Auswertung Testtour: die Erste!

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tapir- testlabor Moritz | 17. Januar 2012

Wir haben für Euch das Bivy Tent Tour von Carinthia getestet. Der Biwaksack verspricht zum einen durch sein GoreTex Material eine gute Wasserdampfdurchlässigkeit und zum anderen soll ein Gestängebogen dafür sorgen, dass das Gesicht im geschlossenen Zustand frei bleibt. Klingt nach einem guten Kompromiss für alle, denen ein Zelt zu schwer und der normale Biwaksack zu ungemütlich ist …

 

Allgemeines
Getestet haben wir den Biwaksack auf unserer Wintertesttour im Harz. Ich hatte zwei Nächte lang Zeit, ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Zu den Testbedingungen ist zu sagen, wir hatten Schnee, Regen und Schneeregen bei Temperaturen von ca. -6 bis 2 Grad. Ideal!
Für eine kleine allgemeine Zusammenfassung schaut Euch unser kleines Biwak-ABC an!

Packmaß und Volumen
Das Bivy Tent Tour wartet mit einer Größe von 250x76x40cm auf. Platz genug um Schuhe und Daunenjacke mit ins Innere zu nehmen. Der Rucksack (Deuter Guide 35+) hatte aber leider keinen Platz mehr, ich mit meiner Isomatte (Synmat UL) und meinem Schlafsack (Classic Dragon 750) hingegen umso bequemer.  Entscheidend bei der Wahl des Biwaksacks war vor allem, dass das Bivy Tent Tour im Kopfbereich mit einem Gestängebogen aufgespannt wird. Wichtig vor allem deshalb, da er im geschlossenen Zustand das Gesicht freihalten soll. Der Hersteller verspricht somit: „absoluten Wetterschutz bei viel Komfort!“

Material und Aufbau
Bis auf den Boden besteht der Biwaksack aus 3-Lagen GoreTex. Wasserdicht und atmungsaktiv. Die Unterseite besteht aus einem mit PU beschichteten Nylon. Die Verarbeitung erscheint mir als sehr gut und das Material wirkt äußerst robust. Zwar lag ich zumeist auf einer dichten Schneedecke, hatte aber auch zu keiner Zeit die Angst, den Biwaksack irgendwie beschädigen zu können.

Um den Biwaksack aufzubauen bedarf es nicht viel: Ausrollen, Gestängebogen einführen und abspannen. Der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen und sollte in wenigen Minuten abzuhandeln sein. Etwas mehr Volumen im Kopfbereich lässt sich noch dadurch erzeugen, dass man ihn von innen mit Daunenjacke und Regenhose ausstopft. Dadurch gewinnt man etwas Raum und Komfort.

Praxistauglichkeit

Verhältnis Gewicht/Packmaß/Leistung
Mit 1000 Gramm ist das Bivy Tent Tour auf jeden Fall nicht mehr zu den Leichtgewichten zu zählen. Andere Biwaksäcke sind da deutlich leichter so zum Beispiel der Biwaksack Event von Exped  und mit einem Einpersonenzelt muss man auch nicht unbedingt schwerer kommen und gewinnt zusätzlich ein Vorzelt für den Rucksack. Das Packmaß von 35x10cm ist aber absolut in Ordnung und lässt sich überall unterbringen.

GoreTex, Atmen und Regen
Das klassische Problem, bei Regen in einen Biwaksack zu kommen, ohne ein mittelschweres Nässeproblem zu haben, kann das Bivy Tour Tent nicht lösen. Außerhalb, auf dem Sack stehend, schnell aus Jacke und Hose geschlüpft, ging es rein. Ist man jedoch einmal drin, oder hat das Glück, dass es so kalt ist und schneit anstatt zu regnen, findet man komfortabel darin Platz. Trotz GoreTex hat man den  Biwaksack lieber offen als zu. Ging es aber nicht anders, habe ich mir beholfen, indem ich den Sack mit Druckknöpfen verschlossen habe und den Reißverschluss dahinter offen gelassen habe. Somit war etwas Belüftung und Zirkulation möglich. Denn trotz atmungsaktiven 3-Lagen GoreTex Material hatte ich ein nicht unerhebliches Kondenzproblem  auf der Innenseite. Dies führte dazu, dass ich mich in so unmöglichen Schlafpositionen versucht habe, dass ich am Ende etwas außerhalb des Schlafsacks lag und ein echtes Kälteproblem hatte. Doch ich blieb tapfer und habe mich am Morgen durch den Brockenanstieg wieder aufgewärmt. Schön ist natürlich, dass man, sobald es nicht mehr regnet und der Biwaksack offen ist, durch den Gestängebogen völlige Kopffreiheit genießt.

Hier findet ihr intime Einblicke in unsere Biwakerlebnisse auf der Wintertesttour 2012.

Letztlich…
…ist und bleibt ein Biwaksack eine Nothilfe! Spekuliert man auf einen Biwaksack als regelmäßiges „Dach“ und ist bereit die 1000 Gramm des BivyTentTour zu tragen, liegt der Gedanke, lieber ein leichtes Zelt zu nehmen, nicht sehr fern. Man gewinnt so ein Vorzelt und eine bessere Abspannung. Hat man nicht viele Möglichkeiten ein Zelt abzuspannen und will sich vielleicht auch lieber unauffällig in die Natur legen, ist das Bivy Tent Tour durchaus eine Option, denn der Gestängebogen sorgt für ein mehr an Komfort.

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4 Kommentare

  1. avatar
    1
    Guido | 28. Februar 2014, 12:34

    Ich hatte jetzt letzte Woche auch einmal die Gelegenheit, das Bivi Tent zu testen. Es ging für 3 Tage/2 Nächte in die Sächsische Schweiz.

    Ich hatte die Militär-Version des Bivi Tents bei mir. Carinthia ist ja hauptsächlich ein Ausrüster diverser Armeen. Meine Version kommt von der Niederländischen Armee und unterscheidet sich ein wenig von der zivilen Version. So ist mein Bivi Tent vollständig aus Gore-Tex gefertigt, besitzt also keinen PU Boden. Und natürlich kommt es in auffällig unauffälligen Flecktarn daher. Dafür war es mit knapp 90 Euro günstig.

    Du hast schon recht, eine echte Alternative zum Zelt ist es nicht. Auch wenn ich keinen Regen hatte kann ich mir vorstellen, das es schwierig ist, trocken rein zukommen. Desweiteren hatte auch ich Probleme mit Kondensfeuchtigkeit. Diese waren allerdings nicht weiter ausgeprägt. Sicherlich geholfen hat das ich einen Kunstfaserschlafsack benutzt habe. Der war morgens zwar ziemlich klamm, aber immer noch schön warm. Richtige Pfützen haben sich keine gebildet, auch nicht als ich in der ersten Nacht den Sack vollständig geschlossen hatte.

    Packmaß und Gewicht waren total in Ordnung, Aufbau wie von dir Beschrieben schnell und problemlos. Man bekommt durchaus auch einen großen Rucksack im Bivi Tent unter, wenn man den ordentlich in den Fußbereich drückt. Mein Aether 70 machte da auf jeden Fall mit. Man sollte dann allerdings nicht zu lang sein, wenn man über 1,80m misst könnte es sonst knapp werden.

    Ich gedenke das Bivi Tent auch in Zukunft einzusetzen, gerade für kürzere Touren in Gegenden, in denen Zelten verboten aber biwakieren für eine Nacht erlaubt ist macht der Sack durchaus Sinn.

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    simone | 28. Februar 2014, 15:29

    He Guido,
    danke für Deine Ergänzungen und den kurzen Erfahrungsbericht. Das Bivi Tent ist schon sehr sppeziell, aber seine Vorzüge einmal kennen und schätzen gelernt hat, der wird es immer wieder mit auf Touren nehmen. Viel Spass weiterhin damit und immer spannende Zeiten unterwegs.
    viele grüße aus dem tapir
    simone

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    Alex | 9. Februar 2015, 21:31

    … da habt Ihr Glück gehabt, denn jetzt gibts die coolen Säcke nicht mehr unter 100€…

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    Timm | 13. Dezember 2015, 19:31

    Ich hatte das vergnügen das Bivy auf einer einwöchigen Tour mit sehr wechselhaftem Wetter kennen und lieben zu lernen.
    Wir waren mit einer 6 Mann Truppe in Norwegen und hatten ein 3er, ein 2er und das Tent dabei, damit falls Verletzungen auftreten nicht die komplette Gruppe die Tour abbrechen muss.
    Dank eines Wetterwechsels der selbst die Ureinwohner überraschte liefen wir bei + 15 Grad los, verbrachten dann die erste Nacht auf einem Felsplateau hinter Steinen bei Minus 20 Grad. Am dritten Tag Dauerregen und +10 im Wald. 4te Nacht waren wir an einer Stelle wo ein Wasserfall eingefroren war.
    Das Tent ist absolut winddicht, und Regen ist auch keiner Reingekommen. Aufgrund des Wetters habe ich jede Nacht im vollkommen geschlossen Tent verbracht.
    Mit Kondenswasser hatte ich keine Probleme, ich hatte nur in der ersten Nacht leichtes Kondensat auf meinem Schlafsack, ansonsten hatte ich nichts festgestellt. Der Bügel der das Gesicht freihält, war trotz starkem Wind immer stabil geblieben.
    Was ich sehr angenehm empfand war das schnelle Aufwärmen des Bivy trotz des andauernden Nordwindens.

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