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Italien: Fahrradtour von Venedig in die Toskana und nach Bologna

In 18 Tagen radelten wir gemütlich von Venedig über Faenza nach Florenz, von dort nach Pisa und zurück über den Appenin nach Bologna. Der schöne Frühling Norditaliens, der Apennin, viele freundliche Menschen und interessante Begegnungen begeisterten uns und ließen unser Herz jeden Tag „Fahrtwind und Freiheit“ singen.

Der Wunsch nach ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Jahr führte uns Anfang April 2016 nach Italien. In Kombination mit sehr günstigen Bahnpreisen von München nach Venedig und der Tatsache, dass wir beide die Gegend kaum kannten, stand der „Plan“ fest: Auf nach Venedig! Und dann: Mal gucken.

Ist Venedig ein guter Startpunkt?
In Venedig früh am Morgen angekommen, waren wir mangels Kaffee und aufgrund der viele Treppen und Brücken so überfordert, dass wir beschlossen, lieber gleich die Radtour in Angriff zu nehmen und darauf zu verzichten, uns mit schwer bepackten Rädern mit den anderen Touristen durch Venedigs Sträßchen zu zwängen.
Stattdessen nahmen wir die sehr teure Fähre, um über die vorgelagerten Inseln Venedigs nach Chioggia zu radeln. Die Schönheit der Örtchen versank etwas im Regen und kurz hinter Chioaggia fragten wir an einem Haus mit Wiesen- und Ackerflächen nach einem Zeltplätzchen. Nach anfänglicher Skepsis wurden wir von der Großmutter des Hauses mit Kaffee und viel Liebe überschüttet und so konnte uns der andauernde Regen nichts mehr anhaben!

Kreisende Flamingos
Am nächsten Morgen krochen wir bei schüchternem Sonnenschein aus dem Zelt und radelten zum Podelta. Von dort führte unser Weg durch das Riserva Statale Bosco della Mesolla über sehr sandige Pfade nach Lido di Volano – einem Badeort, der aber noch recht verlassen dalag. Südlich des Ortes fanden wir einen geeigneten Zeltplatz und genossen den Abend, an dem uns ein dutzend Flamingos über unseren Köpfen kreisend begrüßten.

Wolken aus Mücken
Der nächste Tag führte uns erst in den wunderschönen Ort Comacchio, von wo wir die Küste in Richtung Faenza verlassen wollten. Was wir in unserer Blauäugigkeit allerdings nicht ahnten: Der Weg führte entlang der Lagune und der sie umgebenden Kanälen und damit durch dichte, schwarze Wolken aus Moskitos! Die ca. 20 km erschienen uns endlos. Völlig verschwitzt und von toten Tierchen bedeckt erreichten wir endlich das Dorf Anita: Die Plage war vorbei, die Karte versprach uns ab hier trockenere Gefilde und erleichtert machten wir eine Mittagspause auf der Piazza.
Das inzwischen prächtige Frühlingswetter, wunderschöne landwirtschaftlich geprägte Dörfer und beste Laune ließen uns weiter Richtung Faenza und der ersehnten und etwas gefürchteten Bergen des Appenin radeln.

Der Pass kann kommen!
Am Abend erblickten wir Letztere nicht nur zum ersten Mal in der Ferne, sondern durften auch noch auf einem wunderschönen Bauernhof zelten. Wie viele Landwirte der Gegend bauten unsere Gastgeber Pfirsische und Mandeln an und die Bäume standen in voller Blütenpracht. Der Senior des Hofes schenkte uns frische Eier – der Abend war perfekt!
In Faenza putzen wir tagsdrauf an einer Tankstelle freudig den Sand der Adriaküste von unseren Antrieben, um uns für den Anstieg zum Passo della Colla (913 m ü. NN) zu rüsten. Diesen erreichten wir am nächsten Mittag, nach einer Nacht am wunderschönen Lamone-Fluss bei einem alten Hof samt noch älterer Bewohner, einem herrlichen Bad im Fluss, anstrengenden Steigungen, beeindruckenden Schluchten und Felswänden, bewirtschafteten Kastanienwäldern an unglaublichen Steilhängen.
Mit jedem Höhenmeter, den wir erklommen, bekamen wir mehr Beifall von vorbeituckernden klapprigen Autos und als uns endlich der Höhenwind ins Gesicht pfiff, waren auch wir stolz auf uns und unsere bepackten Drahtesel.

… und die Abfahrt auch!
Oben unterhielten wir uns mit einem der vielen Rennradfahrer und er fragte uns, ob wir die Abfahrt gemeinsam genießen wollten. Wir willigten unter der Bedingung ein, dass er sich unserem langsamen Tempo anpassen müsse, und brausten zu dritt los! Nach unserem unglaublich langsamen Aufstieg, bei dem wir im Fahren nebenbei allerlei Pflanzen und Gesteine bestimmen konnten, überforderte uns die Geschwindigkeit der Abfahrt. Alles veränderte sich rasend schnell, die Luft war plötzlich viel wärmer und feuchter, die Landschaft von anderen Baumarten geprägt, die Hügel vor uns ein Gemälde: Die Toskana breitete sich vor uns aus, und wir kamen kaum hinterher mit dem Staunen. Vor allem, weil nebenbei Schlaglöchern und Motorradfahrern ausgewichen werden musste.

Toskanische Lebensfreude
In Borgo San Lorenzo trennten wir uns wieder vom Rennrad und schlenderten erstmal durch den Kurort, um die rasante Abfahrt zu verdauen. Dann folgten wir dem Fluss Sieve nach Osten, um am nächsten Tag Filigne und unsere Freunde zu erreichen. Von dort radelten wir nach Florenz, kamen dort wiederum bei Freunden von Freunden unter (dieses Muster zog sich ab hier durch den Rest der Reise) und gerieten am Abend in eine Veranstaltung mit italienischer Polkamusik und kommunistischen Volksliedern und tanzten inmitten alter Ehepaare und junger Tanzbegeisterter.
Die WG in Florenz empfahl uns den Besuch eines Hofes ganz in der Nähe, wo junge Menschen gemeinschaftlich seit einigen Jahren einen alten verfallenen Olivenhof wieder aufbauen und bewirtschaften. Ohne lange zu zögern radelten wir dorthin, wurden fröhlich empfangen und verbrachten eine sehr schöne und interessante Zeit.

Überraschung in Pisa
Von dort wollten wir in Richtung Pisa fahren, folgten also weiter dem Fluss Arno und picknickten so zwei Tage später am schiefen Turm inmitten vieler anderer Touristen. Allerdings fühlten wir uns doch etwas auffällig zwischen all den wohlgepflegten Menschen ohne vollgepackte Fahrräder – zumindest bis wir noch zwei Menschen unserer Sorte erblickten! Sofort suchten wir das Gespräch und erfuhren staunend, dass diese beiden gerade aus Peking geradelt kamen und ihre Reise hier – am schiefen Turm von Pisa – endete! Nach einem gemeinsamen Kaffee, um ihre Ankunft zu würdigen, brachen wir auf und fuhren zum Strand.
Wir übernachteten in einem noch geschlossenen Bagno in Marina di Pisa und waren sehr froh, dass die Bauarbeiter, die am Morgen die Anlagen auf Vordermann brachten, sich nicht für uns und unsere Okkupation interessierten.

Letzte schweißtreibende Etappe
Von Pisa wollten wir langsam wieder Richtung Bologna fahren und unsere Route führte uns über Lucca, Borgo a Monzano, den Passo del Oppio zum Lago Suviana, wo wir einen Pausetag am See einlegten. Dort machten wir auch die Bekanntschaft von Roberto, einem jungen Angler, mit dem wir Essen, Bier und die Abendstunden teilten. Die letzten ca. 60 Kilometer nach Bologna gingen wir sehr gemütlich an: Wir hatten wieder über Freunde von Freunden von Freunden einen Schlafplatz in einer WG zugesichert bekommen, uns aber erst für den nächsten Tag angekündigt. Gründliches Verfahren und dadurch zu erklimmende 16%-ige Steigungen ließen uns aber dann doch nochmal ordentlich schwitzen und erschöpft verbrachten wir die letzte Nacht im Zelt auf den Hügeln über Bologna.
In der WG angekommen, machten wir sehr nette Bekanntschaften, unterhielten uns gründlich über Politik, Geschichte, den Sinn des Lebens und ähnliche Kleinigkeiten. Insgesamt verbrachten wir zwei Nächte dort, sahen uns Bologna an und feierten mit unseren Gastgebern in der prallvollen Innenstadt am 25. April den Tag der Befreiung (vom Faschismus) und ließen uns von einem Künstler für seine Fotoserie über Fahrradfahrer*innen ablichten, bevor wir nachmittags wieder in den Zug Richtung München stiegen.

Beste Reisezeit
Wir empfanden die Reisezeit im April als perfekt, da die touristischen Einrichtungen der Gegend noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht waren, das Wetter uns jedoch warme Temperaturen und viel Sonne bescherte!

Anreise

Mit den Europa-Spezial Tickets kommt man sehr günstig mit dem Nachtzug von München in verschiedene Norditalienische Städte. Das Fahrradticket kostet noch 10 Euro extra. Die Anreise war so sehr bequem und für uns vor allem eins: erschwinglich.
Entscheidet man sich für den Nachtzug, sollte man im Abteil daran denken, dass der Zug Zwischenhalte macht und Diebstahl aus den Abteilen ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Wir haben beide einen gesunden Schlaf und bemerkten erst beim Aufwachen, dass die Wertsachen, die wir an unseren Köpfen gelagert hatten, zwar noch da waren, aber eine Fahrradtasche komplett fehlte. Zum Glück fanden wir sie drei Abteile weiter, inklusive Inhalt (außer einer Tafel Schokolade).

Tipp für Venedig
In Venedig sollten schwer bepackte Radler*innen bedenken, dass es sehr viele Brücken mit Treppenstufen zu erklimmen gibt!


Einreise
Wir sind beide EU-Bürgerinnen und mussten uns dementsprechend der Einreise-Frage nicht stellen.

Sprache
Wen überrascht‘s? Italienisch. Wir konnten beide eigentlich kein Wort sprechen. Da wir Spanisch aber sehr fließend sprechen, hat die Kommunikation in Kombination mit einem Wörterbuch eigentlich ganz gut geklappt. Die interessanten und tieferen Begegnungen liefen aber auf Englisch ab.

Da die Reise sehr spontan und ungeplant war, kann ich nur wenige Tipps zur Lektüre im Vorfeld geben. Der Lonely-Planet hilft bestimmt bei grundsätzlichen Fragen weiter:
lonelyplanet.de/reiseziele/italien

Wer Interesse an gemeinschaftlicher Landwirtschaft hat, sei herzlich eingeladen sich die Internetpräsenz von Mondeggi anzusehen (nur italienisch!):
mondeggibenecomune

Vermisst haben wir auf der Reise eigentlich nur eins: Klickpedale und -schuhe! Damit wären wir die Appenninen bestimmt geschmeidiger hochgekommen.

Ansonsten waren wir mit Zelt, Schlafsack, Kochutensilien etc. unterwegs.
Da die Nächte im Gebirge aber auch noch sehr kalt werden können: Ein Schlafsack, der auch mal Null Grad aushält, sollte es schon sein.

Baden war im Mittelmeer und im Lago Suviana sehr gut möglich, die Gebirgsflüsse waren schon eher was für Kälteunempfindliche, trotzdem gilt: Badesachen auch schon im April einstecken!

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