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Testbericht: Vom Rucksack zur Radtasche in 3,0 Sekunden – der neue Vario PS von Ortlieb

Testbericht: Vom Rucksack zur Radtasche in 3,0 Sekunden – der neue Vario PS von Ortlieb

Revolution ist ein großes Wort. Womöglich ein wenig zu hoch angesetzt, aber im Grunde auch ganz passend. Ich verpasse ihm daher noch den Zusatz: „klein“. Der Vario PS von Ortlieb ist eine kleine Revolution. Klein, aber oho! Im tapir fragten wir uns bereits seit Längerem, wann der König der Radtaschenwelt (für uns ganz subjektiv: Ortlieb) denn endlich den alten Vario ausrangieren würde. Aber wie das so oft ist bei Änderungswünschen: Man möchte etwas Neues, aber weiß noch nicht, was denn genau. Aber dafür sind ja Designer da und die haben einen (größtenteils) fastastischen Job mit dem Vario PS gemacht. Ortlieb war so freundlich, uns in Zeiten, in denen alles, was mit Radfahren zu tun hat, schwer zu bekommen ist, ein Testexemplar zur Verfügung zu stellen. Dafür schon einmal ein herzliches Dankeschön! Wie hat sich der kleine, große Revoluzzer also bewährt?

Als erstes lässt sich feststellen, dass der Vario PS so klein gar nicht ist. Mit 26 Litern fasst er 6 Liter mehr als der mir vertraute Back-Roller-Classic. Das mag nicht nach viel klingen, ist in Optik und Handling jedoch ein ganz schön großer Unterschied …
… und passt hervorragend zu mir! Denn ich habe gern viel Kram dabei, doch dazu später mehr. Der Vario PS wiegt circa 1200 g und besteht aus Ortliebs königlichem PS33 Material (100 % Polymid samt PU-Beschichtung und natürlich PFC-frei). Er ist selbstverständlich wasserdicht – mit Ausnahme der aufgesetzten Tasche am Frontflap. Außerdem mit an Bord: eine praktische Netzaußentasche, ein Rollverschluss, die allseits bekannten Reflektoren an den Seiten und mittelstark gepolsterte Schultergurte. Der Vario PS ist prinzipiell mit der QL2.1- sowie der QL3.1-Aufhängung verfügbar; ich bevorzuge die QL2.1 Version, bei der keinerlei Bauteile am Rad verbleiben (in Leipzig keine ganz ungefährliche Sache).

Ich gebe es zu: Mein alter Drahtesel auf den Bildern mag diesem hippen, modernen Vario PS nicht ganz gerecht werden. Aber im Grunde irgendwie doch. Gefahren wird ein altes Holland-Rad, zusammengeschraubt in einer Sozialwerkstatt in Graz, Österreich. Es hat schon einiges mitgemacht und so sieht es auch aus. Ich mag es trotzdem.
Perfekt zum Testen sind die dicken Gepäckträger, die zu dick sind für die meisten Taschen (für Ortlieb nicht). Getestet wurde im Alltag auf den Straßen und Parks in Leipzig, sprich: in einem urbanen Umfeld und somit im natürlichen Lebensraum des Vario PS. Denn leben in der Stadt tut er – seit er neulich auf den Markt gekommen ist, lässt sich der Vario PS bereits an vielen Orten unserer schönen sächsischen Weltstadt entdecken.
Zum Test gehörte außerdem das gnadenlose Ausreizen des Volumens von 26 Litern sowie der empfohlenen Zuladung von bis zu 9 kg. Es kam nicht selten vor, dass der Vario PS einen Tag über die Schotterpisten Leipzigs vor sich hatte und dabei bis obenhin mit Büchern, Akten und Heftern vollgepackt war.

Kommen wir zum Herzstück von Ortliebs neustem Schmuckstück, der Hybrid-Funktion. Es sieht so einfach aus und man fragt sich, warum nicht vorher schon mal jemand auf die Idee gekommen ist (Gedanken, die bei der Erfindung des Rads vermutlich ebenfalls gedacht wurden …). Das Frontflap der Fahrradtasche ist lose befestigt und lässt sich umschlagen. Je nach gewünschter Funktion deckt es so entweder das Rucksack-Tragesystem oder die QL2.1-Aufhängung ab. Das jeweils nicht verwendete Element wird elegant wie praktisch verdeckt. Der „Umbau“ verdient den Namen eigentlich nicht, denn die von Ortlieb angepriesenen 3 Sekunden sind keineswegs übertrieben – länger braucht’s tatsächlich nicht, um zwischen den beiden Funktionen zu wechseln. Es ist fast schon ein bisschen gemein, wie einfach das vonstatten geht.
Verwendet man den Vario PS als Rucksack, profitiert man von seinem bequemen Tragesystem. Insbesondere die gut gepolsterten Schultergurte fallen positiv auf. Sie kommen auch mit einem voll beladenen Vario gut klar und verhindern potenziell unangenehme Druckpunkte. Der Schwerpunkt des Rucksacks liegt zunächst ungewöhnlich niedrig; es empfiehlt sich ein starffes Anziehen der Schultergurte, um den Schwerpunkt etwas nach oben zu verlagern. Das ist insbesondere bei voller Zuladung wichtig, da sonst der untere Teil des Varios in den Rücken drücken kann.

Wie hat sich der Vario PS denn nun im Alltag bewährt? Für mich war er besonders interessant, da ich seit einiger Zeit von Laptop über Bücher etc. immer wieder recht viel Kram mit mir herumtrage. Dabei wollte ich bewusst auf das einseitige Belasten einer Schulter verzichten, wie es z. B. beim klassischen Back-Roller der Fall ist. Ortlieb hat nicht übertrieben: Das Umstellen von Fahrradtasche auf Rucksack dauert beim Vario PS nur wenige Sekunden und geht leicht von der Hand. Paradoxerweise hatte ich mir punktuell einen zusätzlichen Trageriemen gewünscht, aber der angebrachte Tragegriff ist ebenfalls sehr in Ordnung und komfortabel zu handhaben.
Im Vergleich zum alten Vario gibt es nun auch keine Rückensysteme mehr, die abgebaut und seperat verstaut werden müssten – ein echter Vorteil des neuen Vario PS. Kein Abbauen, kein Verstauen, einfach nur das Frontflap umschlagen, einhaken, fertig.
Positiv aufgefallen ist mir außerdem die voluminöse Netzaußentasche, die sogar meine dicke 1,1-Liter-Thermosflasche souverän aufnimmt. NutzerInnen mit potenziell dickeren Flaschen können an dieser Stelle ihre Bedenken also getrost beiseite schieben. Die gepolsterte Laptop-Innentasche sowie eine kleinere Reißverschluss-Tasche sind wie gewohnt praktisch und erleichtern das Sortieren im Inneren des Packsacks.
Gemischte Gefühle hatte ich gegenüber der kleinen Reißverschlusstasche an der Frontseite. Sie ist als einzige nicht wasserdicht, was ich bei einem Ortlieb-Modell irgendwie … unintuitiv finde (es wäre mir ohne den Hinweiszettel in der Tasche auch nicht aufgefallen). Im Radtaschenmodus ist diese Tasche nicht nutzbar, was bei der Konstruktion auch logisch und nicht anders umsetzbar ist. Das ist jetzt kein allzu großes Ding; es gab gab jedoch ein paar wenige Situationen, in denen ich auch im Radfahrmodus gern auf die Tasche zugegriffen hätte. Es funktioniert dann doch ganz gut, wenn man das Frontflap ausklappt. Die beeindruckende Größe des Vario PS erwähnte ich bereits. Nebst umfangreichem Alltagsmaterial für Menschen, die mit viel Bürokram unterwegs sind, lässt sich hier auch locker ein Wochen(end)-Einkauf unterbringen. Durch eine eingelegte Hartplastikplatte im Boden ist die Radtasche außerdem schön formstabil und sieht auch bei geringem Füllstand gut aus!
Beim Radeln kam es hin und wieder vor, dass ich den Rolltop-Verschluss an den Seiten etwas einknickte, da ich sonst mit den Beinen aneckte. Das empfand ich anfangs als störend, nach ein paar Versuchen hatte ich jedoch raus, wie ich meinen Vario PS so am Gepäckträger positionieren kann, dass ich ihn beim Fahren nicht berühre.

Abschließend sei noch das Packen erwähnt: Die Natur des Vario PS liegt in seinem Hybridwesen aus Radtasche und Tagesrucksack – da fragte ich mich recht schnell, wie ich ein solches Zwitterwesen optimal packen kann. Ein Beispiel: Ich habe morgens einen Laptop und einen Ordner dabei, und positioniere diese an der radnahen Seite (QL2.1). Der Schwerpunkt befindet sich somit beim Radeln nahe meines Drahtesels, also genau wie gewünscht. Wandele ich den Vario PS nun in einen Rucksack um, liegen Hefter und Laptop allerdings auf der dem Rücken abgewendeten Seite, der Schwerpunkt also fern des Rückens – in der Theorie nicht ideal. In der Theorie. In der Praxis konnten Rückensystem und Schultergurte diese subpotimale Gewichtsverteilung problemlos ausgleichen. Durch die Tiefe des Packsacks verschob sich in der Regel auch alles so, dass ich am Ende ein gutes Gefühl beim Tragen hatte. Lediglich bei mehreren Flaschen (z. B. nach einem Einkauf) empfand ich ein Umpacken als notwendig und sinnvoll.

Zum Schluss noch ein kurzes Wort zum Thema Nachhaltigkeit. Ortlieb hält bei diesem ja allgegenwärtigen Thema den Ball angenehm flach, obwohl sie diesbezüglich einiges zu bieten haben. Der Vario PS ist komplett in Deutschland gefertigt und ein Großteil der Materialien wird ebenfalls hier hergestellt. Der Fußabdruck (Rollabdruck?) des Teils ist also denkbar klein.
Wenn man nun noch die nicht zu unterschätzenden 5 Jahre Ortlieb-Garantie mit einrechnet sowie die Möglichkeit, Kleinteile schnell und unkompliziert zu reparieren, ist der Vario PS wie alle Ortlieb-Produkte ein zeitloses, visionäres und zukunftsorientertes Produkt.

Der Vario PS ist eine kleine Revolution im urbanen Radtaschenbreich. Das Wandlungsprinzip funktioniert hervorragend und ist durchweg wegweisend. Ich persönlich würde mir noch eine kleinere Version des Vario PS wünschen für all jene, die nicht ganz so viel Ausrüstung mit sich führen. Kleinere, offen gelassene Wünsche wie eine wasserdichte Fronttasche tun dem Vario PS keinen Abbruch. Selten ging die Transformation von Radtasche zu Rucksack so einfach und unkompliziert von der Hand. Diese Tasche sucht auf dem aktuellen Fahrradtaschenmarkt ihresgleichen und darf mit Fug und Recht als einzigartig bezeichnet werden.

+ revolutionäres Tragesystem: schnell und einfach bedienbar …

+ … und sehr komfortabel

+ absolut standfest

+ wasserdicht (bis auf die Fronttasche)

+ Platz auch für große Trinkflaschen

+/- Einschlagen des Rollverschlusses nötig, um Beinkontakt zu vermeiden (abhängig von Position der Tasche am Gepäckträger)

– mitunter anspruchsvoll zu packen

– Frontasche im Radtaschenmodus nur schwer zugänglich

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