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Die Outdoor hat (für immer) die Tore am Bodensee geschlossen

30.000 Besucher, darunter 20.00 Fachbesucher aus mehr als 80 Ländern, waren auf der Jubiläumsmesse und am Bodensee unterwegs, um sich umzusehen. Immer auf der Suche nach neuen Trends und Sachen, die das Outdoorleben ein Stück erleichtern. Das waren vielleicht nicht mehr ganz so viele wie im vergangenen Jahr. Dennoch, das Wetter war cool, die Atmosphäre hat gestimmt – sieht man mal vom Sonntagabend ab, an dem die Deutsche Nationalmannschaft den Start in Russland eindeutig verschlafen hat. Vorherrschende Themen waren neben der nachhaltigen Produktion, Outdoor Lightweight und dem multifunktionalen Einsatz von Bekleidung und Ausrüstung die Themen Plastik, Plastikmüll und Plastikvermeidung. Also, worum geht es aktuell in den Diskussionen?

Die Zahlen können sich auf den ersten Blick sehen lassen: 200 Weltpremieren, 950 Aussteller aus 40 Nationen, 247 Award-Einreichungen und 137 Programmpunkte an vier Messetagen, die Öffnung nach außen für Outdoorinteressierte getreu dem Motto „OutDoor für alle“ mit den Deutschen Meisterschaften im Bouldern und diversen Veranstaltungen am Strand in Friedrichshafen. Da fällt es auch auf dem zweiten Blick kaum ins Gewicht, dass Firmen wie Salewa und Haglöfs gar nicht erst angereist sind. Demgegenüber steht, dass wir das Gefühl hatten, dass die Hallen etwas leerer als sonst waren, man auch mit schwerem Rollgepäck (voller Kataloge) noch gut durch die Gänge gekommen ist.

Wir haben es schon an anderer Stelle erwähnt: Seit 25 Jahren, also schon ein ‚Vierteljahrhundert, fahren wir auf die Outdoormesse. So wie das Angebot immer weiter gewachsen ist, es immer schwieriger ist, einen kompletten Überblick zu behalten, so ist die Zahl der tapire, die sich die Aufgaben auf der Messe teilen, immer weiter gewachsen. Drei von uns hatten dabei auch die Einladung der Messegesellschaft angenommen, am Samstagabend an Bord des Event-Schiffs Sonnenkönigin auf 25 erfolgreiche Jahre anzustoßen.

Outdoor heute lebt einmal mehr von Gegensätzen: Kollektionen, ganz speziell ausgerichtet auf die sportlichen Bedürfnisse und Anforderungen, treffen auf Kollektionen, in denen urbane Einflüsse deutlich zu erkennen sind. Micro Adventure, also Kurzabenteuer vor der Haustür, ist eines der großen Themen.

Daneben waren die Trends der Messe schnell definiert: Gewicht, Robustheit, Performance und Nachhaltigkeit. Beim Thema Nachhaltigkeit waren auch in diesem Jahr viele neue Ideen und Ansätze zu erleben, wobei sich einige Firmen ihre Inspirationen durchaus auch branchenfern holen. Dabei machen nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern vor allem auch die jungen Wilden diese Herausforderung zur (neuen) Firmenidentifikation. Nachhaltigkeit verpflichtet und dabei geht es nicht mehr nur um den ökologisch bewussten Herstellungsprozess allein. Also nicht nur die Verarbeitung recycelter Stoffe, sondern auch die Rückführung der Materialien, die Kompostierbarkeit oder Wiederverwertbarkeit derselben. Recycling und die damit einhergehende Kreislaufwirtschaft werden für uns immer wichtiger. Die Zahl der Kunden, denen Informationen dazu wichtig sind und die dann auch ganz gezielt im tapir danach fragen, steigt. Außerdem, und das vermissen wir oft bei den Lösungsansätzen der Firmen, geht es beim Thema Nachhaltigkeit auch darum, darüber zu reden und Lösungen zu finden, damit nicht jeder Artikel einzeln in Plastik verpackt ausgeliefert und zudem um die ganze Welt verschifft wird.

Aktuell, und das gehört mit zu den good news, sind die wichtigsten europäischen Outdoor-Unternehmen der Organisation „Fair Wear Foundation“ beigetreten und lassen sich und ihre Produktion nach dem höchsten Sozialstandard weltweit kontrollieren.

Wenn auch global gesehen die Unternehmen der Outdoor-Branche nur etwa fünf Prozent der weltweiten Daunen und einen Bruchteil der Weltwollproduktion ausmachen, haben die Outdoor-Firmen den „Responsible Down Standard“ (RDS) initiiert oder arbeiten nach den strengen Regeln des „Down Codex“, um so den Tierschutz-Richtlinien und dem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Auch bei Wolle wird das Tierwohl durch den „Responsible Wool Standard“ (RWS) oder „Zque“ zertifiziert.

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Re-PET, also recyceltes PET, von der Performance her hochwertig genug ist, um den Ansprüchen der Nutzer gerecht zu werden. Nachhaltigkeit hat auch etwas mit der Lebensdauer von Produkten zu tun. Auch auf dieser Ebene werden immer mehr Fortschritte erreicht. Als neu und innovativ wurde in dem Zusammenhang bei den Awards gefeiert, dass in Zukunft auch dehnbare Stoffe komplett recycelt sein können. Der taiwanesische Hersteller Sheico läutet eine „neue grüne Ära“ mit dem ersten recycelten Spandex-Garn ein, während Primaloft eine Bauschfaser anbietet, die zu 100 Prozent aus PCR (Post-consumer recycled polyester) ist, ohne an Weichheit einzubüßen. Rucksäcke und Taschen aus recycelten Fischernetzen kommen von Vaude, dabei galt Nylon6.6 noch vor zehn Jahren als kaum recycelfähig. Adidas stellt vom Funktions-T-Shirt bis zu Zwischensohlenkonstruktionen und Oberstoffen Produkte aus Meeresmüll her und unterstützt die „Parley for the Oceans“-Initiative, die Anreize gibt, Plastikmüll zu sammeln statt im Meer zu „entsorgen“. Edelrid vertraut auf recyceltes Polyamid für Kletterseile. Und das sind nur ausgewählte Beispiele, die zeigen, wo es hingehen kann.

Die Bilder sind um die Welt gegangen: Schiffe und Taucher, die sich durch den Plastikmüll an den Stränden dieser Welt kämpfen. So verwundert es kaum, dass auch auf der Outdoor Mikroplastik ein stark diskutiertes Thema war. Light my Fire konfrontierte uns im Außenbereich bei einer „kleinen Plastik-Schule“ mit der Frage, wie viele Strohhalme pro Tag in den USA unserer Einschätzung nach täglich verbraucht würden. Na, eine Idee? Am Ende nutzt im Durchschnitt jeder Amerikaner mindestens 2 Halme pro Tag (knapp 500.000.000) … Und wir sind uns klar, dass die gleiche Erhebung in anderen Ländern zu einem ähnlichen Ergebnis führen könnte.

Bereits 2017 wurde der Guppyfriend vorgestellt, ein Waschbeutel mit Filterfunktion, wodurch Plastikflusen beim Waschvorgang zurückgehalten werden – wofür er mit dem OutDoor-Award in Gold ausgezeichnet wurde. Bei allen Ansätzen wird klar, dass mehr kreative Ideen entwickelt und Forschung vorangetrieben werden muss, damit langfristige Lösungen erreicht werden können. Dass das möglich ist, zeigt Vaude mit „Biopile“, einem Fleece aus Holzzellulosefaser, das zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Röjk brachte eine Kollektion ausschließlich aus Naturfasern oder biologisch abbaubaren Polyactiden mit zur OutDoor. Waldkauz und Roughstuff zeigen Lodenjacken und Wollfleece, die ebenfalls kein Mikroplastik absondern.

Daneben wurde auch viel darüber diskutiert, wer zu den etwas über 60 % in der European Outdoor Group gehören, die für einen Umzug gestimmt haben. Und warum überhaupt das Klassentreffen der Outdoorbranche aus dem stimmigen Umfeld am Bodensee in die Weltstadt an der Isar verlegt worden ist.

Klar ist nur: Friedrichshafen will weitermachen. Aber genauso, wie die Messe München es versäumt hat, ihr Zukunftskonzept vorzustellen, blieb auch die Messegesellschaft von Friedrichshafen eine richtungsweisende Erklärung schuldig. „Outdoor 2019 simply different“ verkündeten in den vergangenen Tagen blau-gelbe Flyer und Plakate auf dem Messegelände. Klingt wie eine Kampfansage in Richtung München, frei nach der Devise: Wir sind anders, wir sind besser. Wobei mich schon dabei auch das Gefühl beschlichen hat, ob das offensiv selbstbewusste Auftreten der vergangenen Tage wirklich begründet oder eher eine Trotzreaktion gepaart mit Zweckoptimismus ist. Vielleicht sollten die Plakate auch einfach nur Neugier wecken auf das Neue. Wir werden sehen.

Mittlerweile sind wir alle wieder vom Bodensee zurück und im Alltag in Leipzig angekommen. Jetzt gilt es, die Kataloge und Fotos zu sichten, die eigene Schrift in den Notizen zu entziffern und ein stimmiges Programm für das kommende Jahr aufzustellen. Wer Wünsche hat, weil er bestimmte Sachen im tapir bisher vermisst hat, kann sie jetzt noch äußern 🙂 Am Montag werden wir euch dann auch noch von unseren persönlichen Highlights vom Bodensee berichten.

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