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Funktionierendes Zwiebelprinzip: Die Qual der Wahl bei der Funktionswäsche

Funktionierendes Zwiebelprinzip: Die Qual der Wahl bei der Funktionswäsche

Rabanus hat ja dieser Tage schon von molligwarmer Kleidung und Ausrüstung geschwärmt, damit wir bei Kälte, Wind und Wetter die Zeit draußen genießen können. Heute gehen wir einfach beim Schichtsystem ganz nach unten, quasi bis auf die Haut. Wir haben uns dem Thema schon einmal 2015 gewidmet und schauen mal, ob und was sich in den vergangenen 5 Jahren beim Thema Funktionswäsche im tapir getan hat.

Funktionswäsche bildet als erste Lage in der Bekleidung quasi den Unterbau, also die Basis beim Anziehen. Dabei ist Unterwäsche nicht gleich Unterwäsche. In Zeiten der immer weiter ausgreiften Spezialisierung erweist es sich als leichte Herausforderung, für sich genau den richtigen Baselayer für die gerade anstehende Aktivität zu finden. Manchmal denke ich da auch ziemlich weit zurück: In meiner Kindheit gab es eine Unterhose, ein Unterhemd, meist als Trägershirt, und im Winter noch eine lange Buchse (oder Buxe, heute gern auch als Long John bezeichnet) oder für die Mädels die kratzenden Woll-Strumpfhosen. Fertig. Da stand maximal die Frage nach der richtigen Farbe bei der Strumpfhose im Raum.

Dann kam in den Siebzigern und Achtzigern die Skiunterwäsche als eierlegende Wollmilchsau auf den Markt. Sie war zumeist aus schnelltrocknender Kunstfaser gefertigt und kam je nach Materialdicke sommers wie winters zum Einsatz.

Und heute? Steht Mann genauso wie Frau vor dem Kleiderschrank oder der Wäschetruhe und überlegt immer wieder aufs Neue, wie das Schichtsystem von unten her idealerweise aufgebaut werden kann. Dabei spielt die Funktionswäsche, um die es heute geht, eine extrem wichtige Rolle. Der Baselayer bildet die Basis in modernen Bekleidungskonzepten, die in der Outdoorwelt durch das Zwiebelsystem bestimmt werden. Werfen wir also die Hüllen ab und widmen uns der untersten Lage.

Nicht erst seit dem Umbau im vergangenen Frühjahr rückt die Funktionsbekleidung auch bei den tapiren verstärkt in den Fokus. Nicht nur Hardcore-Alpinisten wollen es, wenn sie vor die Tür treten, warm haben, ohne zu müffeln und ohne ein durchnässtes Gefühl auf der Haut zu haben. Und nicht nur Frauen legen bei Baselayern Wert auf ein nettes Design, schöne Farben und Individualität. Heißt: Die Auswahl an Hosen, Kurzarmshirts und Longshirts wird immer größer und das nicht nur, weil mittlerweile die unterschiedlichsten Materialien bei der Unterwäsche verarbeitet werden. Dabei geht es neben Aussehen und Passform auch um die Funktion.

Kühlen: Pulstreibende Bewegungen produzieren Schweiß, der in Hautnähe verdunsten sollte, damit er seine kühlende Wirkung entfalten kann. Das bedeutet, dass Bekleidung den Schweiß aufnehmen und großflächig verteilen sollte. Dann fühlt sich die Haut nicht feucht an und der Schweiß behält trotzdem seine kühlende Funktion bei. Findet die ‚Verdunstungskühlung‘ nicht statt, wird der Schweiß sofort abtransportiert, bevor er verdampft ist. Dann produziert der Körper immer mehr Schweiß, um sich abzukühlen. Dadurch verliert er im schlimmsten Fall bei lang andauernden Belastungen immer mehr Flüssigkeit und Mineralstoffe und ‚überhitzt‘ dabei.

Trocknen und Wärmen: Ist der Schweiß verdunstet, dann sollte er schnell abtransportiert werden. Nasse Bekleidung fühlt sich nicht nur unangenehm auf der Haut an. Die Verdunstungskälte sorgt außerdem für ein schnelleres Auskühlen, was die Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen kann. Das passiert vor allem in Ruhephasen in der kalten Jahreszeit (beim Eisklettern, Bouldern und Wandern) oder im Wind stehend, wenn der Körper keine Wärme mehr durch Muskelarbeit produziert. Man braucht also Unterwäsche, die schnell trocknet. Natürlich sollte die Funktionsbekleidung auch gut isolieren.

Nicht stinken: Also, ein Frühlingsduft wäre bei Unterwäsche wohl zu viel verlangt, aber meilenweit gegen den Wind sollte man auch nicht anmuffeln.

Mal kühlen, mal wärmen und auch nicht riechen – das sind die Herausforderungen, denen sich die Funktionswäsche immer wieder stellen muss.

Egal, für welches Material man sich bei der Funktionswäsche als erste Lage entscheidet: Wichtig ist, dass sich das Material – gerade weil es oft eng anliegt – weich auf der Haut anfühlt und keine Naht drückt oder zwickt. Doch es bleibt die eigentliche Gretchenfrage nach der Materialzusammensetzung: Wolle oder Kunstfaser? Da gibt es selbst bei den tapiren keinen Konsens, wobei der Trend eindeutig auch bei uns zu Merinowolle geht, also zumindest, wenn man – wie Maren oder ich – keine Wollmimose ist. Trotzdem gehört die Frage nach Kunstfaser oder Wolle zu den meistdiskutierten unter den tapiren, mit denen man sich dann auch trefflich über Vor- und Nachteile des jeweiligen Bekleidungskonzeptes austauschen kann.

Egal, wie wir uns draußen bewegen, ob zu Fuß, mit Skiern oder auf zwei Rädern, ob mit schwerem Rucksack oder kletternd in der Wand: Um euch die Qual der Wahl zu erleichtern, haben wir ein paar Argumente zusammengefasst, um die perfekte Unterwäsche zu finden:

Funktionswäsche wird in der Regel direkt auf der Haut getragen, damit der Schweiß, der zwangsläufig bei hochpulsigen Aktivitäten entsteht, schnell und zuverlässig vom Körper wegtransportiert werden kann. Oft genug erleben wir im tapir, dass Kunden im Alltag unter ihren Hardshelljacken im Herbst und Winter dicke Baumwollpullover tragen und sich dann bei uns über die mangelnde Atmungsaktivität ihrer Regenjacke beim Radfahren beschweren. Die Feuchtigkeit staut sich, die Pullover oder Hemden kleben auf der Haut. Doch Priorität draußen hat, dass sich Funktionsunterwäsche nicht wie ein Schwamm vollsaugt. Außerdem sollte sie aus einem elastischen Material bestehen, aber nicht zu eng anliegen. Und sie sollte, wenn möglich, nur wenige Nähte haben, wobei Flachnähte deutlich zu einem erhöhten Tragekomfort beitragen. Wenn die Funktionswäsche dann auch nach ein paar Tagen noch nicht zu muffeln anfängt, freut’s nicht nur den Träger, sondern auch die Mitreisenden. Soweit zur Theorie.

Bei moderner Funktionswäsche, egal ob für Männer oder Frauen, kommt man kaum noch an Merinowolle vorbei. War die Wolle in den Achtzigern und Neunzigern des vergangenen Jahrtausends durch die Kunstfaser in den Hintergrund verdrängt worden, so hat sie in den Zweitausendern eine echte Renaissance erlebt, auch als Material für Unterwäsche. Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff. Vorreiter war bekanntermaßen die Firma Icebreaker, die mit ihren geruchsneutralen Sachen in einem lässigen Design den Nerv der Zeit punktgenau getroffen hatten. Viele Firmen sind den Neuseeländern gefolgt. Alle unsere Firmen legen Wert darauf, dass ihre Wolle mulesing-frei ist. Doch der anhaltende Trend lässt sich nicht nur mit einem ökologischen Ansatz erklären. Wir alle kennen die herausragenden geruchshemmenden Eigenschaften und den extrem hohen Tragekomfort. Wollkleidung lädt sich statisch nicht so stark auf wie Kunstfaser und zeigt sich etwas unempfindlicher bei Funkenflug. Die einzelnen Fasern der Wolle können in ihrem Inneren viel Feuchtigkeit (bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts) aufnehmen, ohne dass sich das Material extrem feucht anfühlt auf der Haut. Je nach ge­kräuselter Struktur der Fasern bindet Wolle sehr viel Luft und sorgt so für viel Wärme am Körper. Im Sommer kann es dazu führen, dass die Kühlwirkung von Merinowoll-Unterwäsche bei intensiver körperlicher Anstrengung nicht so gut ist. Wer dies vermeiden möchte, greift eher auf Wollmix oder Kunstfaser zurück. Dazu später mehr.

Vor allem im Winter spielt Wolle ihre Stärken aus und erweisen sich die Baselayer als perfekt geeignet für längere Trekkingtouren und alle Wintersportaktivitäten, bei denen man auch mal eine Pause unterwegs machen will. Man kühlt dabei nicht so schnell aus wie bei reiner Kunstfaser- oder gar Baumwollbekleidung. Wollwäsche im tapir bekommt ihr von Aclima, Icebreaker, Kari Traa und Ortovox.

Kunstfasern müssen nicht immer auf Erdöl-Basis beruhen, wie man es bei dem Namen vielleicht assoziieren würde. Es gibt auch Materialien, die aus natürlichen Polymeren hergestellt werden. Fasern aus Polyester sind leicht und speichern keine Feuchtigkeit in ihrem Inneren, dagegen kann Polyamid etwas mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Die Fasern aus natürlichen Polymeren werden beispielsweise auf Zellulose-Basis produziert, die verflüssigt und in einem Nassspinnverfahren weiterverarbeitet wird. Die bekannteste Faser, die so hergestellt wird, ist Modal, das aus Buchen hergestellt und durch seine weiche Baumwollhaptik und Langlebigkeit überzeugt. Bei Cocona wiederum werden aus Kokosnussschalen Aktivkohlepartikel gewonnen und zu einer schnelltrocknenden, antibakteriellen Polyesterfaser mit hohem UV-Schutz verarbeitet.

Unsere Kunstfaserunterwäsche kommt aktuell von Craft. Auf sie wird vor allem dann zurückgegriffen, wenn es so richtig schweißtreibend zu werden verspricht (Joggen, Inline Skaten, Berglaufen, Radfahren oder Skilanglauf). Also überall da, wo der Puls mal so richtig hochgejagt wird. Da werden Shirts und Hosen aus Polyester oder einer anderen Faser schnell zur ersten Wahl, vor allem im Sommer dank ihrer Eigenschaft, Schweiß schnell aufzunehmen und die Feuchtigkeit genauso schnell nach außen, also weg von der Haut zu transportieren. Dazu kommt, dass Wäsche aus modernen Kunstfasern auch ganz schnell wieder trocknet. Auf Tour kann man sie schnell abends durchwaschen und früh die Sachen wieder anziehen. Dass die Sachen in Form bleiben, eng anliegen, ohne die Bewegung einzuengen, dafür sorgt meist ein Elastananteil bei der Bekleidung.

Firmen experimentieren heute auch mit Mischgeweben und unterschiedlichen Materialzusammensetzungen oder Materialstärken. Dadurch kombinieren sie die Vorzüge einzelner Fasern in ihren Unterhemden und Unterhosen, um die Funktionswäsche noch zielgenauer auf den vorgesehen Einsatzzweck abzustimmen. So kombiniert Woolpower feine Merinowolle mit Nylon und produziert damit Unterwäsche, die in Sachen Langlebigkeit und Pflegeleichtigkeit (maschinenwaschbar bis 60 °C) kaum zu übertreffen ist. Ortovox kombiniert in seiner Competition-Serie Wolle mit Nylon und Elastan. Die Wolle sorgt auch hier für eine gute Thermoregulation und Geruchsneutralität, während die Kunstfaseranteile für den perfekten, jede Bewegung mitmachenden Sitz und die Langlebigkeit sorgen. Die Deutschen greifen wie die Schweden auf das Rundstrickverfahren zurück. Trotzdem gelingt es ihnen, unterschiedliche Materialstärken körperzonengenau einzusetzen. So besteht ein Shirt beispielsweise aus 190 g Merinowolle, während es in den schweißintensiven Bereichen Netzstrukturen eingesetzt bekommt. Da, wo es richtig kalt werden kann, die Gefahr des Auskühlens gegeben ist, ist der Wollanteil mit 240 g deutlich höher.

… bleibt als Aussage bestehen, dass die erste Schicht auf der Haut abgestimmt sein sollte auf die Bedürfnisse, die sich aus den persönlichen Vorlieben heraus und aus den anstehenden Aktivitäten ergeben. Die eierlegende Wollmilchsau, also die perfekte Funktionsunterwäsche für jedes Wetter, jede Belastung und jeden Hauttyp gibt es auch heute noch nicht. Als Anregung für eure Auswahl sollen folgende Aussagen verstanden werden:

– Für schweißtreibende Zustiege an heißen Tagen ist eine Unterwäsche aus kühlender Kunstfaser prädestiniert.

– Für alle, die viel Schweiß vergießen, gilt das auch an kühleren Tagen.

– An kalten Tagen und bei moderater Belastungen sorgt Unterwäsche aus Wolle und Woll-Mischgeweben für den höheren Wohlfühlfaktor.

– Als kleiner Nachteil bleibt bestehen: Ist die Bekleidung aus Merinwolle erst einmal richtig nass geworden, trocknet sie im Vergleich deutlich langsamer.

– Für alle feinen Nasen gilt (danach wird auch zu 99,9 % gefragt): Im Hinblick auf Geruchsneutralität ist Wolle (Merinowolle) nicht zu schlagen, da sie einen natürlichen mechanischen Selbstreinigungseffekt besitzt.

– Auch bei Unterwäsche aus synthetischen Fasern kann man das Entstehen von Gerüchen etwas hinauszögern. Polygiene® (Silber-Ionen) reduziert die Vermehrung geruchsbildender Bakterien (hält aber nicht über mehrere Tage an). Wer aber den Einsatz umweltbelastender Schwermetalle reduzieren will, kann – wie bei Patagonia – auf Funktionsunterwäsche mit HeiQ® Fresh-Geruchshemmerausstattung zurückgreifen.

– Die Unterwäsche als erste Lage ist nur ein Baustein für ein funktionierendes Bekleidungskonzept. Mit einem perfekt abgestimmten Zwiebelschichtsystem hat man mehr Spaß auf Tour und fühlt sich länger wohl, was insgesamt mit zu einer höheren Leistungs- oder Genussfähigkeit beitragen kann.

Oder wie hat es unsere Outdoor-Tussi aka Stil-Detektivin aka Laura mal so schön fomuliert:
„Egal, ob knallig bunt, bemustert oder in einer Farbgebung, die auch Batman tragen würde: Wollunterwäsche ist die beste Wahl für winterliche Aktivitäten und kann auch ästhetisch sein. Schlabbrig ist hier nix! Dafür ist die Unterwäsche von Ortovox, Icebreaker, Kari Traa und Woolpower weich, warm, formstabil, hochtechnisch, natürlich, nachhaltig – durchaus sexy. Überzeugt euch selbst davon im tapir!“  Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer, dass auch Kunstfaser-Unterwäsche dem in nichts nachsteht.

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