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Teaserbild: Testbericht: Laue Sommernächte unsicher machen mit dem Lunar I von Mountain Equipment

Testbericht: Laue Sommernächte unsicher machen mit dem Lunar I von Mountain Equipment

Obacht, ihr Bergsportler und Festivalgänger: Mountain Equipment hat einen neuen Kunstfaserschlafsack gebastelt. Neues Material, optimierter Schnitt, ziemlich schick und schlafen kann man auch drin. Er trägt den Namen Lunar I und ich hatte das Vergnügen, in ihm zu nächtigen. Hergestellt wird der Spaß in der Größe Regular bis zu einer Körpergröße von 185 cm und für alle, die zu viel gegossen wurden, auch noch in Large bis zu einer Körpergröße von bis zu 200 cm. Da ich mit meinen 186 cm knapp drüber bin, habe ich mich für die größere Version entschieden und das zu keinem Zeitpunkt bereut. Aber lest selbst …

Was haben wir hier denn eigentlich vor uns? Der Lunar I ist mit seiner Komforttemperatur von 9 °C bis 5 °C nämlich vor allem erst einmal ein Sommerschlafsack. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Für einen Kunstfaserschlafsack hat der Lunar I mit seinem Gewicht von 900 g (Größe Regular: 820 g) ein wirklich gutes Gewicht-zu-Wärme-Verhältnis. In dem schnittigen, 13 x 17 x 24 cm großen Packsack verstaut, mausert sich der Lunar I zu einen platzsparenden Begleiter für alle, die nicht unendlich viel Platz im Rucksack haben.
Da man allerdings mit solch abstrakten Fakten in etwa so viel anfangen kann wie mit den Lottozahlen für Oberbayern aus dem Jahr 1976, hier mal etwas Greifbareres: Eine gefüllte Flasche Sternburg Export wiegt durchschnittlich 876 g, also nahezu genauso viel wie der Lunar I. Zufall? Stellt man den Packsack ergonomisch vorteilhaft auf seine flache Seite, so misst dieser 24 Zentimeter in die Höhe. Wiederholt man diesen Vorgang mit einem Sterni samt Bierdeckel, so misst dies … Trommelwirbel … ebenfalls 24 Zentimeter! Ein erneuter Zufall? Ich glaube kaum. Und nun kann ich nach umfangreichen Tests meinerseits verkünden, dass der Lunar I im Rucksack in etwa genauso viel Platz einnimmt wie zwei Flaschen Sterni.

Das Innere des Schlafsacks besteht aus einer hochwertigen POLARTLOFT®-Kunstfaserfüllung. Gepaart mit dem schmalen „Alpine Fit“ von Mountain Equipment spart der Lunar I ordentlich an Gewicht und glänzt dabei umso mehr bei der optimierten Wärmeleistung.
Das Fußteil und die Kapuze sind anatomisch vorgeformt. Letztere fällt zwar nicht so üppig aus, lässt sich aber kinderleicht mit dem Kordelzug zuziehen und ist für einen Sommerschlafsack vollkommen ausreichend. Des Weiteren hat ME einen bis zu den Füßen reichenden YKK®-Zwei-Wege-Reißverschluss verbaut, mit dem man sich in besonders warmen Nächten etwas Luft verschaffen kann. Ach, und koppeln kann man den Lunar I auch! Voraussetzung ist ein Schlafsack mit einem linken und einer mit einem rechten Reißverschluss. Diesen kann man bei der Größe Regular beliebig wählen, während es in der Large-Variante nur links gibt. Die Kammern entlang des Reißverschlusses haben absichtlich weniger Nähte, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu minimieren, aber dazu später mehr.

Auf unserer Paddel-Testtour hatte ich drei Nächte in Folge das Vergnügen, den Lunar I im Zelt zu testen. Geschlafen habe ich in alter tapir-Manier lediglich mit Unterhose. Zum einen ist nur ein halbnackter tapir ein glücklicher, zum anderen sind die Temperaturangaben auch genau für dieses Szenario gedacht. Und die galt es ja schließlich auf Herz und Nieren zu prüfen. Alle drei Nächte haben zweistellig begonnen und hatten ihren Tiefstwert bei etwa 5 °C, im Zelt also gefühlt 6 °C. Demnach eigentlich optimale Voraussetzungen. Und hier kommtder erste Dämpfer, denn 5 °C sind für diesen Schlafsack wirklich optimistisch kalkuliert. Beim Einschlafen war es noch wunderbar muggelig, aber in der Nacht bin ich dann doch des Öfteren aufgewacht, da es zugegebenermaßen etwas frisch war. Der zweite Dämpfer ergibt sich aus dem an und für sich wirklich clever konzipierten „Alpine Fit“, der in erster Linie extrem schmal geschnitten ist. Freunde der nächtlichen Bewegung, die im Schlaf gern mal die Dimensionen der Isomatte abchecken oder einfach ein breites Kreuz ihr eigenen nennen, sollten sich vor einer Nacht im Lunar I unbedingt mal anschauen, was platzmäßig so geht und was eher nicht so. Ich persönlich komme damit eigentlich gut klar und der lange Reißverschluss erlaubt auch eine Nutzung als Decke, womit der Komfort wieder ganz angenehm sein kann. Vorausgesetzt, die Temperaturen spielen mit. Tun sie es nicht, liegt man dann doch etwas beengt im Schlafsack.

Anfang Juni habe ich den Lunar I im Riesengebirge unterm Sternenhimmel getestet. Die Ausgangsbedingungen waren vergleichbar. Einziger Unterschied: Tau in der Nacht und damit einhergehend Feuchtigkeit auf dem Schlafsack. Ach ja: Die Aussicht war auch etwas spannender im Vergleich zur Zeltdecke.
An dieser Stelle muss ich die einfache Handhabung der Kapuze lobend erwähnen. Mit einem beherzten Griff zum Kordelzug kann man sich diese einfach an den Kopf heranziehen und etwas Wärme am Kopf gut machen. Eine Mütze würde es auch tun, aber wer denkt denn im Sommer an sowas?
Feuchtigkeit und Schlafsäcke hegen ja bekanntermaßen eine recht unerwiderte Liebesbeziehung. Während Tau nichts geiler findet, als sich direkt nach Einbruch der Dunkelheit direkt an den Schlafsack zu werfen, leidet dieser ja eher darunter, als dass er sich darüber freut. So auch der Lunar I, der außen immer recht schnell klamm wurde und obwohl die Feuchtigkeit nie wirklich weit in die Kunstfaserfüllung eindrang, bedeutet Feuchtigkeit auch immer ein klein wenig Wärmeverlust. Deswegen kann ich solche Aktionen mit dem Lunar I wirklich nur für Nächte mit mehr als 10 °C empfehlen.
Aber der Lunar I wäre ja nicht der Lunar I, wenn er mich nicht auch hier positiv überraschen könnte. Denn sobald die Sonne wieder aufgeht, kann man dem Schlafsack förmlich beim Trocknen zusehen und ehe man sagen kann: „Mountain Equipment baut aber auch einfach echt gute Schlafsäcke!“, ist er schon wieder bereit zum Einpacken und Weiterziehen.

Der Lunar I ist ziemlich clever konzipiert und besticht durch Packmaß, Gewicht und Preis. Lediglich die Temperaturangaben halte ich für etwas optimistisch und würde mich auch als kälteunempfindlicher Mensch eher an den 9 °C als an den 5 °C orientieren.
Aber für wen ist denn der Spaß jetzt eigentlich geeignet? – Für Menschen die einen kleinen, leichten und robusten Schlafsack wollen, vorrangig im Sommer unterwegs sind und auch nicht übertrieben viel Geld übrig haben. Also ja, vor allem Studenten und Festivalgänger, die einen Schlafsack suchen, an dem sie länger Freude haben, für den sie aber keinen zusätzlichen Studienkredit aufnehmen müssen.
Ungeeignet ist er für Menschen, die nachts viel Platz brauchen, sich eher als Frostbeulen bezeichnen und die reiche Milliardärsgatt*innen haben (ich glaube, für euch wäre der Puma GWS eher was).
Hand aufs Herz: Würde ich mir nochmal einen Kunstfaserschlafsack zulegen, dann würde ich eher zu dem Lunar II greifen. Dieser ist baugleich, hat aber etwas mehr Füllung. Damit deckt er noch mal 7 °C mehr ab und erweitert den Anwendungsbereich und die Schlafsacksaison nochmal um ein paar Wochen. Die paar Gramm, die man mehr trägt, sind es meiner Meinung nach wert und die 20 € mehr gut investiertes Geld. Aber erzählen kann ich ja viel – schaut einfach mal bei uns vorbei, probiert beide Schlafsäcke aus und macht euch selbst ein Bild!

+ Preis/Leistung
+ Wärme/Gewicht
+ schnelltrocknend
+ leichte Handhabung
+ hochwertige Verarbeitung
– wenig Platz im Schlafsack selbst
– eher optimistische Temperaturangaben

Lunar I

Lunar I

Klein verpackbarer Kunstfaserschlafsack …

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Lunar II

Lunar II

… und in der etwas dickeren Version

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