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Teaserbild: tapir Interview & Fernwander-Spezial: tapir Micha spricht über den E3, Ausrüstungsschätze und wilde Hunde in Bulgarien

tapir Interview & Fernwander-Spezial: tapir Micha spricht über den E3, Ausrüstungsschätze und wilde Hunde in Bulgarien

Manchmal legen tapire einen ganz schön langen Weg zurück, bis sie in Leipzig landen, im Espresso Zack Zack sitzen und mit einem Kollegen über ihr Wanderleben plaudern. Bei Micha trifft das in besonderem Maße zu: Er ist leidenschaftlich gerne auf Weit- und Fernwanderwegen unterwegs, und berichtet hier von den Erfahrungen seiner 4-Monate Wanderung auf dem E3. Doch damit nicht genug: Seit kurzem ist Micha auch begeisteter Kletterer, und irgendwann soll es auch mit Steigeisen & Co auf hohe Gipfel gehen. Der Weg dahin ist weit, und genau darum geht es im folgenden Interview.

Hallo Micha! Kommen wir doch gleich zur Sache: Wann hast du begonnen, im tapir zu arbeiten?

Das war ungefähr im November 2016, also vor etwas über anderthalb Jahren.

 

Was sind deine Aufgabenbereiche bei uns?

Ich bin prinzipiell erst einmal ein Ladenmensch. Vor kurzem ist dann noch die Instagram-Sache hinzugekommen, wo ich Gabriel etwas unter die Arme greifen werde. Das ist aber noch recht frisch und erst noch im Werden. Und dann bin ich noch V-Mensch.

 

V, was heißt das? Kannst du das kurz erläutern?

Ja, also wir haben im tapir manchmal einen ganz schönen Buchstabensalat. P, V, H, ist alles mit dabei. Der V ist dafür verantwortlich, dass in einer Ladenschicht alles seinen geordneten Gang geht. Zum Beispiel ist man Ansprechpartner für neue tapire, verantwortlich für eine faire Pausenverteilung, die Ordnung im Laden und dass abends die Kassen stimmen. So ungefähr.

 

Hast du Ideen, wie du unsere Instagram-Aktivitäten weiter ausbauen möchtest?

Mein Ziel ist, dass Ganze ein wenig strukturierter anzugehen, zum Beispiel mit festen Tagen, an denen wir Content posten. Das finde ich besser als wenn mal in einer Woche drei Posts kommen und dann vielleicht ein paar Wochen lang nichts. Kontinuität und Stringenz sind da, glaube ich, relativ wichtig.

 

Kannst du mir ein bisschen was darüber erzählen, wie du den Weg zum tapir gefunden hast?

Klar. Ich war schon immer gerne draußen und habe dann irgendwann angefangen, mit meinen kleineren Brüdern, aber vor allem meinem großen Bruder, wandern zu gehen. Das hat sich dann so eingebürgert, dass wir beide jedes Jahr zusammen eine größere Tour gemacht haben. 2016 waren mein großer Bruder und ich dann für vier Monate auf dem E3 vom Schwarzem Meer bis ins Erzgebirge unterwegs. Danach habe ich nochmal angefangen zu studieren, und da für braucht man natürlich auch Geld für. Der tapir war eine Adresse, wo ich immer mein ganzes Zeug eingekauft habe und da ich wusste, dass dort auch viele Studenten arbeiten, habe ich einfach mal angefragt. Das hat sich dann so ergeben.

Auf unserer vorletzten Testtour hast du mir einiges über diese lange Tour von dir und deinem Bruder erzählt. Das war sicher eine sehr einprägsame Erfahrung, oder?

Auf jeden Fall! Die Tour war eine ganz schöne Herausforderung für uns, schon allein wegen der Zeit und des langen Wegs. Auch körperlich war es eine krasse Erfahrung. Hinzu kam, dass wir beide sowas in der Größenordnung vorher noch nie gemacht hatten und auch nicht unbedingt das beste Equipment hatten. Wir haben also so ziemlich alles, was wir hatten und wovon wir dachten, das könnten wir gebrauchen, zusammengepackt und los ging’s.

 

Und wo seid ihr lang gelaufen?

Auf dem E3. Die E-Wege sind die Bezeichnung für das Fernwandernetz in Europa, von E1 bis E12. Der E3 war und ist noch nicht durchgängig gebaut, aber geplant ist ein Weg von Istanbul bis nach Kap St. Vincent im äußersten Südwesten Portugals. Also einmal komplett durch Europa.

 

Wie verlief die Route, die ihr gewandert seid?

Da der Weg noch nicht ganz ausgebaut ist, startet er statt in Istanbul derzeit im Kap Emine in Bulgarien am Schwarzen Meer. Da sind wir dann auch gestartet. Der Weg zieht sich dann an der Gebirgskette Richtung Norden, am Balkangebirge in Bulgarien entlang, und dann an der Donau weiter Richtung Rumänien bis ins rumänische Orșova. Von dort aus sind wir dann über die Südkaparten Richtung Sibiu gelaufen, und weiter über das Apuseni-Gebirge nach Ungarn. Von dort aus ging es weiter durch Ungarn, die Slovakei, nach Polen und Tschechien. Da zieht sich der E3 dann an der tschechisch-polnischen Grenze entlang durchs Gebirge. Von dort aus sind wir über das Riesengebirge ins Zittauer Gebirge bis hin ins Erzgebirge gewandert. Der E3 zieht sich also wirklich über die ganzen Gebirgsketten, die der Osten so hat. Zwischendrin geht es auch mal über Straßen.

 

Wie schaut es am E3 mit der Beschilderung aus?

Eine Ausschilderung gibt es größtenteils nicht, da muss man sich ein bisschen selber zurechtfinden. Vor allem in Osteuropa ist der Weg recht rudimentär ausgebaut. *lacht*

Du hast also schon deftig Erfahrung in Sachen Fernreisen gemacht. Kannst du uns was über die Ausrüstung erzählen, die man da gut gebrauchen kann?

Also ich würde sagen, dass man vor allem schauen sollte, dass man sich krass minimiert. Das ist vor allem das, was ich von meinen Langstreckenwanderungen mitgenommen habe: Wir hatten viel zu viel eingepackt. Im Prinzip kannst du bei den Klamotten zum Beispiel so packen, als wärst du nur eine Woche wandern. Unterwegs wäscht man dann einfach. Man müffelt halt zwischendrin etwas, womit man sich aber abfinden kann. Also den Mut haben, Dinge wegzulassen. Es finden sich dann immer irgendwelche Lösungen für Probleme unterwegs. Und so entstehen auch die geilsten Geschichten. Improvisation ist echt etwas, das man auf Weitwanderwegen lernen kann! Ein gutes Beispiel ist da die Hundesituation in Rumänien und Bulgarien (siehe unten).

Was für einen Kocher habt ihr auf den E3 mitgenommen?

Mein Bruder hatte den MSR Reaktor, nichts für Feinschmecker, aber der kocht irrsinnig schnell.

 

Ging das in Osteuropa mit der Gaskartuschenversorgung?

Ziemlich gut sogar. Wir hatten uns in Sofia mit zwei großen Kartuschen ausgestattet und kamen damit zu zweit über einen Monat hin (der Reaktor verbraucht allerdings auch extrem wenig Gas im Vergleich zu anderen Kochern!). Und wir waren allgemein auch sehr sparsam mit unserem Gas.

Die längste Strecke, die wir ohne Verpflegungspunkt unterwegs waren, war in den Südkarparten und im Balkangebirge, da waren wir jeweils etwa 10 Tage autark unterwegs. Da mussten wir also für 10 Tage Essen mitnehmen und deshalb schon sehr gut planen und uns auch kulinarisch etwas zurückfahren (Couscous konnte ich nach der Tour eine Weile echt nicht mehr sehen ;)). Bis auf diese beiden Strecken sind wir regelmäßig an Supermärkten oder kleinen Läden vorbeigekommen, dann mussten wir also weniger schleppen.

 

Okay, also minimalistisch packen und sparen, wo’s geht. Worauf würdest du sonst noch achten, wenn du jetzt nochmal losziehst?

Gutes Schuhwerk. Definitiv. Man sollte sich auch darauf einrichten, dass bei anspruchsvollen Fernwanderwegen die Schuhe einer erheblichen täglichen Belastung ausgesetzt sind und es durchaus sein kann, dass die danach komplett durch sind. Darauf sollte man sich gedanklich einrichten; das hat dann nichts mit minderwertiger Schuhqualität zu tun, sondern mit den exorbitant hohen Anforderungen. Das kann auch den besten Schuh fertig machen, wenn er monatelang täglich auf dem Weg geknechtet wird. Ich hatte meine Meindl Island an, einen klassischen B/C-Schuh, super für das Gebirge. Sobald wir dann aber ins Flachland gezogen und teilweise auf Straßen gelaufen sind, war das mit der harten Sohle allerdings schon unangenehm. Da gilt es also abzuwägen, was am besten zu der Tour passt. Ich würde heute eher einen Schuh mit etwas flexiblerer Sohle nehmen, wenn ich mit viel Asphalt und Kopfsteinpflaster rechne.

 

Auf so einer langen Tour ist ein komfortabler Rückzugsort sicher auch wichtig. Worauf legst du hierbei Wert?

Ein leichtes Zelt. Ich schlafe generell auch sehr gern unter einem Tarp oder unter freiem Himmel, aber bei längeren Touren ist ein Zelt schon gut, da sich das Wetter immer ändern kann, gerade im Gebirge. Die Basics sind auch wichtig: Eine gute Isomatte und vor allem ein leichter Schlafsack, wobei ich da lieber einen bisschen zu warmen als zu kalten empfehle. Der erholsame Schlaf war für uns tatsächlich eine der wichtigsten Erholungsfaktoren auf der Tour, um die Erschöpfung auszugleichen.

 

Welchen Schlafsack und welche Isomatte nutzt du?

Meinen uralten Mountain Equipment Titan und eine Therm-a-Rest Trail Lite, wobei ich heute etwas Leichteres und Kleineres mitnehmen würde, zum Beispiel den Mountain Equipment Glacier 450 und eine Exped SynMat UL. Der Glacier wiegt schon mal weniger als ein Kilo und hält bis zu -8 °C warm, das ist sehr solide. Und wenn wir schon bei Ausrüstung sind: Stöcke sollten auf keinen Fall fehlen!

 

Warum sind Stöcke beim Weitwandern von Bedeutung?

Vor allem wenn man nach einem Monat laufen kaum noch Kraft in den Füßen hat und man sich einen Berg runterkämpft, geben einem Stöcke noch mal eine ganze Ecke mehr Sicherheit. Sie sind vor allem in gebirgigem Gelände beim Abstieg un-er-läss-lich! Neben passenden Wanderschuhen und einem gut sitzenden Rucksack haben mein Bruder und ich die Wanderstöcke zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen erkoren.

Wie ist das denn mit den Hunden in Rumänien und Bulgarien?

Gerade in Bulgarien hat man viele Schäferhunde; die gehören zwar zu einem Schäfer und zu einer Herde, leben aber recht autark und werden auch nicht gefüttert. Deren höchste Aufgabe ist es natürlich, die Schafe zu beschützen und jeder Eindringling also auch jeder Wanderer wird erst einmal als Bedrohung gesehen. Joa, und die Hunde versuchen einen dann erst einmal zu stellen, sprich, sie lassen einen erst einmal nicht durch. Sie greifen aber auch nicht sofort an, sondern sind daran gewöhnt, Wölfe und Bären abzuhalten. Da stellt so ein Wanderer also keine große Gefahr dar …

 

Und was macht man dann, wenn man weiter will?

Man muss ein wenig vorsichtig sein. Wir haben uns dann viel mit Schäfern unterhalten und die haben uns Tipps gegeben, wie man mit den Schäferhunden umgehen soll.

Was gut hilft, ist, dass wenn ein Hund bellend auf einen zugerannt kommt, man einen Stein aufhebt oder so tut als ob. Die Hunde kennen diese Bewegung und haben Schiss davor, dass sie damit beworfen werden. Das hat immer ziemlich gut funktioniert, weil man dadurch diesen ersten ‚Angriff‘ stoppt.

Was auch hilft, ist, einen Wanderstock dabeizuhaben. Wenn man mit dem über dem Kopf wedelt, haben die Hunde davor auch Angst. Wobei, je größer die Hunde werden, desto weniger Schiss haben die natürlich davor. Ansonsten sollte man erst einmal nicht auf Konfrontation gehen: Nicht weiter auf den Hund zulaufen, sondern ruhig stehen bleiben und dann langsam rückwärts gehen, ohne dem Hund den Rücken zuzudrehen.

 

Das klingt alles ziemlich einleuchtend.

Ja, wir hatten aber auch einmal die Situation, dass wir um einen großen Felsen rumgelaufen sind und plötzlich standen da sieben Hunde vor uns, die teilweise von der Schulterhöhe so groß waren wie wir. Da mussten wir ganz schön schlucken. Die haben auf unsere Steine-Farce auch nicht mehr so richtig reagiert, und da half dann wirklich nur noch, ganz langsam zurückzugehen. Immer mit Steineaufheben und Stockschwingen zwischendrin und mit dem Gesicht den Hunden zugewandt.

 

Krass. Das ist in jedem Fall abenteuerlich.

Auf jeden Fall. Und es ist immer gut, wenn keine jungen Alpha-Männchen dabei sind, die sich profilieren wollen.

Eine letzte Frage habe ich noch: Ich habe gelesen, dein Wunschort ist das Karakorum in China. Warum?

Hohe Berge faszinieren mich extrem und ich bin gern an Orten unterwegs, wo weniger Leute sind. Und nach der Wanderbessenheit kommt jetzt das Klettern dran und ich habe auch immer noch die Ambition, bald hohe Berge zu besteigen mit Steigeisen und Seilschaften und allem drum und dran. Da gehört viel Erfahrung dazu und ich habe die Hoffnung, die hier im tapir auch sammeln zu können. Wir haben da ja ein paar Spezis, die sich in dem Bereich auskennen.

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