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Testbericht: Liebe auf den ersten Griff – Der Hestra Wakayama 5-finger ist ganz große Handschuhkunst

Testbericht: Liebe auf den ersten Griff – Der Hestra Wakayama 5-finger ist ganz große Handschuhkunst

Willkommen zu Teil 1 unserer Handschuh- T(h)est(ra)-Reihe! Für unterschiedliche Einsatzbereiche braucht es unterschiedliche Handschuhe, das ist ganz klar. Aber welche? Der schwedische Traditionshersteller Hestra bereichert unser Sortiment seit 2021 und wir wollten es genauer wissen: tapire und Freunde haben die hochwertige Handbekleidung aus dem Norden genau untersucht und auf ihre Tauglichkeit für mitteldeutsche Winter und abenteuerliche Schneetouren geprüft. Als erstes präsentieren wir euch Rabanus‘ Worte zum edlen Wakayama 5-finger.

Der Tastsinn mag in unserer Kultur einer jener Sinne sein, die im alltäglichen Leben eher wenig Beachtung finden. Während das Sehen und Hören besonders gut mit modernen Medienformaten harmonieren, haben es Dinge, die besonders durch ihre Haptik überzeugen, etwas schwerer. Wann haben wir das letzte Mal etwas bewusst „angefasst?“ – Nun, bei mir war es der Hestra Wakayama 5-finger Handschuh. Und es war großartig.

Bevor ich näher auf meine Erfahrungen mit dem Handschuh eingehe, ein paar Worte zu Hestra: Ähnlich anderen schwedischen Qualitätsherstellern kann Hestra genau eine Sache, die dafür aber richtig gut. Während Gränsfors Bruk formidable Äxte herstellt, Hilleberg für seine Zelte bekannt ist, und Woolpower ganz Schweden mit Merinounterwäsche versorgt, baut Hestra die Handschuhe fürs Land. Das Sortiment deckt dabei alles ab, was man sich im Handschuhbereich vorstellen kann: Wintersportmodelle hat es ebenso wie Handschuhe für die Waldarbeit oder modische Modelle für den nächsten Besuch in Stockholm.

Was Hestra auszeichnet – und hier ist der Wakayama 5-finger keine Ausnahme –, ist die zielgerichtete, hervorragende Verarbeitung mit der dazugehörigen überragenden Passform. Letztere basiert auf der langjährigen Erfahrung des Unternehmens, das 1936 gegründet wurde. Und hier kommt wieder der Tastsinn ins Spiel: Wer einmal einen Hestra-Handschuh angezogen hat, der fragt sich, wie Handschuhe nur so perfekt sitzen können. Die Fragestellung mag sich bei dem einen oder der anderen dann von „Welchen Handschuh brauche ich?“ zu „Welchen Hestra-Handschuh möchte ich?“ verschieben. Doch nun genug der preisenden Worte, auf geht’s zu einer Begutachtung des Hestra Wakayama 5-finger!

Der Wakayama 5-finger ist ein Edelhandschuh, bestehend aus dem Rindsleder-Außenhandschuh und einem herausnehmbaren Woll-Liner. Das vorimprägnierte Leder ist windabweisend und zugleich geschmeidig – ähnlich wie beim Zwiebelprinzip schützt es die Hände vor den Elementen.

Der Innenhandschuh aus Wollfrottee sorgt für das extra flauschige Plus an Wärme. Die Wolle wird dabei in Schlaufen verarbeitet, der Endverarbeitung von Woolpowers Ullfrotte-Material nicht unähnlich. Und wie bei Woolpower funktioniert diese Bauweise bei dem Hestra-Handschuh ebensogut: Die schlingenartige Anordnung der Wolle kreiert ein Luftpolster und sorgt so für mehr Wärme, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Und nun ja, der Wool-Liner ist einfach superflauschig! Ich freue mich jeden Morgen, wenn es kalt genug ist, dass ich meine Handschuhe verwenden kann. Zweifelsohne ist das Hineinschlüpfen in die Wakayama 5-finger jeden Tag das Highlight meines frühmorgendlichen Losfahr-Rituals.

Ich habe mir den Wakayama 5-finger als Ersatz für meine alten Wollhandschuhe  geholt, die ich leider verloren habe. Dabei war mir vor allem die Verwendung möglichst natürlicher Materialien (Leder, Wolle) wichtig. Zunächst fand ich den Hestra ErgoGrip Active interessant, doch war ich von dem synthetischen Innenmaterial nicht so angetan. Hinzu kam, dass der ErgoGrip Active deutlich zu kühl war für meinen morgendlichen Weg zur Arbeit.

Dahingegen hat mich der Wakayama 5-finger mich auf dem Rad und auf Schusters Rappen bei Temperaturen bis etwa -5 °C gut begleitet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist er muckelig warm und die Finger fühlen sich pudelwohl. Geht es deutlich unter 0 °C, bekommt der Handschuh langsam auch zu tun – als Fingerhandschuh hält er natürlich weniger warm als die Wakayama Mitts.

Hestra weist den Wakayama 5-finger nicht als Radhandschuh aus und er enthält auch keine Membran. Durch das Rindsleder ist er aber komplett winddicht und ich habe auf dem Rad keinerlei Wind durchkommen gespürt. Aus meiner Sicht ist der Handschuh im Winter also auch gut als Radhandschuh im Alltag zu gebrauchen. Auch bei Feuchtigkeit und Schneeregen hat der Wakayama eine gute Figur gemacht – für Dauerregen sollte man dann aber doch auf dichte Softshell- oder Membranhandschuhe zurückgreifen.

Ein weiterer Vorteil des Wakayama im Vergleich zu anderen Modellen ist sein großzügiger Schnitt und die elastischen Bündchen, was ein einfaches Hineinschlüpfen ermöglicht. Das ist mir enorm wichtig, denn ich habe morgens um 5.30 Uhr keine Lust, Klettverschlüsse aufzumachen. Also einfach reingeschlüpft, und gut ist. Wenn ich den Wakayama doch mal etwas enger stellen möchte, so ist das mit Hilfe des (stylischen!) Paracord-Bandes möglich.

Der Wakayama 5-finger verfügt über zwei Handgelenksschlaufen. Braucht man seine Hände Handschuh-frei, kann man den Wakayama so am Handgelenk herunterbaumeln lassen. Dem Verlieren wird so ebenfalls vorgebeugt. Ich selbst habe die Schlaufen bislang nur wenig benutzt; sie lassen sich abnehmen, können aber auch so „im Handschuh“ verstaut werden, dass man sie gar nicht spürt und trotzdem immer dabeihat.

Wie bei allen nachhaltigen Dingen, die potenziell ein Leben lang halten könnten, bedarf der Wakayama 5-finger etwas Pflege – so dieses hehre Ziel erreicht werden soll. Eine kleine Tube Lederbalsam ist gleich mit dabei, genau das Richtige für das weiche Rindsleder. Noch ist es nicht soweit, aber ich werde meinen Wakayama am Ende der Wintersaison nochmal gut imprägnieren und einschmieren.

Sollte der Handschuh großer Feuchtigkeit ausgesetzt sein, empfiehlt es sich, das Woll-Futter zum Trocknen herauszunehmen. Es ist an einigen kleinen Klettverschlüssen befestigt, die sich zu diesem Zweck einfach lösen lassen.

Der Wakayama 5-finger ist ein wundervoller Winterhandschuh. Er fühlt sich einfach unglaublich gut an, hält mollig warm und schützt die Hände zuverlässig vor Wind. Dazu sieht er noch bombastisch aus, und auch wenn ich eingangs die taktilen Sinne gepriesen habe, so spielt die Optik natürlich auch eine Rolle. Ich freue mich aktuell jeden Tag darauf, den Wakayama tragen zu können – ein Hoch auf den Schnee und das Winterwetter, denn hierfür ist das gute Stück ein erstklassiger Begleiter.

Tipp: Wer die Materialien und die Bauweise spannend findet, aber es noch wärmer braucht, dem sei die Fausthandschuh-Variante ans Herz gelegt: die Wakayama Mitts.

+ schnelles Reinschlüpfen möglich

+ viele Naturmaterialien

+ überragende Passform

+ Woll-Innenhandschuh ist super gemütlich

+ zuverlässig winddicht

 

– kostenintensiv

Wakayama 5-finger

Wakayama 5-finger

135€

Wakayama Mitt

Wakayama Mitt

135€

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