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Norwegen: Trollzunge und Hardangervidda

Ich machte mit einem Freund eine achttägige Tour zur Trollzunge und durch den westlichen Teil der Hardangervidda, der größten Hochebene Europas. Wir flogen zunächst nach Bergen und fuhren dann mit dem Bus über Odda in die Nähe der Trollzunge. Nach etlichen Wanderstunden konnten wir eine herrliche Aussicht und Umgebung genießen, bis wir nach zwei Nächten an der Trollzunge weiter durch die Hardangervidda wanderten.

Anfang des Jahres sah ich ein Foto im Internet. Ein Mensch steht auf einem schmalen Stück nacktem Fels, siebenhundert Meter über dem Wasser. Mir war augenblicklich klar: Da will ich hin. Im Juli war es soweit.

Wie komme ich zur Trollzunge?
-Von Bergen bis zum Ausgangspunkt Skjeggedal-
Mein Reiseweg führte zunächst über den Lufthavn Bergen auf den wunderbaren Campingplatz des kleinen Dorfes Lone, das zu Bergen gehört und knapp zwanzig Kilometer vom Zentrum entfernt liegt. Näher am Bergener Zentrum gibt es leider keinen Campingplatz. Die Anbindung ist aber ziemlich ok, man braucht je nach Verbindung ca. 45-60 Minuten bis ins Zentrum. Die Bushaltestelle heißt Lone und kann, wie alle anderen Haltestellen auch, unter skyss.no als Start- oder Zielpunkt eingegeben werden.
Skyss betreibt den öffentlichen Nahverkehr und stellt auch eine Handyapp zur Verfügung, mit der man in der Bergen-Zone Tickets kaufen kann und sollte, denn im Bus sind die doppelt so teuer.

Am nächsten Morgen sollte es dann vom Campingplatz aus Richtung Trolltunga gehen. Von Lone braucht man etwa dreieinhalb Stunden bis in das Dorf Tyssedal, etwas nördlich der Kleinstadt Odda. Wir verpassten natürlich unseren morgendlichen Bus, mein Reisegefährte und ich waren im Zeltabbau und ‚Uns-Sortieren‘ noch nicht routiniert. Daher kamen wir erst gegen halb vier in Tyssedal an, also fast zu spät, um noch mit dem etwa sechs Stunden dauernden Aufstieg zu beginnen. Denn die sechs Stunden zählen erst ab dem Parkplatz Skjeggedal, zu dem leider kein Linienbus fährt. Das heißt die ersten Kilometer und 400 Höhenmeter sind auf einer Asphaltstraße zu bewältigen und fressen ordentlich Zeit, wenn man nicht so viel Glück hat wie wir.
Nach einer halben Stunde immer mal den Daumen rausgestreckt hielt ein Auto an und nahm uns mit. Es war ein Trailrunner, der die Strecke zur Trollzunge am Vormittag in zweieinhalb Stunden gelaufen war und nun noch ein paar Freunde mit dem Auto vom Parkplatz abholen wollte. Ohne ihn hätten wir keine Chance mehr gehabt, noch an diesem Tag oben anzukommen. Wenn man nicht abends erst in Norwegen landet, oder die Trollzunge nicht ganz an den Anfang setzt, kann man auch zunächst nach Odda fahren und den dortigen Campingplatz als Basislager nutzen. Der ist allerdings sehr überlaufen und weit weniger gemütlich als der in Lone. Dafür fährt aber früh am Morgen von dort aus ein Busshuttle direkt zum Parkplatz Skjeggedal – eine planbare Alternative, wenn man nicht trampen oder den ganzen Weg von Tyssedal aus laufen möchte.

Die Wanderung zur Trollzunge
Wenn man erst einmal am Parkplatz angekommen ist, geht alles unproblematisch: Einfach dem Weg folgen und schwitzen. Und wir schwitzten bei über zwanzig Grad und purer Sonne. Unser Rucksack war mit sieben Tagen Essen vollgestopft, denn wir wollten die Strecke by fair means gehen, also ohne weitere Hilfe von außen. Wer Gewicht sparen möchte, kann bei den Hütten Essen nachkaufen. Das wir uns die anstrengendste Etappe gleich zu Beginn gesetzt hatten, war vorher klar. Jeder von uns hatte seine erste persönliche Krise bei diesem Aufstieg – man braucht neben einer guten Kondition auch gute Nerven bei sechs Stunden reiner Gehzeit steilen Bergaufs! Die Landschaft wird immer schöner, die Beine immer schwerer und dann stehen da Leute in der Gegend rum und man ist plötzlich da. Wir kamen gegen halb elf abends endlich an und wurden mit einem phänomenalen Sonnenuntergang belohnt. Sich in der Schlange für ein Foto anzustellen, kam für uns ausgelaugte und hungrige Wanderer jedoch nicht mehr in Frage. Wir mussten schleunigst einen Zeltplatz suchen und Essen kochen.
Wasser braucht man übrigens nur für die ersten ein, zwei Stunden mitnehmen, ab dem Parkplatz reicht etwa ein halber Liter pro Person. Oben und auch schon unterwegs hat man genügend Flüsse, die einem Wasser in hervorragender Qualität liefern. Die Zeltplatzsuche stellte sich als denkbar einfach heraus. Wir gingen den bisherigen Weg weiter (Richtung Süden) und entdeckten nach knapp zehn Minuten einen idealen Hügel in Flussnähe, der etwas abseits gelegen war, sodass wir unsere Ruhe hatten, aber nicht zu weit entfernt, als dass man nicht mal eben zur Trollzunge vorbeischauen könnte, um zu sehen, wie lang die Schlange gerade ist. Dort oben zu zelten ist, zumindest in der Wandersaison, die einzige Möglichkeit in Ruhe den Ort zu genießen. Abends ab spätestens sechs sind nur noch die Zelter da. Alle, die sich verschätzt haben und um die Uhrzeit noch sechs Stunden absteigen müssen, sind sicher nicht zu beneiden.
Wir kamen an einem Freitag an, da waren es vielleicht zwanzig Zelte in unmittelbarer Nähe zur Trollzunge, am Samstag waren es dann deutlich über dreißig. Und als wir Sonntagmittag auf unsere Tour durch die Hardangervidda aufbrachen, war die Schlange an der Trollzunge auf mehrere Hundert Personen gewachsen. Ein Einheimischer erzählte uns später, dass in der Woche zuvor der Besucherrekord geknackt worden sei: 1800 Menschen an einem Tag. Meine Empfehlung ist daher ganz klar: Sofern möglich, dort zelten (Auf- und Absteigen an einem Tag hat für mich mit 12 Stunden Gehzeit plus Pausen und der Zeit dort oben mit Urlaub nichts mehr zu tun) und das Wochenende meiden. Mit etwas Glück kann man dann auch zu moderater Uhrzeit eine kleine Weile alleine an der Trollzunge sein. Wir hatten am späten Samstagabend tatsächlich unsere drei Minuten. Und, eigentlich selbstverständlich bei dem Gebiet, man sollte ein stabiles Zelt mitnehmen. In der ersten Nacht hatten wir ganz ordentlich Wind. In meinem neuen Keron 3, das ich Anfang des Jahres bei tapir gekauft hatte, brauchten wir uns natürlich keine Sorgen machen. Gesehen haben wir sicherlich nicht alles, was in dieser Nacht zu Bruch ging, aber immerhin drei kaputte Zelte lagen mitten in der Landschaft rum, was, wie der ganze andere Müll, der sich dort oben ansammelt, ein leidiger Teil des Massentourismus ist. Wir waren froh, als wir nach zwei Nächten an der Trollzunge Richtung Osten in die Hardangervidda aufbrachen und Menschen, Müll und Mobilfunknetz hinter uns ließen.

Von der Trollzunge in die Hardangervidda
Ein Weiterwandern von der Trollzunge aus kann ich wärmstens empfehlen. Wenn man schon den Aufstieg auf 1200 Meter gemacht hat, kann man auch noch ein wenig dort oben bleiben. Will man eine größere Tour machen und nicht ein gutes Stück wieder zurück nach Westen gehen, hat man von der Trollzunge zunächst nur die Option weiter Richtung Osten zur Hütte Tyssevassbu zu gehen. Von dort aus sind die Möglichkeiten vielfältig. Wir gingen in Richtung Süden, dort sollte die Landschaft am schönsten sein, hatten wir unterwegs aufgeschnappt. Die stetige Zunahme an Vegetation war spannend und nicht so eintönig, wie das ‚Grau in Weiß in Grau‘ in den höheren Lagen. Besonders die Gras- und Blumenwiesen in der Gegend um Litlos waren mit ihrem saftigen Grün eine willkommene Abwechslung. Ein Geheimtipp zum Zelten ist der See Nonsskorvatnet, der zwischen Tyssevassbu und Litlos liegt. Mit seinem schönen schwarzen, gletschergesäumten Strand und einigen ebenen Flächen lädt er praktisch zum Zelten ein. Wir zelteten schon einen Kilometer davor, aber wenn ich die Tour nochmal gehen würde, dann würde ich zweifelsohne dort am See zelten.
Von Litlos ging es dann durch wunderschönes Gebiet Richtung Südwesten. Unser Zeltplatz am Kvenna war sehr schön, aber auch mückenstichreich. Wir hatten uns angewöhnt, jeden Abend vor dem Abendessen zu baden. Die Geltscherseen und -Flüsse waren zwar entsetzlich kalt, aber eine ganze Woche ohne waschen will man nicht. An diesem Abend hätten wir da jedoch besser drauf verzichtet. Am schlimmsten hat es mein linkes Bein erwischt, das mindestens zwanzig Mückenstiche aufwies. Abgesehen von diesem einen Tag hatten wir überraschenderweise keinerlei Mückenprobleme. Mal ein paar, aber nie dieses nervige ‚Um-den-Kopf-schwirren‘, wie man es aus anderen Regionen kennt.

Zelten am Isvatnet und zurück in die Zivilisation
Der schönste Zeltplatz der Tour war am Isvatnet, westlich von Middelsbu. Die Wege direkt davor und danach, also alles um den See herum sind allerdings sehr schweres Gelände. Unwegsame Geröllfelder mit z.T. metergroßen Brocken und steile Gletscher machen den Weg abenteuerlich. Ein Gletscher war so steil, dass ich sagte, da will ich eigentlich nicht drüber und wollte gerade nach einem leichteren Umweg suchen, da war mein Wanderkollege schon los und zack, dreizig Meter abgerutscht und den Teleskopstock abgebrochen. Wer also nicht wirklich trittsicher ist, nimmt von Middelsbu aus lieber den Weg Richtung Süden, dort ist ein großer Teil des Wegs zur Zivilisation.

Wenn man so weitergeht wie wir, also an dem wunderschönen See vorbei und dann Richtung Reinsnos, um über die dortige Straße einen Campingplatz zu erreichen, plant man entweder noch eine Übernachtung irgendwo am Reinsnosvatnet ein, was allerdings nicht ideal ist, da dort viele Häuser und Hütten stehen. Oder man vertraut auf sein Glück als Tramper, denn um die Strecke vom See bis zum Campingplatz in Odda oder südlich von Skare zu gehen, ist der Weg einfach zu weit. Wir waren ungefähr acht Stunden unterwegs und hatten dank der Straße ab Reinsnos schon locker über zwanzig Kilometer und etwa achthundert Höhenmeter Abstieg in den Knochen, als es auch noch anfing zu regnen. Seit zwei Stunden streckten wir jedem Auto unsere Daumen entgegen und versuchten zu lächeln, so gut es noch ging. Dummerweise hatten wir nicht ausreichend Wasser mitgenommen, da wir so verwöhnt von den Bedingungen jenseits der tausend Meter waren. Sobald die Flüsse aber einige Kilometer seit ihrem Ursprung aus den Gletschern hinter sich haben und man an den Schafherden mit ihren allgegenwärtigen Haufen vorbeikommt und dann auch noch die Zivilisation wieder langsam beginnt, wird man bei vorbeikommenden Flüssen doch etwas misstrauischer. Da entdeckt man dann auch die ein oder andere Larve in dem leicht getrübten Wasser, wirft es weg und ärgert sich, nichts von oben mitgenommen zu haben. Also bei Abstiegen immer Wasser von oben mitnehmen. Endlich hielt ein norwegischer Jogger rettete uns den Abend. Denn obwohl er nur etwa einen Kilometer weiter wohnte, fragte er uns wohin wir denn wollen und meinte dann, ach kein Problem, ich bring euch da schnell hin. Und so fuhr er nur für uns die 17 Kilometer bis nach Odda direkt zum Campingplatz und dann alles wieder allein zurück! Unfassbar glücklich kamen wir spät abends dort an und kauften zu allererst all das, was wir so lange entbehren mussten: Duschmarken und bei dem kleinen Campingplatzkiosk Schokolade, Chips und Bier.

Beste Reisezeit:
April-Oktober. Im Winter ist die Hardangervidda ein beliebtes Trainingsgebiet für Polarexpeditionen mit viel Schnee und Temperaturen unter -20°C.

Anreise:
Per Flugzeug über Bergen, dann weiter mit dem Bus. Alternativ mit dem PKW aus Deutschland, lohnt sich je nach Verbrauch ab drei Personen. Flugtickets für Hin- und Rückflug kosten je nach Buchungszeit ca. 250-350 Euro.

Einreise:
Norwegen gehört zum Schengenraum, daher ist außer einem Personalausweis/Reisepass nichts erforderlich.

Geld:
Die Währung ist die Norwegische Krone (NOK). Als Faustregel gilt durch 10 teilen, das passt ungefähr, 100 NOK sind also in etwa 10 Euro. Die meisten Lebensmittel sind geringfügig teurer als in Deutschland, aber Nudeln und Haferflocken kosten auch dort nicht viel. Essen gehen und erst recht Alkohol sind um einiges teurer: Pizza ab 15 Euro aufwärts, 0,5 l Bier in der Kneipe 12 Euro, auf der Hütte als Dose 8 Euro und im Supermarkt 3 Euro (ab 20 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden).

Sprache:
Die allermeisten Norweger können hervorragend Englisch. Das rührt wohl auch daher, dass Kinofilme in der Regel nicht synchronisiert werden, sondern in Englisch laufen.

skyss.no
Auf der Internetseite des norwegischen Busunternehmens kann man sich im Vorfeld und während des Aufenthaltes über alle Busverbindungen informieren. Die Seite gibt es zwar nur in norwegischer Sprache, die Bedienung ist allerdings selbsterklärend, man muss nur wissen, wie die konkreten Haltestellen heißen, dann bekommt man einen Reiseplan.

  • Was unbedingt sein musste, war ein ausreichend großer Vorrat an Süßigkeiten. Schokolade ist natürlich der Standard. Ein heißer Tipp sind kleine Brausetabletten (gibt’s in rund und als Bärchenform) für unwegsame Aufstiege, wenn Kondition und Lust ausgehen. Die sind klein und daher gut portionierbar, zuckerig süß, geben Energie und gute Laune und unglaublich ergiebig. Maximales Verhältnis von Gewicht/Geschmack.
  • Außerdem eine Gewichts-/Leistungsempfehlung für Dr. Bronner’s Seife, die man zum Waschen der Wäsche und für jegliche Körperhygiene inklusive Zähneputzen verwenden kann. In kleine Nalgenefläschen gefüllt, in zwei bis drei Sorten hat man genügend Abwechslung dabei. Das Ganze ist rein biologisch und abbaubar, sodass man sein Badezimmer an jedem Fluss oder See einrichten kann.
  • Man sollte ein stabiles Zelt mitnehmen. In der ersten Nacht hatten wir ganz ordentlich Wind. In meinem neuen Keron 3, das ich Anfang des Jahres bei tapir gekauft hatte, brauchten wir uns natürlich keine Sorgen machen. Gesehen haben wir sicherlich nicht alles, was in dieser Nacht zu Bruch ging, aber immerhin drei kaputte Zelte lagen mitten in der Landschaft rum.

„Hardangervidda vest“ von Turkart. Meine wichtigste Quelle zur Vorbereitung der Tour war die topographische Karte der Gegend. Die Turkart ist nicht laminiert, was sie etwas weniger haltbar macht, als andere Karten. Dafür kann man mit einem dünnen Stift sehr gut Eintragungen vornehmen.

„Gebrauchsanweisung für Norwegen“ von Ebba D. Drolshagen. Nachdem mir das Buch zu Island aus der gleichen Reihe sehr gut gefallen hat, habe ich mir zur allgemeinen Information über das Reiseland die Gebrauchsanweisung zu Norwegen gekauft. Es steht einiges Interessantes drin, ich habe jedoch ziemlich schnell ganze Seiten übersprungen und schließlich das Interesse verloren. Das Island-Buch lohnt sich deutlich mehr.

„Trekking ultraleicht“ von Stefan Dapprich aus der Reihe Outdoor vom Conrad Stein Verlag. Dieses Buch lese ich vor jeder Tour mehrfach durch und finde immer wieder neue Anregungen was Ausrüstung, Proviant und Tourenplanung angeht – Pflichtlektüre!

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