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Familien-Radtour von Amsterdam ins Münsterland

Familien-Radtour von Amsterdam ins Münsterland

Nachdem nun meine gesamte Familie die Fahrradstrecke von Amsterdam nach Minden an der Weser, meinem Heimatort, erfolgreich abgehakt hat, fühlten sich mein Freund und ich nun in der Pflicht, diese Tradition weiterzuführen. Gleichzeitig können wir damit unserem zweieinhalbjährigen Sohn zumindest diese „Pflicht“ bereits in jungen Jahren abnehmen.

Sehr zu empfehlen ist die Tour von Amsterdam Richtung Deutschland zu starten und nicht, wie es meine eine Schwester getan hat, von Deutschland nach Amsterdam. Rückenwind ist doch so viel angenehmer als Gegenwind auf einem baumkahlen Damm direkt an der Küste …

Insgesamt waren wir gut 10 Tage unterwegs. Gestartet sind wir mit dem Zug von Leipzig nach Amsterdam, mit einem kleinen Zwischenstopp bei den westfälischen Großeltern. Danach ging es mit der direkten IC-Verbindung (Berlin Hbf – Amsterdam Central) und einem komfortablen, sehr geräumigen Fahrradabteil Richtung Amsterdam. Nach einer dreitätigen Stadterkundung von Amsterdam, vorrangig im Jordanviertel und inklusive unzähliger Eis- und Badepausen, ging es mit dem Fahrrad 230 km Richtung Münster. Nach einem kurzen Zwischenstopp dort fuhren wir noch ein Stück weiter mit dem Fahrrad durch das Münsteraner Land bis nach Bielefeld und von dort mit dem Zug schließlich gen Osten nach Leipzig.

Fahrradfahren in den Niederlanden ist wirklich einfach. Falls du in deiner Kindheit und Jugend erfolgreich Schnitzeljagden auf Kindergeburtstagen absolviert hast, hast du zudem Vorkenntnisse, die du gewinnbringend und strebermäßig einbringen kannst! Das Prinzip der Fernradwege in den Niederlanden entspricht nämlich genau dem Schnitzeljagd-Prinzip aus Kindheitstagen. Praktisch gesehen geht das so: Über die gesamten Niederlande zieht sich ein engmaschiges Netz aus Knotenpunkte (das bekannte Knooppuntnetwerk). Diese Knotenpunkte verweisen dich wiederum zu anderen Knotenpunkten, die dich günstig und fernab nervigen Autobahnen und größeren Landstraßen (unglaublich, aber wahr: auf vielen Landstraßen teilen sich Fahrradfahrer *innnen und Autofahrer*innen exakt 50 Prozent des Straßenverkehrs) durch die Niederlande zu deinem individuellen Zielort führen. Je nach Lust und Laune, Wetter und dem Gemütszustand der beteiligten U3-Reisemitgleider kann man auch Varianten einbauen, indem man Knotenpunkte wählt, die von der eigentlichen, am Vorabend zusammengebastelten Route abweichen.

Reisen mit Bahn, Fahrrad und Kleinkind kann durchaus stressig sein und sich nach zwei Wochen gar nicht nach Urlaub anfühlen. Muss es aber nicht! Grundlegende Fragen zur täglichen Planung spielen eine wesentliche Rolle. Zum Beispiel: Wieviele Kilometer sind realistisch zu schaffen, ohne dass man völlig fertig und mit schreiendem Kind in der Unterkunft der Wahl ankommt? Oder: Wie ist der Proviantbeutel gefüllt? Was kann mittags und zwischendurch gesnackt werden? Muss noch einmal eingekauft werden? werden? Gibt’s noch Wasser und wenn nicht, wo bekomme ich schnellstens welches her?

Klar, wenn man schon öfter unkonventionell und abseits des Mainstream-Tourismus gereist ist, sind diese und weitere Fragen vertraut und nicht mehr neu. Mit Kleinkind verdichten sich die Fragen meiner Erfahrung nach aber noch – und es kommen außerdem noch neue dazu: Gibt es in der Nähe einen Spielplatz oder ähnliches, damit der Sohnemann nach mehreren Stunden auf dem Fahrrad auch auf seine Kosten kommen kann? Befindet man sich zur Mittagszeit unglücklicherweise in einer Stadt,
wo das Kind nur schwer schlummern kann oder kann man die Route auch so anpassen, dass der Nachwuchs seinen Erholungsschlaf in der holländischen Pampa absolviert?

Das A und O bei einer Fahrradtour ist natürlich, so wenig Gepäck wie möglich mitzunehmen, da alle Ausrüstung und Bekeidung für drei Personen und Persönchen in zwei Fahrradtaschen verstaut werden muss. Solide Kenntnisse in Tetris  helfen hier weiter! Inwieweit eine Fahrradtour mit Kleinkind gut umsetzbar ist, kommt natürlich aufs Kind an und vielleicht auch darauf, wie sehr es daran gewohnt ist, auf dem Fahrradsitz für längere Zeit zu sitzen. Ein bis zwei längere und kürzere Pausen am Vor- und Nachmittag haben wir eingeplant und haben dann gehalten, wenn der Nachwuchs dies eingefordert hat. Die Siesta wurde häufig auf dem Fahrradsitz gehalten. Praktischerweise liegt die erste Tagesetappe (im Schnitt strampelten wir 60-80 Kilometer am Tag) am Meer, wo eine Badepause eine schöne Abwechslung zum Sitzen, Strampeln und Schwitzen ist. Auch sonst laden viele Seen entlang der Route zum Baden ein.

Es gibt ein paar Gadgets, die das Leben auf einer Radtour deutlich vereinfachen können. An erster Stelle stehen hier (neben dem Fahrrad an sich) natürlich gute, wasserdichte und praktische Fahrradtaschen wie zum Beispiel von den bekannten Herstellern Ortlieb oder Vaude. Neben zwei geräumigen Fahrradtaschen für den Gepäckträger empfiehlt es sich auch, sich eine kleinere Tasche am Lenker zu gönnen für Kleinigkeiten wie Handy, Schlüssel, Geld , Karten, Lieblingskuscheltier und Nervennahrung. Eine kleine Rahmentasche für Werkzeug und einen Ersatzschlauch ist außerdem sehr zu empfehlen und sollte nicht fehlen.

Neben einer soliden technischen Ausrüstung ist natürlich auch das leibliche Wohl nicht
aus den Augen zu verlieren. Hunger, Durst und die zu späte Suche nach diversen kulinarischen Lokalitäten können sehr an den Nerven zehren. Eine Brotbüchse aus Edelstahl ist nicht nur plastikfrei und unverwüstlich, sondern auch noch praktisch und hübsch. Auch ein gutes Messer, zum Beispiel vom französischen Hersteller Opinel, sollte neben Campingbesteck nicht fehlen.

Auch eine gute Fahrradkarte sollte nicht zu kurz kommen, auch wenn es vielleicht für den* die
eine*n andere*n altmodisch erscheinen mag.

Anreise

Mit dem Fahrrad bietet sich die Anreise mit dem Zug an. Ganz wichtig: So früh wie möglich – im Sommer aber mindestens drei Monate vorher! – die Fahrradstellplätze reservieren! Ansonsten bleiben, wenn überhaupt, nur noch die Zeiten um fünf Uhr irgendwas übrig.

Einreise

Falls gerade keine weltweite Pandemie ausgerufen ist, kann man problemlos in die Niederlande einreisen. Falls aber gerade eine Pandemie ausgebrochen ist, lohnt es sich, aufmerksam die Nachrichten zu verfolgen und bei Gelegenheit auf der Seite des Auswärtigen Amtes vorbeizuschauen.

Beste Reisezeit

In den warmen Monaten macht es natürlich mehr Spaß zu radeln, deswegen empfehlen sich die Sommermonate für eine Radtour in den Niederlanden besonders gut.

Geld & Verpflegung

Da die Niederlande ebenfalls den Euro haben, ist die Bezahlung sehr entspannt. Im Vergleich zu Deutschland sind die Lebensmittel im Schnitt ähnlich günstig. Bioläden sind ebenfalls zu finden wie Bio-Produkte in den gängigen Supermärkten. Vegane und vegetarische Alternativen in Restaurants steigen proportional zur Einwohnerzahl der Region. Kartenzahlung geht fast überall problemlos und ist erwünscht, trotzdem ist es entspannter, wenn man 100 bis 200 Euro Bargeld dabei hat, um nicht ständig auf der Suche nach Bankautomaten sein zu müssen.

Übernachtungsmöglichkeiten

Amsterdam als etablierter Touristenmagnet hat natürlich ein großes Angebot an Herbergen, Hostels, Absteigen, Pensionen und Unterkünften für jedes Budget und für jede Lebenslage. Außerhalb von Amsterdam kostet ein Doppelzimmer (das Kinderbett war immer gratis) um die 60 Euro die Nacht inklusive niederländischem Frühstück (d. h. Schokostreusel zum Frühstück – sehr zur Freude unseres Kindes!).

Sprache/ Verständigung

Auch die älteren Generationen sprechen in den Niederlanden ein gutes Englisch, die jüngeren sowieso. Häufig wird auch noch Deutsch gesprochen, vor allem in den Grenzregionen zu Deutschland.

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