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Reisebericht: Auf Spurensuche in Sankt Petersburg

Sankt Petersburg: Venedig des Ostens, Zarenstadt, Weiße Nächte, Heimatstadt von Dichtern, Denkern, Musikern und Komponisten, aber eben auch von Putin … Immer, wenn ich im Vorfeld erzählt habe, dass ich Ende Mai nach St. Petersburg fliegen würde, bekamen viele leuchtende Augen. Die Stadt zieht einen in ihren Bann, ganz genau so wie sie polarisiert! Es wird, trotz der Kürze der Tour, ein längerer Bericht: Petersburg hat so viele Facetten und die Begegnungen mit den Menschen machten den Städtetrip zu einer intensiven Reise mit vielen bleibenden Erinnerungen. Die Stadt an der Newa ist, das sei schon mal vorweggenommen, definitiv (mehr als) eine Reise wert: счастливые пути!

Anscheinend hat das etwas mit dem Älterwerden zu tun: Man kehrt an Orte zurück, an denen man schon einmal in seiner Jugend war. Unweigerlich beginnt man damit, zurückzurechnen, mit spannenden Zahlenkombinationen im Ergebnis. So auch für diese Tour: Nach 33 Jahren ging es für mich Ende Mai nach Sankt Petersburg. Zurück an den Ort, der, als ich das erste Mal dort war, noch Leningrad hieß, zu einer Zeit, in der, wie unser Taxifahrer auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt korrekt feststellte, „Herr Honecker noch euer Herrscher war“ (O-Ton google/translate).

Aber Erinnerungen an meine Abschlussfahrt in der 10. Klasse waren nicht der eigentliche Grund, an die Stadt an der Newa zu fliegen. Ich hatte in den letzten Jahren mit großem Interesse verfolgt, wie die Stadt sich entwickelt. Mit eigenen Augen wollte ich sehen, was vom alten Zarenglanz erhalten geblieben ist, wie die Stadt mit ihrer Geschichte zu Zeiten des 2. Weltkrieges umgeht und ob man die alternative (Kunst-)Szene auch wirklich antreffen kann, von der immer mal wieder die Rede ist.

Große Pläne für eine der faszinierendsten Städte, die natürlich nicht alle in einer Woche umsetzbar sind. Doch dazu später mehr.

Ich wollte nach Sankt Petersburg, keine Frage. Doch schon bei der Suche nach der Unterkunft wurde mir vor Augen geführt: Ich begebe mich freiwillig (!) in eine Millionenmetropole. Und das für 6 Tage und zu Beginn der Hauptreisezeit. Puh. Wirklich?! Gottseidank traf ich irgendwann im letzten Jahr mal Gerhard und Ralf wieder. Wir kennen uns noch aus den Anfangszeiten des Uni-StuRas. Mir war noch in Erinnerung geblieben, dass Gerhard nach seinem Studium länger in Petersburg gelebt hat. Zudem gehört ihm in Leipzig mit Weit-Blicke ein kleines, ziemlich feines Reisebüro für Reisen in den Osten. Er half mir nicht nur bei der VISA-Beschaffung. Gerhard hatte auch 2 Tage vor Abflug, als ich meinen Pass bei ihm abholte, viele Insider-Tipps parat. Einen Plan, abgesehen von Eremitage und Peterhof, hatte ich bis dato nicht, hatte noch in keinen Reiseführer, weder online noch in Buchform, geschaut.

Auf der Reise nach Berlin und im Flieger begann ich mit der Auflistung  der „must“ or „nice to see“ Orte. Eremitage und Peterhof, verbunden mit einer Raketa-Fahrt auf der Newa, waren gesetzt. Auf die Liste schafften es noch die Isaaks-Kathedrale, das Alexander-Newsky-Kloster mit seinen beiden Friedhöfen und das Smolny-Kloster. Einen Tag lang wollten wir uns treiben lassen, uns dabei die alten Bahnhofsgebäude und die berühmten Kirchen der Stadt ansehen, den Menschen begegnen. Pawlowsk mit dem Zarenpalast, Puschkin mit dem Katharinenpalast oder Gatschina mit seinem Großen Palast wären bestimmt eine Vorort-Reise wert und würden das Gesamtbild zum Zarengold abrunden. Und da sollte es da auch noch eine kleine Insel in einem der Newa-Arme geben, auf der sich vor allem am Wochenende die Petersburger treffen, Sport treiben, tanzen, Musik machen oder einfach nur gemeinsam sitzen und reden. Klang spannend. Einmal angefangen, wurden die Listen immer länger: Suche nach der heutigen Kunstszene und müsste man nicht auch mal in Kronstadt oder anderen Gedenkstätten zum Großen Vaterländischen Krieg vorbei? … In der Stadt angekommen, stand ein Grobplan. Doch weil die Aussicht auf 6 Tage Menschenmassen nicht gerade motivierend wirkte, beinhaltete der Plan, noch zwei Ausflüge auf’s Land einzuschieben.

Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Am Wochenende würde ganz Petersburg den 316. Geburtstag der Stadt feiern.

Die Woche war dann, wie zu erwarten, viel zu schnell rum. Der Grobplan blieb eine grobe Orientierungshilfe, mit viel Raum zur Improvisation. Die ersten beiden Tage ließen wir uns mehr oder weniger treiben, tauchten ein in das Leben der Metropole mit ihren vielen Gesichtern. Wir fuhren mit der Metro zu besagter Erholungsinsel. Mit uns im Zug Fans von Zenit Petersburg (Väter und ihre Söhne), die auch noch an der gleichen Station (Krestovski Ostrov) die Metro verließen. Links von uns Polizeispalier und LKWs mit Containern als „Wellenbrecher“, falls es rings ums Spiel zu Vorfällen kommen sollte. Im Zug waren die Fans noch ganz friedlich, keine Stunde später wurden sie ihrem Ruf treu und über das Stadion zogen Pyrofahnen hinweg. Davon ließen wir uns nicht beirren, vom leichten Nieselregen auch nicht (schließlich sollte der Regen uns an jedem Tag mindestens einmal beehren). Auf der Insel schauten wir den älteren Damen und Herren beim Tanzen zu, beobachteten fasziniert vier Volleyballteams auf einem Hartplatz, wobei das Durchschnittsalter von zwei der Teams deutlich über meinem Alter lag. Durch Zufall kamen wir danach am Buddhistischen Tempel der Stadt vorbei. Dort sprach ein Gast aus Tibet viel über seine Religion und stand den Petersburgern Rede und Antwort. Am Sonntagabend dann noch die große Geburtstagsparty: Open-Air Festival mit vielen russischen Stars auf der Hauptbühne auf dem Schlossplatz, im Regen tanzenden oder gebannt lauschenden Menschen auf den umliegenden großen Straßen. Der absolute Höhepunkt kurz vor Mitternacht, für den dann auch der Regen für eine Stunde innehielt: Die große Feuer- und Lasershow an den hochgezogenen Newa-Brücken. Absolut beeindruckend!

Um dem Straßenlärm zu entfliehen, zog es uns ins frühere Kuokkala, heute Repino. Mit einem Bus fuhren wir an den Finnischen Meerbusen. Vorbei ging es an vielen, in den Birkenwäldern versteckten Datschen, riesigen Grundstücken, alle überwacht. Wir haben eine Weile gebraucht, das außerhalb des Dorfes liegende Wohnhaus von Repin (Landhaus „Penaten“) zu finden, keine Weghinweise, kaum Menschen. Dann auch noch Murphys Law: Haus und Hof waren geschlossen (Montag und Dienstag Ruhetag). So blieb es bei dem Strandspaziergang, einem Cocktail an der kleinen Strandbar und der Besteigung des Tschugujew-Berg oberhalb des Hauses. Seine Bilder, darunter sein berühmtestes Werk „Die Wolgatreidler“ kann man eh im Russischen Museum in Sankt Petersburg besichtigen.

Damit nicht genug, es zog es uns noch einmal aus der Stadt: Nach Schlüsselburg. Die gleichnamige Feste liegt am Ladogasee, dem größten Süßwasserreservoir Europas. Unterhalb der Burginsel verlässt die Newa den See und von dort aus wurde zu Zeiten der Blockade im  2. Weltkrieg die Stadt mit allem Notwendigen versorgt. Man kommt entweder mit einem Bus (nach Schlüsselburg) oder mit der Elektritschka (Vorortzug nach Petrokrepost) und dann jeweils mit dem Boot zur alten Festung. Obwohl auch die Schlüsselburg zum Weltkulturerbe zählt, fuhren mit uns gerade einmal 3 Leute zur Insel Orechowy hinüber. Dabei hat die Insel eine ziemlich spannende und wechselvolle Geschichte hinter sich. Außerdem habe ich die Ruhe genossen und bestimmt eine Stunde den Möwen am See hinterhergeschaut.

Der vorletzten Tag, das war schon im Vorfeld klar, würde lang und, wenn wir den Zeitplan durchziehen, auch ziemlich anstrengend werden: Gleich früh ging es mit dem Bus raus aus der Stadt zum Peterhof. Nach seinem Sieg über die Schweden hatte Peter der Große 1704 beschlossen, sein russisches Versailles zu bauen. 1723 wurde die Zarenresidenz feierlich eingeweiht. Obwohl mitten in der Woche, war der Park schon ziemlich voll. Touristen wurden gefühlt minütlich busweise vor den Toren abgesetzt. Wir starteten relaxt im oberen Garten, fanden dann eine nicht zu lange Schlange, um an Tickets für den unteren Garten mit seinen berühmten Kaskaden und Fontänen zu kommen. Angesichts der Menschenmassen verzichteten wir auf das große Schloss (inklusive einer mehrstündige Wartezeit), blieben im Park und fuhren am späten Mittag vom unteren Garten aus mit einer Raketa zurück nach Petersburg. Die Fahrt, naja, wir bekamen nicht viel mit: regennasse Scheiben, grauer Himmel und der permanente Versuch, uns Souvenirs zu verkaufen, wie bei einem Shopping-Kanal. Schade! Das Tragflächenboot hielt direkt an der Eremitage. Mittwochs hat der Gebäudekomplex bis 21 Uhr geöffnet. Unsere Hoffnung, dass dies die Menschenmassen in den Gebäuden etwas entzerren würde, erfüllte sich nur bedingt.

Wir fanden wieder eine schöne, nicht zu lange Schlange, konnten nach einer kurzen Diskussion, Augenklimpern und beharrlichem Stehenbleiben sogar einen Daypack in der überfüllten Garderobe abgeben (man darf nur mit kleiner Tasche in die Ausstellungen). Dann rein in die Massen und los. Okay, los ging es mit vielen Treppen, Menschen, die unvermittelt stehen blieben und mit Orientierungsproblemen. Wir hatten uns gegen einen Guide entschieden und uns im Vorfeld auf bestimmte Teile der Ausstellung geeinigt. Die jeweiligen Räume mussten erst einmal bei all dem Treppauf und Treppab gefunden werden … Nach drei Stunden war ich nicht nur pflastermüde, sondern auch mein Kopf wollte nicht mehr. Ich hatte total vergessen, wer alles mit welchen bekannten Werken einfach so dort an den Wänden hängt. Muss ich unbedingt noch einmal mit noch mehr Zeit hin!

Außerdem wartete auch noch ein anderer, ausgelagerter Teil der Eremitage-Kunstwerke auf uns, ich wollte unbedingt zu den Impressionisten. Dazu muss man den miteinander verbundenen, altehrwürdigen Palast-Komplex verlassen, über den Schlossplatz gehen (frische Luft – tief einatmen!) und die Straßenseite wechseln. Seit vergangenem Jahr ist ein Teil der Ausstellung in das General Staff Building gegenüber des Winterpalastes umgezogen. Und was soll ich sagen: Der Besuch dieses Museums war, kulturell gesehen, mein absoluter Höhepunkt. Nicht nur das von außen extrem imposante Gebäude, nein, auch sein umgebautes Innenleben sind mehr als einen Blick wert. Und dann ist da ja auch noch die ständige Ausstellung der Impressionisten. Weiterer Pluspunkt: In den Räumen waren keine großen Gruppen anzutreffen, die Garderobe war fast leer (warum haben wir uns eigentlich in dem anderen Gebäude angestellt?). Anscheinend gehören die Impressionisten nicht zum Standard-Reiseprogramm …

Die Isaaks-Kathedrale mit dem berühmten Blick über die Dächer der Stadt hatten wir uns für den letzten Tag aufgehoben in der Hoffnung, dass die Sonne nach 5 Tagen Regenschauern ein Einsehen haben würde. Der Plan ging auf! Mit einem langen Stadtbummel an den Kanälen endete unser Trip in eine der faszinierendsten Städte der Welt.

Ist man im Zentrum der Stadt unterwegs, stolpert man über so viel Geschichte, dass es schwer fällt, dabei nicht den Überblick zu verlieren. Dabei ist die Stadt an der Newa gerade mal 316 Jahre alt. Also gemessen an der Menschheitsgeschichte gerade mal in der Pubertät. 1703 wurde Petersburg von Peter dem Großen auf ziemlich sumpfigem Gelände errichtet und nach ihm benannt. Von 1914 bis 1924 hieß die Stadt Petrograd, dann bis 1991 Leningrad, bevor sie wieder den Namen Sankt Petersburg (oder Piter, wie die Einheimischen sie nennen) zurückbekam. Warum nur die Stadt selbst, nach der Volksabstimmung (knappe Mehrheit), und nicht auch der Landkreis umbenannt worden ist (Oblast Leningrad), konnte uns keiner so richtig schlüssig erklären.

Ging es Peter dem Großen zunächst nur darum, mit der St. Peter-und-Pauls-Festung ein Bollwerk gegen die Schweden zu errichten, deren Stützpunkt Nyenschanz die russische Armee während des Großen Nordischen Krieges 1703 vollständig zerstörte, begann er 1706 mit dem massiven Aufbau der Stadt und des Hafens. Petersburg wurde, mit kurzen Unterbrechungen und gegen den anfänglichen Widerstand der russischen Adligen, bis 1918 Hauptstadt des Russischen Zarenreiches. Anna Iwanowna veränderte das Stadtbild so, wie wir es heute noch kennen und während der Herrschaft von Elisabeth und Katharina der Großen öffnete sich das Zarenreich wieder mehr in Richtung Europa, Architekten und Künstler kamen in die Stadt an der Newa, sodass in dieser Zeit die meisten Prunkbauten und Paläste entstanden. Zudem wurden in der Blütezeit der Stadt Höhere Schulen, Akademien, Theater und Manufakturen gegründet, die den Ruf der Stadt teilweise noch bis heute prägen.

Heute ist Sankt Petersburg die zweitgrößte Stadt Russlands (hinter Moskau). Neben all den historischen Kostbarkeiten und ihren 342 Brücken beherbergt sie seit 2018 Europas höchstes Gebäude: das Lahkta Center (426 m). Die historische Innenstadt mit ihren mehr als 2.000 Palästen, Schlössern und anderen Prunkbauten gehört seit 1991 zum UNESCO Weltkulturerbe (Historic Centre of Saint Petersburg and Related Groups of Monuments). So viel historisch wertvolle Plätze auf engstem Raum gibt es wohl sonst nur noch in Venedig.

Zur neueren Geschichte der Stadt gehört auch, dass sie zu den „Vorzeigeprojekten“ Putins gehört. Die Schere – wobei man schon eher von einem Spagat reden könnte – zwischen dem neuen, modernen Leben inklusive der mit viel Liebe wiederhergestellten Fassaden und  dem Leben wie im „alten Russland“, das für viele der weniger Begüterten heute noch immer Alltag ist, wird in Petersburg abseits der touristischen Highlights schnell sichtbar.

In Onlineportalen kann man immer wieder nachlesen, dass Einheimische zu Touristen eher unfreundlich sind, stur und überhaupt nicht hilfsbereit. Das kann ich so nicht bestätigen, was vielleicht auch daran liegt, dass mein noch rudimentär vorhandenes Russisch uns immer weitergeholfen hat. Selbst die Garderobenfrau in der Eremitage, die mich mit einem „Смотри, девушка“ viel Sprachpalaver und strengem Blick wegschicken wollte, wurde zugänglich. Am Ende haben wir gemeinsam noch ein kleines Fleckchen für unseren Rucksack gefunden und diesen nach einem langen Tag auch mit einem freundlichen Lächeln wieder zurückbekommen. Ich kann mir vorstellen, wie es ist, ohne Sprachkenntnisse unterwegs zu sein und nicht zu verstehen, warum dieses oder jenes einfach nicht funktionieren will/soll. Mit der Kombination aus etwas Russisch als Opener, dem Leseverständnis für kyrillische Buchstaben und dem Allheilmittel Zettel und Stift oder einem Smartphone mit google translate kommt man gut voran. Und wenn alles nicht mehr funktioniert, gibt es ja auch noch Hände und Füße und ein Lächeln dazu.

Da wir uns nur 6 Tage Zeit genommen hatten, sind wir ab Berlin Schönefeld geflogen. Ein im Vorfeld gebuchtes Taxi hat uns zu unserem Hotel gebracht. Letzteres wäre nicht notwendig gewesen: Zum einen gibt es ein Taxiterminal auf dem Weg zwischen Zoll und Ausgang, zum anderen fährt ein Schnellbus zur Metrostation Moskovskaja. Von dort geht es dann über das Metronetz oder mit anderen Bussen weiter. Das Taxi kostet, je nach Ziel, ab dem Flughafen in die Stadt 20 Euro und mehr. Auf dem Rückweg waren wir mit der Metro und dem Schnellbus unterwegs – für ca. 3 Euro. Es hat nicht wirklich viel länger gedauert.

In der Stadt selber sind wir so ziemlich alles mit der Metro gefahren. Nicht nur, weil die Stationen traumhaft und alle anders gestaltet sind, sondern auch weil das Metrosystem ziemlich gut ausgebaut ist und es, bei den oftmals ziemlich verstopften Straßen, der schnellste Weg durch die Stadt ist. Viele Vorort-Busse fahren etwas außerhalb vom Zentrum los – es ist immer eine Metrostation in der Nähe.

Busse, Taxis, Straßenbahn und Marschrutkas fangen den städtischen Nahverkehr ab, ohne Russisch-Kenntnisse (zumindest die Schriftzeichen) kann es bei der Orientierung da auch schon mal schwieriger werden. In der Innenstadt sind viele Straßenschilder auch in Englisch, das gilt aber nicht für die Ausschilderung in Bus und Bahn. Wir haben immer wieder erlebt, dass Einheimische, um zu helfen, auf google translate mit Sprachausgabe zurückgegriffen haben, um sich mit Touristen zu verständigen.

Soll es in die Vororte oder die Umgebung gehen, dann hat Petersburg gleich fünf Bahnhöfe – man sollte sich also genau erkundigen, von welchem Bahnhof der Zug startet. Die Bahnhofsgebäude selbst sind auch heute noch grandiose Bauwerke. Leider fehlt (anscheinend) das Geld, sie zu restaurieren. Die Fahrpläne sind auf Russisch, auf dem Moskauer Bahnhof gibt es die digitalen Fahrplanaushänge dreisprachig: Russisch, Englisch und Chinesisch. Am Finnischen Bahnhof beginnt oder endet der Transitverkehr von und nach Helsinki.

Einen Urlaub in Sankt Petersburg gibt es sicherlich auch für ein kleines Budget, aber die Eintrittspreise in die Museen und noch mehr in Kulturveranstaltungen haben teils europäisches Spitzenniveau. Dafür kann man an den touristischen Hotspots auch mit Karte bezahlen. Die Kosten für Lebensmittel und den Transport sind dagegen ziemlich überschaubar.

Essen waren wir, für Petersburger Verhältnisse relativ preiswert, häufig in einer Art Kantine: Столовая № 1. Wir hatten eine Kantine direkt bei uns um die Ecke, nach zwei Tagen kannten sie uns und unsere Vorlieben schon. 12 Kantinen gibt es wohl verteilt über die Stadt, das Essen hat mich sehr an Mensa-Essen erinnert. Natürlich waren wir auch im Теремок, Blinis und Pfannkuchen essen. Frisch zubereitet und lecker! Der absolute Renner ist Streetfood (ja, Petersburg ist eine moderne Metropole) und das Mixen kulinarischer Richtungen. Sushi und Pizza als Fastfood – kein Problem; georgische und französische Küche – verträgt sich gut. Diese Liste lässt sich weiter fortsetzen. Spannend, doch für diese Restaurants muss man dann tiefer in die Tasche greifen.

– Informationen und Fahrpläne zur Metro
Reiseinfos: Verkehr in St. Petersburg
– Wer Russisch kann, findet auch hier alle Infos zum Verkehr
Infos zu den Schnellbooten auf der Newa (auf Deutsch)
Weltweite Infos – Die weltweite Transport-Seite ist nicht immer 100 % aktuell, aber gut, um sich zu orientieren – wir haben einige Vorstadt-Züge dort gefunden und konnten dann am Bahnhof gezielt nachfragen

Visa: Ein leidiges Thema, es gilt einiges zu beachten, wenn man nach Russland einreisen will. Wer mit dem Schiff über die Ostsee ankommt, kann sich 72 h ohne Russland-Visum in der Stadt aufhalten, wenn man an den Programmen, die von den Kreuzfahrtunternehmen angeboten werden, teilnimmt und auf dem Schiff übernachtet. Alle anderen sollten rechtzeitig ein Visum beantragen. Die Preise schwanken zwischen 90 und 180 Euro (Express-Variante), das kann man online machen (über eine Agentur) oder über eine Agentur vor Ort. Zum Antrag gehört neben einer Auslandskrankenversicherung auch eine Rückkehrbescheinigung, und da liegt unter Umständen die Crux im Detail. Wer sich über den ganzen Aufwand aufregt, sollte sich vor Augen führen, dass wir mit einem deutschen Pass in der Regel ziemlich privilegiert sind. Und wie schwer es für Nichteuropäer ist, ein entsprechendes Visum für Deutschland oder den Schengenraum zu bekommen. Die Anforderungen für ein russisches Visum sind ein Spiegelbild für ein deutsches Visum, wenn russische Staatsbürger es beantragen.

Geld: Gibt es sowohl mit der EC-Karte als auch der Kreditkarte an den vielen Automaten in der Innenstadt. Wir haben uns am Flughafen am Automaten Geld geholt, hatten für den Notfall noch Dollar und Euro im Gepäck, um Bargeld tauschen zu können.

Reisezeit: Wenn man kältetauglich oder menschenmassenresistent ist, dann ist Sankt Petersburg ganzjährig eine Reise wert. Klar, der Juni mit den Weißen Nächten läutet die Hauptreisezeit ein, die über den ganze Sommer weitergeht. Entsprechend voll ist es in der Stadt. Ich ziehe Kälte Temperaturen über 30 °C vor, ich könnte mir auch gut vorstellen, dass mich meine nächste Petersburg-Reise im Winter an die Newa führt. Die Stadt im Winterweiß, die Ruhe, die das alles ausstrahlt, zeigt Petersburg in einem ganz anderen Licht. Man sollte dann nur an die entsprechende Wintersachen denken.

Sicherheit: Ich habe mich immer sicher gefühlt, sowohl, was das Hotel anging, als auch auf den Straßen der Stadt. Ja, 2017 hat es einen schweren Bombenanschlag in der Petersburger Metro gegeben. Das will keiner wieder erleben. Dementsprechend groß ist die Überwachung (Video und Sicherheitskräfte) in der Metro. An vielen öffentlichen Gebäuden gibt es am Eingang Scanner und Männer, die einen Blick vor allem in größere Rucksäcke werfen. Auch auf den Straßen ist die Polizei präsent. Die angetrunkenen Zenit-Fans, die nachts beim Open-Air aufgetaucht sind, haben den Anweisungen der Polizei ohne offensichtliches Murren Folge geleistet. Auch alle anderen reagierten sofort auf Ansagen, diese Art der Polizeipräsenz muss man in Kauf nehmen, wenn man in der Stadt unterwegs ist.

Für unsere Suche haben wir auf die einschlägigen Portale zurückgegriffen. Dort gibt es für jeden Geldbeutel etwas. Einzig die Bezeichnung „Hotel“ verwirrt bei der Suche vor allem im Low-Budget-Bereich. Hinter einigen Hotels verbergen sich umgebaute Wohnungen, was trotzdem ruhige Nächte und ein leckeres Frühstück beinhalten kann. Ich habe mich bei meiner Suche, mit der ich viel zu spät begonnen hatte, an der Lage zu einer Metrostation orientiert. Zufall: Von unserem Hotel aus waren in 10 Minuten fußläufig gleich drei Linien erreichbar. Außerdem, wenn ich schon mal da bin, wollte ich auf’s Wasser schauen. Auch das hat funktioniert, hatte allerdings seinen Preis. Wer kein Russisch kann, sollte vorher mal versuchen, auf Englisch Kontakt aufzunehmen. Englisch wird, trotzdem es als Sprachmöglichkeit angekreuzt ist, nicht überall gesprochen, doch auch hier können, wenn einem ansonsten die Herberge gefällt, Übersetzungsprogramme weiterhelfen. 🙂

Vollkommen unerwartet traf uns der Anblick des Buddhistischen Tempels (Gunsetschoinei-Dazan), der quasi im Nebel zwischen den Hochhäusern wie eine Fata Morgana auf mich wirkte. Wir hatten das Glück, dass ein Vertreter der Gelug-Schule den Petersburgern die Ideen und Lehren in einem offenen Dialog näher brachte. Die Anlage selbst ist mitten in der Großstadt ein echter Ruheraum.

Der Zentrale Park für Kultur und Erholung auf der Jelagin-Insel: Man kann in den Park- und Sportanlagen den Petersburgern vor allem am Wochenende ziemlich nahe kommen, wenn man ein wenig Russisch spricht. Dazu kommt an den Wochenenden die improvisierte Tanzfläche vor dem Ausstellungsgebäude mit Live-Musik vom Militärorchester. Gerade im Frühjahr schwelgt der Park in Farben: Ich wusste gar nicht, wie viele Tulpenarten es gibt. Eine absolute Oase, in der man sich bewegen oder einfach nur entspannen kann.

Die Eremitage mit ihrer Ausstellung im Generalstabsgebäude: Während sich viele Reisegruppen auf die konventionellen Sammlungen der Eremitage inklusive Schatzkammer konzentrieren, findet sich gegenüber vom Winterpalais in moderner Arcitektur in einem alten Gebäudekomplex der modernere Teil der Sammlung. Man hat Zeit und Muse, sich die Werke von Picasso, Monet, Miro, Renoire und anderen Meistern ihrer Zeit anzusehen. Wenn dieser Komplex erst einmal komplett fertig gestaltet ist, ist er für alle, die sich für Architektur genauso interessieren wie für die Malerei der Impressionisten, ein absolutes Muss.

Die Bahnhöfe der Stadt: Mich faszinieren Bahnhöfe schon immer, inklusive der Menschen, die man dort trifft. Jeder Bahnhof sieht anders aus. Leider wirken sie oft etwas düster, weil (wahrscheinlich) an Strom gespart wird, sodass man gar nicht alles erkennen kann. Mit viel Zeit, und wahrscheinlich braucht es dann auch eine Erlaubnis, würde ich sie gern fotografieren.

Die temporäre Bilderausstellung auf dem Hof der Peter-und-Paul-Festung. Man hört oder liest immer, wie schwer es Menschen mit Handicap in Russland haben, wie wenig Unterstützung sie bekommen. Umso beeindruckender die großen Bildwände der Elternstiftung mit den lebensfrohen Bildern und Geschichten.

Die Menschen der Stadt und das Leben am Fluss: Ich lasse mich gern treiben, sitze mit einem Kaffee in der Hand und beobachte meine Umgebung. Manchmal nervt der Lärm der übervollen Straßen ein wenig, habe ich den jedoch erst einmal ausgeblendet, kann ich mich stundenlang umschauen oder versuchen, mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen.

wwwo beginnen?

– Sicherlich mit die schönste Reisezeit, aber auch dementsprechend gut besucht: Die weißen Nächte in Sankt Petersburg
Kulturkalender für Sankt Petersburg
– Für viele der historischen Kulturgüter gibt es mittlerweile englischsprachige Informationsseiten (oder sie sind im Aufbau begriffen, sodass es ein Sprachkauderwelsch aus Russisch und Englisch gibt). Auf diesen Seiten gibt es auch viele Informationen zum Karten(vor)verkauf für die Museen, doch Vorsicht: Nicht immer funktioniert das mit den Online-Tickets reibungsfrei. Da gibt es noch Entwicklungspotential: Peterhof / Eremitage / Schlüsselburg

– Spannende Ziele außerhalb von Sankt Petersburg
– Ein spannender Artikel in der Welt zur Eremitage, was einen so vor Ort erwartet:

– Wir wären gern mitgefahren, aber das war erst ab Juni möglich – Kanutouren durch die Stadt
Aktuelles aus Russland, nicht nur zu Petersburg
Aktuelles aus Petersburg (in Deutsch)
– Und last but not least – hier ein paar argumentative Anregungen für alle, die den Hype um die Stadt übertrieben finden

Bücher

– Reiseführer St. Petersburg (Trescher-Verlag): Hätte ich gerne mitgenommen, erscheint aber erst im Oktober 2019
– Stadtplan von St. Petersburg

Filme:

– Russian Ark: Eine einmalige Zeitreise durch die Eremitage, gedreht mit nur einer einzigen Einstellung (2002)
– Eremitage – Palast der Katzen: Eine Geo-Reportage über das Zusammenleben von Wachpersonal und ihren Katzen in den Katakomben der Eremitage (2005)

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