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Testbericht: Alpenüberquerung mit dem 900 g leichten Trekkingrucksack Naukan 60 von Montane

Testbericht: Alpenüberquerung mit dem 900 g leichten Trekkingrucksack Naukan 60 von Montane

Johanna vom tapir-Testteam hatte hohe Ansprüche an ihren Tourenrucksack: Leicht sollte er sein, gut einstellbar und mit einem großen Volumen ausgestattet, damit auch die extra Tafel Schockolade noch mit rein passt. Für ihre 400 km lange Alpenwanderung hat sie sich daher für den Naukan 60 der Leichtgewichtsfirma Montane entschieden. Sie war von ihrem neuen Begleiter in vielerlei Hinsicht überrascht. Warum genau, das lest ihr hier im Testbericht!

Wer ultraleicht unterwegs sein möchte, macht in der Regel schnell Abstriche bei all den kleinen Extras, die das Outdoor-Abenteuer ein bisschen gemütlicher, einfacher und komfortabler machen. Neben möglichen Ultralight-Anschaffungen lernt man allem voran, sich beim Packen zu beherrschen. Aber wo kann all das Unverzichtbare Platz finden? Und wie bekommt man es ultraleicht und doch möglichst komfortabel über Wald, Wiesen und Berge getragen? – Vielleicht mit dem Naukan 60 von Montane.

Seit Jahren entwickele ich mich immer mehr zu einem „Ultralight-Nerd“. Trotzdem habe ich mich bisher beharrlich geweigert, meinen Abisko 65 von Fjäll Räven in Frage zu stellen. Dafür trägt er sich einfach zu gut und beim Packen und Tragen sind wir nach zahlreichen Touren ein eingespieltes Team. Doch dann stand ich vor Montanes Leichtgewichtsrucksack Naukan 60. Er wiegt sagenhafte 900 g, das sind immerhin 1300 g weniger als mein jetziger 65-Liter-Trekkingrucksack. Auf den ersten Blick fragte ich mich, ob der Naukan erstens wirklich 60 Liter beherbergen kann und zweitens nicht unter der Last von 10 kg oder mehr einfach auseinander fällt. Laut Montanes Beschreibung kann er mehr als das Fünfzehnfache seines eigenen Gewichts tragen, die maximale Beladung liegt damit bei knapp 15 kg. Mehr möchte ich bei einer Trekkingtour eigentlich auch gar nicht durch die Natur schleppen.

Was mir dann sofort ins Auge stach, war, dass man das ZephyrAD-Tragesystem für die jeweilige Rückenlänge anpassen kann, und dass die offene Rückenpolsterung mit CONTACT Mesh erstaunlich bequem und durchdacht ausschaute. Die Aluminiumstreben am Rücken sorgen für zusätzliche Stabilität. Das überrascht mich jetzt. Die meisten >45-Liter-Rucksäcke im Ultralight-Bereich haben oft nur eine dünne Plastikplatte zwischen Rucksack und Rücken, was das Tragen für mich ungemütlich macht, und sie verzichten auf eine bequeme Rückenpolsterung. Belüftung wird, wenn überhaupt, nur angedeutet. Außerdem muss man sich oft schon beim Kauf zwischen den verschiedenen Größen des Rucksacks und der Hüftgurte entscheiden, die oft nur bedingt anpassbar sind. Liegt man dann irgendwo zwischen den vorgeschriebenen Einstellungen, hat man Pech gehabt. Nicht so beim Naukan 60!
Meine Neugier war geweckt und so belud ich den Rucksack noch im tapir mit 15 kg und stellte die Rückenlänge auf mich ein. Das ging schnell und intuitiv über den Kletterverschluss am Rückenteil. Laut Hersteller deckt das Rückensystem eine Rückenlänge von 38 cm-53 cm ab. Ich finde meine passende Größe an der S-Linie (ich bin 1,72 m groß). Es gibt bei mir noch 11 cm Längengewinn bis zur Maximalgröße, genug Spielraum also für die Größergewachsenen. Der Hüftgurt kann einen Umfang von ca. 80 – 120 cm abdecken. Die restlichen Gurte haben genug Länge, um für jeden Träger eine passende Einstellung zu finden. Jetzt wollte ich es wissen: Wie kompatibel ist der Naukan 60 mit meinem doch recht anspruchsvollen Rücken? Es machte „Klick!“ und ich so nahm ich ihn mit nach Hause.

Ob sich der Naukan 60 auf Dauer wirklich so gut auf dem Rücken anfühlt wie noch im Laden, wird sich nur anhand einer größeren Tour zeigen. Und ich habe Glück, denn es ist eine in Planung: 400 km soll es über die Alpen gehen, in ca. 26 Etappen und mit 60.000 addierten Höhenmetern. Da ich die Nächte statt in meinem Zelt in Hütten verbringen möchte, fällt natürlich schon viel Material weg. 60 Liter sind damit eigentlich zu groß – aber könnte der Naukan so viel beherbergen, wenn er müsste?

Ich traue ihm die 60 Liter zwar schon zu, weil zu dem doch relativ breiten und tiefen Toploader-Hauptfach noch zwei große, dehnbare Taschen außen sitzen, aber trotzdem bleibe ich skeptisch. Der Naukan 60 wirkt deutlich kleiner im Vergleich mit meinem 65-Liter-Rucksack (siehe Bild). Zusätzlich hat er noch ein Deckelfach, zwei Seitentaschen und zwei aufgesetzte Vordertaschen.

In das Hauptfach würde ca. 50 Liter passen, wenn man dann noch in der Lage wäre, den Rucksack zu schließen. Wenn man ihn bis oben hin vollstopft und jeden Raum im Hauptfach nutzt, kann man den Naukan 60 leider nicht mehr über die Steckschließen schließen, dafür sind die Riemen zu kurz. Je mehr man den Platz dort ausnutzt, desto stärker verringert sich auch die Beladungsmöglichkeiten der zwei vorderen Taschen, da die Steckschließen für das Hauptfach quer über sie verlaufen (online sind die Riemen anders dargestellt). Demnach kann man nach meinem Empfinden im Hauptfach ca. 40 – 45 Liter verstauen. Es besitzt außerdem einen Ausgang sowie eine Einhängemöglichkeit für Trinkwassersysteme. Ansonsten werdet ihr keinen zusätzlichen Schnickschnack finden.

Die zwei Taschen vorn haben ein Volumen von ca. 5 – 7 Liter. Sie sind damit überraschend geräumig und dehnbar. Leider gibt es keine Möglichkeit, sie zu verschließen und der obere Rand besitzt keinen Gummi, sodass potentiell alles nicht fest Verstaute aus der Tasche herausfallen könnte (z. B. beim Vornüberbeugen). Man kann die Taschen über einen Zug komprimieren und so enger stellen, aber ich würde nichts Loses in diesen Fächern verstauen wollen. Regenjacke und ein warmer Pulli sollten ihren Platz dort jedoch gut und sicher finden. Zwischen diesen beiden länglichen Taschen gibt es die Möglichkeit, Wanderstöcke zu befestigen.

Der Naukan 60 hat noch zwei schräg angesetzte Seitentaschen, die am Rand einen Gummi eingebunden haben, sodass die Taschen im Vergleich eher schließen. Durch den schrägen Zugang eignen sie sich perfekt für eine Wasserflasche oder einen schnell greifbaren Schokoriegel. Die Deckeltasche des Naukan 60 wird über einen mittigen Reißverschluss geöffnet. Hier finden entspannt große und kleine Dinge Platz (ca. 3 – 4 Liter Fassungsvermögen).

Alles in allem kann der Naukan seinen ausgewiesenen 60 Litern also gerecht werden. Als typischer Toploader bietet der Rucksack keine andere Möglichkeit, an das Hauptfach zu kommen, als durch den oberen Haupteingriff – man muss also clever packen können. Bis auf die erwähnten Taschen gibt keine vorgesehenen Möglichkeiten, Ausrüstungsteile außen zu befestigen. Da ich auf der Tour hoffentlich nicht in die Verlegenheit kommen werde, die kompletten 60 Liter zu nutzen, interessieren mich die vier Kompressionsriemen besonders. Zwei davon sitzen im unteren Teil des Rucksacks und sind V-förmig angebracht. Mit ihnen lassen sich die Außentaschen und der vordere, untere Teil des Rucksacks gut komprimieren. Zwei weiter oben angebrachte Längsriemen ziehen die äußeren Taschen zusammen und verkleinern somit den oberen Teil des Rucksacks. Während ich den Naukan 60 packe und mich auf die Tour vorbereite, fällt mir immer wieder auf, wie wenig er wiegt und wie leicht und flüssig das Material ist.

Über die Belastungstauglichkeit der im Naukan 60 verbauten Materialien (RAPTOR Diamond 70 Denier, HALO 200 Denier Auskleidung, Ripstop-Gewebe) mache ich mir nur wenige Gedanken – und mein Vertrauen zahlt sich aus. Gleich am dritten Tag meiner Bergtour rolle ich ungewollt spitze Steine herunter. Haut, Hose und Rucksack tragen alle gleichermaßen Schnitte von meinem Sturz davon. Die Haut heilt, Hose wird genäht und der kleine Schnitt im Rucksack bleibt gleich groß während der gesamten restlichen Zeit – Ripstop-Gewebe sei Dank. Das dünne Material lässt mich abwägen, wo, wie und ob ich den Naukan 60 abstelle oder wo ich mich wie durchquetsche. Aber was muss, das muss und auch während meines „auf-dem-Hosenboden-Geröllfeld-Abstiegs“ blieb der Unterboden kratzerfrei und ganz (die Hose wiederum nicht). Ebenfalls positiv überrascht hat mich das schnelltrocknende Material. Im Lieferumfang ist keine Regenhülle vorgesehen und wenn man einen anderen Weg findet, das Innenleben zu schützen ist sie auch wirklich nicht nötig. Wenn alles auf der Tour so schnell getrocknet wäre wie der Rucksack, hätte mir der Regen keinen Kummer bereitet.

Bei der Vernähung der Gurte war ich zugegebenermaßen etwas skeptisch (ich traute mich kaum, den vollen schweren Rucksack am Haltegriff zu tragen). Die Vernähung der Hüft- und Schultergurte schaut nach einer einfachen Vernähung des Material aus. Die Riemen sind sehr dünn und schmal, was der Gewichtsoptimierung geschuldet ist. Ich zog aber trotzdem ordentlich an ihnen und nach 4 Wochen Dauereinsatz hat alles immer noch tiptop gehalten. Eine Naht für die obere Halterung der Wanderstöcke, die ich so gut wie nie benutzt hatte, begann sich dennoch zu lösen. Ich frage mich, ob das unter die lebenslange Garantie von Montane fällt, die der Hersteller auf Materialverarbeitung außerhalb normaler Abnutzungserscheinungen geben (solange man sein Produkt online registriert)?

Die Wanderstockhalterung des Naukan 60 hat sich als Minuspunkt erwiesen. Immer, wenn die Wanderstöcke am Rucksack befestigt waren, bin ich ständig irgendwo hängen geblieben, habe Leuten fast das Auge ausgestochen oder konnte in schwierigen Passagen nicht unbedacht absteigen, da mich die Stöcke oben wie unten Fahnen-mässig in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt hatten bzw. sich selbst zu viel bewegten. Dies war besonders dann der Fall, wenn der Rucksack sein volles Volumen ausgenutzt hat. Dann wird er nämlich „kugelig“ und gibt den Stöcken viel Platz, sich „frei“ zu bewegen und überzustehen. Eine klassische Verstauung an der Seite würde ich hier bevorzugen.

Ansonsten waren der Naukan und ich nach kurzer Zeit beim Packen ein eingespieltes Team; dass es keinen weiteren Zugang zum Hauptfach gibt, störte mich nicht (hätte auch wieder mehr Gewicht mit sich gebracht). Und der Zugang ist groß genug, um komfortabel alles Material einzupacken und ordentlich zu wühlen. Lediglich das kleine Fach an der Seite erwies sich für meine Trinkflasche als ungeeignet. Da die Tasche nicht sonderlich tief ist, lief die Flasche immer wieder Gefahr herauszufallen und tat dies auch mehrmals, aber ein kleiner Karabiner verhinderte das Schlimmste. Wer ein Trinksystem hat, dem empfehle ich, den Schlauch über Schlaufen an den Schultern zu fixieren. Ansonsten hat man beim Tragen einen guten Zugriff auf die Seitentaschen. Die aufgesetzten Taschen vorn nutzte ich während der Tour eher selten, dennoch verstaute ich hier oder da den Pulli oder die Regenjacke. Wenn man die Taschen über die Kompressionsriemen zuzieht, fällt nichts herraus und bei Bedarf ist der Inhalt schnell griffbereit. Mehr Taschen wünschte ich mir nicht, aber auch auf keinen Fall weniger. Ist wohl alles eine Frage der Gewöhnung.

Auf eine Sache sollte man beim Packen allerdings achten: Der Löwenanteil seines Platzes gewinnt der Naukan 60 im unteren Teil dadurch, dass er sich erstaunlich weit nach vorn und in die Seiten ausdehnen kann. Dadurch kam mir das Gewicht manchmal unschön verteilt vor (gefühlt etwas unter dem Hüftgurt), aber durch den Einsatz der Kompressionsriemen und noch clevereres Packen hat sich das sehr schnell geregelt.

Ansonsten war der Naukan 60 sehr komfortabel. Die Neugier zu wissen, wie er sich der mit mehr Gewicht anfühlt, lässt mich immer wieder mehr Proviant mitnehmen als ich müsste. Aber kein Problem, weder für den Naukan 60 noch für meinen Rücken. Hüft- wie Schultergurte sitzen dort, wo sie hingehören. Sie schneiden und drücken bei richtigem Einstellen nicht und platzieren den Rucksack so am Rücken, das alles passt und nichts wackelt oder drückt. Ich hatte jederzeit das Gefühl maximaler Bewegungsfreiheit und fühle mich auch beim Balancieren in schwierigem Terrain sicher und im Gleichgewicht. Die Rückenpolsterung fühlte sich immer gut am Rücken an, und obwohl die Gurte sehr spartanisch aussehen, konnten sie die Last immer so aufnehmen, dass ich mich als am Komfort orientierter Trekker, der zugleich leicht unterwegs sein will, immer wohlgefühlt habe. Der Brustgurt ist in der Höhe individuell einstellbar, was ich ebenfalls sehr praktisch fand.

Zu Hause wieder angekommen, freue ich mich, den Naukan 60 mitgenommen zu haben. Seine großen Vorteile sind

+ das extrem geringe Gewicht (nur 900 g!!)

+ der hohe Komfort und die Einstellungsmöglichkeiten des Tragesystems

+ die Möglichkeit, den Rucksack trotz geringen Gewichts auf fast jeden Träger einzustellen

+ die hohe Materialbeständigkeit, die mich positiv überrascht hat; trotzdem sollte man sich umsichtig mit ihm bewegen

 

Dennoch würde ich mir wünschen das,

– die Anbringung der Wanderstöcke seitlich möglich wäre

– es eine Möglichkeiten gäbe, Ausrüstung zusätzlich draußen anzubringen

 

Mit 199,95 € liegt der Naukan 60 im Mittelfeld zu seinen Konkurrenten, die teilweise noch spartanischer aber nicht unbedingt leichter ausgestattet sind oder mehr „Schnickschnack“ haben. Sie sind aber für mich nicht komfortabel genug, um sie über weite Strecken zu tragen. Montane hat mich mit der Beständigkeit und der Bequemlichkeit des Rucksacks positiv überrascht und auch meine anfängliche Skepsis über seine Kapazitäten schwand im Laufe der Tour dahin. Für ein kleines Zelt und Co. würde ich bei Bedarf genug Platz finden und kann es kaum erwarten, alles mit auf eine Tour zu nehmen.

Naukan 60

Naukan 60

Superleichter, geräumiger Tourenrucksack.

zum tapir-store

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