Dein Abenteuer beginnt hier!

Teaserbild: Deutschland: Höhlentour in der Sächsischen Schweiz

Deutschland: Höhlentour in der Sächsischen Schweiz

Übers Scheitern und Wachsen – oder: Der innere Schweinehund
2018 soll mein Reisejahr werden, der Beginn war im Januar am ersten Wochenende des neuen Jahres und hier war auch die erste spannende Aktion. Höhlenklettern im Elbsandsteingebirge. Ja, die Felsen laden nicht nur dazu ein, bestiegen zu werden und in verschiedensten Höhen malerischste Aussichten zu genießen, sondern auch in unabwägbare Tiefen zu gehen und das Dunkle, Gefährliche, Geheimnisvolle zu erkunden. Abrunden kann man das Ganze, wenn man in den nahen Restaurants nach vollbrachtem Tagewerk einkehrt und der sächsischen Mundart lauscht, die die heimischen Bewohner kehlig-nuschelnd so herrlich prägen.

Boofen und Wandern im Elbi ist nach wie vor eins meiner Lieblingshobbies. Man kann mit wenig Geld mit der S-Bahn von Leipzig aus ins Elbi fahren: Sachsenticket oder Regio120plus machen das relativ kostengünstig möglich. Anders geht es auch via Mitfahrgelegenheit und deren diverse Portale, die ich jetzt nicht aufzählen werde. Vor Ort angekommen hat man dann immer die Wahl, sich ins Nationalparkgebiet zu begeben oder elbseitig abgewandt in die Natur zu laufen. Uns führte der Weg dieses Mal ins Bielatal nahe der Grenze zu Tschechien.

Der erste Versuch scheiterte
Wir hatten noch ein Projekt offen, welches wir im Januar 2017 angingen. Im vergangenen Jahr wollten wir die Wolrabshöhle begehen, die sich in der Nähe des kleinen Ortes Ottomühle befindet. Wir haben damals ein wenig schlecht geplant und wollten es diesmal besser machen.
Vor einem Jahr booften wir gute 15 km von der Höhle entfernt und machten uns am späten Vormittag mit Rucksäcken auf den Weg durch den Tiefschnee in Richtung Ottomühle. Nach ca. 3 Stunden kamen wir kaputt und ausgelaugt an der Höhle an und wagten den Einstieg. Damals sagte uns unser Körper nach noch nicht mal 3 Metern, dass es gesünder sei, abzubrechen und unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. War die richtige Entscheidung, denn in einer Höhle will man nicht unbedingt kastenfertig stecken bleiben. Gescheitert? Gesund? Keine Ahnung. Aber das Ego wollte befriedigt werden, so dass in unseren Hinterköpfen der Plan stand, das trotzdem noch durchzuziehen.
Gabor konnte spontan frei nehmen und wir verabredeten uns in Pirna, um von dort aus gemeinsam zu starten. Diesmal mit mehr Verstand und mehr Planung. Hilfreich hierzu ist der „Höhlenführer Elbsandsteingebirge von Michael Bellmann“, herausgegeben 10/2010 im Heimatbuchverlag. Blöd nur, dass der komplett vergriffen ist. Gut, wenn man Leute kennt, die auch gern solche Sachen machen. In Dresden wohnt ein guter Freund, der, mittlerweile auch Vater, leider keine Zeit hatte, mitzukommen, aber uns den Führer gerne gab.

Wohin genau geht es? Die Bennohöhle zur Aufwärmung
Dieses Mal kamen wir also erfrischt am frühen Vormittag am Parkplatz Ottomühle im Rosenthal in der Nähe zur tschechischen Grenze an und waren voller Tatendrang. Perfektes mildes Wetter, Sonnenschein, leichter Matsch und die Ruhe der Natur. Ein wenig verwundert waren wir, als aus dem Nichts eine kleine Kolonne Sixpacks der Landespolizei über die Waldwege fuhr und wir überrascht in den Graben auswichen.
Zum Aufwärmen begaben wir uns in Richtung der bekannten Bennohöhle, die auch mit Kindern eine lohnenswerte Tour verspricht, schlugen uns oberhalb davon in die Felsen und erreichten die Tiefe Höhle, auf der Skala (von 1-6, sächs. Höhlenskala) eine 3.
Kletterzeug angelegt, Helm auf, Kopflampe drauf, Seil mitgebracht, Freundin informiert, wo wir sind und ab geht’s. Zuerst eine kleine Kletterpartie nach oben, dann ab nach hinten in den Spalt und zack in die Tiefe. Nach ca. 6 bis 8 Metern kommt eine Stelle, an der wir mit Bandschlingen Sicherungen legten, um einen Standplatz zum Abseilen vorzubereiten. Das macht sich auf jeden Fall schwerer, wenn man die Arme nicht ordentlich ausstrecken kann, aber ist auf definitiv möglich. Diese Höhle war ja auch nur zur „Gewöhnung“ gedacht. Nach einer guten Stunde waren wir wieder draußen und haben uns mit ziemlich guter Laune und warmem Tee eine kurze Pause gegönnt, um uns anschließend auf den Weg über die Biela zu machen hin zur Wolrabshöhle, unserm eigentlichen Projekt.

Übers Scheitern
Auf der Skala eine 5, also schon sehr bissig, wenn man so was nur ein Mal im Jahr macht. Aber das sollte uns nicht abhalten. Nachdem wir das Mundloch in den Felsen gefunden und unser Material erneut gecheckt hatten, ging es los. 10 Meter in einen Spalt hinein, vorher entscheiden, wie rum der Kopf gedreht sei, denn das lässt sich dann erst mal nicht mehr ändern und dann mit Atmen und Quetschen vorwärts schieben. Weiter hinten kommt ein dicker Block, auf den sich eine Person setzen kann und dort hängt ein Abseilring. Wer auch immer so verrückt ist und dort einen Abseilring installiert … „Die spinnen, die Sachsen“ (Peter Brunnert). Ab jetzt wurde es erst richtig spannend. Eine 30-Meter-Talfahrt, bei der man teilweise komplett langgestreckt abseilen musste, um durch den Spalt zu passen. Schon währenddessen fragten wir uns nach dem Warum, aber dafür war es nun zu spät.
Unten angekommen, ließen wir das Seil vor Ort hängen und hatten erstmal genug Platz, um uns zu sortieren, vor allem im Kopf.
Munter weiter ging es eine ca. 5-6 Meter hohe Zacke hinauf, die verwirrenderweise mit einem Fixseil versehen war, dem wir allerdings eher nur halb vertrauten, bis wir oben die Sicherung sahen und uns daher vor allem auf den Rückweg freuten, denn die Zacke wollte man nicht unbedingt ohne Sicherung hinabsteigen. Mit Schieben, Krauchen, Klettern und Ächzen und Stöhnen arbeiteten wir uns immer weiter in die Tiefe. Mal mit den Füßen voran, in der Hoffnung, einen Tritt zu finden, mal mit dem Kopf in den Abgrund blickend.
Nach einer ganzen Weile erreichten wir eine Stelle, an der nur noch ein kleines Loch vorzufinden war. Wir fragten uns, ob das jetzt ernsthaft dort weitergehen sollte und beschlossen, an dieser Stelle zu kapitulieren. Hier liegt ein Trostbuch für alle, die sich eingestehen, dass der letzte Teil nicht machbar ist.

Harte Arbeit
Laut Höhlenführer geht es an dieser Stelle in einem ca. 25 mal 30 cm schmalen Loch 5 m nach unten. Unten öffnet sich der Raum, doch in unserer Vorstellung wären wir beide auf dem Rückweg stecken geblieben. Unser Verstand meldete uns, dass es klüger wäre, die Kraft für den Aufstieg zu sparen, der ja auch noch einen 30 m engen Spalt in die Höhe in sich barg. Nach einer Weile sprachen wir uns ziemlich einig dafür aus, an dieser Stelle aufzugeben und Verantwortung, Angst und vieles mehr gegen das Abenteuer abzuwägen und umzukehren.

Angst?
Der Rückweg zog sich auch noch mal. Verschiedene, von uns installierte Sicherungssysteme mussten wieder abgebaut werden und der 30-m-Aufstieg forderte uns den letzten Rest an Energie ab. Wenn man vorher noch nie klaustrophobische Situationen kannte – hier kam man auf jeden Fall an seine Grenzen. Mühselig ein Stück hochklettern, verklemmen im Spalt, Abseilachter nachziehen, Prusik nachziehen, weiterklettern, das Ganze von vorn. Das zieht sich und nagt ungemein an der Motivation. Der gewaltige Unterschied zum normalen Klettern besteht darin, dass wir nicht die Möglichkeit hatten, einfach zu sagen, dass jetzt Schluss sei. Oder dass der andere einen bitte ablassen solle, oder nachziehen. Oder, oder. Nein: Hier MUSST du, denn so schnell kann dir hier niemand helfen. Auch wenn dein Partner da ist, der kann nichts machen, außer motivierend zusprechen. Also heißt es, aufkommende Panikattacken wegatmen, Ruhe bewahren, weiter klemmen, spreizen, klettern, schieben und mühselig Zentimeter für Zentimeter erarbeiten.

Was für ein Sieg!
Eine Stelle war besonders schön. Da bleibst du stecken und nur während des Ausatmens ist es möglich, sich weiterzuschieben. Einatmen gleich verklemmen, ausatmen gleich weiter. Oben angekommen wunderten wir uns wieder, welcher Mensch hier bitte einen Abseilring installiert und schoben uns dankbar nach draußen. Insgesamt 3,5 Stunden waren wir in dieser Höhle und für uns war es trotz eines scheinbaren Scheiterns ein enormer Sieg über den inneren Schweinehund, der gern Dinge aufschiebt oder mal liegen lässt. Und über unsere Grenzen. Und zwar auf eine andere Art als beim Felsklettern. Das hat mit der Enge und dem Drang nach Freiheit zu tun und macht sich hier anders bemerkbar. Unser Do-it-Your-Self-Programm, um ins neue Jahr zu starten.
Der Abend brachte dann Lagerfeuer, Bier, Kochen und eine Menge Erleichterung mit sich.

Was diese Tour ausmacht?
In der absoluten Dunkelheit dehnt sich die Zeit und selbst ein einziger Tag erscheint so unendlich lange und intensiv. Grenzen lassen sich auch mal zwischendurch verschieben und der Alltag, der oft seinen Tribut im Geist fordert, kann mit anderen Augen betrachtet werden.

Beste Reisezeit
Die meiner Meinung nach beste Reisezeit ist der Winter, weil man in den Höhlen eine konstante Temperatur über dem Gefrierpunkt hat, während es draußen deutlich kälter ist. Es bietet sich an, während die Gipfel häufig nass, vereist, verschneit oder sonst nicht begänglich sind, auf Höhlenklettern auszuweichen. Man kann jedoch ebenso im Sommer, wenn es einen nach einer ordentlichen Abkühlung verlangt, Höhlentouren angehen.

Geld
Man benötigt Geld für die Anreise und Verpflegung, alles in allem kann man das sehr günstig halten mit bis zu 20 €, es sei denn, man beschließt, für ein gemütliches Essen eine der urigen deutschen oder tschechischen Gaststätten aufzusuchen. Dann entsprechend mehr kalkulieren, im Schnitt kann man überall im Grenzgebiet mit Euro zahlen.

Anreise
Mit der S-Bahn von Leipzig aus ins Elbi fahren. Sachsenticket oder Regio120plus ermöglichen eine günstige Reise.

Wichtiger Tipp
Für alle, die noch nicht Höhlenklettern waren: Sucht euch jemanden, dem ihr wirklich vertraut. Und gebt einen ungefähren Zeitraum an einen Menschen raus, in dem ihr euch wieder meldet. Sagt vorher, wo ihr seid und wie lange es ungefähr dauert. Denn wenn tatsächlich die Bergrettung informiert werden muss, dann ist es wichtig zu wissen, wo die gute Rettungsmannschaft suchen müsste. Daher ist auch ein relativ gutes Zeitempfinden auf jeden Fall nicht schlecht.

bergsteigerbund 
Die Seite des sächsischen Bergsteigerbunds wartet aktualisiert mit allen wichtigen Informationen rund um Gipfel, Selbsthilfeboxen, Nummern der Bergwacht und Naturschutzbelange auf.

wandern-saechsische-schweiz
Auf dieser Website findet man alles Wissenswerte rund um die Sächsische Schweiz, angefangen bei den einzelnen Gebieten, über Tourenbeschreibungen mit Kindern, Erwachsenen etc. bis hin zu einer Liste von Boofen (Felsvorsprünge, Dächer zum Nächtigen).

saechsische-schweiz
Der Link zu einer Website, die dem Wanderer dazu verhilft, sich online Touren zu planen, die man offline abrufen kann; sehr nützlich für alle Freunde der modernen Technik.

  • gute Planung ist das A und O dieser Tour! Also vorab gut recherchieren.
  • Kopflampe für immer ausreichend Sicht im Dunkel
  • Helm ist zur Sicherheit des Kopfes eine wichtiger Ausrüstungsgegenstand
  • Sicherungsmaterial wie Gurt, Seil und Sicherungsgerät
  • Aber vor allem ein Partner, der sich selbst gut kennt und einschätzen kann und in den wichtigen Momenten mit am Start ist

 

Zur Planung eine Wanderkarte der Sächsischen Schweiz, Herausgeber Rolf Böhm, 1:30.000, Verlag Böhm, Rolf
Eine schöne Karte mit Liebe zum Detail, wirkt wie handgemalt für 7,80 €

Ein Höhlenführer:
Höhlenführer Elbsandsteingebirge“ von Michael Bellmann“, herausgegeben 10/2010 im Heimatbuchverlag

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