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Teaserbild: Van-life & Elternzeit in Griechenland

Van-life & Elternzeit in Griechenland

„Wenn Sie sich für ein Kind entscheiden, dann sollten Sie aus dieser Verantwortung heraus vielleicht für ein paar Jahre nicht mehr auf große Auslandsreisen fahren“, bekomme ich nicht etwa von einem Vorbeter der CSU zu hören, sondern von einem Reisemediziner beim einem großen Outdoorausstatter. „Wieso eigentlich?“, bohrt es in mir als ich heim zu Frau und Kind radle. Weil es auch in Deutschland schön ist? Weil Elterngeld zurück in die heimische Wirtschaft fließen muss? Weil der Kleine eh noch nichts mitbekommt? Weil ein gewohntes Umfeld nur mit Haus, Auto und Fernseher geboten werden kann? Oder liegt es daran, dass außerhalb von Mitteleuropa Krankheit und Verbrechen ein Ausmaß annehmen, das ich mir nicht erträumen kann?
Weil wir das alles nicht ganz glauben können, wollen wir mit Baby ein halbes Jahr durch Europa reisen. Für einen großen Teil dieser Zeit hält es uns in Griechenland.

Weil die Rentner Europas zum Glück nur auf den ausgetretenen Hauptreisepfaden dieses Landes unterwegs sind. Abseits davon gibt es weite Berglandschaften, einsame Traumstrände, gastfreundliche Menschen und so viel kulturelles Erbe zu entdecken, dass aus dessen steinernen Überresten zum Teil schon Grundstückbegrenzungen gebaut werden.
Obwohl es auch hier offiziell nicht erlaubt ist, tagelang mit dem Bulli frei in der Gegend zu stehen, wird es bei akkuratem Verhalten doch fast überall geduldet. Spätestens nach einem deftigen Abendbrot hat der Tavernenbesitzer kein Problem damit, wenn man auf seinem Parkplatz übernachtet.
Zudem ist es in der ruhigen Vor- und Nachsaison so warm, dass das als guter deutscher Sommer durchgeht. Für uns ist außerdem wichtig, dass in der salzigen Meeresluft die neurodermitisgeplagte Babyhaut heilen kann.

Das Griechenland immer noch schwer mit den Folgen der Finanzkrise und dem Ankommen vieler Flüchtlinge zu kämpfen hat, sind aus unserer Sicht keine Hinderungsgründe für einen langen Besuch. Auf Nachfrage entgegnet uns ein Einheimischer: „Du kannst für die Politik deines Landes doch auch nichts, deswegen brauchen wir uns nicht streiten.“ Auch der wenige direkte Umgang mit Flüchtlingen war immer respektvoll.

Anreise auf der Balkanroute
Um abseits des Trubels, billig und frei reisen zu können, nutzen wir unseren mit Bett, Kocher und Solarzelle ausgebauten VW T4. Als günstigste Anreisevariante ab Sachsen kommt also nur die Fahrt über die Balkanroute in Betracht. Die Maut ist im Voraus schnell beim ADAC entrichtet (auch für Nicht-Mitglieder) und so fliegen Tschechien, die Slowakei und Ungarn so eilig am Fenster vorbei, dass keine Erwähnung nötig ist.
Können wir uns auf diesem Streckenteil noch manchen Mauteuro sparen, indem wir auf gute Landstraßen ausweichen, so ist das für die Serbiendurchquerung nicht mehr zu empfehlen. Hier lohnt sich jeder Cent für die Autobahnbenutzung.
Nach drei Tagen Anreise liegt dann auch die griechisch/mazedonische Grenze hinter uns. Insgesamt hat die Anreisemaut rund 42 € gekostet.

Willkommen in Griechenland
Um bei den Hellenen in Ruhe anzukommen ist die Halbinsel der Chalkidiki im griechischen Norden ideal. Nachdem wir es am Trubel der Großstadt Thessaloniki vorbei geschafft haben, tauchen wir tief in die Beschaulichkeit der Ostküste der Chalkidiki ein. An Auswahl für einsame Felsenbuchten mit Sandstrand gehen uns die Möglichkeiten kaum aus. Es ist Ende Mai und außer uns findet sich nirgendwo ein Tourist. Die Einheimischen geben gern Rat, an welchen Stränden es „halblegal“ gestattet ist, mit dem Auto die Nacht zu verbringen und ein älteres Ehepaar lädt uns sogar mehrfach zum Angeln, Muschelernten, Essen, Schnorcheln und allabendlichen Fachsimpeln ein.
Angeln im Meerwasser Griechenlands ist übrigens seit einiger Zeit erlaubnisfrei möglich. Fische bis drei Kilogramm dürfen entnommen werden, aber von dieser Größe sind die kleinen Happen eh weit weg.

Zur Griechenlandeingewöhnung gehört auch unbedingt das Schlemmen von Schafs- und Ziegenkäse. Jeder Ort, der etwas auf sich hält, besitzt seine eigene Käserei, deren Produkte im heimischen Dorfladen erhältlich sind. Insgesamt kommt man im Supermarkt auf ähnliche Einkaufspreise wie in Deutschland.
Im Gegensatz zum Osten ist die Westküste der Halbinsel recht touristisch und der Süden eine Mischung aus beidem.
Die autonome Mönchrepublik Ágion Óros können wir leider nicht besuchen, da hier nur Männer Zutritt erhalten und es stattdessen genug anderes zu sehen gibt, wo wir auch zu dritt reindürfen.

Thessalien und Mittelgriechenland
Dieser Teil des Landes kommt, mit Ausnahme von überlaufenen, aber trotzdem lohnenswerten Hotspots wie den Felsenklöstern von Metéora, wahrscheinlich bei vielen Griechenlandurlauben zu kurz.
Alles was es in Mittelgriechenland an touristischen Highlights gibt, findet sich zwar in jedem beliebigen Reiseführer, aber viel spannender sind für uns zufällige Entdeckungen, wie ursprüngliche Felsschluchten in denen glasklare Flüsse hinabstürzen, heiße Quellen, die sich nur mit Hilfe netter Einheimischer finden oder kleine Dörfchen im Hinterland auf deren schlechten Landstraßen Obst, Gemüse oder Honig von herausragender Qualität verkauft wird.
Wir haben hier begonnen uns treiben zu lassen, weil die persönlichen Reisehöhepunkte meist nichts mit denen der Hochglanzmagazine zu tun haben. Einzig die Ostküste zwischen Athen und Thessaloniki, sollte man besonders in den Ferien oder an schönen Wochenenden meiden, wenn man Entspannung sucht.

Peloponnes: der Inbegriff Griechenlands
Ehrlich gesagt wäre allein die Halbinsel Peloponnes mit ihren tausend Facetten eine eigene mehrwöchige Reise wert. Mit viel Zeit im Gepäck umrundet man sie am besten einmal komplett und schaut sich zwischendrin noch das Inselinnere an. Stätten wie Olympia, Mykéne, Mýstras oder Korinth genießen nicht umsonst Weltruf. Dagegen sind die Reste Spartas eine regelrechte Enttäuschung.
Trotz der großen Bekanntheit, ist es wenige Kilometer abseits der diversen Highlights sofort wieder beschaulich. Beispielsweise standen wir in den Dünen eines Strandes der Westküste für mehrere Tage und begegneten nur drei Menschen. Ebenso traumhaft ist ein Abend zwischen Olivenbäumen in den Bergen des Peloponnes oder eine Wanderung über die raue Landschaft der Máni mit festungsähnlichen Dörfern und Bergrücken, die farblich ein bisschen an die schottischen Highlands erinnern.

Genauso wie im Rest des Landes war frei mit dem Fahrzeug zu übernachten kein Problem. Lediglich auf der bergigen Halbinsel Máni war es teilweise schwierig, weil in der unwirtlichen Landschaft teils einfach kein Platz war. Dagegen ist es durchaus in Ordnung die eine oder andere Nacht mit dem Auto neben (!) der Landstraße zu verbringen, denn die waren nachts fast unbefahren.

Ein unterschätztes Individualreiseland
Da Griechenland seinen Ruf als Inbegriff von jahrtausendalter Historie natürlich nicht umsonst hat, schiebt man sich dort auch gern mal durch eine Touriattraktion, deren Eintritt mit meist drei bis zwölf Euro pro Person auch günstig ist. Dennoch wird das allein dem Land nicht gerecht. Trotz diverser Krisen und Touristenanstürme haben sich die Griechen eine große Aufgeschlossenheit, selbst gegenüber uns Langzeitreisenden mit kleinem Geldbeutel bewahrt. Wer große Städte und erschlossene Feriengebiete meidet, kann mit wenig Suche auch tagelange Ruhe finden.

Backpacken ist sicher ebenfalls eine gute Idee, aber aus unserer Sicht eignet sich für die Reise mit Kind am besten ein Van, der zudem von außen nicht nach Wohnmobil aussieht, um auch mal „getarnt“ zu stehen. Allrad wäre für manches Fleckchen zwar toll gewesen, aber irgendwie geht es auch so.

Beim Trinkwasser ist die kostenfreie Versorgung besser als in Deutschland, zumindest auf dem Festland. Die meisten Ortschaften in der Nähe der Berge haben einen Brunnen oder eine Quelle. Zwei 30Liter-Kanistern genügten uns für circa 12 Tage als Trinkwasserreserve.

Natürlich ist Griechenland kein Geheimtipp mehr, aber bei Reiseangeboten von Thailand über Nowosibirsk bis New York vergisst man leicht, welche Gastfreundschaft, Reichtum und Lebensfreude direkt vor unserer Haustür liegen. Wir würden diese Tour jederzeit wieder so gestalten und waren überrascht wie viel Abenteuer in einem eigentlich bekannten Land schlummert.

Anreise:
Da wir im eigenen Fahrzeug schlafen können, ist die Balkanroute für uns in wenigen Tagen entspannt erfahrbar (~ 1800 km). Für eine Anreise aus Süddeutschland kann aber auch der Weg über Italien und eine Adriafähre interessant sein.
Die Rastplätze auf der Anreise erschienen uns gelegentlich als zu unsicher für Übernachtungen. Hierfür haben wir meist ein paar Kilometer abseits der Autobahnen gestanden, was auch deutlich ruhiger war. Aus eigener Erfahrung raten wir jedoch von Autoübernachtungen ohne Ortskenntnis im serbisch/mazedonischen Grenzgebiet ab, da es dort zu Schusswechseln kommen kann.

Wer sie nicht vorher entrichten möchte (z.B. ADAC), kann die Maut gegen geringen Mehrpreis direkt vor Ort für das jeweilige Land erwerben.
Beispielsweise in der Slowakei sind auch die Landstraßen in Ordnung, um ggf. auszuweichen/Maut zu sparen.

Länder der Route:
Deutschland – Tschechien – Slowakei – Ungarn – Serbien – Mazedonien – Griechenland

Ein- & Ausreise:
Alle Grenzübertritte waren sowohl auf der Hin-, als auch Rückreise unkompliziert und in weniger als 30 Minuten erledigt.
Der Personalausweis und Standard-Kartenführerschein wurden überall anerkannt. Wichtig ist jedoch auch ein Reisepass fürs Kind (egal wie jung) und die grüne Versicherungskarte fürs Auto. Letztere wurde bei uns in Serbien und Mazedonien kontrolliert.
Da Griechenland zur EU gehört, gelten die üblichen Reisefreimengen (siehe zoll.de).

Beste Reisezeit:
Entgegen den Reisebüroempfehlungen mit einer optimalen Reisezeit von Mai bis Oktober würden wir den Sommer meiden. An den Tourihotspots ist noch mehr los als so schon und bei über 40 °C fühlt man sich ähnlich wie das strohig gelb gebrannte Gras in der Sonne. Angenehmer reist es sich vor oder nach dem Sommer.

Sprache:
Griechisch, Englisch und überraschend oft Deutsch

Geld:
Euro – Geld abheben war mit Kreditkarte zu keiner Zeit ein Problem. Kartenzahlung ist auch gängig, aber der Krise geschuldet nehmen die Griechen momentan lieber Bargeld.

alle Reiseberichte zur Elternzeitreise in unserem Blog:
nebendemweg

Webseite des ADAC zur Maut in Europa:
adac/maut

kostenloses Kartenmaterial fürs GPS:
freizeitkarte

  • Mülltüten, auch um Unrat anderer einzusammeln. Das erhöht die Akzeptanz Einheimischer gegenüber uns Wildcampern und macht den eigenen Platz schöner.

  • Faltbare Waschschüssel, um Geschirr, Wäsche und auch sich unproblematisch waschen zu können.
  • Grill oder Campingkocher inklusive Besteck & Topf
  • wasserdichte Wickelunterlage & ausreichend Bettlaken
  • Solarzelle, um über mehrere Tage autark zu sein.
  • lebensmittelechte Wasserkanister (z.B. von Hünersdorff)
  • Ggfs. Ersatzrad, denn viele Nebenstraßen sind mies.
  • Schnorchelsachen und ganz normaler Urlaubskram

Da der typische Griechenlandurlauber ein paar mehr Jahre auf dem Tacho hat als wir, ist es schwierig, aktuelle Individualreiseführer für Gesamtgriechenland zu finden. Um nicht mehrere Wälzer mitnehmen zu müssen, entschieden wir uns für die Ausgabe des Michael Müller Verlag von 2010: Griechenland: Reisehandbuch mit vielen praktischen Tipps.  (ISBN 978-3-89953-535-8).
An sich ist das ein gutes Buch, aber bei der Aktualität von Öffnungszeiten, Campingplätzen usw. wegen des verstaubten Erscheinungsdatum natürlich weniger hilfreich.

Außerdem hatten wir ein Tourset vom ADAC dabei. Das gibt’s für Mitglieder kostenlos und enthält zu jedem europäischen Land, das man braucht ein paar grobe Karten, wichtige Verkehrsregeln und weitere Reise-/Länderinfos für einen ersten Überblick.

Sprachführer Griechisch im Hosentaschenformat von PONS: ISBN 978-3-12-518687-3

Universal-Wörterbuch Englisch im Hosentaschenformat von Langenscheidt: ISBN 978-3-468-18128-3

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