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Kleines Winterjacken-ABC – Volume 2

Mittlerweile hat der Winter den Süden Deutschlands voll im Griff – und nicht nur ihn! Es ist, Winterfreunde werden sagen: Gottseidank, kalt geworden und wenn es nass von oben kommt, landen auch schon mal Schneeflocken auf unseren Jacken. Um die soll es heute bei uns im Blog gehen und zwar um Isolationsjacken. Wir haben das Thema 2012 schon mal näher beleuchtet, doch in den letzten 7 Jahren hat sich eine Menge getan. Was sich nicht geändert hat, sind die Fragen aller Fragen: „Gut isoliert? Daune oder Kunstfaser – oder doch Wolle?“

Diese Frage zu beantworten fällt genauso schwer wie die Beantwortung der berühmten Gretchenfrage bei Faust. Nüchtern betrachtet bringt eine Daunenjacke bei gleichem Gewicht noch immer die bessere Wärmeleistung als das Kunstfaserpendant, auch wenn bei Letzterer die Materialien dank neuer Technologien kräftig aufholen, indem die Eigenschaften von Daune in ihrer Faserstruktur und Bauschkraft so weit wie möglich imitiert werden. Bestes Beispiel dafür ist die PlumaFill™-Isolierung von Patagonia. Nimmt man dazu noch den großen Vorteil, der bei Kunstfaserjacken klar bei deren Unempfindlichkeit gegenüber Nässe liegt, dann sind Kunstfaserjacken nicht erst seit diesem Winter schon fast auf der Überholspur.

Keine Frage: Auch im Winter wollen wir aktiv draußen unterwegs sein, sei es beim Wandern oder Schneeschuhlaufen, auf Skitour oder beim Eisklettern sowie beim Rodeln mit Freunden und der Familie. Je nach Außentemperatur und Schweißgrad der Bewegung reichen dicke Unterwäsche sowie eine Softshelljacke oder ein Windbreaker. Ist die Bewegung nicht so intensiv oder macht man eine Pause, dann besteht die Gefahr, dass der Körper relativ schnell auskühlen kann und der Ruf nach einer wärmenden Schicht wird dann schnell laut.

Heißt: Wir unterscheiden bei der Jackendiskussion zunächst nicht nur in Hinblick auf die Füllung, sondern unterteilen Isolationsjacken in zwei Gruppen: dicke Jacken fürs Camp, Pausen, Expeditionen oder die Frostbeulen unter uns. In der zweiten Gruppe finden sich dünne Jacken für die weniger Verfrorenen, die im Winter bei aktiven Bewegungen getragen werden können oder in den wärmeren Jahreszeiten als abendliches Backup auf Tour zum Einsatz kommen. Diese können auch als Zwischenschicht bei entsprechenden Wetterbedingungen unter einer Hardshell getragen werden.

Weitere Kriterien bei der Jackenauswahl sind neben dem Wärme-zu-Gewicht-Verhältnis auch der Schnitt des Modells, die Kapuzenlösung und das Außenmaterial. Doch dazu später mehr, jetzt soll es zunächst um das Innere der Jacken gehen: die Isolationsschicht. Welches Material isoliert am besten? Oder anders gefragt: Welches Material ist für welchen Einsatz am besten geeignet?

Wer daunenfreie Outdoor-Kleidung mit halbwegs vergleichbaren Eigenschaften will, muss Synthetikfaser als Füllmaterial nehmen. Isolationsjacken aus Kunstfaser sind nicht neu, doch die Eigenschaften der Füllungen haben sich in den letzten Jahren denen der Daune immer weiter angenähert. Kunstfaser ist eben nicht gleich Kunstfaser, da sollte man schon einen Blick mehr riskieren. Neben den Klassikern von Primaloft, der hauseigenen Coreloft-Füllung von Arc’teryx sowie der Thermoball-Füllung von The North Face gibt es die – nomen est omen! – Featherless-Füllung vom Marmot. Als Featherless wird ein zusammen mit 3M Thinsulate entwickeltes, loses Material bezeichnet, das wie Daunen in Kammern gefüllt wird. Ähnlich geht Primaloft bei seiner Thermoplume-Füllung vor. Schan fast als revolutionär kann man die PlumaFill™ -Füllung von Patagonia bezeichnen. Die tapire, die mit dem Micro Puff® Hoody unterwegs sind, kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Und unser Outdoor-Herz schlägt vor allem dann ganz schnell, wenn die Polyester-Füllungen aus recycelten Kunstfasern bestehen.

Konstruktion und Schnitt der Jacke tragen genauso wie das Material zur Performance bei: Auch wenn ich eine Jacke als Midlayer unter der Hardshell tragen möchte, sollte sie eine Kapuze haben. In diversen Jackentests finden sich immer wieder Aussagen, dass bis zu 25 % Prozent der Wärmeleistung über eine gut sitzende und schließende Kapuze gewährleistet werden. Auf dieses Viertel mehr an Wärme möchte ich beispielsweise nicht verzichten. Und neben der Kapuze gehören ein eng sitzender Kragen und eng schließende Ärmelbündchen dazu, damit weder am Hals noch an den Armen Wärme entweichen kann.

Außerdem sollte die Jacke gut sitzen und dem Einsatzzweck entsprechend lang genug sein. Midlayer, die auch einmal unter einer Hardshell getragen werden sollen, sitzen körpernäher und sind etwas kürzer geschnitten als dicke Kunstfaserjacken, die immer als oberste Lage zum Einsatz kommen. Zum Saum gehört ein verstellbarer Kordezug, um ein Wärmeentfleuchen zu vermeiden.

Wie auch bei den Daunenjacken sollten bei einer Kunstfaserjacke Kältebrücken minimiert werden. Diese können am Frontreißverschluss entstehen, wenn es dort keine Abdeckung gibt oder wenn Nähte durchgesteppt sind. Im Kunstfaserbereich gibt es einige Modelle, die am Rumpf eine andere Füllmenge als an den Armen aufweisen oder die eine andere Konstruktion in den Unterarmbereichen aufweisen. Das wird dann als Bodymapping bezeichnet, was bedeutet, dass der Körper an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich viel Wärme benötigt und somit beim Design mit Material, Schnitt und Füllmenge angepasst „gespielt“ werden kann.

Last but not least: Komplett winddichte Jacken kommen beim Trage- und Klimakomfort schneller an ihre Grenzen. Man bekommt in ihnen eher ein schwitzigeres Gefühl, wenn man aktiv unterwegs ist. Ist das Material leicht durchlässig, ist das Klima in der Jacke oft angenehmer und wenn das Wetter zu extrem wird, kann man die Jacken auch einfach unter der Hardshell tragen.

Dauenjacken können das ganze Jahr über Freude bringen, auch wenn sie originär als edle Wärmespender in der kalten Jahreszeit entwickelt worden sind. Ob beim Winterspaziergang in klirrender Kälte oder als Reserve, wenn es im Frühjahr oder Herbst beim Sichern an der Wand wieder einmal länger dauert: Mit einem Dauenjäckchen ist es immer schön warm. Daune ist unter kalten und trockenen Bedingungen als Isolationsmaterial kaum zu übertreffen. Doch Daune ist auch in die Kritik geraten, sodass bei der Auswahl auch immer die Frage auftaucht, woran man die Qualität einer guten und einer tierfreundlich gewonnenen Daune erkennen kann.

Daunenliebhaber wissen, dass es wenig vergleichbare Materialien gibt: Selbst die kleinsten Federchen halten verlässlich warm, sind leicht und als Jacke klein komprimierbar. Es gibt wenig Gründe, wenn man einmal eine Daunenjacke hatte, auf ein anderes Modell umzusteigen. Ist man dennoch auf der Suche nach einer neuen Winterjacke, dann wäre es nice, wenn man dabei in der heutigen Zeit auf Nachhaltigkeit und faire Produktion achtet, also an die gefiederten Spender denkt, die uns ihre Daune zur Verfügung stellen (Stichwort „artgerechte Haltung“: also kein Lebendrupf und keine Stopfmast). In Hinblick auf die Materialien kann man verstärkt auf den Einsatz von Recyclingstoffen und einer PFC-freien Imprägnierung des Außenmaterials beachten. Die Ausweisung von Zertifikaten wie dem Responsible Down Standard, Down Codex oder Global Tracable Down Standard, die für eine etisch möglichst vertretbare Daunenproduktion stehen, können bei der Entscheidung weiterhelfen.

Eine weitere Überlegung ist das Einsatzgebiet. Natürlich kaufen die Wenigsten unter uns eine Jacke für eine ganz spezielle Tour, vielmehr sind wir oft auf der Suche nach einem Allrounder, nach der eierlegenden Wollmilchsau. Dennoch gilt: Steckt die Jacke die meiste Zeit im Rucksack und kommt nur während der Ruhephasen zum Einsatz, sollte man, wie bei den Kunstfaserjacken auch, auf ein möglichst gutes Wärme-zu-Gewicht-Verhältnis achten.

Gute Daune – schlechte Daune: Die Qualität einer Daune hängt vom einzelnen Tier und dessen natürlichem Lebensraum ab. Als wärmste Daune gilt noch immer die der Eiderente. An der Küste Islands zupft sie sich die besonders feinen Daunen selbst aus dem Gefieder, um das Nest für ihren Nachwuchs zu isolieren. Und nur zertifizierte Daunensammler dürfen die verlassenen Nester nach der Brutzeit räumen. Neben der Herkunft der Daune braucht es drei weitere Parameter, um die Wärmeleistung der Jacke abschätzen zu können. Neben der Füllmenge (in Gramm angegeben), sind es das Mischungsverhältnis aus Daunen und Stützfedern (90/10, 85/15 …) und die Bauschkraft, die in cuin (cubic inch) angegeben wird. Gute Daunenjacke fangen bei 500+ cuin an, geht es um Gewicht und Packmaß, sollte die Bauschkraft einen Wert von mehr als 700 cuin erreichen.

Übrigens: Die natürliche Farbe von Daune ist nicht immer weiß. Verfärbungen sind etwas ganz Normales. Wer sich an einer melierten Optik bei einer Daunenjacke stört, sollte zu einer dunkleren Farbe greifen, wenn gerade bei den dünneren Modellen die Daunen und Federn durchscheinen.

Material, Steppung und zusätzliche Details der Jacke

Ebenso stellt sich die Frage nach einem (notwendigen?) Wetterschutz. Alle Daunenjacken sind empfindlich, was Feuchtigkeit betrifft. Wenn die allgemeine Wetterlage auf Regen verweist, sollte die passende Hardshell im Gepäck nicht fehlen. Bei Wintertouren oder beim Eisklettern sollte man bei der Modellauswahl darauf achten, dass die Jacke vom Material her wind- und wasserresistent ist und gut vor Zugluft schützt. Meine Daunenjacke ist auch etwas länger geschnitten, reicht bis über das Gesäß, was mich länger warm hält – und hat natürlich eine Kapuze!

Heute will, glaube ich, keiner mehr als Michelin-Männchen oder -Weiblein durch die Gegend laufen. Deshalb ist neben dem Jackendesign auch eine gute Passform wichtig, die neben der Optik auch dafür steht, dass die Wärme am Körper bleibt. Wichtig bei einer Daunenjacke ist, dass das Außen- und Innenmaterial dauendicht ist. Bei vielen Dauenjacken sieht man durch die Steppung die Kammern. Sind die Nähte durchgesteppt, dann kann es zu Kältebrücken kommen, wenn auf der Innenseite keine zusätzliche Stoffschicht eingenäht worden ist.

Nicht zuletzt kann es gerade auch bei einer längeren Wintertour oder auch beim Eisklettern um die Größe, Anordnung und Anzahl an Taschen gehen. Neben den beiden Einschubtaschen, die klassischerweise bei Jacken verbaut werden und die groß genug sein sollten, um nicht nur Platz für Hände, sondern auch für GPS oder anderes elektronisches Gerät zu bieten, sind auch größere innenliegende Taschen sinnvoll. Wir trocknen in unseren dicken Daunenjacken beispielsweise beim Eisklettern ein paar Ersatzhandschuhe und auch das Handy (Notruf) findet darin seinen Platz.

Wer auf kleines Packmaß und das beste Wärme-zu-Gewicht-Verhältnis schielt, kann den nachfolgenden Absatz überspringen. Wer aber eine natürliche Alternative zur Kunstfaser sucht, für den können Jacken mit einer Wollfüllung genau das Richtige sein. Wolle bietet auf ökologisch-nachhaltige Weise eine sehr gute Isolation, wenn man das Mehr an Gewicht und das etwas größere Packmaß in Kauf nimmt. Ortovox war bei uns im tapir der Vorreiter im Bereich der Schurwoll-Isolation. Swisswool funktioniert im Prinzip genau wie Daune: Lufteinschlüsse in den Wollfasern verhindern, dass Kälte durchdringt. Dazu kommen noch die temperatur- und feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften der Wolle. Und wer schon einmal eine entsprechend ausgestattete Jacke getragen hat, weiß, dass Wolljacken eine große Temperaturrange abdecken.

Im Gegensatz zu Daune ist Wolle relativ unempfindlich gegenüber Nässe. Sie kann ziemlich viel Feuchtigkeit (egal, ob von außen oder innen) aufnehmen, ohne dass der Träger das Gefühl hat, dass die Jacke „durch“ ist. Außerdem wärmt Wolle auch im feuchten Zustand. Sie ist zudem als Füllmaterial noch robuster als Daune, lädt sich nicht elektrostatisch auf und wirkt bei längerem Tragen unangenehmer Geruchsbildung entgegen.

Bevor man sich auf die Suche begibt, sollte man für sich nachfolgende Fragen klären:

  • Packmaß und Gewicht – wichtig oder nicht?
  • Temperaturbereich – die russische Kältepeitsche hat sich angesagt!
  • Midlayer oder wetterfeste Überjacke gesucht?
  • Vegane Jacke gesucht?

Mit Beantwortung der Fragen kann man sich der Isolationsfüllung zuwenden.

Kunstfasern: Für feuchte Bedingungen und schweißtreibende Aktivitäten, für Einsteiger mit geringerem Budget und immer dann, wenn 100 Gramm nicht maßgeblich ins Gewicht fallen.

Daune: Wenn es wirklich auf jedes Gramm ankommt, für extreme, trockene Kälte und Produkte mit einer langen Lebenserwartung bzw. Nutzungsdauer.

Wolle: Natürliche Alternative zu Kunstfaser-Produkten. Sie bietet ein tolles Trageklima überall dort, wo es nicht auf Minimalgewicht ankommt. Wolle ist nachwachsend und biologisch abbaubar.

Mangels pflanzlicher Alternativen werden Veganer unter uns ihre Jackenauswahl auf Kunstfasermodelle beschränken müssen.

Dann gibt es noch Hybrid-Konstruktionen. Bei diesen Jacken wird Daune mit atmungsaktiven Kunstfasermaterialien für einen guten Klimaausgleich bei intensiven Aktivitäten kombiniert.

Auch wenn Daune noch immer der perfekte Wärmespender ist, kann und sollte man sich selbst fragen, ob es unbedingt eine Daunenjacke sein muss. Eine gute Daunenfüllung hält auch bei regelmäßiger Nutzung durchaus zehn Jahre und länger – gute Pflege vorausgesetzt. Das ist deutlich länger als manch (günstige) Kunstfaserisolation. Demgegenüber stehen die teils fragwürdigen Hintergründe der Tierhaltung. Die Abwägung zwischen dem angestrebten Einsatzzweck einer Daunenjacke, den zu hinterfragenden Aspekten der Daunengewinnung und den möglichen Alternativen muss letztlich jeder selbst für sich vornehmen.

Nachtrag: In den letzten Jahren taucht auch immer wieder der Begriff „recycelte Daune“ auf. Wir wissen, dass Daune bei richtiger Pflege äußerst langlebig ist. Schon unsere Großeltern haben alte Daunenbetten reinigen lassen. Die Firma Re:Down hat in Kooperation mit einem Outdoor-Hersteller ein Verfahren zum Sammeln, Reinigen und Wiederverwerten gebrauchter Daune entwickelt. Patagonia hat als einer der ersten Hersteller eine kleine Kollektion an Daunenbekleidung mit einer Füllung aus 100 Prozent recycelter Daune auf den Markt gebracht. Ihr Mix aus Gänse- und Entendaune erreicht eine Bauschkraft von 600 oder 700 cuin, die alte Daune stammt von Kissen, Bettwäsche und sonstigen Artikeln, die nicht mehr weiterverkauft werden konnten. Mountain Equipment hat nachgezogen und wir sind uns sicher, dass weitere Outdoorlabels folgen werden.

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