Testbericht: Die Shield-Rucksäcke von Bach

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planet tapir | 4. Februar 2015

Die Shield-Reihe von Bach befindet sich nun schon seit einiger Zeit in unserem Sortiment.  Höchste Zeit also, diese beiden Tourenrucksäcke mal ausgiebig auf Gurt und Schnalle zu prüfen. Unsere Herbst- Testtour im Karwendel-Gebirge bot dazu die perfekte Gelegenheit, da eine 3-4 tägige Tour, Klettersteig-Begängnis inklusive, genau dem Nutzungsprofil des Shield 38 und 45 entsprechen.

Grundsätzlich sind Shield 38 und 45 identisch konstruiert. Der wesentliche Unterschied betrifft die Rückenlänge, welche bei diesen Modellen nicht variabel ist. Etwas länger gebaute Menschen sollten eher zur 45er-Variante greifen, damit die Passform des Shield optimal ist. Die 45-Liter-Variante bietet zwar zudem theoretisch ein wenig mehr Stauraum, jedoch ist dieser „Zugewinn“ eher zu vernachlässigen.

 

Mit dem Shield auf Tour

Beim Shield 38/45 handelt es sich um einen extrem robusten und strapazierfähigen Rucksack mit außerordentlich bequemem Tragesystem. Das unverwüstliche 500dn Cordura®- Material ist sowohl reiß- als auch abriebfest und konnte weder durch den ständigen Kontakt mit schroffen Felsen noch durch scharfkantige Ausrüstungsgegenstände abgenutzt, ausgedünnt oder geschädigt werden. Nicht einmal die Begegnung mit einem dreisten Fuchs, welcher sich des Nachts an den sträflicherweise im Rucksack zurückgelassenen Essensresten zu verlustieren gedachte, hinterließ feststellbare Spuren.


Das Tragesystem ist hervorragend gepolstert und die Kombination aus Hüftgurt und Rückenschaumplatte garantieren perfekte Lastenübertragung. Der Shield liegt gut am Rücken an, trotz seines festen Sitzes wirkt er weder hart noch unflexibel. Die Schultergurte sind zwar nicht dezidiert ergonomisch geformt, überzeugen aber dennoch mit sparsamer, aber effizienter Polsterung und guter Passform. Gerade bei intensiveren Bewegungsabläufen bleibt der Shield da, wo er hingehört und behindert auch bei anspruchsvollen körperlichen Verrenkungen die Koordination nicht im geringsten.

Für ein wenig Belüftung sorgt eine vertikal verlaufende, kanalförmige Aussparung im Rückenpoplster, dies sollte jedoch nicht überbewertet werden. Bei großer Anstrengung und normaler Auslastung der Kapazität des Shields schwitzt man sich einfach den Rücken nass, der Faktor ‘Belüftung’ ist unserer Meinung nach von eher peripherer Bedeutung.

Besonders lobenswert zu erwähnen ist der BACH 3D SMART DIVIDER, welcher ein völlig neues Konzept der Lastenverteilung darstellt. Wie allgemein bekannt, sollten die schwereren Ausrüstungsgegenstände eher im mittleren, oberen Bereich des Rucksacks in Rückennähe verstaut werden, damit sie vom Tragesystem optimal kompensiert werden können, sprich: ihr Gewicht effizient auf den Hüftgurt geleitet wird.  Diese Gewichtsverteilung passiert beim Shield bei Bedarf automatisch, wenn der Zwischenboden eingehängt und entsprechend bepackt wird. Der Zwischenboden teilt den Stauraum nicht, wie bei anderen Rucksäcken üblich, in einen kleinen „Fußraum“ und eine große Hauptkammer, sondern in zwei ähnlich große, diagonal geteilte Kammern. Dabei wird der Zwischenboden zum einen im unteren, rückwärtigen Teil des Rucksacks befestigt, zum anderen aber frontal weiter oben als sonst üblich. Auf den unteren Stauraum wird dann über den Frontzugang zugegriffen, auf den oberen über die Deckelöffnung. In den unteren Bereich wandern folgerichtig die leichteren, in den oberen die schwereren Ausrüstungsgegenstände. Gerade die bei Klettersteigtouren unvermeidliche Geraffel-Vielfalt kann auf diese Weise optimal organisiert werden.

Mit 1750 bzw. 1850 Gramm gehört der Shield sicher nicht zu den leichtesten Rucksäcken, das Gewicht geht aber in Anbetracht der enormen Strapazierfähigkeit, des sehr soliden Tragesystems und dem aus der bequemen Polsterung resultierenden hohen Tragekomfort restlos in Ordnung.

Bezüglich der Verarbeitung fand sich kein Grund zur Klage: Sämtliche Nähte stellten sich als sehr widerstandsfähig und präzise gestochen heraus, Steckschließen und Schnallen sind kompromisslos belastbar und selbst fahrlässigste Behandlung (siehe: Fuchs) konnte den Shield nicht an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen. Die verwendeten Reißverschlüsse sind allesamt grobzahnig und folglich ordentlich belastbar und auch an den Wanderstockhalterungen haben wir intensiv gezerrt, um Belastungen aufgrund extremer Grobmotorik authentisch zu simulieren.

Zur weiteren Ausstattung gehören seitliche Kompressionsriemen, eine Halterung nebst Ausgang für Trinksysteme, eine kleine Schultertasche am Schultergurt, ein kleines Staufach im Deckel, ein integriertes Raincover sowie zwei seitliche Einschubtaschen, von denen eine per Reißverschluss verschließbar, die andere für die Verbringung einer Trinkflasche gedacht ist.

Pickel-, Helm- und Steigeisenhalterung sucht man jedoch vergeblich. Für dieses Anwendungsgebiet ist der Shield aber sowieso etwas zu komfortabel, weswegen ihr Fehlen nicht als maßgeblicher Nachteil gewertet wird. Schwerer wog da schon der Mangel zusätzlicher Materialschlaufen und Schnallen, von denen wir uns doch noch 3-4, u.a. am Deckel, gewünscht hätten, um bei Bedarf die ein oder andere Isomatte außen anzubringen. Auch hätte sich einer unserer Tester über eine weitere kleine, aufgesetzte Tasche im Frontbereich gefreut, um Karten, Kompass oder Schokolade schneller griffbereit zu haben.


Resümee

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bach mit dem Shield einen äußerst robusten, bequemen und herausragend funktionalen Rucksack gebaut hat, der unsere Erwartungen vollends übertroffen hat. Die im letzten Abschnitt erwähnten Nachteile sind für die Einstufung der Qualität eines Tourenrucksacks bestenfalls von sekundärer Bedeutung. Für besonders ambitionierte Touren in Eis und Schnee oder in der Vertikalen mit diversen Seillängen im Anhang gibt es definitiv technischere und angemessenere Rucksäcke, aber wem ein etwas niedrigeres Adrenalin-Level bei der Freizeitgestaltung genügt, ist mit dem Shield 38 oder 45 von Bach hervorragend aufgestellt.

Mit 38, respektive 45, Litern bietet sich der Shield für kürzere, anspruchsvolle Touren an, bei denen Klamotten und Ausrüstung für maximal eine Woche transportiert und weder solide Zelte noch übermäßig viel Nahrung mitgeführt werden müssen. Ideal erscheint er daher für Hüttentouren in den Alpen oder Skandinavien sowie Klettersteige. Alternativ eignet er sich für Touren und längere Wanderungen mit weniger Gepäck und Equipment, idealerweise in wärmeren Gebieten. Der Jakobsweg in Frankreich oder Spanien wäre hier ein einleuchtendes Beispiel. Aber ganz egal, ob Schottland oder naher Osten, der Shield 38/45 hat das Potential, den nächsten Rucksackkauf in weite Ferne rücken zu lassen!

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