist der Drone asymmetrisch gebaut, um die Last in Richtung der starken großen Zehen zu drücken. Wie beim Shark gibt Mad Rock dem Drone HV+ das Attribut „vegan friendly“, der Kletterschuh kommt also komplett ohne tierische Bestandteile aus.

Da ich mich mit meiner Fußform (eine schmale Ferse mit sehr wenig Volumen und ein breiter Vorderfuß mit viel Volumen) immer ein bisschen schwer tue, den perfekten Schuh zu finden, war ich ganz froh, dass sich im Sortiment bald ein neuer aggressiver Schuh mit breiter Zehenbox und hohem Volumen befinden wird. In den meisten Schuhen habe ich Probleme, die Ferse komplett auszufüllen, was bei Heelhooks dann zu unbefriedigendem Halt führt. Entscheide ich mich dann für die Nummer kleiner, ist meistens der Druck auf dem großen Zehengelenk so stark, dass ich selbst nach langem Eintragen nicht gut antreten kann. Mit meiner kleinen Ferse war also jeder Kletterschuh bis jetzt immer ein bisschen Kompromiss. Könnte der Drone HV+ also vielleicht zum Erlöserschuh für mich avancieren? Kurze Antwort: Auf jeden, Alter!

Schon beim Anprobieren im Laden konnte ich selbst bei knallenger Passform keine Schmerzen an den Zehen spüren. Der Einstieg ist schön weit und die Anziehlaschen sind groß genug, um bequem mit zwei Fingern zu ziehen. Das Fersenband, das für Vorspannung des Schuhes sorgt, sitzt im Vergleich zu anderen Modellen recht tief, wodurch ich erst einmal das Gefühl bekam, dass die Ferse beim hooken eventuell rutschen könnte. Allerdings hat Mad Rock mit dem „Molded Heel Cup“ sehr gute Arbeit geleistet und stabilisiert alles so passgenau, dass selbst unter großer Last nichts nachgibt. Den Schuh fülle ich extrem gut aus, es gibt keine toten Stellen oder Luft, die beim Antreten zu Ungenauigkeit führen könnte. Bei der Größe habe ich mich für eine ganze Nummer kleiner als meine Straßenschuhgröße entschieden und trage ihn damit in einer EU 43.

Aber klar, ich bin mir durchaus bewusst, dass sich einige Schuhe im Laden super anfühlen und erst in der Praxis am Fels oder am Kunstfels ihre Defizite offenbaren. Umso besser, dass ich direkt nach Erhalt des Schuhs ins Bahratal fahren konnte, um ihn dort ordentlich am Sandstein zu testen. Ich habe mehr oder weniger bewusst auf eine lange Eintragezeit verzichtet, da ich finde, dass ein Schuh, der explizit mit dem Attribut „Komfort“ beworben wird, auch aus der Box heraus passen sollte. Dabei ist natürlich Vorsicht geboten, da der Gummi noch nicht so griffig ist wie nach längerer Benutzung, weswegen ich erstmal auf waghalsige Boulder verzichtet habe.

Ein bisschen Bauchweh hatte ich dann beim Schuheanziehen schon, denn bei guten 0 Grad mit komplett ungetragen Schuhen direkt an den Fels zu gehen, würde ich im ersten Moment erstmal als „dumm“ bezeichnen. Aber siehe da: Der Drone lässt mich nicht im Stich und fühlt sich schon bei der ersten Tour sehr angenehm und irgendwie eingetragen an. Am Sandstein klebt auch der frische Gummi sehr gut. Der Spitzenantritt ist super und sehr präzise und durch die spitz zulaufende Kontruktion kann man auch in sehr kleinen Löchern und Kanten gut stehen. Der Drone ist dabei nicht der softeste Schuh und er hat mit 4,2 mm auch recht viel Gummi an der Sohle, aber trotzdem finde ich ihn sensibel. Auch an Slabs und slopigen Kanten finde ich superben Halt. Anfänglich war ich auch skeptisch gegenüber der 3D-Kante an der Ferse eingestellt, aber ich hatte dann tatsächlich das Gefühl, dass ich Heelhooks ein wenig präziser setzen kann, da die Last auf eine kleinere Fläche konzentriert wird und man sich mit der Kante auch gut in kleine Leisten haken kann. Der Toepatch ist wirklich sehr dick, was ich aber mag, da ich eher empfindlich bin, wenn es um das Hooken an scharfen Kanten geht. Für den Patch wird auch die selbe Gummimischung wie für die Sohle benutzt, was zu einer deutlich merkbaren Griffigkeit und dadurch Sicherheit führt.

Auch in der Halle überzeugt mich der Drone HV+ auf ganzer Linie. Der Gummi (Science-Friction 3.0) glänzt mit sehr guter Reibung und geringem Verschleiß. Auch auf längeren Routen macht er einen super Eindruck, da durch die durchgehende Mittelsohlenkonstruktion der Fuß gut unterstützt wird und man so auch bei längerem Tragen langsamer müde Füße bekommt. Damit ist er auf jeden Fall kein reiner Boulderschuh, sondern auch am Seil bei anspruchsollen Routen zuhause. Aus diesen Gründen hat der Drone HV+ mittlerweile alle anderen Kletterschuhe bei mir abgelöst und ich benutze ihn als Allround-Arbeitstier. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie der Verschleiß und der Schuh generell nach mehreren Monaten aussieht, bis jetzt macht er nämlich einen extrem wertigen und gut verarbeiteten Eindruck.

Um den Bogen zum Anfang zu spannen: Die Ansage, dass ein Performanceschuh dieser Liga auch sehr komfortabel sein kann, kann ich nur unterschreiben. Natürlich muss man das Prädikat „komfortabel“ in Relation zu ähnlich aggressiven Schuhen sehen. Denn einen bequemen Hausschuh darf man selbstverständlich nicht erwarten. Im Vergleich zu seinen Artgenossen allerdings ist er meiner (natürlich subjektiven) Meinung nach um Längen bequemer – ohne an Performance einzubüßen. Aber das ist natürlich auch sehr von der individuellen Fußform abhängig.

Der Schuh hat seine Zielgruppe gleichermaßen bei Sportkletterern und Boulderern, die einen aggressiven, aber trotzdem bequemen Schuh suchen. Vor allem in überhängenden Gebieten spielt er seine Stärken voll aus, macht aber auch bei Reibungskletterei einen sehr guten Eindruck. Mich hat der Drone HV+ vollends überzeugt und sich zu meinem Go-to-Schuh für alle Spielarten des Kletterns entwickelt. Deswegen gibt es eine klare Probierempfehlung!

Übrigens: Den Drone HV+ gibt es bei Mad Rock auch in einer Low-Volume-Variante für Füße, die weniger Platz brauchen.

Artikel: Drone HV+
Mad Rock

Drone HV+
129.95€

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