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Mit dem Rad zur Ostsee und zurück

Nach vielen Wochenendausflügen, einer Fünftagestour, die gleichzeitig ein Test für die Ostseetour darstellte, sollte es nun eine neue Herausforderung geben. Jetzt war ich 24 Tage unterwegs, habe fast 2200km in Deutschland, Tschechien und Polen aus eigener Kraft zurückgelegt. Anfangs mit 80 km am Tag – später mit 150 km habe ich fast 2 Kilo abgenommen, trotz ausreichender Kalorienzufuhr.

Die Idee, aus eigener Kraft mit dem Fahrrad zur Ostsee zu kommen, gab es bereits seit einigen Jahren. Als ich das erste Mal einen Dia-Vortrag des Weltenradlers Thomas Meixners besuchte, war ich begeistert und beschäftigte mich mehr und mehr mit dem Thema Reisen mit dem Rad. Auch Felix Starck mit dem Film Pedal the World hat mich zugleich inspiriert und motiviert, eine eigene Tour zu fahren. Freunde, die bereits an der Ostsee waren und auch größere Touren zuvor gefahren sind, haben mir solch eine Tour schmackhaft gemacht.

Planung, Vorbereitung
In die Planung und Vorbereitung habe ich viel mehr Aufwand und Zeit investiert als vielleicht nötig. Ich habe mir die Frage gestellt: „Was könntest du gebrauchen, wenn …“ So habe ich einfach zu viel eingepackt. Nach 3 Tagen merkt man aber, was überflüssig ist. Für die nächste Tour weiß ich auf jeden Fall, was man braucht, was man nicht braucht und was man zur Not unterwegs kaufen kann.

Merseburg – Bad Schandau (~ 490 km)
Die ersten Tage ging es gemütliche 70 – 100 km von Merseburg nach Plötzkau, Dessau-Roßlau, Pretzsch, Riesa und am fünften Tag erreichte ich schließlich Bad Schandau. Ich kam schwer vorwärts, einerseits, weil sich meine Beine an die neue Belastung gewöhnen mussten, andererseits durch das viele Gepäck. Ich fand auch schwer eine Routine. Ich stand zu unterschiedlichen Zeiten auf, ging mal früher, mal später ins Bett, hatte den Kopf noch voll anderer Sachen und konnte noch nicht ganz abschalten. Doch das sollte sich bald ändern! Mit jedem Tag machte es mehr und mehr Spaß zu radeln, Natur zu erleben, durch Wälder, Wiesen, Naturschutzgebiete aber auch durch schöne Dörfer und sehenswerte Städte zu fahren. Da ich diese Strecke von Merseburg nach Bad Schandau bereits gefahren war und nun Neues sehen wollte, bin ich dieses Mal auf der linken Seite der Elbe (stromaufwärts) gefahren. Diese Seite der Elbe kannte ich noch nicht und habe von Anwohnern erfahren, dass man mehr von der Natur sehen würde als auf der gegenüberliegenden Seite.

Bad Schandau – Zittau (~ 85 km)
In Bad Schandau kam mich meine Schwester besuchen und ich machte meine erste längere Pause. Wir gingen wandern, klettern, waren am kleinen Prebischtor, dem Carolafelsen und nutzten eine Boofe als Nachtlager. Die aktiven Pausentage taten gut – trotzdem hatte ich Lust, weiterzuradeln. Bevor meine Schwester wieder wegfuhr, konnte ich ihr einige Kilo Gepäck mitgeben und radelte weniger beladen weiter durch die Sächsische Schweiz, dann durch Tschechien bis nach Zittau. Hierbei nutzte ich überwiegend den Radfernweg R3014. Das Fahren durch die Sächsische Schweiz war eine sehr große Herausforderung, nur langsam kam ich voran. Aufregend war auch die Strecke durch Tschechien Richtung Osten – keine Karte, nur eine Skizze mit einigen Orten hatte ich von einem Autoatlas abgemalt.

Oder-Neiße-Radweg (~ 590 km)
Der Oder-Neiße-Radweg hat mir von allen Radwegen der Tour am besten gefallen, da es Natur pur zu erleben gab. Die Leute waren sehr freundlich und die gut ausgebauten Wege waren nicht überfüllt. Von Zittau führte mich der Weg nach Bad Muskau, dann über Eisenhüttenstadt, Schwedt (Oder) nach Blankensee und schließlich nach Rieth. In Marienthal verweilte ich kurz und besuchte das Kloster St. Marienthal, welches das älteste Frauenkloster des Zisterzienser-Ordens in Deutschland ist. In Neuzelle gibt es ebenfalls ein sehenswertes Kloster mit einer großen Parkanlage. Entdeckt habe ich dieses Kloster nur wegen einer Baustelle und Umleitung des Oder-Neiße-Radwegs. Nicht selten jedoch sind Umleitungen veraltet und Schilder unübersichtlich und verwirrend aufgestellt. Oft kam es mir auch vor, dass mit Absicht Umleitungsschilder und Verbotsschilder aufgestellt wurden, nur damit der Radfahrer über Dörfer und Städte direkt an Pensionen, Hotels und Restaurants vorbeigeführt wird. Daher wurde ich immer misstrauischer gegenüber den Umleitungen. Von Anwohnern erfuhr ich, dass dies eine Strategie der Gemeinden ist, um den Umsatz anzukurbeln. So könnte der Weg normalerweise an einer Hauptstraße entlanggehen – Kartenführer und Beschilderung aber führen den Radfahrer erst über Nebenstraßen, etliche Restaurants, Pensionen und Hotels wieder auf die Hauptstraße. Auf der Suche nach dem richtigen Weg führte mich eine Nebenroute durch die Alte Oder, durch die ich mein Rad im knietiefen Wasser schieben durfte. Das Kienitzer Panzerdenkmal und die Pension Heimatstube mit Museum in Blankensee waren kleinere Highlights der Strecke.

Ostseeradweg (~ 570 km)
Von Rieth ging es nach Murchin, Stralsund, Zingst, Graal-Müritz, Rostock und Lübeck. In Stralsund machte ich erneut eine längere Pause, da meine Schwester mich erneut besuchen kam und wir gemeinsam Stralsund und die Insel Rügen erkunden wollten. Wir besuchten den Jasmund Nationalpark und schauten uns spontan die Störtebeker Festspiele an. In Stralsund besuchte ich das Ozeaneum und war von der Vielzahl der Ausstellungsgegenstände, der Anzahl an Wasserbecken und Tieren positiv überrascht. Sehr beeindruckend waren die lebensgroßen Nachbildungen von Blauwal und vielen anderen Meeresbewohnern der Erde. Der 18. Reisetag war auch ein besonderer für mich: Das erste Mal stand ich vor der Düne mit Strandzugang zum Meer. Bis dahin hatte ich nur steinigere Ufer gesehen. Daher entschloss ich mich, bei strahlender Sonne am Strand einen Pausentag zu machen. Ich besuchte anschließend den Vogelpark in Marlow, machte einen kurzen Umweg und schaute mir mit großem Interesse die Flugshow mit Adlern, Eulen und Geiern an.

Sehr spannende Geschichten erfuhr man immer von anderen Radlern, die man auf der Tour traf. So kam ich mit einem Ü50-Pärchen ins Gespräch. Diese haben ihre Ostseeumrundung in 3 Monaten fast geschafft. Ihr Leben lang haben sie beide Kraft und Energie in ihre eigene Käsefirma in Frankreich gesteckt. Jetzt haben sie alles verkauft und wollen überwiegend nur noch auf Reisen gehen. Das ist ein tolles Abenteuer! Dann traf ich ebenfalls einen Franzosen, der 6 Monate quer durch Europa fährt. Außerdem traf ich sehr viele Familien mit Kinderanhängern und auch mit Hunden im Gepäck.

Wenn ich mich mal verfahren hatte, bekam ich oft schnell Hilfe von vorbeifahrenden Radlern, Mopedfahrern und Autofahrer oder Anwohnern. Hier und da gab es auch mal im Imbiss eine Cola oder etwas zu Essen geschenkt und ich musste öfter viele Fragen beantworten.

Meine Motivation war am Ostseeradweg groß und ich fuhr auch an ‚gegenwindigen‘ Tagen und schlechterem Wetter über 150 km. Die letzte Etappe an der Ostsee war daher leider viel zu schnell zu Ende. Von Rostock fuhr ich wegen des regnerischen Wetters direkt nach Lübeck und suchte mir dort spontan eine Route zur Elbe heraus.

Elbe-Lübeck-Kanal (~ 60 km)
Da kam mir der Elbe-Lübeck-Kanal gelegen und ich fuhr noch im Dunkeln bei starkem Regen den Kanalradweg, der aus sandigem Boden bestand, weiter. Das war keine gute Idee, da mein Fahrrad so sehr verdreckte, dass auch mal die Kette hängen blieb, alles knackte und ratschte. Da half auch kein Säubern, da kurze Zeit später alles wieder verschmutzt war. So fuhr ich mit 15 km/h in Richtung Elbe. Am nächsten Tag waren endlich die ca. 60 km sandiger Piste geschafft und ich war am Elberadweg angekommen.

Elberadweg (~ 190 km)
Froh, in Lauendorf (Elbe) angekommen zu sein, investierte ich zunächst eine gute Stunde, um mein Fahrrad gründlich zu putzen. Dann ging es nach Langendorf, Wittenberge, Magdeburg bis Barby. In Langendorf rastete ich an einer Schutzhütte, da ich fast sechs Pensionen nach einer Bleibe gefragt hatte, doch alle voll oder viel zu überteuert waren. Glück im Unglück hatte ich, da mich eine tolle Aussicht vom Langendorfer Aussichtsturm über die Elblandschaft entschädigte. Zum Abendbrot hatte ich etwas Gesellschaft von einer sehr neugierigen Taube. In Höhbeck gab es einen größeren Berg mit Plateau, der zu Zeiten Karls des Großen und den Slawen hart umkämpft war. In Gartow suchte ich auf einem Flohmarkt nach Schätzen und kühlte mich etwas im Gartower See ab. Die nächste Etappe führte mich nach Wittenberge zum Campen. In Jerichow gab es wieder ein schönes Kloster, welches zu den ältesten Backsteinbauten Norddeutschlands gehört. Den letzten Abend verbrachte ich bei der Quickbornquelle und startete 3 Uhr morgens meine Fahrt Richtung Heimat. Im Dunkeln loszufahren und mit dem Sonnenaufgang Richtung Heimat zu fahren, war schon etwas Besonderes. Schließlich wollte ich meine Eltern nach der Arbeit überraschen, die ich im Ungewissen ließ.

Saaleradweg (~ 180 km)
Den letzten Tag bin ich von der Quickbornquelle nördlich von Magdeburg bis nach Merseburg gefahren. Nun fuhr ich im Schnelldurchlauf alle Orte ab, die ich bereits auf dem Hinweg und bei der letzten Tour abgefahren habe. Über Wettin-Löbejün, nach Halle (Saale) bis nach Merseburg zurück in die Heimat.

Fazit
Die Tour quer durch Deutschland, Tschechien und Polen war eine sehr große Herausforderung und tolle Erfahrung: die Sächsische Schweiz mit den enormen Anstiegen, der Oder-Neiße-Radweg mit seiner Natur, der Ostseeradweg mit sandigeren Streckenabschnitten und überlaufenen Radwegen. Der Elbe-Lübeck-Kanal war vor allem für mein Fahrrad eine Tortur. Am angenehmsten konnte man auf dem sehr gut ausgebauten Elberadweg fahren. Es gab viele schöne Momente und kleine Dinge, die mich motivierten, die Tour abzuschließen. Seien es Gespräche, kleinere Geschenke und unerwartete Momente wie an der Alten Oder. Es war schon irgendwie Luxus, nicht zu wissen, welcher Wochentag oder wie spät es war und einfach so in den Tag leben zu dürfen. Die Sonne und vor allem das Wetter haben Tempo und Rhythmus bestimmt. Dieses Mal lag mein Fokus nicht nur darauf, dem Alltagsleben zu entfliehen, keine Termine und Verpflichtungen zu haben, sondern auch die sportliche Herausforderung, viel vom eigenen Land zu entdecken und sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Daher mied ich oft Großstädte und verweilte lieber an einem abgelegenen Kloster, im Museum oder Park. Denn zu Zeiten von Flixbus kann man jederzeit Wochenendausflüge nach Hamburg, Rostock, Dresden und vielen anderen Städten machen. Mein Fahrrad hat auch tapfer durchgehalten, lediglich der Schalthebel am Lenker musste ausgetauscht werden. Was ich auch nicht störend fand, war das Reisen allein. Man ist fast nie allein und hat immer die Möglichkeit, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Abschließend kann ich sagen, dass die drei Wochen sehr abwechslungsreich waren und ich sehr viel von Deutschland sehen konnte. Das Ziel, aus eigener Kraft an die Ostsee zu kommen, kann ich mit gutem Gewissen von meiner To-Do-Liste streichen.

Beste Reisezeit:
April – September

Anreise:
Ich bin alles mit dem Rad gefahren, Start und Ziel war mein Elternhaus

Einreise:
Problemloser Grenzübergang zu Tschechien und Polen

Geld:
Deutschland: Euro
Tschechien: Tschechische Krone
Polen: Zloty
Da ich jeweils nur einen Tag in Tschechien und Polen war, benötigte ich keine andere Währung als €

Sprache:
Mit Englisch kommt man in Tschechien und Polen gut zurecht

Auf dieser Seite kann man unkompliziert seine Routen planen
komoot

Um einen ersten Eindruck vom Elberadweg zu bekommen
elberadweg

Wer den Ostseeradweg fährt muss unbedingt nach Rügen und den Jasmund-Nationalpark und die Störtebeker Festspiele besuchen!

Das Ozeaneum ist auch einen Besuch wert! Es gibt aktuell lebensgroße Nachbauten von Walen.
ozeaneum

Im Vogelpark Marlow kann man eine Vielzahl an Vogelarten sehen und sich von der Live-Flugshow begeistern lassen.
vogelpark-marlow

  • Wasserfeste Packsäcke waren sehr hilfreich, damit Laptop, Kamera und Wechselsachen auch bei Regen nicht nass werden
  • Wenn möglich darauf achten, dass man nicht das größte/schwerste Zelt/Schlafsack/Isomatte mitnimmt, da der Platz auf dem Rad schnell weg ist
  • Weniger ist mehr! Je mehr Last/Gewicht man hat, umso anstrengender werden Anstiege und das Anfahren
  • Eine helle Kopflampe war u. a. bei Nachtfahrten sehr hilfreich
  • Mit meinem Gaskocher habe ich mir schnell, unkompliziert und günstig Essen kochen können
  • Eine kleine Werkzeugtasche fürs Fahrrad muss unbedingt mit für den Notfall. Eine Ersatzkette hatte ich ebenfalls dabei

Leporello Kartenmaterial:

  • Saaleradweg
  • Elberadweg
  • Oder-Neiße-Radweg

Kompass Kartenmaterial:

  • Ostseeküstenradweg

Das Kartenmaterial von Leporello hat mir besser gefallen als das Kartenmaterial von Kompass, da auch kleinere Orte eingetragen sind und man so mehr Orientierung hatte.

Andere Radler haben mir vom ADFC das Kartenmaterial sehr empfohlen.

Hier eine Übersichtskarte von Deutschland mit den einzelnen Karten.

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