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Wintertour: Mit dem Rad vom Erzgebirge nach Berlin – an einem Tag!

Wintertour: Mit dem Rad vom Erzgebirge nach Berlin – an einem Tag!

Die Idee für die Tour gab es schon länger, die Umsetzung war mehr oder weniger spontan: Von zu Hause im Erzgebirge bis nach Berlin. An einem Tag. Was für alle fitten Rennradfahrer:innen ein normaler Tag ist, war für mich definitiv eine Herausforderung. Bis zum Sommer des Jahres 2021 bin ich nicht mehr als 50 km am Tag mit meinem Rad gefahren. Jetzt, kurz vor Weihnachten, sollten es 250 km werden.

Woher genau mein Antrieb kam, kann ich nicht genau sagen, aber wahrscheinlich begann alles im Juni 2021. Mit einem Freund bin ich in 3 Tagen von Chemnitz nach Berlin gefahren (davon den größten Teil auf der Radroute Leipzig-Berlin, die auch absolut empfehlenswert ist) und seitdem habe ich Gefallen an dieser Art des Reisens und Erlebens gefunden. Seitdem wir im Sommer am Brandenburger Tor angekommen waren, hatten wir beide, glaube ich, die Idee, die Strecke an einem Tag zu fahren. Irgendwie faszinierte mich die Vorstellung, die Strecke, die man sonst immer mit Zug oder Auto fährt, einfach aus eigener Kraft mit dem Rad zurückzulegen. Ein paar Monate später war die Idee tief in meinem Hinterkopf verschwunden, aufgehoben für später. Kann man ja irgendwann mal machen.

Ein paar Tage vor Weihnachten hatte ich irgendwie zu viel Zeit, wollte etwas machen, das ich noch nie gemacht habe und bin wieder auf meine alten Tourenideen gestoßen. Und weil ich ja eigentlich eine Freundin des Einfach-mal-Machens bin, dachte ich, ich kann ja auch jetzt nach Berlin fahren und nicht irgendwann später.

Die Streckenplanung war recht simpel: Vom Startpunkt Haustür zum Brandenburger Tor und das möglichst auf dem kürzesten Weg. Eine Herausforderung war neben der Distanz vor allem die Temperatur, die nur in der sonnigsten Zeit des Tages über Null kletterte.

Key Facts zur Tour
Start: Augustusburg im Erzgebirge
Ziel: Brandenburger Tor in Berlin
Distanz: 250 km
Fahrzeit: 14 h + etwa 3 h Pause
Wegpunkte: Augustusburg-Frankenberg/Sachsen-Hainichen-Döbeln-Strehla-Mühlberg/Elbe-Falkenberg/Elster-Herzberg-Schönewalde-Schönefeld-Sperenberg-Zossen-Groß Machnow-Glasow-Berlin

Los ging es früh um halb 6 in völliger Dunkelheit. Am Anfang war die Kälte noch nicht allzu dramatisch, viel größer waren die Aufregung und die noch vorhandene Energie, die mich über die vielen Berge brachte, die im ersten Teil der Strecke auf mich warteten. Ein herrlicher Sternenhimmel verwandelte sich mit der Zeit in einen ebenso schönen Sonnenaufgang – Momente, die einen trotz tauber Füßen und Finger daran erinnern, warum man sowas eigentlich macht. Über Frankenberg und Hainichen fuhr ich nach Döbeln, wo ich die erste größere Pause einlegte. Definitiv der Moment, an dem ich am nächsten dran war, einfach wieder im warmen Zug nach Hause zu fahren.
Ich fuhr weiter und die Laune wurde zum Glück immer besser. Die inzwischen strahlende Sonne taute nicht nur mich, sondern auch meine Wasserflasche wieder auf und ich legte auf den nächsten Kilometern immer wieder kleine Müsliriegel-Pausen ein, die für mehr Motivation und Energie sorgten. Ich konnte die Strecke so richtig genießen und fuhr bei blauem Himmel und Sonne über herrlich leere, weite Landstraßen über Strehla und Mühlberg bis nach Falkenberg/Elster. Nach einer längeren Pause im Supermarkt (perfekt zum Aufwärmen und Auffüllen der Snack- und Wasservorräte) führte mich meine Route durch die Kiefernwälder und über die Felder Brandenburgs mit seinen verlassenen Scheunen und leeren Dorfstraßen.
Nach Herzberg und Schönewalde wurde es allmählich wieder dunkel und ich sorgte mit extra Kleidungsschichten und Beleuchtung für die kommenden Stunden im Dunkeln vor. Ich setzte mir kleine Etappenziele, fuhr von Dorf zu Dorf und genoss die leeren Landstraßen.
Mit der Kälte, die die Nacht bedeutete, kam ich diesmal relativ gut klar und fuhr mit vielen kurzen Pausen nach Zossen, meinem letzten großen Ziel vor Berlin. Ich legte dort meine letzte größere Pause ein und radelte auf den verbliebenen 40 km über verlassene Feldwege, kleine Vororte und neben großen Bundesstraßen. Nach dem Ortseingangsschild Berlin ging es noch ein gutes Stück durch die Stadt bis zum Brandenburger Tor, wo ich halb 11 abends ankam.

Bei so einer Tour macht es am meisten Spaß, wenn man so wenig Gepäck wie möglich mitnimmt. Ich hatte eine kleine Rahmentasche und einen 30-Liter-Rucksack dabei (der kann ruhig kleiner sein, bei mir war er auch nicht voll). Neben Werkzeug, Reparatur-Equipment und Erste-Hilfe-Set hatte ich hauptsächlich viele Snacks im Rucksack.

Verpflegung

Es empfiehlt sich, das einzupacken, was man gerne isst, um unterwegs nicht nur für ausreichend Energie, sondern auch für Motivation zu sorgen (zu wissen, dass man in 5 km den Lieblings-Schokoriegel essen kann, lässt einen besser gelaunt fahren als vieles andere). Sowohl Snacks als auch Wasser oder andere Getränke sollte man auf einer winterlichen Tour nicht für die gesamte Strecke mitnehmen, sondern immer wieder im Supermarkt für Nachschub sorgen. Das sorgt für eine prima Kombination aus leichtem Gepäck und Zeit zum Aufwärmen während des Einkaufs.

Kleidung

Die Wahl der Kleidung ist natürlich immer sehr individuell und vom Wetter abhängig. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hat für mich die Kombination aus Fleece-Pullover, Daunenjacke, Leggings und warmer Hose zum Drüberziehen gut funktioniert. Dazu gab es zwei Paar Socken, Handschuhe und je nach Tageszeit Mütze mit Buff und/oder Fleece-Schal für den Hals.

Beleuchtung, Navigation und Stromversorgung

Besonders in der dunklen Jahreszeit sollte unbedingt für genügend Beleuchtung gesorgt sein. Dabei auf ausreichende Wechsel-Batterien und eine volle Powerbank + Ladekabel zum Aufladen achten! Die Powerbank diente bei mir nicht nur zum Aufladen meiner Lampen, sondern auch für Handy und Stirnlampe. Die Stirnlampe war mein Backup, damit ich eine zuverlässige Beleuchtung habe, falls der Akku der Fahrradlampe leerlaufen würde und geladen werden müsste.

Zur Navigation nutzte ich mein Handy, was dank Offline-Karten auch in der teilweise schwachen Netzabdeckung Brandenburgs problemlos funktionierte. Zur einfachen Handhabung funktioniert eine Handy-Halterung direkt am Lenker am besten. Wer auch bei kalten Temperaturen unterwegs ist, sollte unbedingt beachten, dass Akkus viel schneller leer sein können als gewöhnlich und dass auch das Aufladen unter Umständen nicht oder nicht gut funktioniert (ich musste mein Handy zwischendurch immer ein bisschen in der Tasche meiner Jacke aufwärmen, damit es warm genug zum Aufladen war).

Übernachtung und Rückreise

Am besten Städte aussuchen, in denen Freunde wohnen, bei denen man unkompliziert übernachten und am nächsten Tag entspannt noch etwas die Stadt anschauen und mit dem Zug o. ä. zurückfahren kann. Alternativ Hostels, Jugendherbergen oder Hotels auswählen, bei denen ein Check-In auch spät am Abend möglich ist.

Tipp für Alleinreisende

Für ebenfalls Alleinreisende kann ich empfehlen, die Route mit Freunden zu teilen und denen immer wieder Updates zu geben, wo man gerade ist. Auch das Teilen eines Live-Standorts (funktioniert bei des gängigen Messenger-Diensten) kann hier für ein größeres Sicherheitsgefühl sorgen.

Ansonsten ist Musik nicht nur ein hervorragender Motivations-Booster, sondern hilft auch, das ein oder andere knackende Geräusch im Wald einfach zu überhören.

Geplant habe ich die Route mittels der Website mapy.cz bzw. der zugehörigen App – absolute Empfehlung, da wunderbar detailreiche Karten mit eingezeichneten Wander-/Radwegen, Rastmöglichkeiten, Quellen, Gipfeln usw. kostenlos bereitgestellt werden. Gewünschte Kartenausschnitte kann man sich vor der Tour runterladen und sich dann unabhängig von der Verfügbarkeit von Internet navigieren lassen. Super praktisch!

Wer mag kann sich hier auch anschauen, wo ich (mit kleinen Änderungen) langgefahren bin: *klick*
(kleiner Tipp: Fähren fahren meist nicht Winter, Umwege einplanen :D)

Wenn man sich allgemein für das Gebiet interessiert und Inspiration für einen Routenverlauf sucht, helfen Routenberichte zum Radweg Berlin-Leipzig weiter. Zu finden z. B. hier:
radtouren-checker.de/berlin-leipzig-radweg/
fahrradblog.de/training/radweg-von-berlin-nach-leipzig-ich-bin-ihn-gefahren/

  • dem Wetter und der Bewegung angemessene Bekleidung
  • Erste-Hilfe-Set, Werkzeug und Flickset
  • Müsli- und/oder Energieriegel sowie Wasser

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