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Kärnten: Klettern am Kanzianiberg

Kärnten: Klettern am Kanzianiberg

Der von den Kärntenern liebevoll „Kanzi“ genannte Kanzianiberg liegt gerade einmal fünf Autominuten vom Ufer des Faaker Sees entfernt. Rund 500 Routen mit Schwierigkeiten von 3 bis 8c warten im Klettergarten am Fuß der Karawanken. Egal, wie gut und schwer man klettert: Nach einem erfolgreichem Klettertag sollte man sich unbedingt eine Erfrischung im Faaker See gönnen.

Bislang war Kärnten ein unbeschriebenes Blatt für mich, weil ich tatsächlich noch nie zuvor dort war. Doch ich hatte schon zu viel von dessen Schönheit gehört, um es noch weiter zu verschmähen und nachdem der Kletter- und Wanderurlaub in Schottland der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen war, war die Zeit reif für einen einwöchigen Aufenthalt in Kärnten. Nach kurzer Recherche und einigen Nachfragen bei befreundeten Kärntenern war schnell klar: Der Kanzi muss auf alle Fälle mal ausgecheckt werden! Er ist schnell erreichbar, bietet sowohl einfache als auch anspruchsvolle Routen – ein paar davon auch im Schatten. Das war uns wichtig, denn wir waren während einer Hitzeperiode dort.

Weil der Klettergarten Kanzianiberg nicht nur eine Vielzahl spannender Kletterrouten bereithält, sondern auch eine sehr schöne Klettersteig-Tour über das ganz Areal, gingen wir fürs Erste am Drahtseil entlang über den Kanzi. Um die verschiedenen Sektoren des Klettergartens kennenzulernen und sich einen Überblick über die verschiedenen Kletterwände zu verschaffen, eignen sich die Klettersteige wirklich hervorragend. So stiegen wir entspannt und noch vor der Mittagshitze durch die ersten Abschnitte der sogenannten Kanzi Ferrata, freuten uns, nach dem Corona-Lockdown endlich mal wieder in den Bergen zu sein und kundschafteten die ersten Sektoren fürs Seilklettern am nächsten Tag aus.

Der Klettersteig besteht aus 16 Abschnitten mit Schwierigkeiten von A bis E, jedoch gibt es etliche Ein- und Ausstiege, sodass man schwierige (oder zu einfache) Abschnitte auch einfach überspringen kann. Bei den schwersten Abschnitten gibt es auch immer einen einfacheren Alternativweg.

Mein Highlight war der Westkamin im Abschnitt des Kleinen Prasvalen: eine schmale, etwa einen halben Meter breite Felsspalte, die man nur mit Kaminklettertechnik hinaufkommt. Oben wurden wir mit einem herrlichen Ausblick auf die Karawanken und das Untere Gailtal bei Villach belohnt. Hier legten wir eine Pause ein, aßen unser mitgebrachtes Obst und diskutierten, wieviel Kletterkraft wir wohl durch den Lockdown verloren hatten. Wir sollten es bald herausfinden …

Zum Abschluss des Klettersteigs gingen wir über eine Seilbrücke zwischen Kleinem und Großen Prasvalen, bei der man etwa 25 Meter über dem Boden über die Schlucht hinweg läuft.

Tags darauf fuhren wir mit Seil und Kletterschuhen zurück zum Kanzi. Der Sektor „Hüttenwände“ besteht aus fünf etwa 15 Meter hohen Felsen in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz, die ideal zum Aufwärmen bei Schwierigkeiten von 3c bis 5c sind. Da dieser Teil jedoch bereits am frühen Nachmittag voll in der Sonne liegt, suchten wir schon bald einen schattigeren Sektor und fanden ihn am Sonnwendkopf im sogenannten Märchengrund, welcher etwa fünf Gehminuten den Waldweg hinauf liegt. Der untere Stock der westseitigen Wand liegt sonnengeschützt zwischen Bäumen, doch die letzten Meter der hiesigen Routen verlaufen bereits oberhalb der Baumkronen und liegen somit voll in der Nachmittagssonne. Das Chalkbag wird zum treuen Begleiter.

Die Routen hier sind laut Kletterführer von 4b bis 7b zu bewerten und die meisten tragen an die Asterix-Comics angelehnte Namen. Während die Routen Asterix und Obelix noch recht einfache Plattenklettereien mit guten Tritten sind, zeigen Miraculix und Mira-Yestix schon deutlich, warum der Kalkstein am Kanzi nicht ganz ohne ist. Schwierige Bouldereinstiege mit leichtem Überhang und danach kleine und rutschige Griffe an der 90 Grad-Wand bis zum Top. Einige Routen sind bereits recht speckig, doch immer noch sehr schön zu klettern. An dieser Wand ist es unbedingt ratsam, einen Helm zu tragen, da der Weg des Klettersteigs direkt entlang der Umlenker verläuft und somit Steinschlag von oben zur echten Gefahr werden kann! Das bedeutet auch, dass man vor dem Umlenker auf diesem Weg „austoppen“ muss, um die Kette zu erreichen.

Als die tieferliegende Sonne die Wand schließlich so stark aufgewärmte hatte, dass wir nach jedem Versuch erst einmal am Waldboden abkühlen mussten, suchten wir nach einer neuen Wand und fanden die herrlich kühle Blockschlucht. Dieser Sektor befindet sich zwischen der Ostwand des Kleinen Prasvalen und der Westwand. Durch den Schutz der umliegenden Felsen und die vielen Bäumen ist es hier mal eben fünf bis zehn Grad kühler. Wir fragten uns, warum zu dieser Jahres- und Tageszeit nicht viel mehr Leute hier kletterten, weil es doch deutlich angenehmer war!? Wir entschieden uns also für ein kleines Picknick in der Schlucht.

Die Infos in unserem Kletterführer stimmten in diesem Teil des Kanzianibergs leider gar nicht mehr – eine neuere Version wäre eventuell hilfreicher gewesen. Doch so wurde es ein aufregendes Herumprobieren statt Schwierigkeiten und Routenverlauf einfach im Buch abzulesen. Was im Kletterführer als reine Toprope-Route angegeben war, stellte sich als tolle, wenn auch eher kurze, etwa 15 Meter hohe und mit Bohrhaken versehene Route in einer Felsverschneidung mit Riss im vorderen Teil der Schlucht hinaus (im Kletterführer als BloSchlu-Verschneid. bezeichnet). Hier galt es, die kleinen, aber sehr guten Tritte zu finden und mit den Armen ordentlich Druck aufzubauen.

Optisches Highlight in diesem Sektor ist definitiv der Blockschluchtturm ganz hinten in der Schlucht. Mehrere Routen führen hinauf, doch die offensichtlichste liegt auf der Vorderseite, welche nach Süden ausgerichtet ist. Laut Kletterführer sollen auf dieser Seite ebenfalls mehrere Routen hinaufgehen, doch nur eine Bohrhaken-Linie ist tatsächlich vorhanden.

Wir beschlossen, dass dies die letzte Route des Tages sein sollte, da wir erstens ausgepowert waren und zweitens noch in den Faaker See springen wollten – die Abkühlung hatten wir uns verdient.

Vom Fuß des Felsturmes geht es über eine Verschneidung hinein in ein unschönes, leicht überhängendes Boulderproblem. Zu allem Überfluss war dieser Teil der Route etwas feucht. Die kühle Schlucht hat also doch einen erheblichen Nachteil. Die Positionen, um die Exen einzuhängen, sind denkbar ungünstig, doch ist man einmal über den etwa fünf Meter über dem Boden liegenden Vorsprung hinausgeklettert, wartet eine einfache und flache, aber dennoch schöne Platte mit einigen Rissen bis zum Umlenker an der Spitze des Turms.

An dieser Stelle nicht vergessen, sich einmal umzuschauen, da der Ausblick von der Spitze des Turms wirklich gigantisch ist! Man schaut aus der Schlucht hinaus in das Tal unterhalb des Kanzianbergs – ein lohnenswerter Abschluss des Tages. Einmal hochgeklettert, kann man theoretisch ein Toprope für die deutlich leichtere Route links daneben einhängen.

Der Kanzianiberg ist nicht ideal für Einsteiger am Fels, doch ein paar Routen findet man sicherlich – vor allem im Sektor der Straßenfelsen. Für mich als mäßig erfahrenen Kletterer war es wundervoll, sowohl schöne Platten als auch herausfordernde Risse zu klettern, wobei der Kalk am Kanzi definitiv gewöhnungsbedürftig ist. Ein paar Tage mehr hätten sicherlich nicht geschadet und wir hätten unser gesamtes Kletterpotential ausschöpfen können, das sicherlich auch etwas unter dem vorherigen Lockdown gelitten hatte. Ob ich Lust habe, nochmal nach Kärnten zu fahren? Definitiv! Allerdings nicht mehr bei solcher Hitze 😛

 

Anreise

Wer am Faaker See übernachtet, fährt maximal 15 Minuten von der Unterkunft bis zum Kanzi. Wer über die A10 nach Kärnten reingefahren kommt, biegt kurz vor Villach ab und fährt Richtung Finkenstein am Faaker See. An der Kreuzung zur Ferdinand-Wedenig-Straße einbiegen (hier ist sogar ein Kanzianiberg-Schild) und ein paar Minuten die Straße bis zum Parkplatz auf der linken Seite hinauffahren. Der Parkplatz ist groß, Platzprobleme sollte es vermutlich keine geben. Campen auf dem Parkplatz oder im Klettergarten ist übrigens strengstens untersagt! Das Areal ist ein Wasserschutzgebiet.

Reisezeit und Klima

Außer im tiefsten Winter kann am Kanzi wahrscheinlich das ganze Jahr über geklettert werden. Zu heiße Sommertage können unangenehm sein, doch der Klettergarten bietet stets genug schattige Felswände, sodass man der Sonne auch ein wenig entfliehen kann. Ein befreundeter Kärntener sagte mir, dass er immer im Frühjahr zum Kanzi fährt, wenn es noch nicht so warm ist und er den Winterspeck wegklettern möchte.

Übernachtung und Verpflegung

Zum Übernachten eignet sich eine Unterkunft direkt am Faaker See. Es gibt zwei Campingplätze, die das Budget schonen, aber auch zahlreich Pensionen, Hotels und Ferienhäuser. Wir haben am Nordufer des Sees im kleinen Ort Drobollach übernachtet. Dort gibt es mehrere Supermärkte, einen kostenlosen Badestrand und ein paar Restaurants. Unser Apartment „Zum Bildstock“ gehört einem sehr netten Herrn, der uns viele Tipps zum Wandern in den Karawanken gegeben hat und sich sehr gefreut hat, dass wir zum Klettern an den Kanzi gefahren sind.

Geld und Kosten

Die Nutzung des Klettergartens ist kostenlos. Wer kein eigenes Material dabei hat, kann sich in einem Klettershop in Villach welches leihen oder kaufen (siehe Link unten).

Sprache

Kärntenerisch klingt wundervoll! Genießt es 😉

 

  • https://maltatal.rocks/klettergebiete-posts/klettergarten-kanzianiberg/: Die Website vom Klettergarten im Maltatal hat auch einen Artikel zum Kanzianiberg. Hier hatte auch ich meine ersten Infos her.
  • https://www.bergsport-korak.at/: Der Klettershop in Villach verkauft und verleiht Material sowie Kletterführer und Wanderkarten.
  • „Klettern am Kanzianiberg“ von Ingo Neumann (2016). ISBN: 9783901533228
    Diesen Kletterführer haben wir beim Sport Korak für 10 € erstanden, weil gerade ein neuer herausgekommen ist. Dieser ist OK, um sich einen Überblick zu verschaffen. Wer allerdings keine Kompromisse eingehen möchte, sollte zum nächsten Punkt schauen.
  • „Kanzi“ von Anika Ferlitsch (2020). ISBN: 9783200068384
    Dieser Führer ist erst kürzlich erschienen und beinhaltet Drohnenfotos für die Topos. Mit 28,90 € war uns dieser Kletterführer für unseren Kurzausflug zum Kanzi allerdings zu teuer.
  • An warmen Tagen unbedingt genug Chalk einpacken!
  • Mit einem 50m-Seil kann man die meisten Routen und Mehrseiltouren problemlos klettern. An ein paar Wänden gibt es allerdings auch 30-35 Meter lange Routen, für die dann ein 70-m- oder gar 80-m-Seil notwendig ist.
  • Ein Helm schadet sicherlich nie. Wir haben ihn getragen, viele andere Kletterinnen und Kletterer nicht. Doch wenn ich weiß, dass direkt über mir Klettersteigerinnen und Klettersteiger entlanglaufen, gehe ich lieber auf Nummer sicher.

 

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