Testbericht: auf Tour mit Radtaschen von Thule

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planet tapir Simone | 17. Februar 2017

Am Fahrrad gibt es bekanntermaßen Platz für 6 Radtaschen in unterschiedlicher Größe. Ganz so viele hatte ich nicht an meinem Drahtesel, als sich zur letzten tapir-Testtour für mich die Chance ergab, mich intensiv mit dem Thule-Radtaschensystem auseinanderzusetzen. Ich nutzte neben einem Paar Hinterradtaschen auch eine Lenkertaschenkonstruktion, bestehend aus einer Lenkertasche und einer (extra) Tasche fürs iPad. Als langjährige Ortlieb-Nutzerin war ich besonders neugierig, wie sich das Befestigungssystem von Thule bewähren würde, das sich sowohl bei der Lenkertasche als auch bei den Hinterradtaschen deutlich vom Quick-Lock-Befestigungssystem und dem abschließbaren Montageset für die Ultimate-Taschen von Ortlieb unterscheidet.

Klar ist es schwer, am Klassiker Ortlieb vorbeizukommen. Ihre Produkte sind einfach ausgereift, was sowohl die Handhabung und die Robustheit als auch die Wasserdichtigkeit angeht. Lange gab es in Deutschland nur die Vaude-Taschen als Alternative im Outdoorhandel, doch seit fast drei Jahren kann man bei uns im tapir auch die Thule-Gepäcktaschen kaufen, die sich nicht nur optisch von den Radtaschen des Platzhirsches unterscheiden.

Die Eckdaten zu den Lenkertaschen

Ich hatte vier Taschen von Thule an meinem Rad untergebracht. Gehen wir mal von vorn nach hinten: An dem zunächst groß und schwer wirkenden Pack ’n Pedal Lenkeradapter-System (Handlebar Mount) von Thule, das zwei Taschen gleichzeitig aufnehmen kann, hatte ich sowohl das Pack ‘n Pedal Handlebar Bag (große Lenkertasche) als auch das Thule Pack’ n Pedal iPad/Map Sleeve, eine wasserdichte Kartentasche, eingeklinkt. Letztere nutzte ich, um mein iPad als Navigationsgerät einsetzen zu können. Die Lenkertasche wiegt mit Schultergurt und Regenhülle 680 g, während das Map Sleeve mit 327 g als wetterfeste Aufbewahrung für das iPad relativ leicht ist, für eine reine Kartentasche jedoch etwas viel Gewicht mitbringt.


Das Handlebar Bag fällt durch sein Material sofort ins Auge: Es sieht nicht nur edel aus, sondern bietet durch den reflektierenden Stoff auch eine bessere Sichtbarkeit. Die Tasche ist per se nicht wasserdicht, auch wegen der vielen Reißverschlüsse. Kommt man in den Regen, ist die Regenschutzhülle einfach und unkompliziert überziehbar. Vom Design hat mich die Tasche auf den ersten Blick überzeugt – man sieht ihr die Radtasche einfach nicht an, wenn sie mit dem Schultergurt als Umhängetasche in der Stadt getragen wird. Cool! Die Tasche ist groß genug, um meine Spiegelreflexkamera und leckere Riegel aufzunehmen. Es gibt eine Öffnungsmöglichkeit von zwei Seiten, damit man einfach während des Fahrens, aber auch beim Tragen abseits des Fahrrads an die Sachen herankommen kann.

Das iPad/Map Sleeve ist perfekt für ein Standard-iPad oder ein 10″-Tablet. Okay, man kann natürlich auch Radkarten wettergeschützt darin unterbringen. Die wasserdichte Schutzhülle ist auf ihrer Oberseite transparent und stellt kein Problem für ein Touchdisplay dar. Genau wie das Handlebar Bag kann die Kartenmappe einfach und schnell am Thule Pack ’n Pedal Lenkeradapter-System befestigt und auch wieder abgenommen werden.

Einziges klitzekleines Manko: Ich fahre mit Stecklicht und einer entsprechenden Halterung und nicht mit Dynamo. Das soll jetzt aber keine Diskussion zu Verkehrstauglichkeit von Rädern auslösen. Für die externe Vorderradlampe war nicht mehr wirklich Platz am Lenker.


Die Eckdaten zu den Gepäcktaschen

An meinem Gepäckträger fanden die Pack’n Pedal Large Adventure Touring Panniers ihren Platz. Sie wiegen 1480 g (mit Tragegurt, nachgewogen) und sind komplett wasserdicht (IPX5-Standard). Die Taschen haben einen Rollverschluss, das Volumen von 26 Litern kann mittels der beiden Kompressionsriemen auch reduziert werden. Typisch für das skandinavisch cleane Design sind die kleinen, durchscheinenden Außentaschen (es passen schmale, externe Rückleuchten hinein, für mehr sind sie nicht vorgesehen) und das Fehlen einer separaten Innentasche.


Natürlich, und darin unterscheiden sich die Thule-Radtaschen von ihren Mitbewerbern, kann ich bei diesen Gepäcktaschen das eingelassene Befestigungssystem einklappen, sobald die Tasche vom Gepäckträger abgenommen und umgehangen wird. Die Aufhängung am Gepäckträger ist leicht: An der Befestigungsschiene befinden sich zwei Haken, deren Öffnung mittels Zug am Verbindungsdraht in eine Ebene mit dem Gepäckträgerrohr gebracht und darüber geschoben wird. Jetzt einfach loslassen und die Arretierung erfolgt von selbst durch ein Zurückdrehen der Helix-Haken in die Ausgangsposition. Natürlich lassen sich die Haken auch im Vorfeld optimal justieren und somit auf den eigenen Gepäckträger anpassen. Die bereits angebrachten Haken funktionieren bis zu einem Rohrdurchmesser von 12 mm.

Das Anbringen des soliden Befestigungssystems ist bei der Erstnutzung nicht montagefrei, da die Magnete erst am Gepäckträger befestigt werden müssen. Die Magnete an der unteren Gepäckstrebe braucht es, damit die Taschen, deren Rückseite magnetisch ist, sich nicht aufschaukeln oder gar vom Gepäckträger abfallen können. So wird die Tasche beim Befestigen an den Gepäckträger rangezogen. Die klappbare Befestigungsschiene und das Fehlen des Haifischzahns zur unteren Befestigung der Tasche machen die Radtaschen von Thule so genial für den täglichen Gebrauch: Die Taschen haben eine absolut ebene Rückseite, sodass, wie Anne es schon bei ihrer Vorstellung der Taschen festgestellt hat, ein Reiben der Befestigungselemente am Oberschenkel der Vergangenheit angehört. Dem ist auch aus jetziger Sicht nichts hinzuzufügen!

Auf Rad und Tour

Carsten hatte mir im Vorfeld unserer Tour dabei geholfen, die Magnethalterungen und das Handlebar-Mount-System am Rad zu befestigen. Gerade für das Lenkersystem brauchten wir etwas Zeit. Hingegen mussten wir Anbringen der Magnete feststellen, dass der Satz “Nach fest kommt ab” durchaus seine Berechtigung hat. Thule kennt das Problem und arbeitet daran. Wir haben einen neuen Magnet angebaut. Ansonsten brauchte ich etwas Zeit, um den perfekten Winkel für das Anbringen der Taschen zu finden. Die magnetische Anziehung zwischen Tasche und Gepäckträger ist schon ziemlich groß. Nach etwas Übungszeit war es kein Problem mehr, das Anbringen erfolgte schnell intuitiv.

Ich war, zumindest was die Ausrüstung angeht, an diesem langen Testtourwochenende eigentlich komplett autark unterwegs: eigenes Hilleberg-Zelt, dicker Winterschlafsack, Isomatte, Kocher, Topf, Cafflano Kaffeemaschine, Wasser, Kamera, Fotoapparat und einiges mehr. Die ganzen Sachen für die Tour konnte ich in den Hinterradtaschen und einem zusätzlichen Packsack unterbringen. Ich hatte wie immer zu viel dabei, wollte ja auch an den Abenden beim Genießen der abendlichen Stille unter dem Sternenhimmel nicht frieren. Das Rad war somit ganz schön schwer. Dem Material hat das Vollbeladensein und fehlende Rücksichtnahme im Gegensatz zu mir nichts ausgemacht: Vom Spritzdreck einmal abgesehen gab es keine weiteren Gebrauchsspuren. Ich würde mir privat wahrscheinlich auch keine gelben Taschen kaufen, auch wenn sich die Taschen auf Fotos gut machen.

Die Ausrüstung überstand auch die Nieselregeneinlagen. Mittlerweile weiß ich, dass die Vorderradtasche und die iMap-Tasche auch bei langem Regen dicht halten. Beide Teile habe ich mir im Anschluss an die Tour gekauft.

 

Fazit zum Praxistest

Ich konnte meinen Kopf natürlich auf der Tour nicht ganz ausschalten. Der Vergleich zu den Ortlieb-Taschen fuhr im Hinterkopf die ganze Zeit mit. So empfinde ich die Öffnungen zum Packen der Taschen beim Back-Roller etwas größer und damit einfacher zu nutzen. Ich vermisse eine kleine zusätzliche Tasche für Schlüssel, Geld und ähnliches, da ich gerade im Alltag nicht immer mit Lenkertasche unterwegs bin. Aber am Ende sind es nur Details, in denen sich Thule und Ortlieb unterscheiden. Ma kann sich mit allen Sachen arrangieren. Und, ich habe es schon gesagt, die Lenkertasche und das iMap Sleeve werden mich zukünftig hoffentlich lange begleiten.


Während das Gros von uns mit Ortlieb-Taschen unterwegs war und sich Moritz in einem Testbericht bereits zu seinen Erfahrungen mit den Back-Roller Pro geäußert hat, war ich nicht als Einzige mit Thule-Taschen unterwegs. Einige hatten, wie ich, die Large Adventure Touring Panniers, andere die Thule Pack ‘n Pedal Commuter Pannier und das Bike Wallet zum Testen dabei. Wir hatten uns auch gleich am Montag, also noch während der Tour, eine Stunde Zeit genommen und uns gemeinsam mit den Radtaschen, ihren unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten, Volumina sowie zusätzliche Detaillösungen auseinandergesetzt. Einhelliges Fazit war, dass die Befestigung von Ortlieb kinderleicht zu handhaben ist. Wer aber eine optisch andere, modernere Radtasche gerade auch für den Alltag haben will, der sollte sich die Thule-Taschen mit ihrem cleanen Design auf jeden Fall einmal ansehen!

 

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