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Familienreise durch Litauen und Lettland

Familienreise durch Litauen und Lettland

Eigentlich ist das Baltikum für unseren Geschmack zu flach: zu viel Meer, null Berge, wo man beim Klettern, Bouldern und Bergsteigen das Brennen der Oberschenkelmuskulatur spüren kann. Aufgrund des „Übergangsalters“ unseres kleinen Sohnes (2,5 Jahre alt) und der Vorstellung, seine stolzen 17 kg in der Kraxe durch die Berge schleppen zu müssen, entscheiden wir uns trotzdem dafür, dieses Jahr einen Strandurlaub zu machen. Doch wo gibt es denn noch leere Strände (denn das war die Grundvoraussetzung)??? Ich krame in den Erinnerungen aus meiner Kindheit in der ehemaligen Sowjetunion – es kommen Erzählungen von Verwandten über traumhafte Strände des Kurortes Jurmala hoch. Mit dem Blick auf die Karte steht dann auch das Ziel fest: Baltikum. Ja, es gibt keine Berge, aber abgesehen davon verspricht es uns eine Menge Spaß am, im und unter Wasser am Strand und in den unzähligen Flüssen und Seen. Wir mieten uns also ein Wohnmobil, packen es voll mit Faltkanu, SUP und Sandspielzeug und sind dann mal weg. Unterwegs sind wir insgesamt vier Wochen und legen 5.500 km zurück. Durch die lange Anreise ist eine Reisedauer von mindestens drei Wochen empfehlenswert. Man kann aber Litauen auch von Kiel aus mit der Fähre erreichen und Lettland von Travemünde. Da könnten auch zwei Wochen ausreichen, je nachdem, was man sehen möchte.

Unser erster großer Stopp ist die Kurische Nehrung, erreichbar über die Fähre in der litauischen Hafenstadt Klaipėda. Bei Sonnenschein und angenehmen 25 Grad kommen wir an einem 50 km langen Strand an, der für die nächsten zwei Tage inkl. Sonnenauf- und -untergänge und Wellen nur uns gehört. Doch die Nehrung hat nicht nur Strand zu bieten: Wir erkunden sie ganz gemütlich mit unseren Fahrrädern, schlemmen den überall in kleinen Buden verkauften Räucherfisch und besuchen das Künstlerdorf Nida, das direkt an die Oblast Kaliningrad grenzt. Die dortige Künstlerkolonie Nidden diente vielen Persönlichkeiten wie Jean-Paul Sartre, Lovis Corinth, Max Pechstein oder Thomas Mann als Rückzugs- und Arbeitsort.

Nach dem Strand geht es die Küste lang weiter Richtung Norden und in wenigen Stunden ist bereites das zweite baltische Land, Lettland, erreicht. Hier gibt es spannende Highlights entlang der Küste, z. B. bei Liepāja, wo teilweise im Wasser, teilweise noch am Strand verbuddelt die alten, von Zeit und Salz zerfressenen Sowjetbunker an die militärische Vergangenheit erinnern. Die lettische Jugend fühlt sich nicht gestört durch den historischen Kontext und macht sich den Spaß, in die überfluteten Bunker zu klettern oder zu tauchen und dort mit den darauf schlagenden Wellen um die Wette zu brüllen. Die Bunkerruinen am Strand machen jeder Kunstgalerie ernstzunehmende Konkurrenz: Hier scheinen sich alle Zeitzeugen verewigt zu haben, von Liebessprüchen der sowjetischen Soldaten bis hin zu kreativen Graffitis aus der Gegenwart ist alles vertreten.

Am Kap Kolka pfeift uns der Wind um die Ohren. Der Ort scheint Mekka für die einheimischen Windsurfer zu sein. Die Ostsee ist hier besonders flach, sodass der Wind sich ordentlich austoben kann. Hier könnte man tatsächlich hunderte Meter in die Ostsee laufen, ohne dass der Badeschlüpfer nass wird.

Unser nächstes Highlight ist der Nationalpark Ķemeri kurz vor Riga, eine riesige Moorlandschaft mit unzähligen Sumpfseen, seltenen Vogelarten und unglaublicher floraler Vielfalt. Am Slokas ezers, einem sehr schwefelhaltigen See im Nationalpark, machen wir eine wunderbare Bekanntschaft mit einem deutschen Reisenden, der mit seinem Husky ebenfalls das Baltikum bereist. Am Lagerfeuer leeren wir unsere Getränkevorräte, tauschen uns zu den schönsten Standorten im Baltikum aus und werden beinahe von den einheimischen Mücken zerfressen.

Am nächsten Tag erreichen wir mit blutig zerkratzen Beinen Riga, die Perle des Baltikums. Da wir nicht mit dem Wohnmobil in die Stadt reinfahren wollen, haben wir einen Standort außerhalb herausgesucht und erkunden die City mit unseren Bikes. Der Yachthafen am Fluss Düna ist perfekt dafür geeignet und bietet neben einer Waschmaschine und warmen Duschen auch eine atemberaubende Sicht auf Rigas Skyline.

Die Stadtbesichtigung ist sehr empfehlenswert. Wir empfinden die Stadt als sehr authentisch – wenig Touristen, sehr gemütlichen Gassen und Straßencafés. Ein Muss ist auch Rigas Markthalle, die größte in Europa. Hier kann man einheimische Produkte in bester Qualität kaufen und verkosten – von riesigen Gartentomaten bis hin zum Kaviar, der hier kiloweise verkauft wird. Die großzügigen und gesprächigen Marktfrauen, die uns grundsätzlich mit „Söhnchen“ und „Töchterchen“ begrüßen, hinterlassen ein warmes Gefühl in unseren Herzen.

Das nächste Highlight in Lettland ist der Nationalpark Gauja  nordöstlich von Riga. Wir sind verliebt in die wilde Flusslandschaft mit vielen Sandbänken und Felsformationen und weichem, kristallklaren Wasser. Aufgrund der Wetterlage müssen wir aber leider unseren Kanuausflug auf das nächste Mal verschieben. Wir genießen eine kleine Wanderung am Fluss und verabschieden uns bis zum (vielleicht) nächsten Jahr.

Der weitere Verlauf der Reise durch Estland folgt demnächst.

Das Baltikum ist für Reisen mit dem Wohnmobil wirklich ein Paradies. Die Straßen sind einsam und gut. Ungefähr 2/3 der Nächte haben wir „wild“ gecampt und kein einziges Mal wurden wir verscheucht oder unfreundlich empfangen. Zum Aussuchen der Standorte eignet sich die App „stay4night“, die neben Beschreibungen auch nützliche Angaben zum Standort liefert, z. B., ob eine Grauwasserentleerung oder Frischwasser vorhanden ist. Wenn man nicht auf Frischwasser angewiesen ist und gut autark stehen kann, kommt man aber auch ohne die App ganz gut zurecht. Die Plätze sind überwiegend kostenfrei, sauber und in ausreichender Anzahl verfügbar. Oft hat man eine Feuerstelle oder einen Ofen mit Grillrost, die man problemlos nutzen kann. Nur auf der Kurischen Nehrung war das Übernachten tatsächlich nur an wenigen Parkplätzen erlaubt, was aber trotzdem mehr als ausreichend war. Die wenigen Campingplätze, die wir zum Wäschewaschen usw. besucht haben, waren sehr herzlich, sauber und teilweise sehr kreativ eingerichtet. In besonders guter Erinnerung sind uns Rūgumi ca. 20 km nördlich von Liepāja mit eigenem Strandzugang und einer üppigen Streuobstwiese oder Camping&Yachts in Riga.

Das Baltikum ist weiterhin sehr kinderfreundlich. Die zahlreichen Spielplätze, auch außerhalb der Städte, sind sehr kreativ gestaltet und bieten (meistens) auch etwas für Eltern – wir hatten immer unseren Spaß an den Sportgeräten, die meistens in die Spielplätze integriert sind. Auch Essengehen mit Kindern macht hier Spaß. Die meisten Gastronomien haben eine Spielecke für die Kleinen, oft auch mit einem Spielplatz direkt an den Esstischen.
Unser kleiner Sohn ist tatsächlich kein vorbildlicher Beifahrer, deswegen fahren wir im Baltikum jeden Tag max. 200 km und wechseln dafür fast jeden Tag den Standort. Da man aber im WoMo alles parat hat und die Standortsuche mit der App absolut unkompliziert ist, empfinden wir das nicht als stressig. Nach einer Woche entwickeln wir für uns die Routine, möglichst früh mit noch schlafenden Kids aufzubrechen (die wir schlafend in ihre Fahrsitze umtragen), so sind wir 9:00 oder 10:00 am Ziel und haben den ganzen Tag für uns.

Anreise

Die relativ lange Anreise erfolgt über Deutschland und Polen. Wir nächtigen im WoMo mal direkt am Weinhang (inkl. super netter Weinverkostung beim Weingut Patke 😊), mal auf einem Pferdehof bei Łódź. Sowohl in Deutschland als auch in Polen gibt es unzählige schöne, in Deutschland überwiegend kostenlose und in Polen recht günstige Stellplätze für WoMos, wo man übernachten und Kraft tanken kann. So empfinden wir die Anreise gar nicht anstrengend und kommen erholt im Baltikum an.

Essen

Das überall verkaufte geröstete Knoblauch-Roggen-Brot wird quasi zu unserem Grundnahrungsmittel, ansonsten Piroggen (Fastfood in Litauen), Fisch und sehr leckere Suppen.

Sprache

Unsere einheimischen Begegnungen waren ausnahmslos sehr freundlich. Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass Erwachsene ab 40 Russisch sprechen, da sie es auf der Schule hatten (in Lettland deutlich mehr als in Litauen). Ich habe trotzdem immer gefragt, ob es in Ordnung ist. Und das war es immer. Menschen waren eher neugierig, woher ich denn Russisch kenne, dadurch kamen wir sehr schnell ins Gespräch und ich habe sehr herzliche und offenen Konversationen erlebt. Bei den Jüngeren kann es durchaus passieren, dass sie einfach kein Russisch mehr sprechen, dafür aber dann zu 95 % Englisch und ansonsten auch oft Deutsch. Zur Not kommt man immer mit der internationalen Sprache – Hände und Füße 😊 – zurecht.

Geld

Ob eine Eiskugel in der Stadt oder das Ticket am Parkautomaten: EC-Kartenzahlung ist überall kein Problem (ohne zusätzliche Gebühren). Am Automaten beträgt die Gebühr ca. 5 € (wie in Deutschland auch). Die Währung ist Euro.

Kosten

Die Kosten für Lebensmittel sind analog zu Deutschland, in kleineren Städten ist die Auswahl in Läden nicht so groß, oft gibt es nur „Fertigprodukte“, dafür trifft man hin und wieder Omis, die frische Gurken und Stachelbeeren aus dem Garten verkaufen.
Essengehen ist etwas günstiger, vor allem außerhalb der Städte. Benzin ist auch günstiger.
Campingplätze gibt es ab 10 Euro, wir haben für ein WoMo, zwei Erwachsene und zwei Kinder max. 25 Euro bezahlt.
Unser WoMo kostet 130 €/Tag. Leider mussten wir eine bittere Erfahrung mit der deutlich günstigeren Alternative „PaulCamper“ machen, da unser dort bereits im Winter gemietetes und bezahltes WoMo aufgrund eines technischen Defekts kurz vor dem Urlaub komplett storniert wurde.

Mücken

Wenn man nicht zum Mückenfutter werden möchte, sollte man jede Möglichkeit nutzen, sich vor diesen Bestien zu schützen: abends oder vor allem beim Paddeln am besten lange Kleidung tragen und Mückenspray (am besten aus dem lokalen Geschäft) nutzen, auch wenn dieses nicht immer hilfreich ist.

Regen

Er kommt und geht und fragt nicht, ob er in der Wetter-App angekündigt war 😊 Starke, aber kurze Schauer sind fast unsere täglichen Begleiter und hinterlassen fast immer einen grandiosen Regenbogen als Entschädigung. Am besten Regenstiefel und Regenjacke immer parat haben.

Angeln

… ist überall mit Schein erlaubt, Kinder benötigen keinen Angelschein. Auch wenn die Seen und Flüsse sehr fischreich sind und diese uns fast ins Boot springen, haben wir trotzdem keinen Erfolg.

  • Ich habe im Vorhinein auf YouTube einen Bericht angeschaut, der mich sehr inspiriert hat und die darin geschilderten Erfahrungen und Empfehlungen habe ich vor Ort tatsächlich so empfunden. Der Bericht heißt „Für immer ein Sehnsuchtsort“. Ansonsten gibt es wirklich sehr viele Reiseberichte auf Youtube.
  • Zum Finden der täglich neuen Standorte für das WoMo haben wir die App „stay4night“ genutzt.

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