Thule Versant 50 – Trekkingrucksack oder Wanderrucksack? Der Testbericht!

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planet tapir Alexander | 2. März 2016

Thule hat ja bereits eine Weile Erfahrung im Rucksackbau und bringt mit dem Versant 50 einen leichten und vielseitigen Trekkingrucksack auf den Markt. Ich habe den Rucksack auf einem dreitägigen Trek bei der tapir-Testtour an der Ostseeküste getestet, bei dem die komplette Ausrüstung inklusive Zelt und Verpflegung im Versant 50 verstaut werden musste.


Was ist neu am Versant 50?

Im Vergleich zu vielen anderen Trekkingrucksäcken wartet Thule beim Versant 50 mit zwei neuen Features auf, die eher rar und sehr hilfreich sind. Wirklich sinnvoll finde ich die verstellbare Polsterung am Hüftgurt. Hier lässt sich über ein simpel zu bedienendes Klettsystem die Länge und damit die Position des Gurtpolsters variieren, sodass der Sitz des Polsters sich perfekt auf die eigene Statur anpassen lässt. Immerhin lässt sich die Position um 15cm variieren, da werden zumindest die meisten Rucksackträger glücklich werden. Mit einer Jeansweite von 30 gab es bei mir auch noch Luft nach unten. Bei anderen Anbietern gibt es verschiedene Größen für Beckengurte, dies erspart Thule sich und uns mit dieser technischen Innovation. Zudem gefällt mir die Kombination aus wasserdichtem Innenleben im unteren Bereich und Regenhülle. Das untere Drittel des Versant 50 ist mit einer wasserdichten Beschichtung hinterlegt, sodass der Rucksack auch ohne Regenhülle problemlos auch auf nassem Untergrund abgestellt werden kann. Fängt es tatsächlich an zu regnen, wird die Regenhülle aus der kleinen Tasche auf der Front geholt und die oberen 2/3 des Rucksacks damit geschützt. Dadurch bleiben die elastischen Seitentaschen auch mit Regenhülle erreichbar – ideal, wenn man dort seine Trinkflasche verstaut hat.


Hardfacts und Ausstattung des Versant 50

Mit 1,8 Kilogramm ist der Versant 50 kein Vertreter der Ultraleicht-Sparte, dennoch ein sehr leichter Rucksack in der Größenordnung um die 50 Liter. Die Schultergurte und das Tragesystem sind leicht gepolstert und angenehm weich. Hier hat Thule meiner Meinung nach eine sehr gute Balance zwischen Komfort und Materialersparnis gefunden. Die Rückenlänge ist über ein leicht zu bedienendes und solide wirkendes Klettsystem einfach verstellbar. Der Längenspielraum beträgt 12 cm. Über die Rückenlänge kann ich keine ganz präzise Auskunft geben, denn mein Testmodell war die Frauenvariante, wie sich im Nachgang herausstellte – das war beim Vorserienmodell nicht klar zu erkennen. Daher war die Länge für meinen Rücken grenzwertig – was beim längeren Unisex-/ Männermodell kein Problem darstellen sollte, da die Bauform hier etwas länger ist. Auf ein separates Schlafsackfach hat Thule beim Versant 50 verzichtet – meiner Meinung nach bei der Rucksackgröße vollkommen in Ordnung. Stattdessen gibt ein großes Hauptfach, das sich mit einer riesigen Frontöffnung nahezu komplett aufklappen lässt. Im Innern gibt es ein Fach für ein Trinksystem, in das ein  3-Liter-System problemlos hineinpasst, und aus der Frontseite befindet sich eine riesige Netztasche, in der sich Sachen wie die Regenbekleidung und Handschuhe perfekt verstauen lassen (auch wenn sie nass sind). Seitlich sind die bereits erwähnten elastischen Netztaschen vorhanden, von denen sich eine mit einem Reißverschluss erweitern lässt, um auch etwas größere Flaschen aufnehmen zu können. Klassische Trinkflaschen passen problemlos hinein; meine knapp 1 Liter fassende Hydro-Flask-Thermosflasche musste ich allerdings zusätzlich an einem Kompressionsgurt fixieren, um ein Herausrutschen zu verhindern. Das Deckelfach des Versant 50 ist zweigeteilt. Es gibt eine geräumige Tasche und eine etwas kleinere, ideal für Dokumente und Wertsachen. Das Deckelfach ist stufenlos in der Höhe verstellbar – ideal, wenn man wie ich darunter noch sperrige Gegenstände wie den Stuhl oder die Faltstöcke transportieren möchte. Diese lassen sich mit einem Kompressionsriemen fixieren.


Das Deckelfach ist zudem abnehmbar und mit einem leicht gepolsterten Gurt zu einem Sling-Rucksack umzufunktionieren. Schön auf Städteausflügen oder bei einem kleinen Gipfelsprint, bei dem der Rucksack am Bergfuß abgelegt wird. Neben der Verstellbarkeit des Hüftgurtes gibt es ein weiteres Schmankerl an diesem. Im Lieferumfang des Versant 50 ist eine wasserdichte Tasche für das Smartphone, die mit einer Clip-Halterung links am Beckengurt befestigt wird. Alternativ kann man diese Smartphone-Tasche auch gegen eine optionale Trinkflaschenhalterung oder eine Reißverschlusstasche tauschen. Auf der rechten Seite des Gurtes befindet sich eine kleine Reißverschlusstasche für den Müsliriegel oder das Multitool. Neben der Halterung für die Wanderstöcke finden sich auf der Front noch 6 Ösen zum Befestigen zusätzlicher Ausrüstung mit Hilfe von Spanngurten.

Tragekomfort und Einsatzbereich

Wie schon beschrieben sind Rücken und Schultergurte angenehm weich, aber nicht sonderlich stark gepolstert. Ich hatte auf meiner Tour Zelt, Schlafsack, Isomatte, Regenjacke, Isolationsjacke, Wanderstöcke, Helinox Chair One (dekadent, aber unglaublich entspannend!), Wechselunterwäsche, Kocher, Kartusche, Topf, Tütennahrung für 3 Tage, Snacks für zwischendurch, 2 Liter Getränke, Spiegelreflexkamera, Stirnlampe und 2 Akkupacks zur Energieversorgung und Sonnenbrille dabei und kam auf 18,5 Kilo Gesamtgewicht inklusive Rucksack. Das war vom Tragekomfort absolut in Ordnung, allerdings auch die obere Grenze der Belastbarkeit für das Tragesystem – die wollte ich allerdings auch kennenlernen! Wird es deutlich schwerer, so wird die Gurtpolsterung zu schwach und die Lastverteilung kann nicht mehr optimal gewährleistet werden. Perfekt ist der Versant 50 wahrscheinlich mit Lasten bis 15 Kilogramm zu tragen. Daher eignet er sich ideal für kurze Wandertrips von 2 bis 4 Tagen mit kompletter Ausrüstung oder ausgedehnte Hüttentouren, bei denen ja etwas weniger Ausrüstung und Essen im Rucksack transportiert werden. Ebenso gut ist der Versant 50 für lange Pilgerreisen geeignet, denn auch hier versucht man ja vom Gepäck her irgendwo zwischen 10 und 15 Kilogramm Gewicht zu landen.


Fazit

Der Versant 50 ist ein vielseitiger Rucksack für kurze Trekkingtouren mit kompletter Ausrüstung oder lange Wanderungen, Pilgerreisen und Hüttentouren. Das Tragesystem ist ausgereift und für Lasten bis 15 Kilo optimal geeignet. Bemerkenswerte Ausstattungsmerkmale sind der perfekt anpassbare Beckengurt, die Kombination aus wasserdichtem Material und Regenhülle sowie die wasserdichte Smartphone-Tasche. Die 12 cm Spielraum bei der Rückenlänge machen den Versant 50 zu einer ausgefeilten und vom Design her sehr ansprechende Alternative zu den gängigen Rucksäcken von Deuter, Osprey & Co.

Thule hat ein kleines Video zum StormGuard-System und zum Handling online gestellt. Wer noch mehr  vom Versant 50 und vor allem bewegte Bilder sehen möchte, dem sei folgender Clip ans Herz gelegt:

 

 

 

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Kommentare

  1. avatar
    1
    Sven | 11. Oktober 2016, 10:02

    Absolut toller Beitrag! mir wärs aber von der Farbe irgendwie bisschen zu auffällig..aber jedem das Seine!

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